Catharina Regina von Greiffenberg. Eine emanzipierte Dichterin in der Epoche des Barock oder Missionarin?


Hausarbeit, 2017

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Frauen in der Epoche des Barock

Weibliche Autorinnen im 17. Jahrhundert

Zur Person Catharina Regina von Greiffenberg

Das Figurengedicht “Über den gekreuzigten Jesus”
Allgemeines
Form und Aufbau
Formale Aspekte
Bildlichkeit

Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff
Formale Aspekte
Inhalt

Zur Ich-Konzeption in Greiffenbergs Gedichten anhand des Beispiels
„Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff“

Vergleich des Sonetts „Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff“ und das Figurengedicht „Über den gekreuzigten Jesus“

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Anhang
„Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff“
„Über den gekreuzigten Jesus“

Einleitung

Catharina Regina von Greiffenberg wird als eine „der bedeutendsten deutschen Dichterin[nen] der Barockzeit“[1] bezeichnet. Greiffenberg war eine bekennende Protestantin, welche sich durch massive Einschränkungen in ihrer Lebenswelt nicht von ihrem Glauben hat abbringen lassen. In ihren Werken verarbeitet sie die religiösen Hoffnungen und die eingeschränkten Möglichkeiten einer Frau aus dem Landadel, welche das Schreiben zum Inhalt ihres Lebens macht. Im Vordergrund ihrer Dichtung standen immer die Ehre Gottes sowie der Trost ihrer Mitmenschen.[2]

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob Catharina Regina von Greiffenberg eine emanzipierte Dichterin des Barock war, oder ob das missionarische Anliegen in ihren Werken im Vordergrund stand.

Zunächst wird das allgemeine Frauenbild in der Zeit des Barock betrachtet sowie der damalige Stand der Frauen innerhalb der Gesellschaft. Anschließend wird ein besonderes Augenmerk auf die weibliche Autorschaft im 17. Jahrhundert gelegt, in der Catharina Regina von Greiffenberg eine große Rolle spielte. Die Autorin soll in dieser Arbeit als Beispiel für einige der wenigen bekannten Schriftstellerinnen dienen, deren Werke Bekanntheit erlangten. In Biographien, in denen das Leben von Catharina Regina von Greiffenberg geschildert wird, lässt sich nachlesen, dass diese unter Schicksalsschlägen sowie Anfeindungen aufgrund ihres protestantischen Glaubens zu leiden hatte. Aufgrund dessen verarbeitete sie ihre Gedanken und Gefühle in religiös ausgerichteten Schriften, die als eine Art Zwiesprache zwischen ihr und Gott verstanden werden. Durch die Tatsache, dass Frauen im Barock das literarische Wirken untersagt bzw. nicht zugetraut wurde, war es für Greiffenberg umso schwieriger ihre Schriften zu veröffentlichen und sich einen Bekanntheitsgrad aufzubauen.

Mit der Hilfe von Sigmund von Birken entwickelte sie dennoch durch zahlreiche Sonette und Schriften eine stetig wachsende Aufmerksamkeit. Hierbei stand das religiöse Anliegen im Mittelpunkt ihres literarischen Wirkens. In Sonetten wie „Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff“ sowie „Über den gekreuzigten Jesus“, welche im Folgenden analysiert werden, wird deutlich, wie die Autorin durch Verwendung von Metaphern und Emblematik die Empathie der Leser gewinnt. Zusätzlich offeriert sie den Lesern ihrer Sonette die Möglichkeit eine Verbindung zum lyrischen Ich aufzubauen, da ihre Werke die Sorgen und Lebensumstände des 17. Jahrhunderts aufgreifen. Ihre Gedichte lassen sich als „lobpreisende Leidensbetrachtungen“[3] betiteln, da oftmals die schmerzlichen Erfahrungen im irdischen Dasein beschrieben werden.

Frauen in der Epoche des Barock

Frauen im 17. Jahrhundert lebten durch Entmündigung und Verdrängung in absoluter Abhängigkeit von ihrem Mann. Diese Abhängigkeit galt es zu akzeptieren und wurde durch Philosophie, Theologie und der von Gott geschaffenen Natur begründet. Das „Nichtfähigsein und Nichtzugelassensein“[4] der Frauen führte dazu, dass diese sich ausschließlich um Haushalt, Ehe und in den höfischen Schichten zusätzlich um Repräsentation und Geselligkeit zu kümmern hatten. Hier gilt es zwischen Frauen im Landadel und Frauen in der höfischen Aristokratie zu unterscheiden. Eine Adelsdame hatte nicht die Aufgabe, den Pflichten einer Hausfrau nachzukommen, sondern diente allein der Repäsentation des Hofes. sie lud zu Gesellschaften im eigenen Salon ein und führte Konversationen zu Gleichgesinnten des adeligen Kreises.

Ziel war es, sich von den unteren Ständen abzuheben.[5] Ein Familienleben hat in der höfischen Gesellschaft nicht stattgefunden. Das Verhältnis zwischen Mutter und Kind beschränkte sich lediglich auf Anstandsbesuche, da die Kindererziehung vollständig der Amme, dem Kloster oder der Gouvernante übertragen wurde. Auch der Haushalt wurde vom angestellten Personal geführt und von der Hausherrin überwacht.

Das Leben der Frauen im kleinen Landadel und Bürgertum wird von der „Haus- und Zuarbeit für den Mann als dessen ‚Gehilfin‘“[6] bestimmt. Aufgabe der Hausfrau ist es sich gänzlich dem Haushalt und der Erziehung der Kinder zu widmen. Unterordnung unter dem Mann ist höchstes Gebot und unumgänglich. Denn: „[Die Frau] ist von der Natur bestimmt, Gattin und Mutter zu sein, damit verbinden sich ganz logisch die Vorstellungen von Abhängigkeit, Unselbständigkeit und der Notwendigkeit, sich dem Mann angenehm und nützlich zu machen.“[7]

Frauen sollen sich ausschließlich im Haus aufhalten, ihren Männern nicht widersprechen oder dessen Entscheidungen in Frage stellen. Die Unfähigkeit, die den Frauen zugeschrieben wird, lässt sie in die vollkommene Abhängigkeit rutschen. Lebensinhalt war es Kinder zu gebären und so die Nachkommen der Familie sicher zu stellen. Auch Martin Luther schrieb in seiner Ehekonzeption, wie das Leben als Ehefrau zu führen ist. Als wesentliche Punkte nannte er „[die] Reduktion auf ihre biologische Funktion, Unterordnung unter den Ehemann und Verbannung in das Haus.“[8]

Diese Unterdrückung wird von den Frauen jedoch als selbstverständlich hingenommen, da diese Art Rollenverteilung in jedem Haushalt praktikziert wurde.[9] Die Verantwortung für wirtschaftliche Entscheidungen sowie die Versorgung der Familie wurde dem Mann aufgetragen. Dieser konnte im Gegenzug Gehorsam und Unterordnung verlangen. Nach der Auffassung Johann Bernhard Basedow zu Folge „[…] ist bei der Erziehung der Mädchen darauf zu achten, dass sie keine wichtigen Entscheidungen treffen ohne Zustimmung derjenigen, von denen sie abhängig sind.“[10] So wurde schon früh dafür gesorgt, dass Frauen nicht dazu erzogen wurden eine eigene Meinung zu bilden, oder diese zu äußern. Frauen, die sich aufgrund einer Scheidung dazu entschlossen hatten, ohne Mann zu leben, wurden von der Gesellschaft missachtet. Ihnen wurde jede Erwerbsmöglichkeit untersagt, mit Ausnahme des Berufes als Magd. Ihnen war es auch nicht erlaubt wieder in das elterliche Haus zurück zu kehren, wodurch sie am Rande der Gesellschaft weites gehend ohne soziale Kontakte leben mussten.[11]

Weibliche Autorinnen im 17. Jahrhundert

Das Ansehen weiblicher Autorinnen in der Gesellschaft des 17. Jahrhundert lässt sich in einem vertraulichen Brief der gelehrten Dichterin Christiane Mariane von Ziegler (1695-1760) an die Tochter einer Freundin veranschaulichen. Laut Ziegler resultiert „Die Schwierigkeit […] wohl am meisten von dem männlichen Geschlechte her, dieses will immer etwas besonderes vor sich alleine behalten, und siehet es gar nicht gerne, wann ihnen das Weibliche Geschlechte nachklettern will.“[12]

Gelehrte in der Zeit des Barock vertraten die Meinung, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts die Teilnahme an Bildung verweigert werden muss, da diese erst gar nicht fähig sind, komplexe Zusammenhänge zu begreifen.

Daraus folgt, dass viele Autorinnen dieser Zeit weitgehend unbekannt sind, da ihre Texte entweder nicht veröffentlicht wurden, oder diese mit den Vorurteilen einer gelehrten Frau bewertet wurden.[13] „Denn wohin die protestantische Frau auch schauen mochte, sie sah nur Männer, die alles, auch ihre Bildung und ihr Wesen, bestimmten.“[14] Für Frauen war Bildung ein unerreichbares Gut. Ausschließlich zur Vorbereitung auf die Konfirmation oder Firmung ergab sich die Möglichkeit, einfachstes religiöses Wissen aufzubauen.[15] Universitäten und Akademien verwehrten den Zugang für Frauen, nur Männer hatten die Möglichkeit diese Bildungsmöglichkeiten zu nutzen. Um Zugang zum Lesen und Schreiben zu erhalten, lernten die Frauen den Katechismus auswendig sowie religiöse Lieder und Bibeltexte, wodurch der Prozess der Alphabetisierung stattfand und sie die Lese- und Schreibfähigkeit selbstständig erwerben konnten. Für Frauen aus dem Landadel wurde das religiös ausgerichtete Schreiben zum Lebensinhalt- und Ausdruck. Das männliche Geschlecht nahm lesende Frauen nicht ernst und verspottete diese sogar. „Frauen lesen um den ‚Raum in der Seele zu füllen‘, sich ‚zu ergötzen‘ und um sich in ‚der Lesung eines guten Buches auszuruhen‘, so die Aussage in einem Ratgeber für Männer um 1750.“[16] Eine Möglichkeit für das literarische Schaffen von Frauen war das Beitreten in den Pegnitz-Schäfer Orden in Nürnberg. Der Orden, welcher 1644 gegründet wurde, nahm geschlechterunabhängig Autoren und Autorinnen auf, die überwiegend nicht in Nürnberg ansässig waren. Auch das Alter oder die Standeszugehörigkeit wurde nicht berücksichtigt.[17]

Innerhalb des Ordens konnten so auch die beteiligten Frauen ihre Sichtweisen und Werte zum Ausdruck bringen. Auch Catharina Regina von Greiffenberg war Mitglied in einem religiösen Bund, der Istergesellschaft, welcher nur Frauen angehörten. Dieser Bund wurde nach dem Vorbild der Sprach- und Dichtergesellschaften in Deutschland gegründet und offerierte den Frauen ein zwangloses gemeinschaftliches Arbeiten an ästhetisch-religiöser Literatur.[18]

Zur Person Catharina Regina von Greiffenberg

Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694) wird als „die wohl begabteste Dichterin des 17. Jahrhunderts“[19] bezeichnet. Die Dichterin, die aus dem ständischen Adel Österreichs stammte, verlor im Alter von 7 Jahren ihren Vater, wodurch fort an ihr Onkel Hans Rudolf die Erziehung übernahm. Er öffnete ihr den Zugang zur Bildung, sodass die Autorin mehrere Sprachen lernte sowie ein Studium in Geschichte, Rechts- und Staatswissenschaften abschloss. Mit 18 Jahren versprach sie sich durch das traumatische Erlebnis des Todes ihrer Schwester Anna Regina der „Deogloria“ und widmete ihr Dasein gänzlich Gott. Sie sah ihre Aufgabe darin, die Ehre Gottes literarisch zu mehren und richtete ihr Leben vollkommen danach aus.[20] Durch den Kontakt zum Literat Johann Wilhelm von Stubenberg stellte sich eine Verbindung zur Istergesellschaft her, ein literarischer Freundeskreis von religiösen Frauen, der nach Vorbildern, wie z. B des Pegnesischen Blumenordens gegründet worden war. 1659 erhielt Sigmund von Birken, der Präsident des Pegnesischen Blumenordens erstmals ein Sonnet von Greiffenberg, wodurch sein Interesse an der Autorin geweckt wurde. Dieser begeisterte sich sehr für ihre Dichtkunst, sodass er weitere Schriftstücke forderte und Greiffenberg den Weg zur Welt der Schriftsteller und Literaten ebnete.

Ihr Onkel Hans Rudolf sorgte kurz darauf für die Druckung ihres ersten Buches mit dem Titel „Geistliche Sonette, Lieder und Gedichte“. Für Greiffenberg war das Schreiben eine Form des Verarbeitens von belastenden Ereignissen. Sie war aufgrund ihres protestantischen Glaubens unzähligen Anfeindungen ausgesetzt, zusätzlich wurde eine Augenkrankheit zu einer großen Belastung im Hinblick auf das Lesen und Schreiben. Ein weiteres prägnantes Erlebnis war der Wunsch ihres Onkels Hans Rudolf, um ihre Hand anzuhalten. Dies war jedoch unter keinen Umständen im Sinne der Dichterin, denn durch den Dienst an der „Deoglori“ hatte sie es sich zum Ziel gesetzt unverheiratet zu bleiben.

Ihr Onkel aber bestand auf die Hochzeit und so willigte Greiffenberg schließlich ein.[21] Die Dichterin verstand sich „als ein Werkzeug Gottes“.[22] Ihr Anliegen war es ihren Mitmenschen den protestantischen Glauben zu vermitteln. So hatte sie den Wunsch, Kaiser Leopold I. zu bekehren. Sie unternahm mehrere Reisen nach Wien um ihre Bekehrungsschriften dem Kaiser zu überbringen. Dieses Bestreben ist ihr jedoch nie gelungen, da sie als Landadlige nicht bei Hofe empfangen wurde. Ein weiteres bedeutendes Werk ihrer literarischen Karriere verfasste Greiffenberg im Jahr 1663 mit dem Titel „Sieges-Säule der Buße und Glaubens“. Das Werk, in dem sie zum Kampf gegen den Islam aufruft, wurde jedoch erst 1675 veröffentlicht als eine erneute Gefahr durch die Türken bevorstand.[23] Nach dem Tod von Greiffenbergs Mutter und ihrem Mann Hans Rudolf verließ Greiffenberg Wien und ließ sich 1680 in Nürnberg nieder um sich ganz ihrer Dichtkunst zu widmen.

Das Figurengedicht “Über den gekreuzigten Jesus“

Allgemeines

Die Intention Catharina Regina von Greiffenbergs ein Figurengedicht zu schreiben, wurde von Sigmund von Birken beeinflusst, der zuvor schon ein eigenes Umrissgedicht verfasst hatte und der Autorin diese Form des Gedichts nahe legte. Das Werk lässt sich in den Begriff der Christusmeditation einordnen, in denen die Geburt, das Leben sowie die Passion Christi betrachtet wird. Durch die Kombination der fünf Sinne, mithilfe von Verben, wie sehen, fühlen, schmecken, hören sowie auch riechen, wird dem Leser ermöglicht, sich in das Leiden Christi hineinzuversetzen.[24] Betrachtet man das Gedicht fällt auf, dass die Visualisierung im Vordergrund steht, indem Jesus an einem Wörterkreuz abgebildet wird.

Form und Aufbau

In Figurengedichten sind Verse in unterschiedlicher Länge aufgeführt um die Umrisse des Gedichts zu bestimmen und diesem eine Form zu geben. Durch das Zusammenspiel von Text und äußerer Form wird dem Leser das Objekt veranschaulicht und lässt die Aufmerksamkeit immer wieder auf den Ursprung des Werkes richten. Es werden gleichermaßen die Sinne sowie der Intellekt gefordert.

Das Figurengedicht: „Über den gekreuzigten Jesus“ lässt den Umriss eines Kreuzes erkennen. Dieses Kreuz soll nicht nur als Metapher verstanden werden, es dient auch selbst als Objekt um das Gedicht anschaulicher wirken zu lassen. Das Werk ist nach der Methode der „descripito personae“[25] aufgebaut. In den ersten sechs Zeilen wird zunächst der Kopf Jesu, welcher die Dornenkrone trägt, beschrieben.

Daran anschließend lassen sich in den nächsten 4 Zeilen ein Querbalken sowie die ausgestreckten Arme Jesu erkennen. In den nächsten 14 Zeilen wird der Rumpf beschrieben, welcher eine Wunde und Striemen aufweist und zum Schluss wird in den letzten beiden Zeilen der Sockel des Kreuzes verbildlicht. Das Gedicht durchläuft also eine Entwicklung beginnend vom Haupt Christi weiterführend zu den Händen sowie dem Rumpf und abschließend zu dem Sockel des Kreuzes. Hier wird die Parallelität der emblematischen Form und des meditativen Inhaltes des Gedichts deutlich.[26]

Formale Aspekte

Im Gedicht wird durchgehend der Trochäus verwendet, sowohl in den Quer- als auch in den Längsbalken. In den Längsbalken findet man immer die gleiche Anzahl von 8 Silben, die weiblich enden und in denen Hebungen und Senkungen streng aufeinander folgen, wodurch die Autorin eine meditative Stimmung entstehen lässt. Jedoch lassen sich zwei Ausnahmen erkennen. In den Zeilen fünf und sechs sind nur sechs bzw. sieben Silben vorhanden. „Seine Augen schliest Er sacht! / und den Himmel uns aufmacht.“[27] Durch die Endung in der männlichen Kadenz wird der Lesefluss gestoppt und der Leser nimmt den Moment des Todes wahr. Auch in den Querbalken von Zeile sieben bis zehn, wird diese Aufmerksamkeit gehalten, indem 8-hebige Trochäen mit einer starken Zäsur verwendet werden, die auch hier einen geordneten Lesefluss unterbrechen. Die Hebungen „hend‘ auß“, „herz uns“, „haupt uns“ und „Werk seyn“ bauen eine Spannung auf, um auf die ausgebreiteten Arme Jesu hinzudeuten. Die letzten sechzehn Zeilen des Werkes bestehen aus achtsilbigen, vierhebigen Trochäen mit weiblicher Kadenz, die wieder die meditative Stimmung vom Anfang des Gedichts aufkommen lassen, da diese nicht durch eine Änderung des Rhythmus unterbrochen werden. Es lässt sich jedoch erkennen, dass einige interpretative Stellen des Gedichts die Bildlichkeit verstärken sollen.

So zum Beispiel in der Erläuterung der Wunde am Rumpf: „Seiner seitten offen stehen / macht seyn güttig herze sehen! / wann wir schauen mitt den Sinnen / sehen wir uns selbst darinnen!“[28] Das Leiden Jesu wird hier als eine Art Zufluchtsort beschrieben, indem das Herz Jesu als Spiegel gedeutet wird und der Leser sich selbst darin erkennen kann. Während des Gedichts wird der Leser mit den Schmerzen Jesu konfrontiert, die sich im weiteren Verlauf zu Vergebung und Liebe wandeln. Greiffenberg führt in den letzten zwei Versen ein Gebet ein um die Meditation enden zu lassen: „Jesu Christ! Dein Tod und Schmerzen / leb‘ und schweb mir stets im Herzen!“[29]

Bildlichkeit

Schon in dem ersten Vers des Gedichts „Seht! Der könig könig Hängen!“ wird auf das Schild über dem Kreuz Jesu verwiesen, auf dem gedruckt steht:„INRI“ – „Jesus von Nazaretz, König der Juden“, dieses steht parallel zu einem Bibelvers im neuen Testament. Durch das vergossene Blut des am Kreuz hängenden Jesu wird zum Heil der Menschen beigetragen, denn „auß der dörner wunden bronnen // ist All unßer heyl geronnen“[30]. Darauf folgt eine antithetische Geste, denn Jesus schließt seine Augen, da er dem Tod nahe steht, gleichzeitig öffnet sich jedoch der Himmel der in die Ewigkeit führt. Der Querbalken „[…] er streket seine hend‘ auß […]“[31], welcher wie zuvor beschrieben die ausgestreckten Arme Jesu darstellen soll, wird als Geste an die Gläubigen verstanden, die von Jesu aufgefangen und umarmt werden. Sein „liebheißes Herz“ und „[…] sein liebstes Haupt“ widmet er ganz zum Heil der Menschheit.

Von Vers 11 bis 14 widmet sich Greiffenberg der Erläuterung der Wunde am Rumpf: „Seiner seitten offen stehen / macht seyn güttig herze sehen! / wann wir schauen mitt den Sinnen / sehen wir uns selbst darinnen.“[32] Das Leiden Jesu wird hier als eine Art Zufluchtsort beschrieben, indem das Herz Jesu als Spiegel gedeutet wird und der Leser sich selbst darin erkennen kann. Anschließend wird darauf angespielt, dass Jesu Blut vergossen wurde, um Heil für die Menschheit zu bringen und dieser dafür „striemen“ und „wunden“ in Kauf genommen hat. Zudem wird nochmals eine antithetische Gegenüberstellung verwendet, denn „Sein sterben hat das Leben […] aller Weltt gegeben!“[33]. Greiffenberg führt in den letzten zwei Versen ein Gebet ein, um die Meditation enden zu lassen und verwendet hier anstatt „wir“ plötzlich „Ich“, um ihre persönliche Beziehung zu Jesus hervorzuheben: „Jesu Christ! Dein Tod und Schmerzen / leb‘ und schweb mir stets im Herzen!“[34]

[...]


[1] Frank: Leben und Werk, S.7.

[2] Vgl. Zimmerling: Evangelische Seelsorgerinnen, S. 70.

[3] Becker: Mündigkeit, S. 258.

[4] Möbius: Die Frau im Barock, S. 32.

[5] Vgl. Möbius: Die Frau im Barock, S. 34.

[6] Becker: Mündigkeit, S.17.

[7] Vgl. Möbius. Die Frau im Barock, S.51.

[8] Becker: Mündigkeit, S. 41.

[9] Vgl. Becker: Mündigkeit, S.184.

[10] Möbius: Die Frau im Barock, S.51.

[11] Vgl. Becker: Mündigkeit, S.58.

[12] Becker: Mündigkeit, S. 187.

[13] Vgl. Becker: Mündigkeit, S.5.

[14] Becker: Mündigkeit, S. 15.

[15] Vgl. Becker: Mündigkeit, S. 150.

[16] Becker: Mündigkeit, S.175.

[17] Niefanger: Barock, S. 91.

[18] Vgl. Zimmerling: Evangelische Seelsorgerinnen, S. 66.

[19] Becker: Mündigkeit, S.253.

[20] Frank: Leben und Welt, S.20.

[21] Vgl. Zimmerling: Evangelische Seelsorgerinnen, S. 68.

[22] Zimmerling: Evangelische Seelsorgerinnen, S. 68.

[23] Vgl. Becker: Mündigkeit, S. 255-256.

[24] Vgl. Dane: Scharfsinn und Frömmigkeit, S.103.

[25] Dane: Scharfsinn und Frömmigkeit, S.110.

[26] Vgl. Daly: Dichtung und Emblematik, S. 126.

[27] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 5-6.

[28] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 11-14.

[29] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 25-16.

[30] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 4.

[31] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 7.

[32] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 11-14.

[33] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 24.

[34] Greiffenberg: Kreuzgedicht, V. 25-26.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Catharina Regina von Greiffenberg. Eine emanzipierte Dichterin in der Epoche des Barock oder Missionarin?
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V373242
ISBN (eBook)
9783668506770
ISBN (Buch)
9783668506787
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
catharina, regina, greiffenberg, eine, dichterin, epoche, barock, missionarin
Arbeit zitieren
Lena Neuhaus (Autor:in), 2017, Catharina Regina von Greiffenberg. Eine emanzipierte Dichterin in der Epoche des Barock oder Missionarin?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373242

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