Der Pauperismus als Auslöser für die Märzrevolution 1848


Hausarbeit, 2017
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Märzrevolution 1848/49
I.I Der Vormärz
I.II Die Ursachen der Märzrevolution
I.II.I Politische Unzufriedenheit im Vormärz
I.II.II Sozialer Aspekt

II. Der Pauperismus
II.I Die Ursachen des Pauperismus9 II.II Der Einfluss des Pauperismus‘ auf die Bevölkerung
III. Das Wirken des Pauperismus‘ im Gesamtkontext der Märzrevolution

Fazit

Literatur-/Quellenverzeichnis

Einleitung

„Monokausale Erklärungsmodelle, die den Ausbruch der Revolution auf die wirtschaftliche Krisensituation zurückzuführen, wurden schon von einigen Zeitgenossen, aber in mehr oder minder deutlichen Form auch von der marxistisch orientierten Geschichtswissenschaft vertreten. Während heute die meisten Historiker die Wirtschafts- und Hungerkrise der Mitte der 1840er Jahre als einen für die Revolutionen allenfalls mitauslösenden Faktor betrachten […].“1

Motiviert durch dieses Zitat soll in dieser Hausarbeit die direkte Rolle des Pauperismus als einen beschleunigenden, wenn nicht sogar als einen Hauptauslöser, für die Märzrevolution von 1848 bestimmt werden. Untersuchungsgegenstand sind hierbei die Unterschichten, am stärksten fokussiert jedoch auf die Handwerker, Berlins in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hauptabschnitt wird jedoch vor allem der Zeitraum vom Wiener Kongress im Jahr 1815 bis zu den Barrikadenkämpfen am 18. März 1848 sein. Begonnen wird jedoch in den ersten Kapiteln mit der Gesamtsituation Deutschlands während der Vormärzepoche. Geklärt werden dabei die politischen Beweggründe für die Revolution, die den sozialen gegenüberstehen, um die Grundlage für die spätere Diskussion zu liefern. Darauf folgt eine Überleitung zu den sozialen Aspekten, die zur Revolution geführt haben sollen, um im Anschluss zum eigentlichen Thema - dem Pauperismus - zu gelangen. Zunächst werden die Ursachen des Pauperismus untersucht, um eine Verbindung mit den revolutionären Aufständen in Berlin herzustellen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden dann der Theorie einer rein politischen Märzrevolution gegenübergestellt, um die Rolle des Pauperismus zu bestimmen.

Grundlage für diese Hausarbeit sind unter Anderem Monografien zur Märzrevolution und zum Berlin der 1840er Jahre. Besonders häufig wurde Frank Engehausens „Revolution von 1848/49“ und Rüdiger Hachtmanns „Berlin 1848“ zu Rate gezogen. Jedoch wurden auch einige Informationen aus dem Internet und aus Zeitschriften gezogen.

Ziel der Hausarbeit ist es, den, hinsichtlich der Auslöser der Revolution, weitgehend unterschätzten Pauperismus in einem größeren Licht darzustellen und seine Rolle neuzudefinieren.

I. Die Märzrevolution 1848/49

I.I Der Vormärz

Das sogenannte „Lange 19. Jahrhundert“, wie man es heutzutage nennt, beinhaltete bedeutende historische Ereignisse, welche Schritt für Schritt den Weg in die Moderne bereiteten.2 In diesem Abschnitt wird dabei nur auf die für die Thematik entscheidende Epoche des Vormärzes eingegangen, welche mit der Märzrevolution endet. Begonnen mit der französischen Revolution, die in Napoleon Bonapartes Kaiserherrschaft mündete, wurden liberale und nationale Gedanken, sowie eine Verfassung durch den „Codé Napoleon“ in die europäischen Länder gebracht. Nach der Beendigung dieser Herrschaft im Jahr 1814, wollte man Europa im Jahr darauf im Wiener Kongress neu ordnen und damit die Stabilität unter den fünf Großmächten Frankreich, Österreich, Preußen, Großbritannien und Russland wiederherstellen. Die Restaurationspolitik der europäischen Großmächte sollte des Weiteren die politische Ordnung von 1792 zurückbringen und durch die Bildung der „Heiligen Allianz“ erhoffte man sich Schutz durch die anderen Staaten, da eine zunehmende Angst vor weiteren Revolutionen bestand.3

Diese Angst führte im Deutschen Bund beispielsweise zu weiteren Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung revolutionären Gedankenguts. Die 1819 eingeführten „Karlsbader Beschlüsse“ sollten durch Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, sowie dem Berufsverbot für liberal und national gesinnte Professoren die politische Ordnung der deutschen Staaten beschützen. Doch dies führte mitunter zu Misstrauen an der Politik der deutschen Staaten4, doch darauf wird im weiteren Verlauf des Textes zurückgegriffen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Zeit war die kommende Industrialisierung, welche durch die Errichtung von Fabriken und die Nutzung der Dampfkraft die Wirtschaft und die Technik modernisierte. Man bezeichnet sie aufgrund ihrer raschen Entwicklung daher auch als „Industrielle Revolution“, da sie zusätzlich auch die zuvor überwiegende Agrarproduktion ablöste.5

Dies führte aber auch zu Komplikationen, wie beispielsweise eine durch den Bevölkerungsanstieg begünstigten Massenarmut aufgrund der von Überproduktion an Nahrungs- und Handwerksgütern hervorgerufenen, hohen Arbeitslosigkeit.6 Somit sind es vor Allem durch die Politik und die neue Wirtschaft hervorgerufene Unzufriedenheiten und Ängste, welche die Mentalität der Vormärzepoche kennzeichnen. Diese führen schließlich im März 1848 zu einer Revolution in den deutschen Staaten, über dessen Ursachen in diesem Text diskutiert werden soll.

I.II Die Ursachen der Märzrevolution

Historiker sind sich heute einig, dass eine Revolution in Deutschland absehbar war. Frank Engehausen beispielsweise behauptet, dass die Revolution „nicht überraschend aus[brach]“, da „[…] das politische System […] Deutschland[s] […] sich 1848 schon seit geraumer Zeit in einem latenten Krisenzustand [befand]“7.

Somit seien die Ursachen also schon im frühen 19. Jahrhundert begründet, wenn nicht schon früher, da erste Denkansätze ja schon mit der Französischen Revolutionen gegeben waren. Liberale Gedanken förderten nämlich den Wunsch nach einer Verfassung und der Ausweitung der Wahlfreiheit und nationale Gedanken verstärkten gleichzeitig den Wunsch nach einem geeinten Deutschland mit einer bundesweiten Verfassung8.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Volk damit noch nicht für eine vollständige Demokratisierung kämpfte. Es ging viel mehr um mehr Selbstbestimmung der Nation und des Volkes unter einer Monarchie9, also um die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie.

Rüdiger Hachtmann behauptet aufgrund der scheinbar überwiegenden Beweggründe für die Revolution, die Märzrevolution sei „eine [rein] politische Revolution“10, fragt sich jedoch auch nach den sozialen Hintergründen.

Zunächst soll jedoch näher auf die politischen Defizite, die zur Märzrevolution beitrugen, eingegangen werden.

I.II.I Politische Unzufriedenheit im Vormärz

„Nach dem Wiener Kongress von 1815 forderten Liberale und Demokraten eine Verfassung für den Deutschen Bund. Doch vor allem Preußen und Österreich hielten an ihrer absolutistischen monarchischen Staatsform fest.“11

Mit diesem Satz stellt Günter Wollstein in seinem Beitrag „Von der Paulskirche bis zur Verfassung 1871“ für die Bundeszentrale für politische Bildung (Kurz: BpB) das Hauptproblem der deutschen Politik zur Zeit des Vormärzes und zugleich eines der späteren Hauptziele der Märzrevolution dar.

Wie schon zuvor gesagt, erwartete man nach dem Sturz Napoleons beim Wiener Kongress 1814/15 „[…] in Deutschland weithin die Gründung eines modernen Verfassungsstaates […] geführt von einem erblichen Monarchen, der mit Volksvertretungen zusammenarbeitete und Gesetze respektierte.“12

Jedoch wurde während dem Wiener Kongress nur der Deutsche Bund gegründet, welcher aus allen deutschen Fürstentümern, freien Städten, sowie der Großmächte Österreich und Preußen, bestand. Damit war zwar oberflächlich ein Gebiet abgegrenzt, welches aber im Inneren noch keine einheitliche Staatsgewalt, sowie eine Verfassung besaß. Viel eher sei es eine „völkerrechtsvertraglich vermittelte Vereinskompetenz“13, also ein strategischer Zusammenschluss zur Gewährleistung der europäischen Stabilität und des Friedens.14

Genannt wurde dieses Problem auch „deutsche Frage“15, welches man bereits 1817 beim Wartburgfest vergebens zu lösen versuchte. Ein weiterer Versuch des Volkes, Deutschland zu einigen und demokratische Rechte einzuführen, erfolgte im Mai 1832. Noch schwerwiegender war dieses Problem beispielsweise in Preußen: Preußen stand noch immer unter einem absolutistischem Herrschaftssystem. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hatte Friedrich Wilhelm III. drei Verfassungsversprechen nicht gehalten, aufgrund seiner Angst vor Einflussverlust und dem aufständischen Einfluss des Adels. Selbst sein 1840 ernannter Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. konnte das preußische Volk nicht zufrieden stellen. Mit seinem Versuch die Unzufriedenheiten des Volkes mithilfe von oberflächlichen Versprechungen zu einer Konstitutionalisierung Preußens, welche für das preußische Volk nur sehr minimal eingehalten wurden, verschlimmerte dieser nur noch die Unruhen16 und sorgte durch die große Enttäuschung wahrscheinlich noch für eine stärkere Tendenz der Menschen zu einer Revolution.

Wie bereits angesprochen herrschte unter den Großmächten die Angst vor dem Ausbruch einer neuen Revolution, weswegen man versuchte potentielle Anstifter einer Revolution in ihrem Einfluss einzuschränken. Mit den 1819 verabschiedeten Karlsbader Beschlüssen schränkte man bundesweit die Pressefreiheit, mittels Zensur von liberal, demokratisch und national tendierender Literatur und Schriften, und die Redefreiheit durch den Berufsverbot für liberal/national gesinnte Professoren. Des Weiteren wird dabei ein Verbot demokratischer Vereine ausgerufen.

Klar ist, dass dieses Verbot zu Unruhen innerhalb des deutschen Volkes führte, da dieses Verbot gegen die vom Volk geforderten demokratischen Rechte ging.

Ein weiterer Grund für den Erlass der Karlsbader Beschlüsse waren die Aufstände, die seit 1815 von den studentischen Burschenschaften, bspw. beim Wartburgfest, ausgingen.17 Spätestens 1832, als auf dem Hambacher Fest erneut Aufstände, welche ihr Vorbild in der Julirevolution zwei Jahre zuvor hatten18, gegen die Repressionspolitik ausbrachen, wurde klar, dass die Karlsbader Beschlüsse nur zeitweise den Liberalen, Nationalen und Demokraten Einhalt gebieten konnten.

Jedoch verschärften die Monarchen die Gesetze daraufhin nur noch und „verpflichteten die Einzelstaaten zur Aufrechterhaltung des monarchischen Prinzips“.19 Durch diese Radikalisierung der bundesweiten Überwachung verschärften sich jedoch auch die Gegenbewegungen, wie man ein Jahr später beim Wachensturm in Frankfurt erkennen kann.

Die Unzufriedenheit wuchs somit in der Opposition, welche sich seitdem in Radikale und Gemäßigte spaltete, und kann somit als ein Auslöser für die Märzrevolution gesehen werden.

Dies kann man an dem deutlichen Anstieg der Radikalen seit Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts sehen20. Diese waren, anders als die Liberalen, gegen eine Konstitutionalisierung der Monarchie und strebten direkt eine Einigung Deutschlands als Republik an.

I.II.II Sozialer Aspekt

Während im vorhergehenden Abschnitt mehr oder weniger nur auf die „höhere“ Bevölkerungsgruppen eingegangen wurde, soll in diesem Abschnitt mehr auf die sozialen Probleme der „niedrigeren“ Bevölkerungsgruppen, am Beispiel Berlins, eingegangen werden.

Die „sozialen Probleme“ während der Vormärzepoche wurden nämlich kaum von den „Höheren“, zu denen unter anderem Besitzbürger und Bildungsbürger gehörten, wahrgenommen, was vor Allem an ihrer niedrigeren Anzahl und ihrem deutlich höheren Einkommen lag.

In Hachtmanns Buch zur Politik- und Gesellschaftsgeschichte Berlins während der 1840er Jahre heißt es, das Bürgertum, also die „höheren Schichten“, seien „[z]ahlenmäßig fast bedeutungslos“21.

Ein weiterer Grund sich eher auf die „niedrigeren Schichten“ zu fokussieren sei hier noch, dass diese weitaus mehr von der „Obrigkeit“ enttäuscht wurden.22 Hervorzuheben sei hierbei, dass anhand mehrerer Briefe erkennbar wurde, dass diese Enttäuschung nicht mit dem König Preußens verbunden wurde. Viel mehr gab man die Schuld für die „soziale Not“ dem Magistrat und den Behörden. Der König sei genauso hintergangen worden durch „schlechte Beratung“.23

Mit „sozialer Not“ wird hier die hohe Arbeitslosigkeit vor Allem im Bereich der Arbeiterklasse (das Proletariat), welche sich durch die frühindustriellen Entwicklungen gebildet hatte, und der Bauern gemeint.

Diese Arbeitslosigkeit führte wiederum zu massiven Armutsverhältnissen innerhalb der niedrigeren Bevölkerungsschichten, was auch auf die wirtschaftlichen Entwicklungen zurückzuführen ist.24

[...]


1 Engehausen, Frank: Die Revolution von 1848/49, Paderborn 2007 (=Seminarbuch Geschichte), S.22 3

2 Wikipedia: Langes 19. Jahrhundert, https://de.wikipedia.org/wiki/Langes_19._Jahrhundert

3 Wikipedia: Wiener Kongress, https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kongress

4 Engehausen, Frank: Die Revolution von 1848/49, Paderborn 2007 (=Seminarbuch Geschichte), S. 11 ff.

5 Wikipedia: Industrialisierung, https://de.wikipedia.org/wiki/Industrialisierung

6 Engehausen, Frank: Die Revolution von 1848/49, Paderborn 2007 (=Seminarbuch Geschichte), S.20

7 Ebd. S. 11

8 Piereth, Wolfgang: Die Revolution 1848/49. Ein epochales europäisches Ereignis, in Praxis Geschichte 19 (2006), S. 6-9

9 Ebd.

10 Hachtmann, Rüdiger: Berlin 1848. Eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Revolution, Bonn 1997, S. 14

11 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Von der Paulskirche zur Verfassung von 1871, http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/grundgesetz-und-parlamentarischer-rat/39184/1848- 1871?p=all [01.09.2008]

12 Ebd.

13 Kotulla, Michael: Deutsche Verfassungsgeschichte. . Vom Alten Reich bis Weimar (1495-1934), Berlin 2008

14 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Von der Paulskirche zur Verfassung von 1871, http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/grundgesetz-und-parlamentarischer-rat/39184/1848- 1871?p=all [01.09.2008]

15 Ebd.

16 Engehausen, Frank: Die Revolution von 1848/49, Paderborn 2007 (=Seminarbuch Geschichte), S. 13

17 Ebd., S. 14

18 Ebd.

19 Ebd., S. 17 7

20 Ebd., S. 18

21 Hachtmann, Rüdiger: Berlin 1848. Eine Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Revolution, Bonn 1997, S. 70

22 Ebd., S. 68

23 Ebd., S. 69

24 Vgl. Engehausen, Frank: Die Revolution von 1848/49, Paderborn 2007 (=Seminarbuch Geschichte), S.20

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Pauperismus als Auslöser für die Märzrevolution 1848
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V372945
ISBN (eBook)
9783668516045
ISBN (Buch)
9783668516052
Dateigröße
2068 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
1848, märzrevolution
Arbeit zitieren
Rico Göbel (Autor), 2017, Der Pauperismus als Auslöser für die Märzrevolution 1848, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372945

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