Diese Arbeit stützt sich auf die Annahme, Tanzfilme würden die Konflikte verschiedener sozialer Schichten aufzeigen und dadurch Kritik an gesellschaftlichen Hierarchien ausüben. Ziel dieser Arbeit soll es demnach sein herauszustellen, wie das Spannungsverhältnis zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten mit Tanz und Musik verdeutlicht werden kann, um gleichzeitig zu belegen inwieweit dieses Konstrukt bewertet wird.
Im Rahmen dessen werden zunächst in Kapitel 2 einige theoretische Grundlagen zum Genre und zum Mittel der Musik dargelegt.
Das 3. und umfangreichste Kapitel widmet sich erst einmal im Allgemeinen dem audiovisuellen Medium und seiner Möglichkeit Gesellschaftskritik auszuüben. Daraufhin werden ausgewählte Szenen des Films ‚Step Up‘ hinsichtlich der Zielstellung näher untersucht. Die Wahl fiel auf die Produktion aus dem Jahre 2006, weil sie entgegen der Forschungsmeinung Tanzfilme ließen sich gegenwärtig eher nur einem Stil zuschreiben, mit zwei sehr unterschiedlich kodierten Tanzformen arbeitet. Insofern eröffnet sich in Hinblick auf den Analyseabschnitt dieser Arbeit eine zusätzliche Dimension.
Ein kleiner Exkurs im 4. Kapitel soll darlegen wie vielfältig die gesellschaftskritischen Abbilder in Tanzfilmen ausfallen können.
Abschließend soll eine knappe Zusammenfassung einen Überblick über die Ergebnisse dieser Arbeit verschaffen, um schließlich eine Antwort auf die Leitfrage geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KURZER ABRISS THEORETISCHER GRUNDLAGEN: ZUM GENRE TANZFILM UND FILMÄSTHETISCHEN MITTEL MUSIK
3. SPANNUNGSVERHÄLTNIS DER GESELLSCHAFTSSCHICHTEN IM FILM
3.1 AN HAND DES BEISPIELS ‚STEP UP‘
3.1.1 ERSTE GEGENÜBERSTELLUNG: DAS OPENING
3.1.2 GENESE DES KONFLIKTS: ZWEI PROBESITUATIONEN
3.1.3 AUFLÖSUNG DES KONFLIKTS: DIE ABSCHLUSSVORFÜHRUNG
3.1.4 SELBSTREFELXION
4. KLEINER EXKURS: WEITERE KRITISCHE ABBILDER
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Tanzfilme gesellschaftliche Konflikte zwischen verschiedenen sozialen Schichten thematisieren und durch filmästhetische Mittel wie Tanz und Musik Kritik an gesellschaftlichen Hierarchien üben können.
- Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten im Tanzfilm.
- Untersuchung von Musik und Tanz als narrative und filmästhetische Instrumente der Gesellschaftskritik.
- Detaillierte Fallstudie des Films ‚Step Up‘ (2006) hinsichtlich seiner Darstellung sozialer Gegensätze.
- Reflexion über die identitätsstiftende Funktion von Musik und die Dekonstruktion von Stereotypen.
- Diskussion über das Potenzial von Tanzfilmen als Spiegel und Kritiker sozialer Realitäten.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 ERSTE GEGENÜBERSTELLUNG DER WELTEN: DAS OPENING
Bereits im Opening des Films wird der Hauptkonflikt nur allzu deutlich. Mehrere Sequenzen zeigen abwechselnd Ballett- und Straßentänzer. Zwei Gruppen die sich trotz Klassenunterschiede an Hand ihrer gemeinsamen Leidenschaft miteinander vergleichen lassen.
Anders wie bei Choreografien abseits der Kamera, ermöglicht das Medium Film die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf ausgewählte Körperteile zu lenken. Auch hier geschieht dies mittels unterschiedlicher Einstellungsgrößen. Aneinandergereiht durch Parallelmontage entsteht der Eindruck die Bilder würden in Wechselbeziehung zueinander stehen. Wird beispielsweise eine Croisé Stellung im Bein mehrere Balletttänzer dargestellt (Abb. 1), zeigt das nächste Bild ebenso eine Detailaufnahme der Beinpartie, jedoch einiger Hip- Hop Tänzer (Abb. 2). Oder vollziehen zwei Ballettpaare langsam einen Poisson in der Halbnahen (Abb. 3) , erfolgt daraufhin eine Blende zu den Breakdancern, die in der gleichen Einstellungsgröße abrupte Aufwärtsbewegungen mit den Armen ausführen (Abb. 4). Unter Heranziehung Siegfried Kracauers rückt „[…] das Kleine und Vergessene[…]“ auf diese Weise in den Fokus der Betrachtung. Also könnte dies einerseits ein Hinweis darauf sein, dass die Menschen trotz aller Milieu Unterschiede gleich sind. Einzelne Körperbewegungen verlaufen zwar andersartig und markieren den Lebensstil gesonderter sozialer Schichten, doch grundlegend sind alle mit identischen Merkmalen ausgestattet.
Andererseits wird solchermaßen von Beginn an Spannung aufgebaut. Dem Zuschauer wird der Kontrast beider Kulturkreise vor Augen geführt, sodass es nun zu erwarten bleibt was bei einem Aufeinandertreffen passieren wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Forschungsfrage, wie Tanz und Musik als Mittel der Gesellschaftskritik in Tanzfilmen eingesetzt werden, und führt in das Fallbeispiel ‚Step Up‘ ein.
2. KURZER ABRISS THEORETISCHER GRUNDLAGEN: ZUM GENRE TANZFILM UND FILMÄSTHETISCHEN MITTEL MUSIK: Dieses Kapitel legt die theoretischen Fundamente zum Genre Tanzfilm und analysiert die Funktion von Musik sowie die Unterscheidung zwischen Bild- und Fremdton.
3. SPANNUNGSVERHÄLTNIS DER GESELLSCHAFTSSCHICHTEN IM FILM: Hier wird das Kernstück der Arbeit behandelt, welches anhand des Films ‚Step Up‘ die sozialen Spannungen und deren Aufhebung durch Tanz und Musik detailliert analysiert.
4. KLEINER EXKURS: WEITERE KRITISCHE ABBILDER: Dieser Exkurs erweitert die Untersuchung auf weitere Tanzfilme, um zu zeigen, dass die kritische Auseinandersetzung mit Hierarchien ein gängiges Muster im Genre darstellt.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel resümiert die Analyseergebnisse und diskutiert die gesellschaftliche Relevanz und Wirkung von Tanzfilmen als Instrumente der Identitätsbildung und Kritik.
Schlüsselwörter
Tanzfilm, Step Up, Gesellschaftsschichten, Gesellschaftskritik, Hip Hop, Ballett, Filmästhetik, Filmmusik, Bildton, Fremdton, soziale Hierarchie, Klassenunterschiede, Identität, Choreografie, Stereotype.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Tanzfilme gesellschaftliche Konflikte zwischen sozialen Schichten thematisieren und durch die künstlerische Verbindung von Tanz und Musik Kritik an gesellschaftlichen Hierarchien ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die filmische Inszenierung sozialer Gegensätze, die Bedeutung von Musik für die Identitätsstiftung sowie die Aufbrechung gesellschaftlicher Vorurteile innerhalb des Genres Tanzfilm.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszustellen, wie das Spannungsverhältnis zwischen verschiedenen Gesellschaftsschichten filmisch verdeutlicht wird und inwieweit dieses Konstrukt als Gesellschaftskritik bewertet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmsemiotische Analyse angewandt, um anhand von Einstellungsgrößen, Parallelmontagen und der Verwendung von Musik und Tanz die Botschaften des Films zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf eine detaillierte Analyse des Films ‚Step Up‘, wobei Aspekte wie das Opening, die Genese von Konflikten in Probesituationen, die Abschlussaufführung und die Selbstreflexion des Tanzes untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tanzfilm, Gesellschaftskritik, soziale Hierarchie, Hip Hop, Ballett, Filmästhetik und Klassenunterschiede.
Wie trägt die Musik im Film ‚Step Up‘ zur gesellschaftlichen Aussage bei?
Die Musik fungiert als Bindeglied. Durch die Kombination von klassischer Instrumentalisierung und Hip Hop Beats wird eine Symbiose der Kulturkreise geschaffen, die die soziale Hierarchie auf der Handlungsebene in Frage stellt.
Warum wurde ‚Step Up‘ als Fallbeispiel gewählt?
Der Film von 2006 wurde gewählt, weil er entgegen der gängigen Forschungsmeinung zwei sehr unterschiedlich kodierte Tanzformen (Hip Hop und Ballett) miteinander arbeitet und so eine tiefergehende Auseinandersetzung ermöglicht.
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- Madlen Stiebler (Author), 2015, Tanzfilme als kritische Abbilder der Gesellschaft? Eine Analyse von "Step Up", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372443