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Rachel Dolezal und die diskursive Verhandlung rassischer und geschlechtlicher Identität

Titre: Rachel Dolezal und die diskursive Verhandlung rassischer und geschlechtlicher Identität

Thèse de Master , 2017 , 105 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Bachelor of Arts Sebastian Steidle (Auteur)

Sociologie - Relations et Famille
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion von Geschlechtern und Rassen anhand der Analyse der medialen Bearbeitung der Person Rachel Dolezals. Fokus wird hier insbesondere auf die Frage gelegt, welche Vorstellungen darüber existieren, ob das Geschlecht oder die Rasse gewechselt werden könne (Transgender bzw. Transracial), und was überhaupt eine Frau zur Frau und eine Schwarze zur Schwarzen macht.

Am elften Juni 2015 sorgte Rachel Dolezal, Dozentin für afrikanische und afroamerikanische Studien an der Eastern Washington University und Präsidentin der lokalen Abteilung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), in den USA und darüber hinaus für einen medialen Skandal. Die Frau, die sich seit Jahren für die Rechte von Afroamerikanern einsetzt und die von sich selbst behauptete, als Schwarze unter der anhaltenden Rassendiskriminierung in Amerika zu leiden, wurde von ihren Eltern als Weiße "geoutet".

Rachel Dolezal hatte zu diversen Anlässen angegeben, Tochter einer weißer Mutter und eines schwarzen Vaters zu sein. An ihrer Identität als Schwarze schien bis dahin kaum Zweifel aufgekommen zu sein. Im Juni 2015 traten jedoch ihre (biologischen und sozialen) Eltern in Kontakt mit der Presse und verkündeten, dass ihre Tochter keinerlei schwarze Vorfahren habe und dass es einen "Fakt" darstelle, dass ihre Tochter Kaukasierin sei . Von der Frau mit schwarzem, gekräuseltem Haar und hellbraunem Hautteint, wurden Fotos veröffentlicht, welche sie als Teenagerin mit blondem, glattem Haar, bleicher Haut und Sommersproßen zeigten. Im Anschluss daran wurde Rachel Dolezal zum Subjekt einer landesweiten Debatte darüber, ob eine Person ihre Rasse wechseln könne. Immer wieder wurde hierbei der Bezug auf die Transgenderthematik gesucht, also die Frage, ob eine Person ihr Geschlecht wechseln könne.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Der Fall Rachel Dolezal

2. Methodologische Vorgehensweise

2.1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung

2.2 Forschungsmethode: Wissenssoziologische Diskursanalyse

2.3 Datenerhebung und Auswertung

3. Die soziale Praxis des Kategorisierens

3.1 Die Kategorisierungsschemata Geschlecht und Rasse

3.2 Die Kategorien Transgender und Transracial

4. Grundzüge der Debatte

5. Die diskursive Deviantisierung Rachel Dolezals

6. Die Diskurse des Feldes

6.1 Der Konservative Diskurs

6.2 Der Liberale Diskurs

6.3 Der Postmoderne Diskurs

7. Das dominante Transgendernarrativ

8. Konkurrierende Essenzkonstruktionen

8.1 Biologischer Essentialismus

8.2 Mentaler Essentialismus

8.3 Soziologischer Essentialismus

8.3.1 Soziologischer Geschlechteressentialismus und der Transgenderkritische-Feministische Diskurs

9. Die Logik und Norm von Repräsentation und Authentizität

10. (Schicksals-)Gemeinschaften oder intime Qualitäten?

11. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Debatte um Rachel Dolezal als einen politisch-symbolischen Kampf um die Deutungshoheit über die Kategorien Rasse und Geschlecht. Dabei wird analysiert, wie Identitäten als ontologische Gewissheiten ausgehandelt werden und warum das Konzept „Transgender“ eine zunehmende Akzeptanz erfährt, während „Transracial“ als illegitim oder absurd bewertet wird.

  • Analyse der sozialen Konstruktion von Rasse und Geschlecht
  • Untersuchung der diskursiven Deviantisierung von Rachel Dolezal
  • Gegenüberstellung verschiedener Diskurse (konservativ, liberal, postmodern)
  • Deutung der Rolle von Authentizität und Identität in sozialen Kategorisierungsprozessen
  • Kritische Reflexion über die „Transgender“- und „Transracial“-Analogie

Auszug aus dem Buch

3. Die soziale Praxis des Kategorisierens

Klassifikationen stellen einen basalen Bestandteil einer jeden sozialen Ordnung, wie auch eine Daseinsgrundlage für die menschlichen Fähigkeiten zu Sprache und Erkenntnis, dar. Sie reflektieren nicht nur das Denken und Wissen, sondern konstituieren es erst, indem sie eine Konzeptualisierung von Realität erlauben (Vgl. Bowker/Star 2000; Jenkins 2008: 7; Keller 2011a: 244). Klassifizieren kann als wechselseitiger Prozess des Benennen (Identifizierens) und Erschaffen von Gemeinsamkeiten, Differenzen und den Grenzen zwischen ihnen, verstanden werden.

Aus Sicht der wissenssoziologischen Diskursanalyse sind Klassifikationen „mehr oder weniger ausgearbeitete, formalisierte und institutionell stabilisierte Formen sozialer Typisierungsprozesse“ (Keller 2011a: 244). Wie jeder Sprachgebrauch teilt auch die Sprachverwendung in Diskursen die Welt in bestimmte Kategorien auf. Sie entwerfen über Klassifikationen nicht nur die Wirklichkeitsbereiche von denen sie handeln, sondern zwischen Diskursen finden auch Wettstreite um solche Klassifikationen und deren Interpretation statt (Keller 2011a: 239ff.). Hierbei ist der Performativität diskursiver Aussagen im Allgemeinen und von diskursiven Klassifikationen im Speziellen, zu beachten, dernach die Deutung und Konstruktion von Wirklichkeit in der diskursiven Aussagepraxis zusammenfallen. Jede Klassifizierung führt zu einer gewissen Anschauungsweise eines Gegenstands und verschweigt und unterdrückt andere Sichtweisen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Fall Rachel Dolezal: Einführung in den medialen Skandal um Rachel Dolezal und die anschließende öffentliche Kontroverse über ihre Identität.

2. Methodologische Vorgehensweise: Erläuterung der wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Rainer Keller als theoretisches und methodisches Fundament der Arbeit.

3. Die soziale Praxis des Kategorisierens: Theoretische Herleitung der Bedeutung von Klassifikationen als Grundlage menschlicher Erkenntnis und sozialer Ordnung.

4. Grundzüge der Debatte: Analyse der ersten medialen Reaktionen, die den Fall als kuriosen Betrugsfall darstellten.

5. Die diskursive Deviantisierung Rachel Dolezals: Untersuchung, wie Dolezal als soziale Abweichlerin konstruiert wurde, um die Grenzen bestehender Kategorien zu sichern.

6. Die Diskurse des Feldes: Differenzierte Betrachtung des konservativen, liberalen und postmodernen Diskurses in der Debatte.

7. Das dominante Transgendernarrativ: Analyse, wie das Transgendernarrativ als Stützkonstruktion der Geschlechterordnung fungiert.

8. Konkurrierende Essenzkonstruktionen: Untersuchung biologischer, mentaler und soziologischer Essentialismen bei der Definition von Identität.

9. Die Logik und Norm von Repräsentation und Authentizität: Reflexion über die Forderung nach Übereinstimmung zwischen innerem Sein und sozialer Rolle.

10. (Schicksals-)Gemeinschaften oder intime Qualitäten?: Auseinandersetzung mit der kollektiven Identitätsbildung im Vergleich zwischen Rasse und Geschlecht.

11. Fazit: Zusammenführende Reflexion der Ergebnisse über die Stabilität und Veränderbarkeit rassistischer und geschlechtlicher Klassifikationssysteme.

Schlüsselwörter

Wissenssoziologische Diskursanalyse, Rachel Dolezal, Kategorisierung, Identität, Transgender, Transracial, Boundary Work, Biologischer Essentialismus, Mentaler Essentialismus, Soziologischer Essentialismus, Authentizität, soziale Konstruktion, Rassismus, Geschlecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit analysiert die öffentliche mediale Debatte um Rachel Dolezal, die sich als Schwarze ausgab, obwohl sie keine schwarzen Vorfahren hat, und vergleicht diesen Fall mit der Debatte um Caitlyn Jenner.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind soziale Identitätskonstruktion, die Kategorisierung von Rasse und Geschlecht sowie die Mechanismen, durch die Gesellschaften diese Kategorien als „natürlich“ oder „wahr“ legitimieren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu verstehen, wie und warum Identitätswechsel innerhalb bestimmter Kategorien (wie „Transgender“) als legitim angesehen werden, während andere (wie „Transracial“) als moralisch verwerflich oder unmöglich diskreditiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) nach Rainer Keller, um öffentliche Medienberichte und Online-Publikationen strukturiert auszuwerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Diskurse (konservativ, liberal, postmodern) und untersucht verschiedene Formen des „Essentialismus“ (biologisch, mental, soziologisch), die zur Untermauerung von Kategorien herangezogen werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätspolitik, Boundary Work, Essentialismus, soziale Konstruktion, Authentizität und die soziologische Praxis des Kategorisierens.

Warum wird der Fall Rachel Dolezal mit Caitlyn Jenner verglichen?

Der Vergleich dient dazu, die unterschiedlichen moralischen und diskursiven Maßstäbe aufzudecken, die angewandt werden, wenn es um die angebliche „Natürlichkeit“ von Geschlechtsidentität gegenüber der rassischen Identität geht.

Welche Rolle spielen die Eltern von Rachel Dolezal in der Debatte?

Die Eltern fungieren als „moralische Autoritäten“, deren Aussagen zur Herkunft der Tochter genutzt werden, um deren Verhalten als Betrug oder „racial hoax“ zu etikettieren und somit die Eindeutigkeit der rassischen Ordnung zu bewahren.

Was besagt das „dominante Transgendernarrativ“ laut dieser Analyse?

Es besagt, dass Transgender-Identitäten durch ein „wahres inneres Selbst“ legitimiert werden, was das binäre Geschlechtersystem eher bestätigt als in Frage stellt, indem der Wechsel als Angleichung an eine innere Wahrheit umgedeutet wird.

Warum wird „Transracial“ im liberalen Diskurs abgelehnt?

Das Konzept wird abgelehnt, weil es als Versuch gesehen wird, sich Privilegien anzueignen, ohne die historische Erfahrung systemischer Unterdrückung (die als Essenz von „Schwarz-Sein“ definiert wird) tatsächlich geteilt zu haben.

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Résumé des informations

Titre
Rachel Dolezal und die diskursive Verhandlung rassischer und geschlechtlicher Identität
Université
University of Tubingen  (Soziologie)
Note
1,3
Auteur
Bachelor of Arts Sebastian Steidle (Auteur)
Année de publication
2017
Pages
105
N° de catalogue
V372015
ISBN (ebook)
9783668515871
ISBN (Livre)
9783668515888
Langue
allemand
mots-clé
Rasse Geschlecht Ethnie Humandifferenzierung Soziale Kategorisierung Diskursanalyse Transgender Transracial
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Bachelor of Arts Sebastian Steidle (Auteur), 2017, Rachel Dolezal und die diskursive Verhandlung rassischer und geschlechtlicher Identität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372015
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Extrait de  105  pages
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