Behandlung von Phraseologismen in Lernwörterbüchern des Deutschen

Was machen Sprichwörter im Deutschen aus und wie beeinflussen sie einen Fremdsprachler?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phraseologismen

3. Rolle von Phraseologismen im Fremdspracherwerb

4. Lernerwörterbücher

5. Phraseologismen in einsprachigen Lemerwörterbüchern: Vergleich der Werke de Gruyter Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache (2000) und Duden, Deutsch als Fremdsprache Standardwörterbuch (2010)

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

l.Einleitung

Phraseologismen sind ein fester Bestandteil jeder Sprache. Sie schmücken die Sprache aus und machen sie lebendig. So ist es für jeden Lerner des Deutschen und natürlich auch jeder anderen Sprache unabdingbar, Phraseologismen der Zielsprache zu erkennen, zu verstehen und zu verwenden. Die Beherrschung von Phraseologismen einer fremden Sprache wird in der Fremdsprachendidaktik häufig als Maßstab für die sprachliche Kompetenz angesehen. Doch wenn DaF-Lerner den Satz ,,Da hast du aber Schwein gehabt!“ hören, werden sie ohne phraseologisches Wissen womöglich denken, jemand hätte ein Schnitzel gegessen oder ein Schwein besessen und kämen nicht auf die Idee, dass Schwein haben so viel, wie Glück haben bedeutet. Solche

Verständisschwierigkeiten treten bei vielen Lernern auf. Deshalb ist es offensichtlich, dass Phraseologismen sowohl im DaF-Unterricht, als auch in deutschen Lernerwörterbüchern sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Ob letzteres der Fall ist, soll in dieser Arbeit anhand von zwei großen Lernerwörterbüchern des Deutschen, dem de Gruyter Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache 2000 und dem Duden, Deutsch als Fremdsprache Standardwörterbuch 2010, untersucht werden. Dazu sollen diese im Hinblick auf die Behandlung von Phraseologismen analysiert werden. Hierzu muss zunächst geklärt werden, was Phraseologismen sind, wodurch sie sich von freien Wörtern unterscheiden und welche ihre wichtigsten Merkmale sind. Gleichzeitig werden einige wichtige Begriffe eingeführt, die für das Verständnis der Thematik notwendig sind, woraufhin die Phraseologismen dann von anderen Phänomenen der Phraseologie, wie z.B Sprichwörtern, abgegrenzt werden können. Dadurch wird der Untersuchungsgegenstand klar eingegrenzt: Es sollen in der vorliegenden Arbeit nur Phraseologismen im engeren Sinne untersucht werden. Diese Eingrenzung soll eine Verkomplizierung der Analyse verhindern, denn so kann sich auf ein klar definiertes Phänomen konzentriert werden.

Damit deutlich wird, warum Phraseologismen in Lernerwörterbüchern angeführt werden, wird im nächsten Schritt erläutert, welche Rolle die Phraseologismen im Fremdspracherwerb spielen. Hierbei soll erklärt werden, warum das Phänomen dem Lernenden oft Probleme bereitet. Außerdem wird ein Einblick in den Erwerb der fremdsprachlichen Phraseologismen gegeben, um den Lernprozess nachvollziehen zu können, denn nur mit diesem Hintergrundwissen kann die Forderung nach einer detaillierten lexikographischen Darstellung des Phänomens verstanden werden. Im nächsten Schritt sollen Funktionen von Lemerwörterbüchem und Anforderungen an diese beschrieben werden. Es soll deutlich gemacht werden, in welchen Situationen die Werke genutzt werden und was sie aufgrund dessen beinhalten müssen. Außerdem werden ein- und zweisprachige Werke differenziert und im Hinblick auf Eignung als Lernerwörterbuch bewertet, um den Grund für die Auswahl der Analysebeispiele zu verdeutlichen. Im Anschluss können dann die beiden einsprachigen Lernerwörterbücher für DaF-Lerner im Hinblick auf Phraseologismen analysiert, verglichen und bewertet werden.

2. Phraseologismen

Für ein freies Wort bzw. ein Lexem ist es möglich, eine Bedeutung in unterschiedlichen Kontexten zu realisieren, denn es gibt einen allgemeinen Begriff an. Es ist nicht nur ein Name, eine Benennung oder Nomination, sondern auch ein logischer Rahmen wie eine Klasse mit Merkmalen, wie z.B. Material, Form und Farbe. Das Wort als freie Form lässt sich mit anderen Elementen der Sprache, die mit diesem Klassencharakter vereinbar sind, frei verbinden. Bei der gebundenen Bedeutung, die bei Phraseologismen auftritt, bilden die Komponenten eine gemeinsame Bedeutung, sie lassen sich auf syntagmatischer Ebene nicht frei kombinieren und auf paradigmatischer Ebene nicht frei substituieren. Bei dem Phraseologismus einen Kater haben kann die Komponente Kater nicht durch ein anderes Lexem, wie z.B. Katze ersetzt werden, denn dann wäre die Bedeutung, ,sich nach übermäßigem Alkoholkonsum am nächsten Tag schlecht fühlen', nicht mehr gegeben. Wenn man also die grammatischen Kategorien oder Lexeme ändert oder andere Lexeme die gleiche syntaktische Stelle einnehmen, so wird die Wohlgeformtheit, Bedetungsstruktur und Sinnkonstanz aufgehoben. So lässt sich die Gesamtbedeutung von Phraseologismen nicht aus den Bedeutungen der einzelnen Elemente erschließen, sondern sie bedeuten mehr oder etwas anderes (vgl. Palm 1995, S. 7f).

Phraseologismen dienen als Mittel zur Erweiterung des Wortschatzes und zur Benennung und Verarbeitung der Welt durch Sprache. Mit Letzterem ist das Verarbeiten von mentalen Größen wie Einstellungen, Emotionen und Verhaltensweisen gemeint, dies wird auch als mentales Lexikon einer Sprache bezeichnet. Der Begriff Phraseologie ist doppeldeutig, denn er bezeichnet zum einen eine wissenschaftliche Disziplin und zum anderen auch deren Objektbereich (vgl. Palm 1995, S.1).

Die festen Wortverbindungen werden in der Literatur abhängig vom jeweiligen Autor Phraseme oder Phraseologismen genannt, ihre Gesamtheit heißt ebenfalls Phraseologie. Im Folgenden soll die Bezeichnung Phraseologismus für das beschriebene Phänomen beibehalten werden.

Als wichtigste Merkmale von Phraseologismen führt Fleischer 1997 (semantische) Idiomatizität, (semantisch-syntaktische) Stabilität und die damit zusammenhängende Speicherung (Lexikalisierung) an, die bei der Textgestaltung reproduziert wird. Burger 1998 nennt Polylexikalität, Festigkeit und Idiomatizität. Phraseologismen sind also Wortverbindungen, die wie Wörter feste Bestandteile des Lexikons sind und für Sprecher des Deutschen zu Standardverwendungen gehören. Grammatisch haben sie die Merkmale der Polylexikalität und Lexikalisierung. Die Merkmale sollen im Folgenden ausführlicher erläutert werden:

Idiomatizität

Idiomatizität bezeichnet die semantische Transformation, die die einzelnen Komponenten im Phraseologismus erfahren. Den Satz ,,Ich verstehe immer nur Bahnhof, weil er so undeutlich sprichtwird einen Fremdsprachler zunächst überfordern, wenn er nicht weiß, dass Bahnhof verstehen ein Phraseologismus ist und die Bedeutung ,nichts verstehen' trägt. Hier ist es für einen Nichtmuttersprachler schwer die Bedeutungsstruktur zu durchschauen, denn die Bedeutung des Phraseologismus ist an eine Gesamtheit gebunden und ergibt sich nicht aus seinen Komponenten. Somit hat auch die Bedeutung der einzelnen Komponenten mit der Gesamtbedeutung des Phraseologismus nichts zu tun. Bei dem ausgewählten Beispiel kommt hinzu, dass die Sonderbarkeit im Verhältnis der Komponenten verstehe Bahnhof auf der syntagmatischen Ebene liegt. Hingegen kommen bei einem Satz wie ,,Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, sagte er, als ich Bedenken äußerte.“ für einen Nichtmuttersprachler zunächst wahrscheinlich weniger Probleme auf. Wenn er die phraseologische Bedeutung nicht kennt, kann er zunächst die wörtliche Leseart verstehen, woraufhin er dann aber bemerken wird, dass einzelne Komponenten nicht in den Kontext passen (vgl. Palm 1995, S.9f).

Die Phraseologismen mit einer mehr oder weniger starken Bedeutungsübertragung werden als Idiome bezeichnet. Hierbei kann zwischen teilidiomatischen und vollidiomatischen Phraseologismen unterschieden werden. Bei Ersteren werden Teile des Phraseologismus in ihrer wörtlichen Bedeutung in eine Bedeutungserläuterung übernommen, z.B. bedeutet frech wie Oskar ,sehr frech'. Bei Letzteren ist dies nicht der Fall, z.B. bei Hinz und Kunz, da die Bedeutung jedermann' nicht darin enthalten ist (vgl. Friedrich 2006, S.10).

Polylexikalität und Lexikalisierung

Phraseologismen umfassen mindestens zwei Wörter und höchstens einen Satz. Somit gehören Einwortidiome wie Gernegroß oder sich großtun nicht dazu. Ein Phraseologismus entsteht durch eine Bedeutungsvereinigung von Wörtern, so bildet seine Bedeutung eine feste Einheit (vgl. Römer/Matzke 2005, S.158).

Mit der Lexikalisierung der Phraseologismen ist die Aufnahme und Speicherung im Lexikon gemeint. Die syntaktische Konstruktion wird während der Äußerung nicht in einem syntaktischen Strukturmodell reproduziert, sondern die Wortverbindungen sind im Wortbestand der Sprache bereits fertig vorhanden. Sie verhalten sich also wie Wörter als selbstständige potenziell isolierbare Bedeutungsträger (vgl Fleischer 1997, S. 63). Die Phraseologismen sind reproduzierbar, sie werden in der Rede und im Text nicht jedes Mal neu gebildet, sondern stehen schon als fertige Einheiten zur Verfügung. Fremdsprachenlerner müssen die Gebrauchsbedingungen jedoch noch erlernen (vgl. Palm 1995, S. 36).

Stabilität/F estigkeit

Das Merkmal der Festigkeit ist syntaktischer Natur, denn die Phraseologismen sind nur eingeschränkt abwandelbar, ihre grammatische Struktur und ihre morphologische Form ist gering bis gar nicht veränderbar. Es wird zwischen mentaler, syntaktischer und pragmatischer Festigkeit unterschieden. Erstere bedeutet, dass Phraseologismen im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden und als Einheiten abgerufen und reproduziert werden können. Zweitere bezieht sich auf die Eingeschränktheit syntaktischer Veränderungen der Phraseologismen. Gar nicht fest sind die freien Worterverbindungen, die deshalb auch keine Phraseologismen sind. Weniger fest sind nichtidiomatische phraseologische Konstruktionen und fest sind die idiomatischen Phraseologismen. Wie fest eine Konstruktion ist hängt davon ab, wie oft die Komponenten gemeinsam verwendet werden und wie viele potentielle Verknüpfungsparter im Lexikon vorhanden sind (vgl. Römer/Matzke 2005, S.169f).

[...]

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Details

Titel
Behandlung von Phraseologismen in Lernwörterbüchern des Deutschen
Untertitel
Was machen Sprichwörter im Deutschen aus und wie beeinflussen sie einen Fremdsprachler?
Hochschule
Universität Siegen  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Computergestützte Sprachlexikographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V372317
ISBN (eBook)
9783668501478
ISBN (Buch)
9783668501485
Dateigröße
1234 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologismen, Lexikographie, Deutsch als Fremdsprache, Didaktik, Sprachwissenschaft, Sprache und Kommunikation, Lernerwörterbücher, Wörterbücher, DaF
Arbeit zitieren
Stefanie Aha (Autor), 2017, Behandlung von Phraseologismen in Lernwörterbüchern des Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372317

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