Katharina Staritz Verhältnis zu den Juden. Wieso stellte sie sich auf die Seiten der Unterdrückten?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

21 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext
2.1 Biografie Katharina Staritz
2.2 Die Situation der Juden im Dritten Reich
2.3 Staritz´ Verhältnis zu den Juden

3. ´Quelleninterpretation
3.1 Äußere Quellenkritik
3.2 Innere Quellenkritik
3.3 Quelleninterpretation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Quelleninterpretation beschäftigt sich mit der Theologin Katharina Staritz und wird im Rahmen des Seminars Die Barmer theologische Erklärung und ihre Vorgeschichte verfasst. Insbesondere wird auf die Frage eingegangen, wie Staritz zu den Juden stand und warum sie eine besondere Beziehung zu diesen hatte. Im Zentrum dieser Arbeit steht ein Brief Staritz´ an ihre Breslauer Amtskollegen, in dem sie dieser zur Solidarität mit der judenchristlichen Gemeinde aufruft.

Begonnen wird mit der Einordung der Quelle in den historischen Kontext, speziell eingegangen wird hier auf die Situation der Evangelischen Kirche zur Zeit des Drittes Reiches. Danach geht es um die Beschreibung des Lebensweges von Katharina Staritz. In ihrem Werdegang finden sich bereits wichtige Informationen, um ihre Persönlichkeit zu verstehen und ihr späteres Handeln nachzuvollziehen. Im Anschluss wird auf die Situation der Juden eingegangen und insbesondere ihre Position zu den Juden zu thematisiert, welche besonders in der Quelle herausgearbeitet wird, da es sich bei ihrer Position zu den Juden um das Hauptthema dieser Arbeit handelt. Darauf folgt die Quellenkritik- und Interpretation. In der Quellenkritik geht es zum einen um eine äußere Kritik zu der Quelle bei der augenscheinliche Dinge wie der Zustand, die Sprache, das Datum, der Empfänger, der Aufbau und die Quellengattung definiert werden. Nach der äußeren Quellenkritik folgt die innere. Hierbei ist es wichtig den Inhalt der Quellen in seinen Grundzügen wiederzugeben und die Authentizität sowie die Absicht der Autorin herauszustellen, damit abschließend eine Beurteilung des Textes erfolgen kann. Gleichzeitig wird die Reaktion anderer auf die Quelle untersucht, um die Folgen der Schrift herauszuarbeiten. Im Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse, speziell aus der Quelleninterpretation hervorgehoben und erneut auf die Fragestellung der Hausarbeit bezogen, sodass eine deutliche Antwort auf die Thematik der Hausarbeit ersichtlich wird. Ergänzend wird auf die Wichtigkeit der Person Katharina Staritz eingegangen.

2. Historischer Kontext

Die vorliegende Quelle entstand am 12. September 1941 und damit zu einer Zeit in der die Situation der Juden in Deutschland von Antisemitismus geprägt war. Bis 1933 lebten Juden und Christen in einer integrierten Gemeinschaft miteinander. Nach Hitlers Machtergreifung wurden sie von der Gemeinschaft getrennt und somit aus ihrer gewohnten Umgebung entwurzelt. Dies veranlasste die Juden zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Identität und der Frage, wo ihr rechter Platz sei und was sie nun in ihrer schweren Lagen tun können. Die Deutschen stellten sich zum Großteil gegen sie, bzw. ließen den Umgang mit ihren jüdischen Mitbürger geschehen, ohne einzugreifen. Diese Einstellung der Deutschen ist nicht zu verallgemeinern, es gab durchaus auch diejenigen, die ihre Hilfe anboten und war dies nur durch kleine Gesten, wie den Juden Lebensmittel vor die Tür zu stellen. Selbst diese nahezu ,,kleine“ Geste löste bei vielen Juden unheimliche Dankbarkeit aus, sodass man sich vorstellen kann, wie isoliert sie sich gefühlt haben mussten. Außerdem gab es auch eine Gruppe Deutscher, die ganz offen halfen und den Juden Herbergen boten, damit sie nicht deportiert wurden. Speziell die drohende Deportation weckte das Mitgefühl der Deutschen und veranlasste sie zu Hilfsmaßnahmen.[1]

Die Evangelische Kirche zeigte sich zur Zeit des Nationalsozialismus mit zwei unterschiedlichen Gesichtern. Sie stellte sich einerseits als eine unveränderliche Größe dar, die seit dem Anbeginn ihrer Zeit als standhafte Institution, fern von äußeren Einflüssen galt. Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, alles geschah wie es immer war. Der oft erwähnte ,,Kirchenkampf“ war kein großer Kampf zwischen mehreren einzelnen Kirchen, sondern bezog sich auf wenige Gemeinden, in denen sich verfeindete Gruppierungen gegenüberstanden. Der Kirchenkampf entstand also nur dort, wo den Gemeindemitgliedern ihre politische Wirkungsweise bewusst war und wo jene sie auch nutzen, um sich entweder deutlich gegen den Nationalsozialismus zu stellen oder ihn unterstützen.[2] Das andere Gesicht war eines, bei dem sich die Politik bedroht sah. Die Evangelische Kirche war anfangs ein lockerer Bund, entwickelte sich aber weiter, sodass im Juli 1933 die neue Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche darauf Rücksicht nehmen musste.[3] Im Laufe der Zeit entwickelten sich vier Einstellungsmuster heraus:

1. Die deutschen Christen radikaler Prägung: Wie schon der Name vermuten lässt, handelt es sich hier um die nationalsozialistisch geprägten Christen, die die Politik Hitlers als Zeichen Gottes verstanden.[4]
2. Die deutschen Christen gemäßigter Prägung: Darunter fallen die Luther-Deutschen.[5]
3. Die bekennende Kirche gemäßigter Prägung: Dazu zählen beispielsweise die lutherischen und reformierten Landeskirchenführer. Diese hatten Anteil an der Barmer Theologischen Erklärung 1934, haben sich für das kirchliche Notrecht ausgesprochen und sich kirchliche Freiräume geschaffen.[6]
4. Die Bekennende Kirche radikaler Prägung: Hierzu zählen die Dahlemiten. Sie wollten auch in den zerstörten Kirchen, nach 1935, das kirchliche Notrecht durchsetzen und keine Kompromisse eingehen.[7]

,,Die ,,Deutsche Evangelische Kirche“ war weder zu einer zutreffenden theologischen noch zu einer zutreffenden politischen Analyse des Staates fähig.“[8]

Damit ist konkret gemeint, die Kirche war nicht in der Lage aus ihrer Situation eine Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Das lag vor allem daran, dass die Bekennende Kirche das Problem mit dem Nationalsozialismus gar nicht sah. Die Kirche stellte sich zwar als dem Staat übergeordnet dar, jedoch wuchs als dieser konservativen Mentalität ein Dankbarkeitsgefühl durch die Protestanten dem Staat gegenüber. Dies geschah durch die wohl durchdachte Repräsentation des Staates nach außen: als eine Institution die die konservativen Werte achtete und dennoch mit den neuen nationalsozialistischen Werten vereinen konnte.[9]

2.1 Biografie Katharina Staritz

Katharina Helene Charlotte Staritz wurde am 25. Juli 1903 in Breslau geboren. Ihr Vater war der Studienrat Carl Staritz und ihre Mutter hieß Margarete.[10] Ihr Vater unterrichtete Naturwissenschaften und ihre Mutter stammte aus einer Gutsbesitzerfamilie. Sie war es auch die ihren Kindern christliche Werte vermittelte, sodass das Tischgebet ein selbstverständlichen Ritual der Familie Staritz war. Gerne hätte sie auch ihre beiden Töchter in die Sonntagsschule oder den Kindergottesdienst geschickt, was aber leider nicht möglich war, da die nächste Kirche weit entfernt lag. Katharina war ihr erstes Kind. Sechs Jahre nach ihrer Geburt bekam das Paar eine weitere Tochter, Charlotte, zu der Katharina zeitlebens ein besonderes Verhältnis verband. Katharina war von ihrem Naturell her eher zurückhaltend, sie beschäftigte sich gerne mit Literatur und war ein sensibles Mädchen. Zum Geburtstag ihrer jüngeren Schwester trug sie ihr gerne selbst geschriebene Gedichte vor. Es war ein harmonisches Zusammenleben in der Familie Staritz, welches aber leider von der Erblindung ihres Vaters getrübt wurde. Dieser wusste aber seine Last zu tragen und erhellte die Herzen seiner Töchter durch seinen Gesang. Katharina war eher ängstlich und konnte sich dadurch in ihrem späteren Leben gut in die Furcht anderer Menschen hineinversetzen. Neben ihrer Empathie war sie außerdem eine gute Schülerin in allen Fächern und machte 1922 ihr Abitur. Die Familie Staritz lebte in einer Villenvorort Breslaus. Staritz´ Elternhaus steht bis heute und ist mittlerweile ein Institut der hiesigen Universität.[11]

Nach ihrem Abitur wollte sie Theologie studieren, womit ihre Eltern nicht einverstanden waren. Als Frau sahen sie für ihre Tochter keine berufliche Perspektive in einem Theologiestudium. Katharina begann daraufhin Philologie zu studieren mit den Fächern Germanistik, Geschichte und Religion. Ihr Professor Hans Freiherr von Soden sollte sie während ihres Studiums prägen und in ihrem weiteren Leben begleiten. Er entdeckte ihre Begabung und förderte die junge, engagierte Frau. Damit rückte die Theologie in den Fokus ihres Theologiestudiums. 1936 reiste sie nach Jerusalem und lernte zudem hebräisch, eine wichtige Grundvoraussetzung für ihre spätere Arbeit mit Juden. 1926 bat sie ihre Eltern um die Möglichkeit eines Theologiestudiums, welchen sie entsprachen. Sie wechselte von der Universität in Breslau nach Marburg, wo auch Professor von Soden seinen neuen Lehrstuhl hatte und folgte seinem politischen Weg, da dieser sich bereits gegen den Nationalsozialismus als ,,antichristlich“[12] aussprach und Staritz sich Jahre später genauso für die Juden aussetzen sollte.[13] Von Soden war es auch, der ihr den Weg in das Theologiestudium durch persönliche Fürsprache bei ihren Eltern ermöglichte. Charlotte, ihre jüngere Schwester, teilte von Soden mit, dass sie Eltern Bedenken wegen des Studiums hätten aus Angst ihre Tochter hätte als Frau keine Zukunft in der Kirchenarbeit. Diese Bedenken konnte von Soden ihnen jedoch nehmen und Staritz konnte sich ihren Traum vom Theologiestudium erfüllen.[14]

Nach der Beendigung ihres Studiums ging sie zurück nach Breslau, um dort ihr Lehrvikariat zu beginnen. Zu diesem Zeitpunkt war die Thematik der Ausbildung und Anstellung von Theologinnen mehrfach thematisiert wurden und nun rechtlich durch die Landekirchen geklärt.[15] Sie arbeitete im Übertrittsunterricht und mit Kindern, speziell in der Seelsorge, dem Kindergottesdienst und dem Ergänzungsunterricht. Bei dem Übertrittsunterricht sah sie sich einer schweren Aufgabe gegenüber, denn dort musste sie Dissidenten, Katholiken oder Juden auf die Wiederaufnahme in die Kirche bzw. auf die Taufe vorbereiten. Mit 35 Jahren war für Frauen das Mindestalter für eine Verbeamtung erreicht, sodass ihrer Einsegnung in das Amt der Vikarin nichts mehr im Wege stand. Diese Einsegnung war für sie besonders wichtig, da sie sich in ihrer Aufgabe bestätigt fühle und es ihr einen Ansporn gab im Dienste der Kirche das reformatorische Erbe weiterzugeben und dies tat sie, indem sie nichtarische Christen zum evangelischen Glauben erzog.[16] Dabei liebte sie besonders die Arbeit mit den Kindern mit denen sie sich verbunden fühlte. Durch ihr literarischen Interesse und ihrer Empathiefähigkeit war es ihr möglich den Kindern spannende Geschichten zu erzählen, die ihr Leben erhellten.[17]

Die Briefe an ihren Cousin Martin Staritz und diverse weitere Briefen aus dem Jahre 1934 belegen, dass Katharina Staritz ,,auf der Seite der Bekennenden Kirche stand, dem Pfarrer-Notbund angehörte und die Barmer Theologische Erklärung als Bekenntnistext schätze.“[18] Als sich die Bekennende Kirche 1936 zu spalten begann stellt sie sich zunächst auf die Seite der Christopherisynode. Von Soden ist hier ebenfalls ein Fürsprecher und bekräftigt Staritz somit in ihrer Position. Von Natur aus ist sie eher geneigt, sich den vorherrschenden Autoritäten anzuschließen. Tatsächlich revidiert sie nach einiger Zeit ihre Meinung und stellt sich auf die Seite der Naumburger Synode. Zu ihrem Glück wurde sie als Vikarin von einigen Entscheidungen verschont und entging somit 1935 der Verhaftung der Notbundpfarrer.[19]

,,(…) ist es nicht Christenpflicht, einem Staat zu widerstehen, der unter die Räuber gefallen ist, der nur noch die Ethik von Räuberbanden kennt?“[20]

In den Briefen an von Soden lesen sich außerdem Hinweise heraus, dass der Nationalsozialistische Staat mit ihren Ansichten nicht konform ging. Sie stellte sich sogar gänzlich gegen das System, als eine der wenigen. Sogar innerkirchlich war die mit ihrer radikalen Abgrenzung allein.[21]

Staritz war im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (1942-43). Über ihre Erlebnisse hat sie nicht gesprochen, jedoch hat sie kurz vor ihrem Tod in ihrem Werk ,,Des großen Lichtes Widerschein“ einen kurzen Einblick in ihre Zeit als Gefangene gegeben. Durch einige Worte wurde ihre Verzweiflung deutlich. So schrieb sie beispielsweise, dass sie als politische Gegnerin jede Menschenwürde verloren zu haben schien und sich machtlos zu fühlen. Trotzdem findet sie Trost in ihrem Glauben und hält an dem Gedanken fest, dass Christus ihren Weg lenkt.[22] Im KZ besitzt sie weder Bibel noch Gesangbuch, hält aber dennoch in einer kleinen Frauengruppe einen Gottesdienst ab. Dies geschah heimlich, denn niemand dufte mitbekommen, was die Frauen sprachen. Sie selbst schreibt, dass sie in den Freistunden in fünferreihen gehen mussten und sie in der Mitte ging und einige kurze Worte, passend zu der Situation in der sie sich befanden, sprach.[23]

2.2 Die Situation der Juden im Dritten Reich

Juden und Deutschen lebten im 19. Jahrhundert in einer Gemeinschaft zusammen. Obwohl ihnen einige Ämter verwehrt blieben, wenn sie sich nicht taufen ließen waren sie dennoch gesellschaftlich integriert und akzeptiert. Universitäten, Altenheime, Schulen und Krankenhäuser wurden insbesondere in Frankfurt von Juden gestiftet, sodass sie einen wichtigen Pfeiler deutscher Kultur hinterließen. Viele Juden zogen für Deutschland in den Ersten Weltkrieg.[24]

Hitler hatte seine Gegnern, den Juden und Marxisten, mit Vernichtung gedroht, sodass er einer Klima der Furch und Angst verbreitete. Die vorher zufriedene Symbiose zwischen Juden und Deutschen geriet ins Wanken. Im Jahre 1919 verkündete Hitler in seiner Judenschrift, dass es sein oberstes Ziel sein wird die Juden aus dem Deutschen Reich zu entfernen.[25] Die Judenverfolgung in Breslau, Katharina Staritz´ Heimatstadt, begann 1933/34. In diesen Jahren wurden erste Gewaltakte gegen Juden verzeichnet. 1933 werden Pfarrer nichtarischer Abstammung in den Ruhestand versetzt oder beurlaubt. Dazu gehörte auch Katharinas Mentor Professor von Soden, weil dieser sich gegen den Arienparagraphen ausgesprochen hatte. Seine Ansetzung blieb jedoch nur zeitweilig und wurde wieder rückgängig gemacht.[26]

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie Hitlers es schaffte den Kampf gegen die Juden als Gottes Werk darzustellen: ,,Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“[27] Die gesamte Kirchengemeinde hat das Martyrium der Juden nicht verhindert und das obwohl der NS-Staat gänzlich gegen jede christlichen Wertvorstellungen verstieß. Auch die zu 95% christlich getaufte Bevölkerung ließ die Juden im Stich. Wie konnte das passieren?[28]

,,Das Versagen der evangelischen Kirche im Dritten Reich lag nicht daran, daß die Solidarisierung mit Jüdinnen und Juden vorwiegend auf getaufte Jüdinnen und Juden beschränkt blieb, sondern daran, daß es zu wenig >>Staritze<< gab und zu viele, die gar nichts taten oder sich mit den Nazis als >>Obrigkeit<< arrangierten.“[29]

Antisemitische Gedanken waren schon vor Hitlers Machtergreifung in den Köpfen der Deutschen. Die Kirche hat sich mit dem Thema nicht auseinandergesetzt und somit den Weg zur Ausgrenzung der Juden geebnet. Als dieser Fehler der Kirche gewahr wurde, war es schon zu spät um ihn zu korrigieren. Hinzu kommt, dass es in der Anfangszeit Hitlers noch nicht deutlich war, dass sein besonderes Interesse den Juden galt. Die Gesamtsituation war unklar und die Gefahr in der die Juden schwebten für Kirche und Volk nicht ersichtlich. Innerhalb der Kirche bildeten sich Gruppierungen, verschiedene Auffassungen schwirrten durcheinander und es kam keine Einigung zustande. Die Kirche war aufgewühlt, die Meinungen unterschiedlich und somit der Grundstein für die Fehlentscheidung zur Resignation der Kirche, bezogen auf die Judenfrage, gelegt.[30]

,,Ihre Schuld war – scheinbar - ,,kleinerer“ Art (…)“[31]

Die evangelische Kirche war Mitschuld am Holocaust. Zum einen weil sie Hitlers Rassenideologie mit dem Glaubensbekenntnis vereinbaren konnte und sie glaubte ihre Autonomie durch Loyalitätsbezeugungen gegenüber dem NS-Staat zu sichern.[32] Trotzdem gab es auch den Gegenpart. Es gab Gruppierungen in der Kirche, die sich durch Solidarisierung oder anderen Erleichterungen für die Juden einsetzen. Ihre Zahl war klein, aber dennoch erwähnenswert, da es sich bei Katharina Staritz um eine solche Person handelte. Diese Personen ermöglichten den Juden die Ausreise, boten ihnen Verstecke und planten sogar Sabotageakte.[33]

Der Rheinische Sydonalbeschluss zur Erneuerung des Verhältnisses der Christen zu den Juden gibt offen die Mitschuld der gesamten Christen am Holocaust zu. Weiter sagen sie, der Holocaust war eine Krise der Zivilisation und der Politik. Mit der Zivilisation sich die Universitäten gemeint, denn diese lehrte den Menschen das Handwerkszeug, um diesen Genozid zu planen und durchzuführen. Bezogen auf die Politik meint das, ein Apparat, wie die Politik die sich grundsätzlich nicht in böswilliger Absicht auf die eigenen Ziele des Parteivorstanden stützen soll, wurde hier zu genau dem missbraucht, obwohl dies weder passiv noch aktiv geschehen sollte. Als Schluss dieses Versagens wird der Sydonalbeschluss fortan bei den technokratischen Mitteln mitarbeiten und kritischen Widerstand gegen Handeln, welches gegen christliche Werte verstößt, leisten.[34]

[...]


[1] Vgl. Lekebusch: Widerstandsforschung, 34f.

[2] Vgl. Norden: Kirche, 98f.

[3] Vgl. ebd., 99.

[4] Vgl. ebd., 101.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd, 101f.

[7] Vgl. ebd, 102.

[8] Ebd., 104.

[9] Vgl. ebd., 104f.

[10] Vgl. Erhart: 1903-1942, 51.

[11] Vgl. Schwöbel: Vertraue, 13-16.

[12] Ebd., 19.

[13] Vgl. ebd., 17-19.

[14] Vgl. Erhart: 1903-1942, 19.

[15] Vgl. ebd., 31.

[16] Vgl. ebd., 42f.

[17] Vgl. Schwöbel: Vertraue, 21.

[18] Erhart: 1903-1942, 46.

[19] Vgl. ebd., 46-48.

[20] Ebd., 49.

[21] Vgl. ebd..

[22] Vgl. Schottroff: Geführt, 145f.

[23] Vgl. ebd., 148.

[24] Vgl. Schwöbel: Vertraue, 26.

[25] Vgl. ebd., 26f.

[26] Vgl. ebd., 27.

[27] Busch: Judentum, 158.

[28] Vgl. ebd., 158f.

[29] Schottroff: Geführt, 148.

[30] Vgl. Busch: Judentum, 160ff.

[31] Ebd., 162.

[32] Vgl. ebd., 163.

[33] Vgl. ebd., 172.

[34] Vgl. Klappert: Versagen, 146.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Katharina Staritz Verhältnis zu den Juden. Wieso stellte sie sich auf die Seiten der Unterdrückten?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V372467
ISBN (eBook)
9783668504608
ISBN (Buch)
9783668504615
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katharina Staritz, Juden, Drittes Reich, Quellenkritik, Antisemitismus
Arbeit zitieren
Alina Willkomm (Autor), 2017, Katharina Staritz Verhältnis zu den Juden. Wieso stellte sie sich auf die Seiten der Unterdrückten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372467

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