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Identitätsbildung und Identitätsformen in Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt"

Title: Identitätsbildung und Identitätsformen in Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt"

Term Paper , 2010 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bernd Appel (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Summary Excerpt Details

Das Werk „Fegefeuer in Ingolstadt“ gehört mit zu den berühmtesten Werken der österreichischen Autorin Marieluise Fleißer und gilt heute noch als ein Meisterwerk der Neuen Sachlichkeit. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die sexuellen und sprachlichen Identitätsformen der Jugendlichen bei Fleißer näher zu untersuchen und diese in Relation zueinander zu setzen. Das Ziel dieser Arbeit soll es dabei sein, das Misslingen der figuralen Beziehungen und die Misserfolge sprachlicher Identifikation zu analysieren und zu begründen. Dabei wurde ein Hauptaugenmerk auf die beiden Hauptfiguren des Dramas, die Außenseiter Olga und Roelle, gelegt. Im ersten Teil der Arbeit werden im Rahmen der Fragestellung zunächst die sexuellen Identitäten der einzelnen Figuren untersucht, um herauszufinden, inwiefern sich in Fleißers Werk bestimmte Paarbildungen erkennen und aufeinander beziehen lassen. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich den sprachlichen Identitäten der Figuren, indem versucht wird, die Rolle der Sprache für die Subjektkonstituierung und die Beziehungen der Figuren zueinander aufzuzeigen und zu erörtern.

Das Drama, welches in der Literatur auch als „Psychosexuelle Dramatik“ oder als „Dramaturgie dauernder Drohung“ begriffen wird, handelt von der Einsamkeit der Jugendlichen in der Zeit der Weimarer Republik. Es steht unter dem Blick vier großer Hauptthematiken: „Kleinstadtenge, Religion, Sexualität, Rudelgesetz“. Dabei sind es vor allem die Fragen der Identität und der gesellschaftlichen Orientierung, die Fleißer in ihrem Werk exemplarisch verarbeitet. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die sexuelle und sprachliche Identitätsbildung sowie die Identitätsformen der Jugendlichen. Ihre Gefühle füreinander sowie ihr Versuch, eine Position im sozialen Raum der Gesellschaft einzunehmen, werden in diesem Zusammenhang aufgearbeitet.

Fleißer selbst bezeichnete das Drama als das „Herzstück“ ihrer Autorschaft. Lange Zeit unbeachtet, dauerte es knapp 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung 1920 und Uraufführung des Dramas am 25. April 1926 bis es in den 1970er Jahren von der Frauenforschung und der Feminismusbewegung wiederentdeckt und nach einer Überarbeitung der Autorin erneut auf den deutschen Theaterbühnen gespielt wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sexuelle Identitäten

2.1 Paarkonstruktionen im Werk Marieluise Fleißers:

2.2 Sexuelle Identitätsbildung im Werk Marieluise Fleißers:

3 Sprachliche Identitäten

3.1 Sprachliche Identitätsbildung im Werk Marieluise Fleißers

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sexuellen und sprachlichen Identitätsformen der Jugendlichen in Marieluise Fleißers „Fegefeuer in Ingolstadt“, um das Misslingen ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen sowie ihrer Versuche sprachlicher Identifikation zu analysieren und zu begründen.

  • Analyse der Paarkonstruktionen und sexuellen Identitätsbildung der Figuren
  • Untersuchung der Rolle der Sprache für die Subjektkonstituierung und Beziehungsgestaltung
  • Fokus auf die Hauptfiguren Olga und Roelle als gesellschaftliche und sexuelle Außenseiter
  • Kontrastierung von Sexualwesen und asexuellen Figuren im Kontext der Weimarer Republik
  • Herausarbeitung der isolierenden Wirkung von Sprache und mangelnder Kommunikationsfähigkeit

Auszug aus dem Buch

2.1 Paarkonstruktionen im Werk Marieluise Fleißers:

Betrachtet man die verschiedenen Figuren des Dramas „Fegefeuer in Ingolstadt“ genauer, so ist es sinnvoll in Bezug auf die Frage nach sexueller Identitätsbildung zunächst die verschiedenen Paarkonstruktionen im Werk zu untersuchen, und herauszuarbeiten, welche Figuren sich in Bezug auf ihre Sexualität parallelisieren lassen. Bei der Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung lassen sich dabei hauptsächlich zwei gegensätzliche Paarbildungen erkennen, in denen die Figuren durch verschiedene Attribute aufeinander bezogen werden können. Diese zwei Paarbilder sind zum einen die Verbindung der Berotter-Tochter Olga und dem Außenseiter Roelle und zum Anderen die Beziehung zwischen Peps und Hermine.

Die erste übergeordnete Paarkonstruktion zwischen Olga und Roelle lässt sich bei näherer Betrachtung als eine ambivalente Liebes- und Gewaltbeziehung verstehen, die durch einen ständigen Wechsel von Zuneigung und Verachtung charakterisiert ist. Dies zeigt sich bei Roelle insbesondere an den ambivalenten Reaktionen im Vergleich zwischen der Messer- und der Rettungsszene. Nachdem Olga ihrem Vater ihre Schwangerschaft gebeichtet hat, versucht sie sich umzubringen. Dieser Suizid wird jedoch von Roelle „in einer unbegreiflichen Anwandlung“, wie es Protasisus nennt, verhindert. Roelle rettet Olga also das Leben und zeigt somit, dass ihm die junge Tochter Berotters etwas bedeutet. Später jedoch versucht Roelle selbst, Olga nach einem Streitgespräch zu töten, was ihm jedoch nicht gelingt. Bei Olga wiederum lässt sich bereits unmittelbar zu Anfang des Dramas feststellen, dass sie bereits vor der Zeit, in der das Drama spielt, mit Roelle eine Liebesbeziehung eingegangen war.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Werk „Fegefeuer in Ingolstadt“ ein, erläutert dessen Bedeutung im Kontext der Neuen Sachlichkeit und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die sexuellen und sprachlichen Identitätsformen der Jugendlichen zu untersuchen.

2 Sexuelle Identitäten: Hier werden die verschiedenen Paarkonstruktionen des Dramas analysiert und die Unterschiede zwischen triebhaft-sexuellen und asexuellen Figuren im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Konformität herausgearbeitet.

2.1 Paarkonstruktionen im Werk Marieluise Fleißers:: Dieses Unterkapitel konkretisiert die Analyse, indem es die gegensätzlichen Paarbildungen (Olga/Roelle sowie Peps/Hermine) identifiziert und ihre jeweiligen Charakteristika gegenüberstellt.

2.2 Sexuelle Identitätsbildung im Werk Marieluise Fleißers:: Das Kapitel untersucht die individuellen sexuellen Identitäten der Figuren, wobei insbesondere die Unreife und Triebhaftigkeit von Olga und Roelle im Kontrast zur gesellschaftlichen Konformität der Figur Peps betrachtet werden.

3 Sprachliche Identitäten: Dieser Abschnitt thematisiert die Gewalt der Sprache in Fleißers Drama, die als isolierendes Element fungiert und die Kommunikation sowie die Identitätsfindung der Figuren maßgeblich behindert.

3.1 Sprachliche Identitätsbildung im Werk Marieluise Fleißers: Hier wird detailliert aufgezeigt, wie die Sprache bei Fleißer als „künstliche Sprachmaschine“ wirkt, die den Figuren keine adäquate Kommunikation ermöglicht und sie stattdessen in eine selbstisolierende Dynamik zwingt.

4 Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass aufgrund der sprachlichen Defizite eine echte zwischenmenschliche Verbindung zwischen den Hauptfiguren unmöglich bleibt.

Schlüsselwörter

Identitätsbildung, Marieluise Fleißer, Fegefeuer in Ingolstadt, sexuelle Identität, sprachliche Identität, Paarkonstruktion, Neue Sachlichkeit, Kommunikation, Subjektkonstituierung, Isolation, Jugendliche, Außenseiter, Triebhaftigkeit, Sprachlosigkeit, Sozialraum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der sexuellen und sprachlichen Identitätsformen der jugendlichen Protagonisten in Marieluise Fleißers Theaterstück „Fegefeuer in Ingolstadt“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Identitätsbildung, die soziale Rollenverteilung, die Dynamik von Liebes- und Gewaltbeziehungen sowie die Funktion von Sprache als Mittel zur Abgrenzung oder Kommunikation innerhalb der Weimarer Republik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel der Arbeit ist es, das Misslingen der zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren sowie die Unzulänglichkeiten ihrer sprachlichen Identifikation zu untersuchen und wissenschaftlich zu begründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die das Drama auf Basis von psychosexuellen und linguistischen Kriterien interpretiert und dabei auf fachspezifische Forschungsliteratur zurückgreift.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der sexuellen Identitäten und Paarkonstruktionen sowie eine Analyse der sprachlichen Identitätsbildung, inklusive einer detaillierten Betrachtung der Rolle von Sprache für die Isolation der Figuren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Identitätsbildung, Sprachlosigkeit, sexuelle Identität, soziale Isolation, Paarkonstruktion und das Werk von Marieluise Fleißer charakterisieren.

Warum können die Figuren Olga und Roelle trotz ihrer Gemeinsamkeiten keine tragfähige Beziehung führen?

Laut der Arbeit scheitert ihre Beziehung an der fehlenden Sprachkompetenz beider Figuren, was dazu führt, dass sich ihr Potential in zerstörerischen Aggressions- und Gewaltpotentialen entlädt, anstatt in Kommunikation.

Welche Rolle spielt die Sprache für die Isolierung der Charaktere?

Sprache dient den Figuren nicht als Mittel zur Verständigung, sondern als Werkzeug zur gegenseitigen Abwertung und sozialen Ausgrenzung, wodurch die Jugendlichen unfähig werden, eine eigene Identität jenseits von vagen Vergleichen aufzubauen.

Wie unterscheidet sich die Figur Peps von den Protagonisten Olga und Roelle?

Peps wird als gesellschaftskonformes Mitglied charakterisiert, das seine Triebe kontrollieren kann und sich durch seine Vernunft sowie seine Fähigkeit zur sprachlichen Abwertung anderer auszeichnet, im Gegensatz zu den als „Außenseiter“ verstandenen Olga und Roelle.

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Details

Title
Identitätsbildung und Identitätsformen in Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt"
College
University of Hamburg  (Germanistik)
Grade
1,0
Author
Bernd Appel (Author)
Publication Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V373255
ISBN (eBook)
9783668508859
ISBN (Book)
9783668508866
Language
German
Tags
Marieluise Fleißer Fegefeuer in Ingolstadt Identitätsbildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bernd Appel (Author), 2010, Identitätsbildung und Identitätsformen in Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373255
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