Die Erkrankung Anorexia nervosa ist ein in den Medien immer wieder auftauchendes Phänomen. Betrachtet man die Fachliteratur, die sich mit dem Krankheitsbild der Anorexia nervosa befasst, stellt man schnell fest, dass dort überwiegend von weiblichen Betroffenen die Rede ist.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Ursachen es haben könnte, dass mehr Frauen und Mädchen von der Erkrankung betroffen sind als Männer oder Jungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anorexia nervosa
2.1.Soziodemografische Daten
2.2. Lebenswelt der anorektischen Kinder und Jugendlichen
2.2.1. Familiendynamik
2.2.2. Soziologische Einflüsse
3. Warum sind bedeutend mehr Frauen von einer Anorexia nervosa betroffen?
3.1. Frauenrolle
3.2. Adoleszenz
3.3. Schönheitsideale
4. Warum werden Männer anorektisch?
4.1. Männerrolle
4.2. Adoleszenz
4.3.Schönheitsideale
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die geschlechtsspezifische Diskrepanz bei der Entstehung von Anorexia nervosa, wobei der Fokus insbesondere auf den Faktoren liegt, die Frauen stärker betreffen als Männer. Zentral ist dabei die Analyse, inwiefern gesellschaftliche Rollenbilder, familiäre Dynamiken und die Herausforderungen der Adoleszenz das Krankheitsbild begünstigen.
- Familiäre Interaktionsmuster und deren Einfluss auf die Autonomieentwicklung.
- Die Rolle weiblicher Sozialisation und die Abwehrtraditionen in der Adoleszenz.
- Der Einfluss westlicher Schönheitsideale und medialer Vermittlung.
- Vergleichende Betrachtung geschlechtsspezifischer Rollenbilder.
- Der "Adoniskomplex" als männliches Äquivalent und die Besonderheiten männlicher Essstörungen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Frauenrolle
Wie bereits beschrieben setzt die Anorexia nervosa mit besonderer Häufung mit dem Beginn der Adoleszenz ein. Für Jugendliche ist dies die Zeit, in der sie ihre eigene Identität finden. Dadurch kommt es zu einem Auflehnen gegen die Autorität der Eltern und deren vorgelebten Rollenbildern. Dabei ist es jedoch fraglich, wie ein solches Aufbegehren bei anorektischen Kindern und Jugendlichen gelingen kann, bedenkt man die beschriebenen typischen Familieninteraktionen von Verstrickung, Überfürsorglichkeit, Konfliktvermeidung und Rigidität.
Für Mädchen bedeutet das Einsetzen der Adoleszenz sich mit der Rolle als Frau auseinander zu setzen. Dabei lehnen die anorektischen Mädchen oft das von ihren Müttern vorgelebte Frauenbild strickt ab (Gerlinghoff und Backmund 2004, S. 66 ff).
„Ich wusste, dass ich als Frau nicht mein eigenes Leben leben kann. Mir wurde jede Mündigkeit, jedes eigenverantwortliche Handeln als Mädchen abgesprochen. Meine Mutter war mir ein lebendes Beispiel dafür, was mich als Frau erwartete; das machte mir Angst und schreckte mich ab.“ (Gerlinghoff und Backmund 2004, S. 66 )
Weiter beschreiben Gerlinghoff und Backmund (2004, S. 65) dass manche anorektische Mädchen schon früh gelernt haben, dass Frauen gegenüber Männern benachteiligt sind. Bis zu dem einsetzen der Adoleszenz gelingt es den Mädchen eine Rolle als Junge einzunehmen. Dies wird jedoch mit zunehmenden weiblichen Rundungen und vor allem dem Einsetzen der ersten Menstruation zunehmend unmöglich. Durch das Verweigern von Nahrung lassen sich die in der Adoleszenz beginnenden weiblichen Entwicklungen, wie Menstruation und das Entstehen der sekundären Geschlechtsmerkmale unterdrücken. Das Ablehnen der weiblichen Rolle, derer sich die Mädchen in der Adoleszenz zu Gänze bewusst werden, kann als ein Grund für das verstärkte Auftreten von Anorexia nervosa bei Frauen in Betracht gezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Thematik und formuliert die Fragestellung nach den Ursachen der ungleichen Geschlechterverteilung bei Anorexia nervosa.
2. Anorexia nervosa: Dieses Kapitel definiert das Krankheitsbild, gibt einen Überblick über die soziodemografischen Daten und beleuchtet familiäre sowie soziologische Einflussfaktoren.
3. Warum sind bedeutend mehr Frauen von einer Anorexia nervosa betroffen?: Hier werden spezifische Faktoren wie die Frauenrolle, die Adoleszenz und Schönheitsideale als mögliche Auslöser für das häufigere Auftreten bei Mädchen und Frauen diskutiert.
4. Warum werden Männer anorektisch?: Das Kapitel untersucht die Bedingungen für männliche Anorexie unter Einbeziehung der Männerrolle, der männlichen Adoleszenz und moderner männlicher Schönheitsideale.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, diskutiert die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und wirft einen Blick auf den Adoniskomplex als eigenständige Form der Essstörung.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Essstörungen, Adoleszenz, Frauenrolle, Familiendynamik, Schönheitsideal, Adoniskomplex, Körperbild, Sozialisation, Körperwahrnehmung, Geschlechterrollen, Pubertät, Autonomie, psychische Erkrankung, Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen, warum Anorexia nervosa bei Frauen deutlich häufiger auftritt als bei Männern und welche Faktoren diese Diskrepanz begünstigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologischen und sozialen Aspekte der Erkrankung, insbesondere die Familiendynamik, geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und die Auswirkungen von Schönheitsidealen auf das Körperbild.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Ursachen für das verstärkte Auftreten von Anorexia nervosa bei Frauen zu identifizieren und die Rolle der gesellschaftlichen Geschlechterbilder dabei kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende Studien und fachwissenschaftliche Erkenntnisse zu Familienpsychologie, Soziologie und Essstörungen systematisch zusammenführt und analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Krankheitsbildes, die spezifische Analyse von weiblichen Auslösefaktoren (Rollenbild, Adoleszenz, Medieneinfluss) und den Vergleich mit männlichen Essstörungsmustern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Anorexia nervosa, Familiendynamik, Geschlechterrollen, Adoleszenz und Schönheitsideale charakterisiert.
Warum spielt die Familiendynamik eine so zentrale Rolle für anorektische Jugendliche?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Merkmale wie Verstrickung, Rigidität und Überfürsorglichkeit die Autonomieentwicklung behindern, was Jugendliche in eine Abhängigkeit führt, aus der sie oft nur über die Kontrolle ihres Körpers auszubrechen versuchen.
Was unterscheidet den Adoniskomplex bei Männern von der klassischen Anorexia nervosa?
Der Adoniskomplex ist eine Wahrnehmungsstörung des eigenen Körpers, die nicht primär auf ein reines Abmagern abzielt, sondern oft zu exzessivem Bodybuilding und Muskelsuchtdrang führt, um einem muskulösen Idealbild zu entsprechen.
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- Robert Wirth (Autor), 2017, Rolle des Geschlechtes für das Ausbilden einer Anorexia nervosa, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372132