Eine Exegese zur Sabattfrage im Neuen Testament

Markus 3, 1-6


Quellenexegese, 2017
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literarkritik
2.1 Kontextanalyse
2.2 Textanalyse / Synoptischer Vergleich

3. Traditionskritik
3.1 Traditionsgeschichtliche Analyse
3.2 Begriffs und Motivgeschichte
4. Formkritik
4.1 Gattungsbestimmung
4.2 Sitz im Leben

5. Redaktionsgeschichte / Kompositionskritik

6. Interpretation
6.1 Gesamtauslegung
6.2 Hermeneutische Zugänge

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis
8.1 Quellen und Hilfsmittel
8.2 Sekundärliteratur

Bibelübersetzung

Elberfelder Bibel

3 Und er ging wieder in die Synagoge; und es war dort ein Mensch, der eine verdorrte Hand hatte. Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf (und tritt) in die Mitte. Und er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, das Leben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. Und er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verhärtung ihres Herzens, und spricht zu dem Menschen: Streck die Hand aus! Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt. Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten mit den Herodianern sofort Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Exegese soll der Text aus Markus 3, 1-6 genauer betrachtet werden. Die Übersetzung, an der ich mich hierfür orientieren möchte, ist die „Elberfelder Bibel mit Erklärungen“. Da es sich bei dem Seminar zur neutestamentlichen Exegese um ein Seminar ohne griechisch Kenntnisse handelte, wird die Übersetzung vom Griechischen ins Deutsche in dieser Exegese nicht berücksichtigt.

Zu Beginn soll der Text in einen Kontext eingeordnet werden, dafür werde ich kurz erläutern, was vor und nach dem Text geschieht und welche Folgen dieser für das weitere Geschehen hat.

Anschließend werde ich untersuchen, um welche Gattung es sich bei der vorliegenden Perikope handelt und wieso diese so schwierig einzuordnen ist. Daraus folgt dann der sogenannte „Sitz im Leben“ der untersucht, warum die Perikope kanonisch geworden ist und welche Bedeutung diese für die Urchristlichte Gemeinde hatte. Sehr spannend wird zum Abschluss noch die Interpretation des Textes. Hierbei soll es vor allem darum gehen, sich persönlich mit dem Text auseinanderzusetzen und zu bestimmen, welche Bedeutung die Perikope für die heutigen Christen einnimmt.

Für den Text Mk 3,1-6 habe ich mich entschieden, da ich hier ein hohes Schlüsselpotential vermute. Der Text ist sowohl für die vorangestellten Ausschnitte als Abschluss zu betrachten, also auch für den weiteren Verlauf des Evangeliums nicht unerheblich.

2. Literarkritik

2.1 Kontextanalyse

Im folgenden Abschnitt soll sowohl der engere, als auch der weitere Kontext der Perikope untersucht werden. Es geht mir vor allem darum herauszustellen, welche Bedeutung diese Wundergeschichte für den weiteren Verlauf des Markusevangeliums hat. Betrachtet man zunächst den engeren Kontext von Markus 2,1-3,6 fällt auf, dass dieser Abschnitt aus vier unterschiedlichen Geschichten Jesu besteht. Der größere Zusammenhang wird vorerst nicht deutlich. Beim genaueren Untersuchen ist dann zu erkennen, dass es sich in diesem Abschnitt um vier Streitgespräche zwischen Jesus und den Schriftgelehrten bzw. Pharisäern handelt.

Mk 3, 1-6 markiert das Ende der Streitgespräche, der Todesbeschluss, der in Vers 6 gefällt wird, ist als literarischer Höhepunkt zu verstehen. Durch alle Streitgespräche mit den Pharisäern spitzt sich die Situation um Jesus zunehmend zu.

Die erste Perikope Mk 2, 1-12 steht unter dem Titel „Heilung eines Gelähmten“ und beschreibt eine Situation, in der Jesus einem Gelähmten seine Sünden vergibt, woraufhin die Schriftgelehrten zu lästern beginnen, dass doch nur Gott Sünden vergeben könne. Jesus unterstreicht diese Sündenvergebung mit den Worten „Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus“ Der Gelähmte stand von seiner Trage auf, nahm sein Bett und ging. Diese Wunderheilung offenbarte den Menschen die Macht Gottes, sodass sie alle am jubeln waren.

Die nächste Perikope, Mk 2, 13-17, erzählt von der Berufung des Levi zur Nachfolge.

Anschließend sitzt Jesus mit vielen Sündern und Zöllnern die ihm gefolgt waren zu Tisch. Die Pharisäer sind darüber empört und konfrontieren seine Jünger. Jesus aber antwortet mit dem berühmten Satz: „Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.“ In Markus 2, 18-22 lesen wir über die Frage nach dem Fasten und dem Grund des Nicht- fastens der Jünger Jesu. Während die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten, taten die Jünger Jesu dies nicht, von den Pharisäern darauf angesprochen begründet Jesus dies darin, dass er noch auf der Welt sei. Die nächste Perikope Mk 2, 23-28 erzählt von einer Konfrontation zwischen Jesus und den Pharisäern über die Einhaltung des Sabbatgebots. Auf das Verhalten seiner Jünger am Sabbat erklärt Jesus den Pharisäern, dass nicht der Mensch zum Willen des Sabbats geschaffen wurde, sondern der Sabbat zum Willen des Menschen.

Diese Perikope handelt, ebenso wie Mk 3, 1-6, von den Sabbatvorschriften, ist also thematisch ähnlich einzuordnen. Es bleibt die Frage, ob beide Ereignisse am gleichen Sabbat stattgefunden haben, oder ob dazwischen einige Tage oder Wochen vergangen sind. Zum Abschluss und zur Bestätigung alles bisher Gesagten, steht die Perikope Mk 3, 1-6. Die Konfrontation zwischen Jesus und den Pharisäern ist auf dem Höhepunkt angelangt, als er ihnen sagt, dass etwas Gutes am Sabbat zu unterlassen heißt etwas Böses zu tun. Die Pharisäer verlassen die Synagoge und halten Rat mit den Herodianern, mit dem Ziel Jesus umzubringen.

An dieser Stelle verbünden sich die Gruppen der Pharisäer und der Herodianer miteinander, obwohl sie sonst Gegner waren. Ersterer Gruppe geht es um die Einhaltung des religiösen Gesetzes und letzterer um die öffentliche Ordnung, doch nun verfolgen sie ein gemeinsames Ziel. (vgl. Elberfelder Bibel, S. 1307)

Die fünf Streitgespräche von Markus 2,1 sind inhaltlich alle sehr ähnlich, in jedem geht es um eine Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern und Schriftgelehrten. Ab Mk 3,7 ist ein anderer inhaltlicher Schwerpunkt zu erkennen, hier wird das erste mal deutlich, dass Jesus der Sohn Gottes ist, wobei er dies nicht explizit erwähnt (Messiasgeheimnis).

Insgesamt sind diese fünf Perikopen als Mikrokontext einzuordnen, da die Streitgespräche alle eine gemeinsame Aussage haben: Die Vollmacht Gottes auf Erden, Jesus steht über der Sünde und dem Gesetz (vgl. Schweizer, S. 37). Betrachtet man als Makrokontext das gesamte Markusevangelium, ist hier schon deutlich eine Verheißung zu erkennen, der letzte Vers der Perikope kündigt den Todesbeschluss der Pharisäer gegen Jesu an. Die tatsächliche Verurteilung durch den hohen Rat findet sich in Mk 14,64 und die Verurteilung durch Pilates in Mk 15,15.

2.2 Textanalyse / Synoptischer Vergleich

Im Rahmen der Literarkritik soll nun im folgenden der Aufbau des Textes genauer analysiert werden. Der Fokus liegt in dieser Perikope auf den unterschiedlichen Erzählsträngen und den Brüchen im Text.

Beim ersten Lesen des Textes ist nicht direkt ersichtlich, um welche Gattung es sich handelt. Der Text enthält sowohl Merkmale einer Wundererzählung im biblischen Sinne, als auch Merkmale eines Streitgesprächs wie in den vorausgegangenen Texten. Betrachtet man die Perikope versweise, ist ein reger Wechsel zwischen beiden Gattungen zu beobachten. Die Perikope als Ganzes weist typische Merkmale eines narrativen Textes auf. Zunächst werden in Vers 1 die Hauptfiguren und der Handlungsort vorgestellt. Der Leser erfährt, dass es im Text um Jesus (nicht namentlich genannt) und einen Mann mit einer verdorrten Hand geht, die sich im Tempel befinden. Durch diese Einführung wird beim Leser die Erwartung einer Heilungsgeschichte geweckt, denn meist, wenn Jesus Menschen mit körperlichen Gebrechen traf, heilte er sie von ihren Leiden.

Im zweiten Vers wird diese Erwartungshaltung vorerst nicht erfüllt. Weitere für die Geschichte elementaren Menschen werden als „sie“ in die Handlung eingebunden. Diese weiteren Menschen stellen für die Handlung die Antagonisten. Deutlich wird dies in dem Satz: „Und sie lauerten auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten“. Für den Leser wird hierdurch klar, dass auch die weiteren Personen neben Jesus und dem Mann mit der verdorrten Hand darauf hofften, dass nun eine Wunderheilung stattfindet. Die Rolle als Antagonisten nehmen sie dadurch ein, dass sie auf ein Vergehen warten, welches für eine Anklage genügt. Dies bedeutet, dass die bislang nicht weiter definierten Menschen Jesus bereits kennen, sie waren ihm gegenüber nicht positiv gestimmt. Dieser Fakt verleitet zu der frühen Annahme, dass es sich bei diesen Menschen um Pharisäer handeln könnte.

In Vers 3 fordert Jesus den Kranken auf in die Mitte zu treten, diese Handlung ist bereits aus anderen Heilungsgeschichten bekannt, in denen Jesus allein durch sein Wort Wunder vollbringt. In Vers 4 beginnt das eigentliche Streitgespräch, Jesus stellt den Pharisäern die rhetorische Frage, ob es denn am Sabbat erlaubt wäre Gutes zu tun oder ein Leben zu retten. An dieser Stelle bezeichne ich die Frage als rhetorisch, da es darauf nur eine richtige Antwort gibt, diese schneidet sich aber mit den strikten Sabbatvorschriften der Pharisäer. Die auf die Frage folgende Entrüstung ist am Ende von Vers 4 zu erkennen, denn die Pharisäer gaben Jesus keine Antwort, sie schwiegen. Daraufhin wird in Vers 5 deutlich, wie zornig und betrübt Jesus über diese Reaktion ist. Er vollbringt die Heilung an dem Kranken allein durch sein Wort und er spricht: „Strecke die Hand aus“ und der Mann streckte sie aus und die Hand heilte. Nach Vers 5 ist die Heilungsgeschichte abgeschlossen, Jesus hat getan, was die Pharisäer sehen wollten. Darauf folgt in Vers 6 unweigerlich die von den Pharisäern angekündigte Anklage, sie treffen sich mit den Herodianern, um zu beschließen, wie sie Jesus umbringen könnten. Dies ist das erste mal, dass im Markusevangelium davon gesprochen wird, dass Jesus sterben wird und dient als Grundlage für die kommende Passionsgeschichte. Demnach könnte Mk 3,6 ein Schlüsselvers zum Verstehen des gesamten Evangeliums sein.

Zur Erarbeitung des synpotischen Vergleichs werde ich mich an der Zwei-Quellen-Theorie orientieren, die die drei Synoptiker und ihre jeweiligen Quellen miteinander in Verbindung setzt.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Eine Exegese zur Sabattfrage im Neuen Testament
Untertitel
Markus 3, 1-6
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V371584
ISBN (eBook)
9783668495593
ISBN (Buch)
9783668495609
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, exegese, sabattfrage, neuen, testament, markus
Arbeit zitieren
Friederike Feldmann (Autor), 2017, Eine Exegese zur Sabattfrage im Neuen Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371584

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