Das Grab des Lyson und des Kallikles. Ein Vergleich


Hausarbeit, 2014
19 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Grabkomplex

3. Konstruktion
3.1 Vorkammer
3.2 Grabkammer

4. Phasen der Malerei

5. Parallelen und Diskrepanzen

6. Vergleich der Stile

7. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Fragestellung

Die vorliegende Arbeit behandelt das Grab des Lyson und des Kallikles und beachtet dabei den historischen Kontext auf der Grundlage der erarbeiteten Mittel von Stella Miller, die das hochhellenistische Kammergrab erforscht hat. Ich möchte das Augenmerk auf die Einzigartigkeit des Komplexes legen, da es sich um ein Mehrgenerationengrab handelt.

An der Symbolik der Wandmalerei kann man die Militärshierarchie ablesen, die im nahen Zusammenhang mit der Familie gestanden haben muss und in dieser besonderen Form, nur in diesem makedonischen Grab von Lefkadia vorkommt.

Einen Einblick über den sehr gut erhaltenen Gräberkomplex möchte ich in dieser Arbeit niederlegen.

Einleitung

Die Hausarbeit ist weitreichend auf der Grundlage der wegbereitenden Studien von Miller geschrieben. Der Ausgräber, der das Grab 1942 entdeckte, Charalambos Makaronas, veröffentlichte lediglich nur einen kurzen Bericht. Stella Miller führte weitere Arbeiten komplett alleine durch.

Zuerst gehe ich auf den Fundkomplex ein, in dem sich dieses Grab befindet. In Folge dessen möchte ich ausführlich auf die Bilderfelder eingehen, die sich in Lünetten und Wandmalerei aufteilen. Eine Diskussion anhand der ikonographischen Mittel und Symbolik, aber auch der Parallelen und Unterschiede der Bilder und auch des gesamten Grabkomplexes, in Verbindung zu anderen Gräbern, schließt daran an. Im Abschluss möchte ich ansatzweise die Stile vergleichen, die ich an diesem Werk feststellen konnte.

Der Grabkomplex

Das Grab des Lyson und des Kallikles, welches in die hochhellenistische Epoche fällt, ist eines von vier anderen makedonischen Gräbern von Lefkadia (Abb.1), das in der Provinz Naoussa zu finden ist. Errichtet auf der alten Straße, die die Stadt Mieza mit der antiken Hauptstadt des Makedonischen Reiches Pella verbindet, ist es heutzutage nicht zu besichtigen, da es seit 1999 von einem Metallgerüst geschützt wird.

Stella Miller, die das Grab anhand der Ausgrabung Makaronas‘ von 1942, 1974 dokumentierte und zeichnete, ließ Keramikfunde untersuchen, die darauf hindeuten, dass das Grab in das späte 3. Bis Mitte des 2. Jhd. datiert. Aber auch die Einbeziehung der Prosopographie, die Erforschung eines bestimmten Personenkreises, deutet auf diese Datierung hin.

Im Allgemeinen kann man dem Grab 22 Nischen ansehen, die für die einzelnen Familienmitglieder bestimmt waren und zum größten Teil auch deren Namen als Inschrift unter einer Nische zu stehen haben, da 17 von denen mit Asche befüllt sind. Zwei jener an der Südwest- und Drei an der Südostseite wurden leer vorgefunden.1 Jede einzelne Nische hingegen war in ihrem Inneren gänzlich in einem creme-gelben Ton bemalt worden2. Dieses typische makedonische Zweikammergrab besteht aus einer Vorkammer und einer Hauptkammer, der Grabkammer, in der sich die Nischen in zwei Reihen an den Längsseiten und an der Nordseite (Abb. 2) befinden.

Konstruktion

Die Vorkammer

Begibt man sich an der Südseite in das Grab, das von zwei riesigen Steinplatten blockiert ist3, sieht man zuerst die Vorkammer, in der auf der einen Seite ein Weihwasserbecken (Abb. 3) und auf der anderen Seite ein Altar (Abb. 4) gemalt ist. Reliefs deuten hierbei auf eine Doppel-Flügeltür hin. hber der Tür kann man die Namen (Abb. 5) der Erstverstorbenen ΛΥΣΩΝΟΣ (Lyson) und ΚΑΛΛΙΚΛΕΟΥΣ (Kallikles) gut erkennen. Der schmale Vorraum liegt 15cm tiefer als die Grabkammer4.

Die Grabkammer

An der Südseite (Abb. 6) steht eine Tür, die zur Vorkammer führt. In der Hauptkammer gibt es, wie in anderen makedonischen Gräbern auch, eine tonnengewölbte Decke (Abb. 7). Ringsum befinden sich die Grabnischen, die zum Großteil an der West- und Ostseite untergebracht sind. Sechs befinden sich an der Nordseite und jeweils acht an den anderen Seiten.

An der Nord- und Südseite dieser Kammer sind Lünetten zu finden, die mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen verziert sind. An den langen Seiten schlängelt sich eine Girlande, auf der Blätter, Blumen und Früchte sprießen. Reihum werden die Grabreihen in der horizontalen Ebene von dorischen Säulen unterbrochen.

Die Phasen der Malerei

Laut Miller sind die Lünetten (Abb. 8 u. 9) als Erstes gemalt worden, demnach wurden die Wände von oben nach unten hin gestaltet. Zuerst die vertikalen und im Anschluss die horizontalen Linien, weil die Säulen als Abgrenzung für die Nischen dienen mussten. Als Letztes entstanden die polychromatische Malerei und die Dekoration.5

Die Fassade, die in dieser Arbeit nicht abgebildet ist, enthält eine Rosette, die bei der Ausgrabung entdeckt wurde. Sie soll über der Tür gefunden worden sein.

In der Vorkammer ist eine creme-gelbe Färbung der Wände zu sehen. An der Westwand befindet sich ein 1,06m hoher Altar (Abb. 4), der in roten, weißen und blauen Farben gestaltet wurde. Gegenüber an der Ostseite existiert ein 0,7m hohes Perirrhanterion (Abb. 3), welches den Durchmesser von 0,58m aufweist. Jenes ist in Grau- und Blautönen ausgearbeitet worden. Allgemein gilt dieses Weihwasserbecken zur rituellen Waschung, das vor dem schmutzigen Tod schützen soll. Insgesamt befinden sich an der Ostseite der Vorkammer drei Paar horizontale Linien und darin die Aufschrift u.a. „ΛΥΣΩΝΟΣ ΚΑΛΛΙΚΛΕΟΥΣ ΤΩΝΑΡΙΣΤΟΦΑN(…)“ - Lyson und Kallikles Söhne Aristophanes (Abb. 5).

Gründe, warum ein Perirrhanterion in der Vorkammer steht, sind so ausgelegt, dass es sehr nah an den zeremoniellen Gebrauch gerät. Immer wieder sind neue Tote mit ins Grab eingetreten, von welchen man sich erst reinwaschen muss. Optisch demonstriert dieses Becken ein zeremionales Spränkeln, umgeben von Pflanzen, die schwer zu identifizieren sind, jedoch Olive, Myrte und Lorbeer einbeziehen. Dies sind immergrüne Pflanzen, die somit das ewige Leben selbst nach dem Tod wiederspiegeln sollen.

Der Altar ist mit einem Eierstab am oberen Ende bestückt und enthält ebenso ein lesbisches Kymation. Zu dem weiteren Dekorationselement gehört eine Schlange, die eine gelbe Unterseite besitzt, rote Augen und eine schwarze Zunge. Solche Altäre kommen zu der Zeit oft in Palästen vor, zum Beispiel im Palast von Knossos auf Kreta.

Die Symbolik der Schlange ist schon im Alten Ägypten aufgetaucht. Da hingegen war sie, wie in Asien auch, mit Bosheit und Zorn verbunden. In Griechenland hatte die Schlange eine heilende Wirkung, verkörpert aber auch gleichzeitig die Seele des Verstorbenen, die somit wiederauferstehen konnten.6

Auch in der Grabkammer sind creme-gelbe Wände anzusehen (Abb. 10). An den Säulen, die ionische Kapitelle und Eierstäbe aufweisen, sind die fehlenden Basen festzustellen. Die Farbgestaltung beläuft sich hierbei auf Rot, Weiß und Blau. Das Gewölbe ist in einem rötlichen Ton gestaltet und beinhaltet gelbe Faszien. Der dorisch geordnete Architrav ist erneut in dem creme-gelben Ton gemalt. In ganz Makedonien sind diese Wände architektonisch nachweisbar und deshalb gewöhnlich für diesen Ort. Gleichzeitig verweist der Stil, wie die Wände ausgestattet sind, auf den Illusionstil mit gleichzeitigem Mauerwerkstil. Auf die Diskussion der Deutung der Stile möchte ich jedoch erst später eingehen.

Die Decke, von der es nur wenige Bilder gibt, ist in zwei Hauptzonen eingeteilt. Ein dunkelgelbes Feld, das sich zentriert befindet, ist umrahmt von einer Rot-Lila-Zone, die wiederum umrandet von zwei Bändern, in den Farben Blau und Beige, ist. Miller erwähnt, dass der Fußboden einst wohl auch bemalt war, wie es schon aus anderen makedonischen Gräbern bekannt ist, es aber heute nicht mehr ersichtlich ist7.

Eine kontinuierliche Girlande (Abb. 11), die des Öfteren den Platz im sakralen Raum bekommt, schlängelt sich um den Raum herum und setzt eine Abgrenzung zwischen den Nischen (Abb. 12) und den Pilasterkapitellen. Die Blätter, Blumen und Früchte scheinen an der Girlande zu sprießen, was sich auch durch den dunklen Untergrund noch besser hervorhebt. Erneut befinden sich Lorbeer, Myrte und Olive an den Wänden, die die Vegetation im Grab aufrechterhalten soll. Somit wird ein imaginäres Universum geschaffen.

[...]


1 Miller 1993, 31

2 Miller 1993, 32

3 Miller 1993, 29

4 Miller 1993, 30

5 Miller 1993, 36

6 http://www.sgipt.org/galerie/tier/schlang/schl_kult.htm (25.09.2014)

7 Miller 1993, 30

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Grab des Lyson und des Kallikles. Ein Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Klassische Archäologie)
Veranstaltung
Nekropolen und Grabbauten in Unteritalien, Illyrien und Nordgriechenland
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V372865
ISBN (eBook)
9783668507944
ISBN (Buch)
9783668507951
Dateigröße
2558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lyson, Kallikles, Vergleich, Archöologie, Mumie, Grab, Lefkadia
Arbeit zitieren
Belinda Luban (Autor), 2014, Das Grab des Lyson und des Kallikles. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372865

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