Diese Bachelorthesis bietet eine Darstellung über die aktuelle Problemlage mit Werkverträgen im Arbeitsrecht. Sie beschäftigt sich mit dem Thema: "Zur Problematik von Werkverträgen im Arbeitsrecht - Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von 'Scheinwerkverträgen'".
Ausgehend von der historischen Einordnung und Entwicklung des Werkvertrages und seiner Probleme, Vor- und Nachteile in den 70er, 80er und 90er Jahren, wurde im Kern das Verhältnis zur Arbeitnehmerüberlassung und zur Scheinselbstständigkeit dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1. Was sind Werkverträge?
1.1. Definition des Werkvertrages
1.2. Historische Entwicklung des Werkvertrages
1.2.1. Werkverträge als Instrument zur Umgehung des Anwerbestopps von 1973
1.2.2. Werkvertragsabkommen mit MOE-Staaten ab Ende der 1980er Jahre
1.2.3. Werkverträge mit Einführung der Arbeitsmarktreformen und der EU-Osterweiterung 2004
1.2.4. Werkverträge als Ersatz für Leiharbeit durch die BAG Entscheidung am 14.12.2010
1.3. Werkvertrag versus Arbeitsvertrag
Kapitel 2. Ursachen des Einsatzes von Werkverträgen in Konkurrenz zum Arbeitsvertrag
2.1. BAG-Entscheidung vom 14. Dezember 2010
2.2. Mindestlöhne in der Zeit- und Leiharbeitsbranche
2.3. Werkverträge und Scheinselbstständigkeit
2.4. Problematik Arbeitnehmerüberlassung und Werkvertrag
Kapitel 3. Abgrenzung Werkvertrag vom Arbeitsvertrag
3.1. Übersicht der Abgrenzungsmerkmale
3.2. Erläuterung der einzelnen Abgrenzungsmerkmale
3.2.1. Merkmal „festgelegtes Arbeitsergebnis“
3.2.2. Merkmal „weisungsgebunden“
3.2.3. Merkmal „Arbeitszeiten“
3.2.4. Merkmal „Zeitpunkt der Vergütung“
3.2.5. Merkmal „Eigentum der Ausrüstung, Werkzeuge“
3.2.6. Merkmal „Geltung von arbeitsrechtlichen Spezialgesetzen“
3.2.7. Merkmal „Versteuerung des Werklohnes“
3.2.8. Merkmal „Eingliederung in die Betriebsorganisation“
3.3. Fazit Abgrenzungsmerkmale Werkvertrag vs. Arbeitsvertrag
Kapitel 4. Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von „Scheinwerkverträgen“
4.1. Standpunkt der Arbeitgeber und Unternehmer
4.2. Standpunkt der Gewerkschaften
4.3. Standpunkt der etablierten politischen Parteien
4.3.1. CDU/CSU
4.3.2. FDP
4.3.3. SPD
4.3.4. Die Linke
4.3.5. Bündnis 90 / Die Grünen
4.4. Lösungen durch den Gesetzgeber
4.5. Selbstkontrolle und Eigeninitiative der Wirtschaft
Kapitel 5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem legitim genutzten Werkvertrag und dem missbräuchlichen Einsatz als „Scheinwerkvertrag“, um arbeitsrechtliche Standards zu unterlaufen. Ziel ist es, klare Abgrenzungsmerkmale zur Identifikation von Missbrauchsfällen zu definieren und rechtssichere Lösungsmöglichkeiten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzuzeigen.
- Analyse der historischen Entwicklung von Werkverträgen als Instrument zur Umgehung von Arbeitsstandards.
- Gegenüberstellung und Abgrenzung von Werkvertrag, Dienstvertrag und Arbeitsvertrag anhand acht zentraler Kriterien.
- Untersuchung der Ursachen für den verstärkten Einsatz von Werkverträgen im Schatten der Arbeitsmarktreformen und Leiharbeits-Rechtsprechung.
- Diskussion der Standpunkte politischer Akteure, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände zur Missbrauchsproblematik.
- Identifikation von Lösungsansätzen zur Eindämmung von Scheinwerkverträgen durch gesetzgeberische Maßnahmen und betriebliche Selbstkontrolle.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Merkmal „festgelegtes Arbeitsergebnis“
Beim Werkvertrag muss das Arbeitsergebnis konkret und genau beschrieben werden. Hier kommt es auf die Erstellung eines neu zu errichtenden Werkes oder die Veränderung eines bestehenden Werkes an, welches nach § 631 II BGB mit Erfolg erbracht werden muss. Liegt das Merkmal „konkretes Arbeitsergebnis mit Erfolg“ nicht vor, handelt es sich nur um die Verrichtung und Erbringung von Diensten mittlerer Art und Güte und damit um einen Arbeitsvertrag bzw. bei echter selbstständiger Beschäftigung um einen Dienstvertrag.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1. Was sind Werkverträge?: Definition des Werkvertrags und dessen historische Verwendung als Instrument zur Umgehung arbeitsrechtlicher Beschränkungen seit den 1970er Jahren.
Kapitel 2. Ursachen des Einsatzes von Werkverträgen in Konkurrenz zum Arbeitsvertrag: Untersuchung der ökonomischen Anreize und rechtlichen Entwicklungen, insbesondere nach dem BAG-Urteil von 2010, die zur Flucht in den Werkvertrag führten.
Kapitel 3. Abgrenzung Werkvertrag vom Arbeitsvertrag: Detaillierte Darstellung von acht Abgrenzungsmerkmalen zur Unterscheidung zwischen Werkvertrag, Dienstvertrag und Arbeitsvertrag.
Kapitel 4. Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von „Scheinwerkverträgen“: Analyse der konträren Standpunkte von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Parteien sowie Diskussion gesetzgeberischer Lösungsansätze.
Kapitel 5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassender Rückblick auf die Problematik und die Notwendigkeit einer komplexen, gesetzgeberischen Neuregelung zum Schutz der Arbeitnehmer.
Schlüsselwörter
Werkvertrag, Arbeitsrecht, Scheinwerkvertrag, Arbeitnehmerüberlassung, Arbeitsmarktreformen, BAG-Entscheidung, Lohndumping, Scheinselbstständigkeit, Tarifstandards, Mindestlohn, Abgrenzung, Outsourcing, Mitbestimmung, Gesetzgeber, Betriebsorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Problematik von Werkverträgen im deutschen Arbeitsrecht und deren missbräuchliche Verwendung zur Umgehung von Arbeitnehmerrechten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Abgrenzung zum regulären Arbeitsverhältnis, die ökonomischen Beweggründe für Unternehmen sowie politische Lösungsansätze gegen Lohndumping.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die klare Definition von Merkmalen, die einen Werkvertrag von einem verdeckten Arbeitsverhältnis unterscheiden, um Missbrauch wirksam bekämpfen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine fundierte juristische Analyse anhand gesetzlicher Bestimmungen (BGB), aktueller BAG-Rechtsprechung sowie eine Auswertung politischer Positionspapiere.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Ursachen für den Werkvertragseinsatz, bietet eine detaillierte Abgrenzungstabelle und diskutiert die Standpunkte der Sozialpartner und Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Werkvertrag, Scheinwerkvertrag, Arbeitnehmerüberlassung, Abgrenzungsmerkmale, Lohndumping und Mitbestimmungsrechte.
Was unterscheidet den Werkvertrag rechtlich vom Arbeitsvertrag?
Der Werkvertrag schuldet einen konkreten Erfolg und ist durch Weisungsungebundenheit sowie fehlende Eingliederung in die Betriebsorganisation gekennzeichnet, im Gegensatz zur persönlichen Abhängigkeit beim Arbeitsvertrag.
Welche Rolle spielt die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts?
Die BAG-Urteile, insbesondere zum Thema Leiharbeit und CGZP, haben die Attraktivität von Leiharbeit reduziert und Unternehmen dazu bewegt, verstärkt auf Werkverträge auszuweichen.
Wie kann eine Scheinselbstständigkeit nach dem Werkvertrag identifiziert werden?
Die Arbeit benennt fünf spezifische Kriterien; bereits wenn drei davon erfüllt sind, besteht der dringende Verdacht einer Scheinselbstständigkeit, die als Schwarzarbeit sanktioniert werden kann.
Welchen Stellenwert haben Werkverträge für die deutsche Wirtschaft?
Sie sind ein legitimer Bestandteil der Wirtschaft zur Erbringung spezifischer Leistungen, werden jedoch kritisch betrachtet, sobald sie zur Umgehung geltender Sozialstandards missbraucht werden.
- Quote paper
- Andreas Kreißig (Author), 2014, Werkverträge im Arbeitsrecht. Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Scheinwerkverträgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372338