In diesem Text befasse ich mich mit der Frage, inwieweit rationale Bildungsentscheidungen Auswirkungen auf die kompensatorische Wirkung von Ganztagsschulen auf soziale Ungleichheiten haben. Dazu wird zunächst erläutert, was genau unter sozialer Ungleichheit zu verstehen ist und wie der Prozess der rationalen Bildungsentscheidungen definiert wird. Nachdem ich danach kurz auf die unterschiedlichen Konzepte von Ganztagsschulen eingegangen bin, fasse ich die Kernaussagen von den Autoren Ivo Züchner und Natalie Fischer (2014) zum Thema Kompensation sozialer Ungleichheiten in Ganztagsschulen zusammen. Aus diesen verschiedenen Ergebnissen wird dann der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die rationalen Bildungsentscheidungen auf die Kompensation sozialer Ungleichheiten in Ganztagsschulen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Ungleichheit und Bildungsentscheidungen
2.1 Definition der sozialen Ungleichheit
2.2 Rationale Bildungsentscheidungen
3. Ganztagsschulen in Deutschland
3.1 Definition und Konzepte
3.2 Kompensatorische Wirkungen von Ganztagsschulen
3.2.1 Teilnahme am Ganztagsangebot
3.2.2 Förderung der individuellen Entwicklung
3.2.3 Tatsächliche Kompensation von Nachteilen sozialer Herkunft
4. Analyse der Wechselwirkungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit rationale Bildungsentscheidungen die kompensatorische Wirkung von Ganztagsschulen auf soziale Ungleichheiten beeinflussen und ob diese schulischen Angebote einen Ausgleich für benachteiligte soziale Herkunft schaffen können.
- Grundlagen der sozialen Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse
- Theoretischer Rahmen rationaler Bildungsentscheidungen
- Konzepte und Typologien von Ganztagsschulen
- Empirische Befunde zur Wirksamkeit der Ganztagsförderung
- Konflikt zwischen ökonomischer Kosten-Nutzen-Abwägung und kompensatorischer Zielsetzung
Auszug aus dem Buch
Rationale Bildungsentscheidungen und ihre Auswirkung auf die Kompensation sozialer Ungleichheiten in Ganztagsschulen
Um zunächst den Begriff der sozialen Ungleichheit zu erläutern, muss man zunächst die Begriffe „Soziologie“ und „Sozialstruktur“ erklären. Die Soziologie befasst sich als Wissenschaft mit Menschen als Angehörige bestimmter sozialen Klassen oder Gruppen und deren Beziehungen untereinander, wie zum Beispiel Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Bildungsgruppen (vgl. Solga et al. 2009: 13). Eine Sozialstruktur ist in dem Sinne vorhanden, wenn diese Beziehungen zwischen Gruppen einen dauerhaften und regulierten Charakter haben (vgl. Solga et al. 2009: 13) beziehungsweise ein relativ stabiles System sozialer Beziehungen in einer Gesellschaft vorhanden ist (vgl. Solga et al. 2009: 13). Soziale Systeme basieren auf Ressourcen, wie zum Beispiel Kapital, Bildung, Macht oder Einkommen (vgl. Solga et a. 2009: 14). Die unterschiedliche Ressourcenverteilung bestimmt Ungleichheiten innerhalb der verschiedenen sozialen Beziehungen des Systems.
So können Ungleichheiten in einem sozialen System auf Grund der unterschiedlichen Handlungsressourcen entstehen. Diese sind entsprechend der jeweiligen sozialen Position des Individuums unterschiedlich beziehungsweise ungleich verteilt. Diese sozialen Positionen sind in Institutionen einer Gesellschaft aufzufinden, wie zum Beispiel dem Arbeitsmarkt, Bildungssystem, Familie, Religion oder Staat (vgl. Solga et al. 2009: 14). An die sozialen Positionen sind Erwartungen und Aufgaben (Rollenmuster) gebunden, sodass allein diese Positionen schon bestimmte Handlungsressourcen unabhängig von dem Individuum vorgeben (vgl. Solga et al. 2009: 14). Neben der sozialen Ungleichheit ist ein zentrales Thema dieser Arbeit der Prozess der rationalen Bildungsentscheidungen. Die modernen Theorien der rationalen Entscheidungen im Bildungswesen basieren größtenteils auf den Überlegungen von Raymond Boudon. Dieser definiert Bildungsentscheidungen „als Resultat der Abwägung von Kosten und Nutzen verschiedener Bildungsalternativen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Wechselwirkung zwischen individuellen Bildungsentscheidungen und dem kompensatorischen Potenzial von Ganztagsschulen.
2. Soziale Ungleichheit und Bildungsentscheidungen: Dieses Kapitel erläutert soziologische Grundlagen der Ressourcenverteilung sowie die Theorie der rationalen Bildungsentscheidungen nach Boudon, Breen und Goldthorpe.
3. Ganztagsschulen in Deutschland: Es werden verschiedene Ganztagsschulkonzepte definiert und der aktuelle Forschungsstand zu deren kompensatorischer Wirkung sowie zu Teilnahmequoten analysiert.
4. Analyse der Wechselwirkungen: Hier wird untersucht, warum die ökonomische Logik rationaler Entscheidungen und das pädagogische Ziel der Förderung benachteiligter Kinder oft gegeneinander wirken.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Kompensation primärer Ungleichheitseffekte durch Ganztagsschulen nur schwer möglich ist, da rationale Kalküle der Eltern meist vorrangig auf Statuserhalt zielen.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Ganztagsschule, Bildungsentscheidung, rationale Entscheidung, Primäre Effekte, Sekundäre Effekte, Bildungsungleichheit, Ressourcenverteilung, Kompensation, StEG-Studie, Humankapitaltheorie, relative Risikoaversion, Bildungserfolg, Schulerfolg, Sozialstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen dem Prozess rationaler Bildungsentscheidungen und dem Ziel von Ganztagsschulen, soziale Ungleichheiten zu kompensieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologische Ungleichheitsforschung, Theorien rationaler Entscheidungen im Bildungswesen und die pädagogische Evaluation von Ganztagsschulangeboten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit rationale Bildungsentscheidungen die kompensatorische Wirkung von Ganztagsschulen auf soziale Ungleichheiten beeinflussen oder gar abschwächen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die zentrale theoretische Konzepte und empirische Ergebnisse (insbesondere der StEG-Studie) zusammenführt und kritisch miteinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Konzepte der sozialen Ungleichheit, die Logik von Kosten-Nutzen-Abwägungen bei Bildungsentscheidungen sowie die empirischen Daten zur Wirkung von Ganztagsschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind soziale Ungleichheit, rationale Bildungsentscheidung, Ganztagsschule, primäre/sekundäre Effekte, relative Risikoaversion und Kompensationsleistung.
Warum lassen sich primäre Effekte kaum durch Ganztagsschulen kompensieren?
Primäre Effekte resultieren aus der schichtspezifischen Ausgangslage und sind durch schulische Maßnahmen nach der Einschulung kaum zu verändern, da sie tief in den familiären Ressourcenstrukturen verwurzelt sind.
Welche Rolle spielt die relative Risikoaversion der Eltern?
Eltern entscheiden bei der Bildungsplanung primär nach dem Ziel der Vermeidung sozialen Abstiegs; dieses rationale Kalkül steht oft im Widerspruch zu pädagogischen Fördermaßnahmen, die von sozial benachteiligten Gruppen aufgrund der Kosten oft weniger genutzt werden.
- Quote paper
- Louis Schiemann (Author), 2016, Rationale Bildungsentscheidungen und ihre Auswirkung auf die Kompensation sozialer Ungleichheiten in Ganztagsschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371501