Der sogenannte „Schatz des Attila“ und der Schatzfund von Brestovac stellen einen grundlegenden archäologischen Forschungsbereich im Karpatenbecken zwischen der Spätawaren und Karolingerzeit dar. Die Entdeckung beider Schätze Anfang des 19. Jhs. erweckten ein reges Interesse an der Untersuchung der reichen Goldfunde des frühen Mittelalters. Seither gab es eine Vielzahl an Forschungsansätzen verschiedener Archäologen, die sich mit dem Schatz von Nagyszentmiklós auseinandergesetzt haben, jedoch laut des Ungarn Csanád Bálint nicht ein zufriedenstellendes Resultat seinerseits erzielen konnten. Er kritisiert sogar namentlich Robert Göbl, der das Augenmerk nicht auf das Alter des Schatzes gelenkt hat und somit nicht genaue Ergebnisse erzielen konnte.
In der Vergangenheit wurden Themen wie „Inschriftsanalysen“, „Metallgefäßkunst“ und „Nutzungsmöglichkeiten“ erforscht - die wichtige Frage stellt sich nichtsdestotrotz, wenn man die Schätze miteinander vergleicht und so das Alter erschließen möchte. Relevante Ansätze dazu überlieferten der oben genannte ungarische Archäologe und Birgit Bühler, deren Buch Der „Schatz“ von Brestovac, Kroatien letztes Jahr erschien. Aufschlüsse über besondere Materialanalysen bis hin zu kulturellen Bezügen in der Spätawarenzeit des 8. Jh. n.Ch. konnten ebenfalls gegeben werden.
Im Zuge der Hausarbeit möchte ich auf die oben erwähnten einzelnen Aspekte eingehen, die Schätze aber auch auf Form und Gebrauchsspuren untersuchen. Die Entdeckungsgeschichte wird dabei nur einen kleinen Teil umfassen, da die Auswertung und der Vergleich der gefundenen Objekte im Raum Ungarn/Kroatien/Rumänien einen viel größeren Punkt ausmachen.
Abschließend soll nicht nur die Altersfrage geklärt werden, sondern auch inwiefern diese Schätze eine so aussagekräftige Rolle im Bezug zu der damaligen christianisierenden Lebenseinstellung spielten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der historische Überblick
3. Der „Goldschatz von Nagyszentmiklós“
4. Der „Goldschatz von Brestovac“
5. Datierung - Parallelen und Unterschiede
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert die archäologischen Schätze von Nagyszentmiklós und Brestovac, um deren zeitliche Einordnung im Übergang von der Spätawaren- zur Karolingerzeit zu bestimmen und ihre Bedeutung im Kontext der zeitgenössischen, christlich geprägten Lebenswelt zu untersuchen.
- Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Forschungsansätzen und Datierungsfragen.
- Detaillierte Untersuchung der Materialbeschaffenheit, Form und Gebrauchsspuren der Fundobjekte.
- Vergleichende Analyse der Ornamentik und technologischen Schmiedekunst beider Fundkomplexe.
- Deutung der Inschriften als Hinweis auf kulturelle Einflüsse und religiöse Transformationen.
- Ermittlung der Werkstatttraditionen und lokaler Einflüsse im Donaubereich.
Auszug aus dem Buch
3. „Der Goldschatz von Nagyszentmiklós“
Der im Komitat Torontal (Ungarn) (Abb.38) gefundene Goldschatz befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien. Die Entdeckung erfolgte im damaligen Nagyszentmiklós (dt. Großsanktnikolaus), was 1334 urkundlich erwähnt wurde.
Der Schatz umfasst 23 Goldobjekte, die in drei Kategorien verallgemeinert werden können: 1. Krüge, 2. Flaschen und Kannen und 3. Schalen.
Nr. 1 (Abb.1)
Hierbei handelt es sich um das größte Stück des Fundkomplexes. Der Krug ist durch seine elliptische Form gekennzeichnet und verjüngt sich nach oben hin. Am Rand befindet sich ein Perldrahtband, welches separat verarbeitet und angelötet wurde. Am Hals befinden sich der Länge nach Kanneluren, die im Halbkreis enden. Die Wulst ist mit Reliefornamentik dekoriert. Am Bauch befinden sich zudem noch zwei Blattreihen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der archäologischen Datierung der Schätze von Nagyszentmiklós und Brestovac ein und stellt die Forschungsziele dar.
2. Der historische Überblick: Dieses Kapitel skizziert die Entdeckungsgeschichte beider Schätze und ordnet sie historisch in das Karpatenbecken ein.
3. Der „Goldschatz von Nagyszentmiklós“: Hier werden die 23 Goldobjekte des Fundkomplexes detailliert nach ihren formalen und ornamentalen Eigenschaften katalogisiert.
4. Der „Goldschatz von Brestovac“: Dieses Kapitel beschreibt die 14 inventarisierten Fundobjekte von Brestovac und diskutiert deren Bedeutung sowie Herkunft.
5. Datierung - Parallelen und Unterschiede: Der Abschnitt analysiert stilistische und technologische Übereinstimmungen sowie Unterschiede beider Schätze zur Bestimmung ihrer zeitlichen Einordnung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und betont die Gemeinsamkeiten in der Schmiedetechnik der Werkstätten im Donaubereich.
Schlüsselwörter
Nagyszentmiklós, Brestovac, Spätawarenzeit, Karolingerzeit, Goldschatz, Archäologie, Metallgefäßkunst, Stäbchenranken, Karpatenbecken, Inschriftenanalyse, Schmiedetechnik, Frühmittelalter, byzantinischer Einfluss, Werkstatttradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der archäologischen Analyse und einem vergleichenden Datierungsversuch der Goldfunde von Nagyszentmiklós und Brestovac.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die historische Einordnung, die typologische und stilistische Analyse der Fundstücke sowie die Untersuchung der Schmiedetechniken und Dekorelemente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Altersfrage der Funde zu klären und zu beleuchten, welche Rolle diese Objekte im Kontext der christianisierenden Lebenseinstellung des Frühmittelalters spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende kunsthistorische und archäologische Methode, die auf der Analyse von Ornamentik, Herstellungsdetails und zeitgenössischen Inschriften basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung beider Schatzfunde mit detaillierten Beschreibungen der Einzelobjekte sowie eine anschließende Datierungsanalyse anhand von Parallelen und Unterschieden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Goldschatz, Spätawarenzeit, Karolingerzeit, Stäbchenranken, Metallgefäßkunst und das Karpatenbecken.
Welche Bedeutung haben die Inschriften auf den Gefäßen?
Die Inschriften sind komplex und schwer zu deuten; sie dienen jedoch als Indiz für kulturelle Einflüsse und die zunehmende christliche Prägung in der damaligen Zeit.
Gibt es einen Hinweis auf die Herkunft der Werkstätten?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Werkstätten im Donaubereich mit byzantinischen Einflüssen agierten und eine hochqualitative, multikulturelle Tradition pflegten.
- Arbeit zitieren
- Belinda Luban (Autor:in), 2015, Nagyszentmiklós und Brestovac zwischen der Spätawaren und Karolingerzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372862