In der folgenden Arbeit wird der strukturelle Aufbau von Pestordnungen im damaligen Preußen untersucht. Dabei wird die Frage, inwiefern die Pestordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts als Wegbereiter des Gesundheitswesens angesehen werden können, eine zentrale Position einnehmen. Im Zuge dessen wird zunächst die Fragestellung kontextualisiert, indem ein kurzer Überblick zum Inhalt von Pestordnungen und deren Veränderung im 14., 16. und schließlich im 17. und 18. Jahrhundert geben wird. Danach erfolgt eine kurze Definition des Begriffes Gesundheitswesen, die aus dem Jahre 2007 stammt, um einen Ausblick geben zu können, welche Aufgaben ein Gesundheitswesen heutzutage hat. Im Fokus des dritten Teils steht die Betrachtung der ergriffenen Maßnahmen zur Vor-, Für- und Nachsorge der Pest in der Frühen Neuzeit in Preußen.
Im 14. Jahrhundert wurden besonders in italienischen Städten vielerlei Maßnahmen präventiver Art ergriffen, die ihre Triebfeder in der Miasmen-Theorie fanden. Dazu zählten die Isolierung sowohl von kranken Menschen als auch solchen, die lediglich im Verdacht der Seuche standen, das Ausräuchern von Häusern, das Benutzen von Duftwässern und das Tragen von Schutzmasken, um die schlechten Gerüche abzuhalten und zu vertreiben. Des Weiteren das Säubern der Straßen und das Verriegeln von Häusern, in denen Infizierte wohnten. Als wirksamstes Mittel gegen die Pest galt die „Flucht aus den verpesteten Gebieten“. Im Jahre 1549 wurde auf Geheiß des Bürgermeisters und Rates von Königsberg, welches seit 1724 die Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen war, ein Pestbuch vom deutschen Arzt Andreas Aurifaber publiziert. Er spezifizierte die Maßnahmen, indem er sie in „vorbeugende öffentliche Maßnahmen“ und „individuelle vorbeugende Maßnahmen“ unterteilte. Zu den vorbeugenden öffentliche Maßnahmen gehörte wenig das Haus zu verlassen und jegliche Feierlichkeiten zu untersagen, das Verbot, die Nachttöpfe auszugießen und die Aufforderung durch Räucherungen die üblen Gerüche zu vertreiben. Zu den individuellen vorbeugenden Maßnahmen zählte das Tragen von „Holzbüchsen mit Schwämmen, die mit Riechstoffen getränkt“ waren, die Kontrolle des Gewichts durch „Diät“ oder „Abführen“ sowie „Aderlässe“. Die Menschen sollten sich „nicht baden“, sondern lediglich „Abreibungen mit warmen Tüchern […] vornehmen“. Auch zu den Ruhezeiten wurden besondere Verordnungen angeführt: „höchstens sieben Stunden Schlaf, höchstens eine Stunde Mittagsruhe“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pestordnungen – Inhalt und Veränderungen vom 14. bis 18. Jahrhundert
2.1 Pestordnungen im 14. Jahrhundert
2.2 Pestordnungen im 16. Jahrhundert
2.3 Pestordnungen im 17./18. Jahrhundert
3. Gesundheitswesen
3.1 Definition Gesundheitswesen
4. Preußische Rechtsquellen
4.1 Vorsorge (1664-1729)
4.1.1 Vorsorge in den Jahren 1664-1680
4.1.2 Vorsorge im Jahr 1709
4.1.3 Vorsorge im Jahr 1729
4.2 Fürsorge (1709-1729)
4.2.1 Fürsorge im Jahr 1709
4.2.2 Fürsorge im Jahr 1729
4.3 Nachsorge (1709-1729)
4.3.1 Nachsorge im Jahr 1709
4.3.2 Nachsorge im Jahr 1729
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des frühen preußischen Gesundheitswesens vom 17. bis zum 18. Jahrhundert, indem sie den strukturellen Aufbau und die Veränderung von Pestordnungen analysiert, um deren Bedeutung als Wegbereiter moderner Gesundheitsstrukturen zu bewerten.
- Analyse von Vor-, Für- und Nachsorgemaßnahmen bei Pestepidemien.
- Untersuchung von Preußischen Rechtsquellen (Corpus Constitutionum Marchicarum).
- Kontextualisierung der Pestordnungen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert.
- Herausarbeitung der systematischen Abriegelung als frühe Form der Gesundheitsverwaltung.
- Bewertung des Einflusses von Epidemien auf die innere Struktur Preußens.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Vorsorge im Jahr 1709
Friedrich I. weitete die Maßnahmen zur Prophylaxe aus und fügte auch vermehrt Ordnungen betreffend der Für- und Nachsorge hinzu. Im Reglement vom 14. November 1709 betreffen diese Maßnahmen nicht nur Grenzgebiete, sondern insbesondere die innere Ordnung.
An gesunden Orten sollte eine Kontrolle von Einreisenden, in diesem Fall werden spezifisch die „Jahrmarckts=Leute“(!) genannt, erfolgen. Die Individualisierung des Passträgers wurde durch „Beschreibung der Statur, Kleidung, Haar“ eingeführt. Es reichte nicht mehr, dass Fremde einen Schein und Pass vorweisen konnten. Bevor sie von Einwohnern aufgenommen werden durften, sollten sie examiniert und erst dann durchgelassen werden.
Die Kommunikation wurde weiter eingeschränkt, indem ein Briefwechsel-Verbot zwischen Gesunden und Infizierten auferlegt wurde. Zudem gab es bei viel frequentierten Geschäften („Apothecken, […] Kra=mern, Beckern, Bierzäpffern und dergleichen Leute[n]“(!) Gitter, vor denen jeder stehen bleiben musste. Damit sollte Fremden die Angst vor infizierten Orten genommen und einer Ansteckung vorgebeugt werden.
Jegliches Vergnügen wurde verboten und es folgte die Forderung, die „Feyerung des Sonnta=ges, streng und heilig zu halten“(!). Die Rückkehr zur Frömmigkeit wurde verlangt, da die Pest als Strafe Gottes für die Sünden der Menschen und damit als „göttliche[r] Zorn“ angesehen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Persistenz der Pest und stellt die Forschungsfrage, inwieweit Pestordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts als Wegbereiter für das moderne Gesundheitswesen fungierten.
2. Pestordnungen – Inhalt und Veränderungen vom 14. bis 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über präventive Maßnahmen gegen die Pest und zeigt den Wandel der Strategien über mehrere Jahrhunderte hinweg auf.
3. Gesundheitswesen: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung durch die Definition des Begriffs Gesundheitswesen, um die Relevanz der Untersuchung für die Gegenwart zu unterstreichen.
4. Preußische Rechtsquellen: Das zentrale Kapitel analysiert anhand ausgewählter Edikte und Reglements die spezifischen Maßnahmen der Vor-, Für- und Nachsorge im Zeitraum von 1664 bis 1729 in Preußen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Pest entscheidend zur Entwicklung systematischer staatlicher Gesundheitsstrukturen in Preußen beigetragen hat.
Schlüsselwörter
Pestordnungen, Preußen, Gesundheitswesen, Frühe Neuzeit, Vor- und Fürsorge, Nachsorge, Seuchenbekämpfung, Corpus Constitutionum Marchicarum, Medizinaledikt, Hygienevorschriften, Isolationspolitik, Infektionskrankheiten, Verwaltungsgeschichte, Preußische Rechtsquellen, Seuchenprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Gesundheitswesens in Preußen während des 17. und 18. Jahrhunderts, ausgehend von behördlichen Verordnungen zur Seuchenbekämpfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Analyse der Pestordnungen, die staatliche Organisation der Vor-, Für- und Nachsorge sowie die Anfänge der Gesundheitsverwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Pestordnungen als Impulsgeber für die Etablierung eines systematischen, staatlichen Gesundheitswesens in Preußen dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Analyse der „Corpus Constitutionum Marchicarum“, einer umfangreichen Sammlung preußischer Edikte und Rechtsquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Vorsorge, Fürsorge und Nachsorge und vergleicht diese anhand verschiedener historischer Zeitabschnitte, insbesondere 1664–1680, 1709 und 1729.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pestordnungen, Frühe Neuzeit, Preußische Rechtsquellen, Seuchenbekämpfung und die Entwicklung der Gesundheitsverwaltung.
Welche Rolle spielte das Consilium medicum?
Das Consilium medicum war eine zentrale Behörde, die 1685 eingerichtet wurde und als ein wichtiger Vorläufer moderner Gesundheitsbehörden fungierte.
Wie veränderte sich der Umgang mit Toten im Laufe des untersuchten Zeitraums?
Die Arbeit zeigt eine zunehmende Professionalisierung und Reglementierung durch Gesundheitsinspektoren und Totengräber, inklusive strenger Hygienevorschriften und Abtransportregelungen.
Welchen Einfluss hatte die Religion auf die Seuchenbekämpfung?
In den frühen Phasen wurde die Pest oft als göttlicher Zorn interpretiert, was zu Verordnungen führte, die eine Rückkehr zur Frömmigkeit und die Einhaltung heiliger Ruhetage forderten.
Wird auch die Viehseuche thematisiert?
Ja, die Arbeit untersucht das Edikt von 1729, welches sich speziell dem vorschriftsmäßigen Verhalten bei Viehseuchen und der Schutzkleidung für Menschen widmet.
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- Sarah Ignor (Author), 2015, Die Pestordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts als Wegbereiter des modernen Gesundheitswesens?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371407