Diese Hausarbeit untersucht die Theodizee von Gottfried Wilhelm Leibniz, als eines der bedeutendsten Werke der Philosophie, unter den Fragestellungen: „Was ist die Theodizeefrage? Haben die Ansichten von Leibniz bestand? Kann Leibniz die Frage letztendlich lösen?“. Aufgrund der umfassenden Arbeit von Leibniz ist es kaum möglich, alle Argumente wiederzugeben und zu analysieren. Folglich beschränkt sich der Autor auf die grundlegende Argumentation, die zu dem Beweis führt, dass unsere Welt die beste aller darstellt. Hierzu ist es notwendig, die Einteilung der Übel ebenfalls näher zu betrachten.
Voltaires „Candide“ und Immanuel Kants Abhandlung „Über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee (1791)”, geben anschließend einen kritischen Blick auf die zuvor erarbeiteten Argumente. Dessen ungeachtet wird der Autor zunächst systematisch einleiten und mit einem kurzen Überblick über die Geschichte der Theodizeefrage bis in die Zeit der Aufklärung beginnen. Es folgt der Hauptteil mit der eigentlichen Analyse der Argumente. Letztendlich kommt der Schluss, mit der Funktion einer Zusammenfassung und Beantwortung der bereits erwähnten Fragestellungen.
Nicht aktueller könnte die Theodizeefrage sein. Terroranschläge und Kriege beherrschen noch immer den Nahen Osten. Seit Charlie Hebdo’ rückt Europa immer weiter in das Fadenkreuz von Terroristen und IS-Anhängern. Passend dazu veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung eine erschreckende Chronologie: „2016 - Jahr des Terrors für Deutschland“.Insgesamt neun Ereignisse, die das Jahr geprägt haben, finden ihre Darstellung. In Anbetracht der Ereignisse scheint der Glaube an einen Gott, der uns vor dem Übel und Leid der Welt zu retten versucht, zu sinken. Trotz dessen entgegnete uns bereits Leibniz 1710, dass wir in der besten aller möglichen Welten’ leben. Aber wie ist diese Aussage vereinbar mit den Übeln der Welt? Konnte Gott keine bessere Welt schaffen?
Einen möglichen Erklärungsversuch dokumentierte Gottfried Wilhelm Leibniz in seinem Buch „Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal“, kurz Théodicée (später Theodizee). Er prägte damit, die religiösen und philosophischen Überlegungen des 18. Jahrhunderts und setzte die seit der Antike diskutierte Frage nach der Rechtfertigung Gottes fort und verlieh der Frage neuen Gehalt, in dem er Gott vor dem „Gerichtshof der Vernunft“ anklagte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtliche Einführung
3. Leibniz: Leben in der Bestmöglichen Welt
3.1. Die Übel der Welt
4. Kritik: Candide oder der Optimismus
5. Kant und das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee
6. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theodizee-Problematik, insbesondere die Frage nach der Vereinbarkeit eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes mit der Existenz von Übel und Leid in der Welt. Dabei wird der rationale Erklärungsansatz von Gottfried Wilhelm Leibniz analysiert und kritisch den Positionen von Voltaire sowie Immanuel Kant gegenübergestellt, um zu prüfen, ob das Theodizee-Problem philosophisch lösbar ist oder ein unauflösbares Mysterium bleibt.
- Die historische Genese und Definition des Theodizee-Begriffs.
- Leibniz' Argumentation der „besten aller möglichen Welten“ und die Einteilung der Übel.
- Voltaires literarische Kritik an der optimistischen Weltsicht in „Candide“.
- Kants philosophische Widerlegung der Möglichkeiten einer rationalen Theodizee.
- Die Bedeutung von Glaube und Vernunft im Kontext der Theodizee-Frage.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Übel der Welt
Es wurde bewiesen, dass Gott der Urheber der vollkommensten Welt ist. Andererseits ist es nur Gott der die Vollkommenheit in sich vereinigt und den Menschen „[...] nicht alles geben [konnte], ohne sie zum Gott zu machen; er mußte also stufenweise Unterschiede in der Vollkommenheit der Dinge und ebenso Beschränkungen jeder Art [schaffen]“ (Leibniz 1968: 117).
Die Unvollkommenheit des Menschen wird infolgedessen als metaphysisches Übel bezeichnet. Gleichermaßen ergeben sich aus dieser begrenzten Empfänglichkeit physische sowie moralische Übel (vgl. Leibniz 1968: 110f). Moralische Übel entspringen der menschlichen Natur zu fehlen bzw. zu sündigen und ist „[...] niemals ein ordentlicher Gegenstand des göttlichen oder ein zulässiger Gegenstand eines erschaffenen Willens [...]“ (Leibniz 1968: 112). Physische Übel, also Leid und Schmerz sind notwendig für ein größeres Gut oder gottgewollt als Strafe bzw. als Warnung zu verstehen (vgl. Leibniz 1968: 112). Ein moralisches Übel hingegen gründet in einem Menschen verursachten, körperlichen Leid und darf nur in Kauf genommen werden, wenn es notwendig ist für das Erreichen des Guten (vgl. Leibniz 1968: 112f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Theodizee-Frage vor dem Hintergrund aktueller Krisen und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Geschichtliche Einführung: Darstellung der historischen Wurzeln des Theodizee-Begriffs von der Antike bis zur Aufklärung.
3. Leibniz: Leben in der Bestmöglichen Welt: Analyse der Leibnizschen Hauptthese einer durch Gott geschaffenen besten aller möglichen Welten trotz existierender Übel.
3.1. Die Übel der Welt: Differenzierung der verschiedenen Arten von Übeln (metaphysisch, moralisch, physisch) nach Leibniz.
4. Kritik: Candide oder der Optimismus: Untersuchung der literarischen Kritik Voltaires am Leibnizschen Optimismus anhand seiner Novelle.
5. Kant und das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee: Analyse von Kants Kritik an der rationalen Theodizee-Begründung und seine Einordnung des Theodizee-Problems.
6. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der Theodizee-Frage und Reflexion über die Grenzen menschlicher Vernunft bei der Deutung Gottes.
Schlüsselwörter
Theodizee, Leibniz, Gott, Übel, Optimismus, Aufklärung, Voltaire, Kant, Moral, Schmerz, Welturheber, Vernunft, Philosophie, Metaphysik, Hiob
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids in der Welt, bekannt als Theodizee-Problematik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Leibnizsche Theorie der besten aller möglichen Welten, die literarische Kritik durch Voltaire und die erkenntnistheoretische Auseinandersetzung durch Immanuel Kant.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Leibniz die Theodizee-Frage rational lösen kann oder ob Kant recht hat, dass solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Analyse philosophischer Hauptwerke und Argumentationsfiguren durchgeführt, ergänzt durch einen literaturkritischen Vergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theodizee bei Leibniz, Voltaires satirische Entgegnung und Kants detaillierte Widerlegung philosophischer Theodizee-Versuche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Theodizee, Leibniz, Gott, Übel, Vernunft und Optimismus.
Wie unterscheidet Leibniz die drei Arten von Übeln?
Er unterteilt sie in metaphysische Übel (menschliche Unvollkommenheit), physische Übel (Leid und Schmerz) sowie moralische Übel (Sünde durch den Menschen).
Warum hält Kant die Theodizee für nicht lösbar?
Kant argumentiert, dass die menschliche Vernunft die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes gegenüber dem Übel nicht vollständig begreifen kann, da dies die Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens übersteigt.
Welche Rolle spielt die Erzählung des Hiob in Kants Argumentation?
Kant deutet Hiob als Beispiel für eine "authentische Theodizee", bei der der Mensch seinem Glauben treu bleibt, ohne zu versuchen, Gott theoretisch oder wissenschaftlich zu rechtfertigen.
- Citation du texte
- Max Hillebrand (Auteur), 2016, Die Theodizeefrage nach Leibniz. Eine kritische Betrachtung der Theorie im Vergleich mit Voltaire's "Candide oder der Optimismus" und mit Kant's Abhandlung "Über das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371460