Die folgende Arbeit konzentriert sich auf die Betrachtung der Bildungsungleichheiten in Abhängigkeit vom Geschlecht und soll der Frage nachgehen, inwiefern sich diese Ungleichheiten im Laufe der Zeit gewandelt haben.
Hierzu wurde bereits eine kurze Definition sozialer Bildungsungleichheiten gegeben.
Im Folgenden wird der Blick auf den Wandel der Bildungsungleichheiten gewendet, wobei aktuelle Befunde aus verschiedenen Studien einen Überblick über die aktuelle Lage geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten und Unterschieden in den Bildungsergebnissen liefern sollen.
Die anschließende Diskussion soll Möglichkeiten aufzeigen, wie auf verschiedenen Interventionsebenen in Richtung eines Abbaus der heute bestehenden Ungleichheiten hingewirkt werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Bildungsungleichheit
3. Fragestellung
4. Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel
4.1. Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn
5. Unterschiede in den Bildungsergebnissen
6. Diskussion
7. Maßnahmen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel geschlechtsspezifischer Bildungsungleichheiten im deutschen Bildungssystem. Dabei wird analysiert, wie sich die Fokusverschiebung von der „katholischen Arbeitertochter“ hin zu Jungen mit Migrationshintergrund vollzogen hat und welche Faktoren diese Entwicklung sowie die schulischen Leistungsergebnisse beeinflussen.
- Wandel der Bildungsbeteiligung nach Geschlecht
- Einfluss von Geschlechterstereotypen und Peer-Groups auf den Schulerfolg
- Die Rolle der Benotung und des „gender match“ zwischen Lehrkraft und Schülerschaft
- Interdependenzen zwischen ethnischer Herkunft, sozialem Status und Bildungschancen
- Ansätze zur Minderung von Benachteiligungen durch gezielte schulische Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn
Betrachtet man also den Bildungserfolg in Form von Bildungsbeteiligung und dem Erwerb von Zertifikaten und nicht in Form von Kompetenzen, hat die Entwicklung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern einen anderen Verlauf genommen, als die Entwicklung der vertikalen Ungleichheiten, also von einem gesellschaftlichem „oben“ und „unten“.
Ein historischer Rückblick zeigt, dass Ostdeutschland Westdeutschland bei der Gleichstellung der Geschlechter im Bildungssystem etwa eineinhalb bis zwei Jahrzehnte voraus war.
Seit Mitte der 90er Jahre stellen Mädchen einen sehr hohen Anteil an Abiturienten mit allgemeiner Hochschulreife und seit einigen Jahren auch an Studierenden an Universitäten dar.
In Westdeutschland konnten die Mädchen erst in den 80er Jahren den Vorsprung zu den Jungen aufholen, überholten diese sogar in den 90er Jahren. Diese Entwicklung kann als „nachholende Modernisierung“ bezeichnet werden.
2015 sind bereits 37,9% der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife weiblich, was erneut einen Vorsprung gegenüber den Jungen (30,3%) verdeutlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die historische Entwicklung der geschlechtsspezifischen Bildungsungleichheit, von der „katholischen Arbeitertochter“ hin zu aktuellen Diskursen über das Geschlecht als eigenständige Variable.
2. Soziale Bildungsungleichheit: Hier werden soziale Ungleichheiten definiert und die spezifischen Dimensionen des deutschen Bildungssystems in Bezug auf Nationalität, soziale Herkunft und Geschlecht erläutert.
3. Fragestellung: Das Kapitel präzisiert das Ziel der Arbeit, den Wandel der Bildungsungleichheiten über die Zeit zu betrachten und Interventionsmöglichkeiten zum Abbau bestehender Benachteiligungen zu diskutieren.
4. Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel: Dieses Kapitel analysiert den enormen Wandel in der Bildungsbeteiligung und die zunehmende Angleichung oder Umkehrung der Geschlechterrollen im Bildungswesen.
4.1. Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn: Es wird dargelegt, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Benachteiligung von der Arbeitertochter hin zu bildungsschwachen Migrantensöhnen verschoben hat.
5. Unterschiede in den Bildungsergebnissen: Der Fokus liegt hier auf PISA-Studien und den Leistungsunterschieden in Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften sowie auf der Bedeutung von Lesekompetenz.
6. Diskussion: Das Kapitel hinterfragt die Ursachen von Rollenbildern und reflektiert die politische und gesellschaftliche Verantwortung zur Herstellung von Chancengerechtigkeit.
7. Maßnahmen: Hier werden pädagogische und schulische Handlungsoptionen aufgezeigt, um Geschlechterstereotype abzubauen und Jungen wie Mädchen gleichermaßen zu fördern.
8. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass soziale Herkunft heute eine wesentlichere Ursache für Bildungsungleichheit darstellt als das Geschlecht und plädiert für einen stärkeren bildungspolitischen Fokus auf benachteiligte soziale Schichten.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Geschlechtsspezifische Unterschiede, Bildungserfolg, Chancengerechtigkeit, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, PISA-Studie, Gender Mainstreaming, Soziale Herkunft, Stereotypen, Lernmotivation, Schulleistung, Bildungspolitik, Chancengleichheit, Sozialisationsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den historischen und aktuellen Wandel von geschlechtsspezifischen Bildungsungleichheiten im deutschen Bildungssystem unter Berücksichtigung sozialer und ethnischer Faktoren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem Wandel der Bildungsbeteiligung von Männern und Frauen werden der Einfluss von Stereotypen, die Rolle der Lehrkräfte bei der Benotung und die Verschiebung der Benachteiligung hin zu Migrantensöhnen behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Entwicklung der Geschlechterdifferenzen im Bildungswesen nachzuvollziehen und Interventionsmöglichkeiten zur Förderung der Chancengerechtigkeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Bildungsstudien (wie PISA), historischer Rückblicke und bildungspolitischer Diskurse basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Umkehrung der Bildungserfolge zwischen den Geschlechtern, der Rolle der Motivation und den sozialen Barrieren, die den Bildungserfolg beeinflussen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten beschreiben?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsungleichheit, Geschlecht, soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit und Migrationshintergrund charakterisiert.
Wie verändert sich die Rolle des „Geschlechter-Matches“ bei der Benotung?
Die Arbeit zeigt auf, dass ein gleiches Geschlecht zwischen Lehrkraft und Schüler nicht zwingend zu einem besseren Bildungserfolg führt, sondern Stereotype unter Umständen sogar verfestigen kann.
Warum wird heute von einer „Metamorphose“ bei der Benachteiligung gesprochen?
Der Begriff beschreibt den gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, bei dem nicht mehr das „katholische Arbeitermädchen“ als Sinnbild der Bildungsbenachteiligung gilt, sondern zunehmend Jungen aus bildungsfernen Migrantenfamilien.
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- Luisa Wagner (Author), 2017, Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten im Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372010