Da das Gesamtbild der sozialen Stellung von Frauen in Rom für den gegebenen Rahmen zu umfangreich ist, um adäquat behandelt werden zu können, und erschwerend hinzukommt, dass es “die“ Frau genauso wenig in der Antike gab, wie zu irgendeiner anderen Zeit, soll zuerst die Ehe und die damit verbundenen Gesetze und Straftaten, die im Besonderen Frauen betrafen, behandelt werden. Dies muss umso ausführlicher betrachtet werden, als die soziale Stellung der Frau primär über Ehe und Mutterschaft definiert wurde. Trotzdem wird auch der Versuch unternommen, auch einige Rollen “der“ Frau außerhalb der Familie zu skizzieren. Wobei sich aber quellentechnisch das Problem ergibt, dass hierbei vorwiegend nur Aussagen über die Frauen der Oberschicht vorliegen. Problematisch ist auf jeden Fall, dass je nach Zeit und Ort die Ausgestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine andere war.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Frau in der Ehe
1. patria potestas'
2. manus potestas
2. 1. cum manu
2. 2. sine manu
2. 3. patronus et liberta
2. 4. Gültigkeit der Ehe bei Gefangennahme
3. Unterhalt der Frau und Vermögen
4. Kinder und Erbe
5. Verfehlungen
5. 1. Bigamie
5. 2. stuprum im Prinzipat
5. 3. Vergewaltigung
5. 4. Ehebruch
7. Scheidung
7. 1. sine manu
7. 2. cum manu
II. Die Frau im Wirtschaftsleben
III. Prostituierte
Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtliche und soziale Stellung der Frau im römischen Prinzipat, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Eherecht, den damit verbundenen Vermögensverhältnissen sowie der Rolle der Frau im Wirtschafts- und Erwerbsleben liegt.
- Rechtliche Strukturen der Eheformen (cum manu vs. sine manu)
- Strafrechtliche Aspekte bei Ehebruch, Unzucht und Vergewaltigung
- Vermögensrechtliche Bestimmungen und die Rolle der Vormundschaft
- Regulierungen der Prostitution und das soziale Stigma der infamia
- Einfluss der augusteischen Gesetzgebung auf Eheschließung und Kinderwunsch
Auszug aus dem Buch
2. manus potestas
Eine an der patria potestas orientierte, aber nicht so umfangreiche Gewalt, stellte die manus potestas dar. Diese Gewalt hatte ein jeder Mann über seine Ehefrau (in einer manus-Ehe), seine Kinder und seine Sklaven.
Grundsätzlich kann man sagen, dass bis zur Gesetzgebung des Augustus einer Römerin immer unter der manus eines Römers, entweder ihres pater familias, ihres Ehemannes oder ihres tutor, stand. Der Grund dafür lag im antikem Denken, welches das weibliche Geschlecht mit zwei großen Mängeln behaftete sah: Die Schwäche des Geschlechtes (infirmitas sexus) und die Unbekümmertheit des Geistes (levitas animi); wodurch die Bevormundung durch einen Mann notwendig wurde.
Im Rom gab es zwei rechtliche Formen von Ehe, die allerdings durchaus auf unterschiedliche Art und Weise geschlossen werden konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Schwierigkeit der Quellenlage bei der Analyse der sozialen Stellung römischer Frauen und definiert das Ziel der Arbeit, primär das Eherecht sowie die gesellschaftliche Rolle der Frau zu beleuchten.
I. Die Frau in der Ehe: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert die verschiedenen Ehetypen, die rechtliche Vormundschaft, Eigentumsfragen sowie die strafrechtlichen Konsequenzen bei Eheverfehlungen und Scheidungen.
II. Die Frau im Wirtschaftsleben: Hier wird untersucht, wie Frauen trotz rechtlicher Einschränkungen wirtschaftlich agierten, welche Berufe sie ausübten und wie der Staat die Erwerbstätigkeit regulierte.
III. Prostituierte: Das Kapitel befasst sich mit der rechtlichen Stellung von Prostituierten, deren sozialem Stigma und den staatlichen Versuchen, das Gewerbe durch Registrierung und rechtliche Verbote zu kontrollieren.
Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die rechtliche und soziale Stellung der Frau stark von ihrem Stand abhing und durch die Vormundschaft des Mannes geprägt war, wobei Frauen der Unterschicht häufig aus wirtschaftlicher Not tätig sein mussten.
Schlüsselwörter
Römisches Recht, Prinzipat, Ehe, Manus-Ehe, Patria potestas, Ehebruch, Scheidung, Wirtschaftsleben, Prostitution, Infamia, Tutor, Lex Iulia, Rechtsstellung der Frau, Antike, Vermögensrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rechtliche und soziale Position der Frau im römischen Prinzipat, insbesondere unter Berücksichtigung von Ehe, Familie und wirtschaftlicher Partizipation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen zählen das römische Eherecht, die Vermögensverwaltung, rechtliche Sanktionen bei Ehebruch sowie die Berufsfelder von Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen idealisierten Rollenbildern (Matrone) und der rechtlichen sowie faktischen Lebenswirklichkeit von Frauen in der Antike aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine detaillierte Analyse antiker Rechtsquellen (Digestae, Codex Iustinianus) sowie auf zeitgenössische literarische und epigraphische Zeugnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Ehe, Wirtschaftsleben und Prostitution, wobei spezifische Gesetze wie die lex Iulia oder die lex Papia Poppaea erläutert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die manus-Gewalt, die Vormundschaft (tutor), der Status der Frau in Bezug auf Erbrecht und Eigentum sowie die soziale Stigmatisierung durch infamia.
Warum war für Frauen im frühen Prinzipat die Vormundschaft eines Mannes rechtlich notwendig?
Das antike Denken schrieb dem weiblichen Geschlecht eine natürliche Schwäche des Körpers und des Geistes zu, weshalb eine rechtliche Bevormundung als notwendig erachtet wurde.
Welche Auswirkung hatte die Gefangenschaft eines römischen Bürgers auf dessen Ehe?
Ein als "iuristisch tot" geltender Bürger verlor seine Rechte; Ehen wurden durch Gefangenschaft beendet, es sei denn, es handelte sich um eine besondere Patronatsbeziehung.
- Arbeit zitieren
- Winfried Kumpitsch (Autor:in), 2016, Die rechtliche Stellung der Frauen im frühen Prinzipat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372936