In dieser Arbeit werden zunächst die historischen Geschehnisse rund um die Kolonie Deutsch-Ostafrika aufgezeigt, um ein umfassenderes Verständnis für das damalige Verhältnis zwischen den deutschen Kolonialherren und der indigenen Bevölkerung herzustellen. Des weiteren wird rekonstruiert, wie der Schädel in deutschen Besitz gelangen konnte und wie sich der Rückführungsprozess gestaltet hat. Abschließend wird das heutige Nationalbewusstsein der tansanischen Bevölkerung betrachtet und untersucht, inwieweit die Person Mkwawas Einfluss auf die gegenwärtige Erinnerungskultur in Tansania genommen hat. Ein kurzer Ausblick, der thematisiert, wie die koloniale Vergangenheit weiter aufgearbeitet werden kann, schließt die Ausführungen ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vorgeschichte des Mkwawa-Schädels
2.1 Anfänge der deutschen Kolonie in Ostafrika
2.2 Die Entstehung des Schutztrupps unter Zelewski
2.3 Der Krieg der „Kaiserlichen Schutztruppe“ gegen die Wahehe (1890 – 1898)
3. Der Einfluss des Wahehe-Aufstandes auf das postkoloniale Tansania
3.1 Die Rückführung des Mkwawa-Schädels
3.2 Die heutige Erinnerungskultur der tansanischen Bevölkerung zur kolonialen Invasion
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des Mkwawa-Schädels als Symbol des antikolonialen Widerstands in Tansania und analysiert, inwieweit die Rückführung dieser Reliquie das heutige nationale Identitätsbewusstsein beeinflusst hat.
- Historische Ursprünge der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Ostafrika
- Der Wahehe-Aufstand unter Sultan Mkwawa und die Folgen
- Der Prozess der Rückführung des Mkwawa-Schädels
- Die Rolle von Mkwawa als tansanischer Nationalheld in der Erinnerungskultur
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rückführung des Mkwawa-Schädels
Das Ende der deutschen Herrschaft über Tanganjika läutete analog den Beginn der Verwaltung unter britischer Krone ein. Deshalb waren es auch die Briten, die den Artikel 246 im Versailler Vertrag hinzufügen lassen haben. Dieser Vertragsbestandteil machte dem Deutschen Reich die Rückgabe des Mkwawa-Schädels in britische Hände zur Auflage. Mit der Aufnahme dieser Bedingung folgten die Siegermächte dem Wunsch der Wahehe, welcher durch einen in Iringa stationierten „politischen Berater“ der britischen Verwaltung mitgeteilt wurde. Kurz nach Inkraftreten des Versailler Vertrages meldete sich ein ehemaliger Zahlmeister, der zur Zeit des Todes von Mkwawa in Iringa stationiert war, mit Informationen zum Verbleib des Schädels.
Gemäß seinen Schilderungen wurde der Kopf in einem Kochtopf zur Station gebracht und wurde dort durch von Prince öffentlich zur Schau gestellt. In den Schilderungen zum weiteren Weg des Schädels widersprechen sich die bestehenden Quellen. So erklärte beispielsweise Magdalena von Prince, die Ehefrau von Tom von Prince, der Kopf sei in Uhehe begraben worden. Dies würde bedeuten, dass zu diesem Zeitpunkt der Schädel schon lange nicht mehr in deutschem Besitz gewesen wäre. Das Auswärtige Amt in Berlin stellte nach anderthalb Jahren die innerdeutsche Suche nach dem Schädel ein, nachdem diese keine erfolgreichen Nachforschungen in deutschen Museen vorweisen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik um Artikel 246 des Versailler Vertrags und die Bedeutung des Schädels von Mkwawa für den tansanischen Widerstand ein.
2. Die Vorgeschichte des Mkwawa-Schädels: Dieses Kapitel erläutert die Expansion des Deutschen Reiches in Ostafrika, die Entstehung der Schutztruppen und den blutigen Konflikt mit dem Stamm der Wahehe.
3. Der Einfluss des Wahehe-Aufstandes auf das postkoloniale Tansania: Hier wird der Prozess der Rückführung des Schädels nach Tansania beleuchtet und die Transformation Mkwawas zum modernen Nationalhelden analysiert.
4. Ausblick: Der Ausblick thematisiert den aktuellen Stand der deutsch-tansanischen Beziehungen und die Notwendigkeit einer weiteren Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit.
Schlüsselwörter
Mkwawa, Wahehe, Deutsch-Ostafrika, Kolonialismus, Rückführung, Schädel-Reliquie, Versailler Vertrag, Nationalbewusstsein, Tansania, Widerstandskampf, Erinnerungskultur, Schutztruppe, Identität, Postkolonialismus, Kulturgut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Geschichte der Schädel-Reliquie des Stammesoberhaupts Mkwawa und deren Rückführung von Deutschland nach Tansania.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der deutsche Kolonialismus in Ostafrika, der Widerstand der Wahehe und die spätere Bedeutung des Schädels für das tansanische Nationalbewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Bedeutung die Person Mkwawa für das heutige tansanische Volk hat und wie der Rückführungsprozess die Erinnerungskultur prägte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische Rekonstruktion auf Basis von Literaturanalysen, Archivunterlagen und historischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts, den Konflikt mit der deutschen Schutztruppe und die politischen Bemühungen zur Rückgabe des Schädels im 20. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mkwawa, Wahehe, Kolonialismus, Rückführung und nationales Identitätsbewusstsein.
Warum bestehen Zweifel an der Echtheit der Reliquie?
Es gibt keine eindeutige genetische Identifizierung; zudem existierten historische Berichte über den Verkauf willkürlicher Schädel durch deutsche Soldaten, um Kopfgelder zu kassieren.
Welche Rolle spielt das Mkwawa Memorial Museum?
Es fungiert als zentraler Gedenkort in Kalenga, der den Schädel und weitere Artefakte des Stammes beherbergt und den antikolonialen Widerstand würdigt.
Wie beurteilte Mkwawas Enkel das deutsch-tansanische Verhältnis?
Adam Sapi Mkwawa bezeichnete das Verhältnis 1994 als sehr gut und betonte, dass die Rückkehr des Schädels das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft vertieft habe.
- Citation du texte
- Juliane Braun (Auteur), 2017, Die Schädel-Reliquie des Stammesoberhaupts Mkwawa und ihre Bedeutung für das tansanische Nationalbewusstsein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372943