Noch heute wird in vielen Büchern und Filmen mit Geschlechterrollen gespielt, auch im Alltag begegnen uns täglich Stereotype. Es stellt sich die Frage, woher diese Denkweisen sowie mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede eigentlich kommen. Sind Unterschiede angeboren oder werden sie anerzogen? Inwieweit spielt Prägung durch die Gesellschaft eine Rolle bei der geschlechtsbezogenen Identitätsbildung?
Helga Bilden zählt zu den Personen, die sich schon vor mehreren Jahrzehnten mit den Hintergründen von Stereotypenbildung auseinander gesetzt haben. Die vorliegende Arbeit untersucht zwei Beiträge zur "Geschlechtsspezifischen Sozialisation'', die davon handeln, wie sich Menschen im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt gesellschaftlich und kulturell geprägt zu Männern und Frauen entwickeln.
Bilden definiert Sozialisation als einen Prozess, der ,,aus einem Neugeborenen ein in seiner Gesellschaft handlungsfähiges Subjekt'' (1991, S. 279) konstruiert. In den beiden hier behandelten Publikationen setzt sie sich mit Aneignungsprozessen, dem Zusammenhang von Sozialisation und Geschlecht, und der Frage, woher angebliche oder auch empirisch beobachtete geschlechtsspezifische Unterschiede stammen auseinander. Auf dieser Grundlage versucht sie, die Entstehung bestimmter Differenzen zu erklären. Weiterhin thematisiert sie Geschlechterrollen, Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, das Frauenbild, die Identitätsbildung und auch die Sozialstruktur der Gesellschaft.
Die Entscheidung für die beiden Publikationen Helga Bildens habe ich getroffen, da mich neben den unterschiedlichen Ansichten zur Forschung der menschlichen Entwicklung und den Sozialisationsprozessen vor allem interessiert, wie sich die gesellschaftlichen Vorstellungen sowie der Blick auf die Thematik gewandelt haben. Deshalb werde ich im Folgenden zwei Texte der gleichen Autorin zum gleichen Thema untersuchen, die jedoch im zeitlichen Abstand von elf Jahren entstanden sind.
Nach dieser kurzen Einführung in das Thema folgt zunächst eine knappe Vorstellung der Autorin. Dabei werde ich mich ausschließlich auf die Bereiche beziehen, die relevant sind, um ihr Interessengebiet und ihr Anliegen in den zugrundeliegenden Texten vorzustellen. Danach beginne ich, die beiden behandelten Beiträge separat vorzustellen, zunächst den von 1980 und im Anschluss den elf Jahre später erschienenen Text von 1991.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der Autorin
3. Geschlechtsspezifische Sozialisation 1980
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation 1991
5. Vergleich
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, zwei Beiträge der Autorin Helga Bilden zur geschlechtsspezifischen Sozialisation vergleichend zu untersuchen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Verständnis von Sozialisationsprozessen, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der elfjährigen Spanne zwischen den beiden Publikationen (1980 und 1991) gewandelt hat.
- Analyse und Vergleich der theoretischen Grundlagen von Bildens Beiträgen
- Untersuchung des Wandels im Frauenbild und der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
- Reflexion über die Bedeutung von Sozialisation für die Identitätsbildung
- Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf die Forschung zu Geschlechterverhältnissen
- Kritische Würdigung der wissenschaftlichen Entwicklung innerhalb der Frauenforschung
Auszug aus dem Buch
3. Geschlechtsspezifische Sozialisation 1980
Der erste zu behandelnde Text zur ,,Geschlechtsspezifischen Sozialisation'' ist 1980 im ,,Handbuch für Sozialisationsforschung'' erschienen. In diesem Kapitel werde ich mich ausschließlich auf diesen Beitrag Helga Bildens beziehen. Alle Zitate stammen daher aus dem genannten Werk.
Die Autorin beginnt die Arbeit, indem sie ihre Grundvorstellungen zur menschlichen Sozialisation erläutert. Geschlecht definiert sie dabei als ,,soziale[...] Kategorie […], die am biologischen Geschlecht, genauer: dem Körper, der Anatomie, festgemacht wird'' (S. 777). Ihr Interesse am Thema erklärt sie dadurch, dass die Frauenforschung noch immer kein anerkannter Bereich sei. Die Beschäftigung mit dem Thema beschreibt sie einerseits als Versuch, zu verstehen, wie sie selbst zu der Person geworden ist, die sie ist, sowie andererseits die immer noch andauernde Benachteiligung von Frauen zu erklären. Dabei greift sie den bereits 1969 von ihr verwendeten Begriff der ,,Defizitperspektive'' (S. 778) auf. Ihr Untersuchungsgegenstand ist somit die Sozialisation nach Geschlecht sowie die Identitätsbildung. Sie nennt als Ziel ihres Artikels, die unterschiedlichen Lebens- und Sozialisationsbedingungen herauszuarbeiten, weist aber gleich zu Beginn darauf hin, dass es oft keine eindeutigen Ergebnisse gibt. Die Autorin stellt fest, dass ein Mann nicht ausschließlich ,,männlich'' sozialisiert werden muss, sondern auch weiblichen Einflüssen unterliegen kann und umgekehrt. (vgl. S. 778)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Sozialisation ein und begründet die Auswahl der zwei Texte von Helga Bilden als Untersuchungsobjekt.
2. Vorstellung der Autorin: Dieses Kapitel gibt einen kurzen biographischen Überblick über Helga Bilden und ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt in der Geschlechterforschung.
3. Geschlechtsspezifische Sozialisation 1980: Hier werden die zentralen Thesen und Grundvorstellungen aus dem 1980 publizierten Beitrag von Bilden analysiert, insbesondere ihr Verständnis von Sozialisation und Geschlechtsrollen.
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation 1991: Dieses Kapitel befasst sich mit den erweiterten und teilweise veränderten Ansätzen von Bilden in ihrem elf Jahre später veröffentlichten Text.
5. Vergleich: Es findet eine vergleichende Analyse statt, in der Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die wissenschaftliche Entwicklung zwischen den beiden Beiträgen herausgearbeitet werden.
6. Fazit: Das Fazit zieht ein persönliches Resümee über die Aktualität der behandelten Texte und die Relevanz von Bildens Erkenntnissen für die heutige Frauenforschung.
7. Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Quellen und die behandelten Publikationen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Frauenforschung, Geschlechterrollen, Identitätsbildung, Arbeitsteilung, Machtverhältnisse, Gesellschaftlicher Wandel, Sozialwissenschaften, Normalbiographie, Gender, Persönlichkeitsentwicklung, Stereotype, Individuation, Feminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung von Helga Bilden zum Thema der geschlechtsspezifischen Sozialisation, wobei zwei Texte aus den Jahren 1980 und 1991 miteinander verglichen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Wandel von Geschlechterrollen, die Bedeutung von Arbeitsteilung, der Einfluss von Sozialisation auf die Identitätsbildung sowie die historische Entwicklung der Frauenforschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie sich der theoretische und gesellschaftliche Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede über einen Zeitraum von elf Jahren innerhalb der Publikationen einer Autorin verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Rezension bzw. Inhaltsanalyse zweier wissenschaftlicher Texte der Autorin Helga Bilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Beiträge separat inhaltlich vorgestellt und anschließend in einem direkten Vergleich auf Unterschiede in Argumentation, Begrifflichkeit und Forschungsstand hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Sozialisation, Geschlechterforschung, Identitätsbildung, gesellschaftlicher Wandel und Arbeitsteilung charakterisieren.
Wie definiert die Autorin Sozialisation in ihren Beiträgen?
Bilden definiert Sozialisation als einen aktiven, lebenslangen Prozess der Aneignung und Konstruktion eines handlungsfähigen Subjekts innerhalb einer gesellschaftlich vorgegebenen Struktur.
Welche Rolle spielt die Arbeitsteilung für die Geschlechteridentität laut Bilden?
Die Arbeitsteilung dient als zentrales Element, da traditionell zwischen der männlichen Berufsarbeit und der weiblichen Reproduktionsarbeit unterschieden wird, was die Identitätsentwicklung maßgeblich beeinflusst.
Warum wird der Vergleich zwischen den Jahren 1980 und 1991 gezogen?
Dieser Vergleich verdeutlicht den wissenschaftlichen Fortschritt sowie den sozialen Wandel, da sich die Perspektiven auf Lebensformen und Machtstrukturen zwischen den beiden Zeitpunkten signifikant weiterentwickelt haben.
- Citation du texte
- Lisa Schwenty (Auteur), 2014, Helga Bildens "Geschlechtsspezifische Sozialisation". Aufsätze von 1980 und 1991 im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373209