Ziel dieser Masterarbeit ist es, die Stiftung hinsichtlich ihrer Eignung als alternative Rechtsform zur Sicherung des Unternehmensfortbestandes, insbesondere bei den mittelständisch geprägten Familienunternehmen, darzustellen. Hierbei sollen neben den zivil- und handelsrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten die steuerlichen Vor- und Nachteile der unternehmensverbundenen Stiftung dargestellt und kritisch gewürdigt werden.
Die Arbeit führt zunächst grundlegend in das Thema der Unternehmensnachfolge in mittelständisch geprägten Familienunternehmen ein und zeigt die Einbettung der Stiftung als ein Nachfolgeinstrument in den gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext. Danach erfolgt die Darstellung und Funktionsweise der unternehmensverbundenen Stiftung und ihrer steuerlichen Behandlung in den unterschiedlichen Lebensphasen der Stiftung. Abgerundet wird die Darstellung durch die Anforderungen an die Rechnungslegung und Prüfung einer Stiftung. Im Fazit erfolgt dann eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und eine Beurteilung der Gestaltungsmöglichkeiten, die die Rechtsform der Stiftung im Rahmen der Unternehmensnachfolge bietet.
Inhaltsverzeichnis
I. Zielsetzung und Gang der Arbeit
II. Gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen und der Stiftung als Instrument der Nachfolge
III. Probleme der Unternehmensnachfolge
1. Spezifische Probleme für Unternehmer und Unternehmen
2. Grundsätzliche Möglichkeiten der Nachfolge in Familienunternehmen
IV. Gründe für die Errichtung einer Stiftung
1. Motivation für die Errichtung einer Stiftung
2. Definition und rechtliche Grundlagen der Stiftung
3. Erscheinungsformen von Stiftungen und Stiftungstypen
3.1 Gemeinnützige und nichtgemeinnützige Stiftungen
3.2 Rechtsfähige und unselbständige Stiftungen
3.3 Privatnützige Stiftungen – die Familienstiftungen
3.4 Unternehmensverbundene Stiftungen
V. Die unternehmensverbundene Stiftung in der Nachfolgeregelung
1. Formen der unternehmensverbundenen Stiftung
1.1 Die Unternehmensträgerstiftung – Aufbau und Funktionsweise
1.2 Die Beteiligungsträgerstiftung – Aufbau und Funktionsweise
1.3 Die Doppelstiftung – Aufbau und Funktionsweise
1.4 Die Stiftung & Co. KG – Aufbau und Funktionsweise
1.5 Stiftungsverwandte Gestaltungsformen
2. Zwecksetzung bei der unternehmensverbundenen Stiftung
2.1 Die gemeinnützige unternehmensverbundene Stiftung
2.2 Die privatnützige unternehmensverbundene Stiftung
3. Errichtung einer unternehmensverbundenen Stiftung
4. Organisation unternehmensverbundenen Stiftung
5. Die staatliche Stiftungsaufsicht
6. Stellung und Rolle der Destinatäre in der Stiftung
7. Haftung der Stiftung und ihrer Organe
VI. Steuerliche Grundlagen der unternehmensverbundenen Stiftung
1. Unterscheidung der steuerbefreiten und steuerpflichtigen Stiftung
2. Besteuerung der rechtsfähigen Stiftung und des Stifters
2.1 Besteuerung der Stiftung bei Errichtung
2.1.1 Erbschaft- und Schenkungsteuer
2.1.2 Einkommensteuer und Körperschaftsteuer
2.2 Besteuerung des Stifters bei Stiftungserrichtung
2.2.1 Übertragung aus dem Privatvermögen
2.2.2 Übertragung aus dem Betriebsvermögen
2.3 Laufende Besteuerung der Stiftung und der Begünstigten
2.3.1 Körperschaft-, Einkommen- und Gewerbesteuer
2.3.2 Erbschaft-, Erbersatz- und Schenkungsteuer
2.3.3 Besteuerung der Destinatäre
2.4 Auflösungsbesteuerung
2.4.1 Ertragsteuern
2.4.2 Erbschaft- und Schenkungsteuer
VII. Rechungslegung und Prüfung bei der unternehmensverbundenen Stiftung
1. Rechnungslegung
1.1 Bestimmungen aus dem BGB
1.2 Bestimmungen aus den Landesstiftungsgesetzen
1.3 Bestimmungen aus HGB und PublG
1.4 Bestimmungen aus dem Steuerrecht
1.5 Empfehlungen des IDW
2. Prüfung
VIII. Zweckänderung und Auflösung der unternehmensverbundenen Stiftung
1. Zweckänderung durch die Stiftungsverfassung
2. Zweckänderung durch Gesetz
3. Stiftungsauflösung durch die Aufsichtsbehörde
4. Stiftungsauflösung durch Organentscheidung
5. Stiftungsauflösung durch Insolvenz
IX. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht die Eignung der Stiftung als alternative Rechtsform zur Sicherung des Fortbestands mittelständisch geprägter Familienunternehmen. Ziel ist es, die zivil-, handels- und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für unternehmensverbundene Stiftungen darzulegen und kritisch zu bewerten, insbesondere im Hinblick auf die Unternehmensnachfolge.
- Unternehmensnachfolge als zentrale Herausforderung für Familienunternehmen
- Rechtliche Grundlagen, Erscheinungsformen und Organisationsstrukturen von Stiftungen
- Die unternehmensverbundene Stiftung als Instrument der Nachfolgeplanung
- Steuerliche Behandlung von Stiftungen in verschiedenen Lebensphasen
- Anforderungen an Rechnungslegung und Prüfung
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Unternehmensträgerstiftung – Aufbau und Funktionsweise
Kennzeichnend für die Unternehmensträgerstiftung ist, dass sie nicht nur Trägerin des Stiftungsvermögens, sondern gleichzeitig auch Unternehmerin ist, ähnlich einer Kapitalgesellschaft. Sowohl Unternehmensträgerschaft als auch Unternehmensleitung sind untrennbar vereint, d.h. die Stiftung muss ohne Zwischenschaltung einer anderen Rechtsperson das Unternehmen selbst betreiben. Die Vermögenssubstanz des Betriebs liegt ausschließlich bei der Stiftung. Sie ist Einzelkaufmann i.S.d. §§ 1 ff. HGB und ebenso wie eine reine Personengesellschaft mitbestimmungsfrei. Hat die Stiftung mehrere Betriebe und damit mehrere Vermögensmassen, so handelt es sich rechtlich jedoch nur um ein Vermögen, welches Haftungsgrundlage der Stiftung ist. Vertreten werden sowohl die Stiftung als auch die von ihr betriebenen Unternehmen vom Stiftungsvorstand.
Generell lassen sich drei Typen von Unternehmensträgerstiftungen unterscheiden: 1) die Tätigkeit des Unternehmens stellt den Stiftungszweck dar und ist damit Erfüllung des Stifterwillens, 2) die Erträge des Unternehmens sollen der Erreichung anderer Stiftungszwecke dienen, 3) die beiden vorgenannten Zwecke sind beide in der Stiftung vorhanden. Die Gestaltung des Stiftungszwecks spielt für die in einem späteren Kapitel noch darzulegende steuerliche Behandlung der Stiftung eine wichtige Rolle, da der Betrieb nicht nur „Gewinn“-betrieb, sondern auch „Zweck“-betrieb ist. Kommt man auf den Aspekt der Behandlung der Stiftung als Einzelkaufmann i.S.d. §§ 1 ff. HGB zurück, so entsteht beim Betrieb von mehr als einem Unternehmen durch die Stiftung ein Haftungsverbund zwischen den Unternehmen, was die Möglichkeiten zur Begrenzung des unternehmerischen Risikos der Stiftung reduziert. Insbesondere im Rahmen der Finanzierung werden Kapitalgeber die Risiken sämtlicher Stiftungsunternehmen berücksichtigen, was sich in erhöhten Kapitalkosten niederschlagen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zielsetzung und Gang der Arbeit: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Eignung der Stiftung als Rechtsform zur Unternehmenssicherung darzustellen, und skizziert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
II. Gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen und der Stiftung als Instrument der Nachfolge: Das Kapitel erläutert die hohe gesamtwirtschaftliche Relevanz der Nachfolgefrage bei Familienunternehmen und ordnet die Stiftung als ein mögliches, wenngleich seltenes, Instrument ein.
III. Probleme der Unternehmensnachfolge: Es werden spezifische Hürden für Familienunternehmen thematisiert, insbesondere die Unternehmensperpetuierung, Konfliktpotenziale innerhalb der Familie und erbschaftsrechtliche Pflichtteilsproblematiken.
IV. Gründe für die Errichtung einer Stiftung: Dieses Kapitel analysiert die Motive für Stiftungsgründungen, wobei die Sicherung der Unternehmenskontinuität und der Schutz vor Übernahmen im Vordergrund stehen, und behandelt die rechtlichen Grundlagen sowie Erscheinungsformen.
V. Die unternehmensverbundene Stiftung in der Nachfolgeregelung: Der Hauptteil beschreibt detailliert die verschiedenen Formen (z.B. Unternehmensträger-, Beteiligungsträger-, Doppelstiftung), deren Zwecksetzung, Organisation und die Rolle der Aufsichtsbehörden sowie der Destinatäre.
VI. Steuerliche Grundlagen der unternehmensverbundenen Stiftung: Das Kapitel bietet einen fundierten Überblick über die steuerlichen Aspekte bei Errichtung, laufender Führung und Auflösung von Stiftungen für Stifter, Stiftung und Begünstigte.
VII. Rechungslegung und Prüfung bei der unternehmensverbundenen Stiftung: Hier werden die verschiedenen normativen Anforderungen an die Dokumentation und Prüfung sowie die Empfehlungen des IDW erläutert.
VIII. Zweckänderung und Auflösung der unternehmensverbundenen Stiftung: Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für Satzungsänderungen, Zweckanpassungen und die Beendigung einer Stiftung durch Aufsichtsbehörde, Organentscheid oder Insolvenz dargestellt.
IX. Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchung zusammen und bewertet die Stiftung als komplexes, aber bei richtiger Vorbereitung wertvolles Instrument der Unternehmensnachfolgeplanung.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Familienunternehmen, Stiftung, Beteiligungsträgerstiftung, Unternehmensträgerstiftung, Doppelstiftung, Stiftungsrecht, Stiftungsaufsicht, Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Körperschaftsteuer, Unternehmensfortbestand, Stifterwille, Destinatäre, Stiftungszweck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Stiftung als Rechtsform zur Sicherung des Fortbestands von mittelständischen Familienunternehmen im Rahmen der Unternehmensnachfolge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das Stiftungsrecht, die steuerliche Behandlung in verschiedenen Phasen (Errichtung, laufend, Auflösung), die Organisationsstruktur sowie die Rechnungslegung und Prüfung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die zivil-, handels- und steuerrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten der unternehmensverbundenen Stiftung darzustellen und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse, die rechtliche Grundlagen (BGB, AO, Steuergesetze) mit der bestehenden Literatur und Praxis kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt ausführlich die verschiedenen Formen der unternehmensverbundenen Stiftung, deren steuerliche Behandlung, Organisationsfragen, Aufsichtsrecht sowie Rechnungslegung und Prüfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unternehmensnachfolge, Familienstiftung, Stiftungsrecht, Besteuerung und Unternehmensfortbestand charakterisiert.
Welche Bedeutung hat die Unternehmensbindung für die Stiftungsgestaltung?
Die Bindung ist essenziell, da sie einerseits den Fortbestand sichern soll, andererseits aber Zielkonflikte bei der Flexibilität der Unternehmensführung in einem sich wandelnden Umfeld erzeugt.
Wie unterscheidet sich die Unternehmensträgerstiftung von der Beteiligungsträgerstiftung?
Bei der Unternehmensträgerstiftung betreibt die Stiftung das Unternehmen direkt. Bei der Beteiligungsträgerstiftung hält die Stiftung Anteile an einer (operativ tätigen) Gesellschaft.
Was ist das sogenannte "Patriarchenmodell"?
Dies ist eine Gestaltung bei der Stiftung & Co. KG, bei der die Stiftungsorgane unabhängig von den Kommanditisten besetzt werden, um Familieninteressen zurückzudrängen bei gleichzeitiger finanzieller Absicherung.
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- Michael Ibron (Author), 2011, Die Stiftung als Möglichkeit der Unternehmensnachfolge bei Familienunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372333