Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel


Term Paper (Advanced seminar), 2017
22 Pages, Grade: 1,7

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis.

1. Einleitung.

2. Soziale Bildungsungleichheit

3. Fragestellung.

4. Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel
4.1. Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn.

5. Unterschiede in den Bildungsergebnissen.

6. Diskussion.

7. Maßnahmen.

8. Fazit

Literaturverzeichnis.

Anhang.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die geschlechtsspezifischen Bildungsungleichheiten wurden bereits in den 60er Jahren von den deutschen Bildungspolitikern und Bildungssoziologen thematisiert.

Hierbei machte man sich im Sinne der Bildungsforschung auf die Suche nach sogenannten „Begabungsreserven“ und fand in unterschiedlichen Recherchen heraus, dass eine aktive Bildungspolitik an bestimmten sozialen Gruppen anzusetzen habe: Arbeiterkindern, Landkindern, katholischen Kindern und Mädchen.

Schnell wurde aus dieser Diagnose die statistische Kunstfigur der „katholischen Arbeitertochter vom Lande“ und entwickelte sich zügig zu einem geflügelten Wort, „um mehrdimensionale und kumulative strukturelle Benachteiligungen im deutschen Bildungssystem zu charakterisieren.“ (Geißler 2005, S. 2)

Aus der Öffentlichkeit und den wissenschaftlichen Diskussionen wurde dieses Thema bis vor einigen Jahrzehnten noch weitgehend verdrängt, ist heute jedoch präsenter denn je. Die Größe des Geschlechterunterschiedes wird im wissenschaftlichen Diskurs breit debattiert und auch in der Frage danach, was den Bildungserfolg beeinflussen könnte, wird der Fokus auf das Geschlecht als diskrete und eigenständige Variable gelegt.

Um ein umfassenderes Verständnis von sozialer Bildungsungleichheit zu bekommen, wird im Folgenden näher darauf eingegangen.

2. Soziale Bildungsungleichheit

Soziale Ungleichheiten sind „differente Zugangschancen zu allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und Positionen, die zugleich mit ungleichen Macht-, Anerkennungs- und Interaktionsmöglichkeiten einhergehen und [...] zu ‚strukturierter sozialer Ungleichheit’ führen“. (Gottschall 2000, S. 23)

Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten sind eine Dimension der sozialen Ungleichheiten und bestehen im deutschen Bildungssystem vor allem in Abhängigkeit von Nationalität, sozialer Herkunft und Geschlecht. (vgl. Ditton 2008, S. 247)

Im deutschsprachigen Raum dominieren viele Vermutungen über ihre Entstehung aber nur wenige überzeugende Analysen über eindeutige empirische Befunde zu den Ursachen geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheit.

3. Fragestellung

Die folgende Arbeit konzentriert sich auf die Betrachtung der Bildungsungleichheiten in Abhängigkeit vom Geschlecht und soll der Frage nachgehen, inwiefern sich diese Ungleichheiten im Laufe der Zeit gewandelt haben.

Hierzu wurde bereits eine kurze Definition sozialer Bildungsungleichheiten gegeben.

Im Folgenden wird der Blick auf den Wandel der Bildungsungleichheiten gewendet, wobei aktuelle Befunde aus verschiedenen Studien einen Überblick über die aktuelle Lage geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten und Unterschieden in den Bildungsergebnissen liefern sollen.

Die anschließende Diskussion soll Möglichkeiten aufzeigen, wie auf verschiedenen Interventionsebenen in Richtung eines Abbaus der heute bestehenden Ungleichheiten hingewirkt werden könnte.

4. Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel

In Deutschland sowie in vielen weiteren europäischen Ländern zeigte sich in den letzten Jahren ein enormer Wandel in der Bildungsbeteiligung der Geschlechter. Während in den 1960er Jahren noch die einflussreiche Kunstfigur des katholischen Arbeitermädchens vom Lande als Hinweis auf die symbolische Schlechterstellung von Mädchen und Frauen im deutschen Bildungssystem dominierte, haben die Frauen die Männer heutzutage beim Bildungserwerb in vieler Hinsicht überholt. (vgl. Becker/ Müller 2011, S. 55f.)

In den 60er Jahren stellten Mädchen lediglich 37% der Abiturienten und 30% der Studienanfänger an Hochschulen dar. Erst die Diskussion um die Ungleichheit der Bildungschancen in den 60er Jahren ermutigte die Mädchen dazu, die besseren Schulleistungen auch in angemessene Bildungsabschlüsse umzusetzen. (vgl. Pross 1969, S. 19ff.)

Dieser Aufholprozess lässt sich mit dem gestiegenen Nutzen erklären, den Frauen aus Bildung ziehen. Sie zahlt sich nicht nur für den Beruf aus, sondern schafft Frauen höhere Stabilität in der Ehe und Partnerschaft sowie ein geringeres Verarmungsrisiko infolge einer Scheidung.

Während Frauen früher noch für Familie und Kinder verantwortlich waren, können sie heutzutage die Schwangerschaft und Familienplanung weiter nach hinten schieben und sich verstärkt auf ihren Bildungsweg konzentrieren.

Zudem können sie ihren Lebenslauf auch ohne Partner oder Kinder planen und somit ihre Bildungsphase verlängern.

Die Investition in Bildung wird für Frauen aufgrund der zunehmend außerhäuslichen Erwerbstätigkeit ebenso wichtig wie für Männer, wodurch sich die Bildungsmuster der beiden Geschlechter immer weiter angleichen. (vgl. Becker/ Müller 2011, S. 61ff.)

Betrachtet man Abb.1, so kann man feststellen, dass Frauen sich immer mehr Frauen an Weiterbildungen beteiligen. Vergleicht man die Jahre 2007 bis 2014, so zeigt sich deutlich, dass Frauen 2014 um acht Prozentpunkte mehr an Weiterbildung teilnehmen als 2007.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Weiterbildungsbeteiligung nach Geschlecht, in %

Datenbasis: Bundesministerium für Bildung und Forschung, online: http://www.datenportal.bmbf.de/portal/de/Tabelle-2.7.15.html

[Stand: 05.03.2017] - eigene Darstellung

4.1. Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn

Betrachtet man also den Bildungserfolg in Form von Bildungsbeteiligung und dem Erwerb von Zertifikaten und nicht in Form von Kompetenzen, hat die Entwicklung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern einen anderen Verlauf genommen, als die Entwicklung der vertikalen Ungleichheiten, also von einem gesellschaftlichem „oben“ und „unten“.

Ein historischer Rückblick zeigt, dass Ostdeutschland Westdeutschland bei der Gleichstellung der Geschlechter im Bildungssystem etwa eineinhalb bis zwei Jahrzehnte voraus war.

Seit Mitte der 90er Jahre stellen Mädchen einen sehr hohen Anteil an Abiturienten mit allgemeiner Hochschulreife und seit einigen Jahren auch an Studierenden an Universitäten dar.

In Westdeutschland konnten die Mädchen erst in den 80er Jahren den Vorsprung zu den Jungen aufholen, überholten diese sogar in den 90er Jahren. Diese Entwicklung kann als „nachholende Modernisierung“ bezeichnet werden.

2015 sind bereits 37,9% der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife weiblich, was erneut einen Vorsprung gegenüber den Jungen (30,3%) verdeutlicht. (vgl. Statistisches Bundesamt 2015, online: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/AbsolventenAbgaenger_Abschlussart.html [Stand 05.03.2017])

Die Unterschiede in den Kompetenzen variieren nach Geschlecht, Alter und Schulform. „Die Leistungsstudien führen allesamt zu dem Schluss, dass Mädchen [...] im Durchschnitt bessere Leistungen als Jungen erbringen.“ (Cornelißen 2003, S. 226)

Aufgrund sozialer Barrieren, etwa durch traditionelle Vorstellungen über die Rollentrennung der Geschlechter, wurden Mädchen jedoch daran gehindert, die Bildungszertifikate zu erreichen, die ihren Noten entsprachen.

Diese durch die Gesellschaft gebildeten geschlechtsspezifischen Muster gehen mit unterschiedlichen Herangehensweisen an den Lernprozess einher. So hängt das inzwischen eingetretene Bildungsdefizit der Jungen in gewisser Weise mit geschlechtstypischen Sozialisationsprozessen zusammen.

Schularbeit, Gewissenhaftigkeit und Fleiß werden als feminin angesehen, weshalb einige Jungen bewusst versuchen, sich davon zu distanzieren, um ihr Bild von Männlichkeit aufrecht zu erhalten. Der Fleiß und die Arbeitshaltung der Mädchen könnten somit mögliche Ursachen für deren bessere Leistungen sein.

Eine weitere Erklärung für den Geschlechterunterschied im Bildungserfolg ist neben der Konstruktion des Geschlechts durch die Gesellschaft die Bildung geschlechtsspezifischer Stereotypen durch die Schülerinnen und Schüler selbst. Damit gehen unterschiedliche Verhaltensweisen einher, welche wiederum einen Einfluss auf den Bildungserfolg haben.

Diese Verhaltensweisen sind habituell und oft eher unbewusst, da unterschiedliche Faktoren, wie Alter, Schultyp, soziale Schicht oder Ethnizität einen großen Einfluss auf die Geschlechterkonstruktionen der Lernenden haben.

Den „Peer-groups“ kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Schülerinnen und Schüler setzen sich meist in gleichgeschlechtlichen Gruppen zusammen. Ein hoher Status in den männlichen Peer-groups ist meist mit einer spezifischen Konstruktion von Männlichkeit verbunden, welche allgemein als „laddish“, d.h. als machohafte bzw. draufgängerische Maskulinitätskonstruktion bezeichnet wird.

Die sogenannte „laddish-construction“, also das traditionelle Bild von Männlichkeit gilt als anti-akademisch, d.h. es ist einfach nicht cool, hart zu arbeiten oder in der Schule Leistungen zu erbringen.

„Laddish expressions of masculinity“, also draufgängerische und machohafte Auslebungen von Maskulinität, gelten oftmals auch als alternative Methode, um den Selbstwert wiederherzustellen, der durch negative Schulerfahrungen beeinträchtigt wurde.

Doch dies ist nicht zu verallgemeinern, denn nicht alle Jungen streben ein geringes akademisches Leistungsniveau an, um ihren sozialen Status in der Gruppe zu erhalten. (vgl. Francis/ Skelton 2011, S. 385ff.)

Diese Einstellungen gehen jedoch auch mit einem geringeren Bildungserfolg einher. Somit haben die „laddish-behaviours“, die mit dem traditionellen Männlichkeitsbild einhergehenden Verhaltensweisen, eine negative Auswirkung auf die Leistungen bzw. den Bildungserfolg. (vgl. Francis/ Skelton 2011, S. 283ff.)

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Details

Title
Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel
College
University of Education Ludwigsburg
Grade
1,7
Author
Year
2017
Pages
22
Catalog Number
V372010
ISBN (eBook)
9783668509931
ISBN (Book)
9783668509948
File size
707 KB
Language
German
Tags
Soziale Ungleichheit, Soziologie, Geschlecht, Bildungsungleichheiten, Bildungssystem
Quote paper
Luisa Wagner (Author), 2017, Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372010

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