Das Jahr 2010 war für das amerikanische Technologieunternehmen Apple ein ganz besonderes. So wurde allein im vierten Quartal ein Unternehmensgewinn von etwa sechs Milliarden US-Dollar erzielt. Auf der anderen Seite traten etwaige Missstände bei den Zulieferern zu Tage. So erlangte der Apple-Zulieferer Foxconn traurige Berühmtheit, indem 14 Mitarbeiter die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen konnten und Suizide begannen. Diese Bedingungen bestanden aus erzwungenen massenhaften Überstunden, mangelnden Sicherheitsstandards und vielem mehr. Dies sorgte für einen großen Imageschaden bei Apple, da menschenunwürdige Zustände akzeptiert wurden, obwohl das Unternehmen milliardenschwere Gewinne erzielte. Apple versuchte, den Imageschaden zu begrenzen, indem im Rahmen des Corporate Social Responsibility (CSR) bei den Zulieferern verstärkt auf die Einhaltung einer menschenwürdigen Arbeit geachtet wird.
Die Zulieferer von Apple und anderen Elektronikherstellern stellen mit ihren zum Teil menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen leider keine Einzelfälle dar. In diesem Zusammenhang leiden vor allem die Arbeiter der Zulieferer von Textilfabriken unter schlechten Arbeitsbedingungen. Dabei kommt es beispielsweise in Pakistan immer wieder zu Bränden, bei welchen etliche Menschen sterben. Erst kürzlich wurde der Textilhersteller KiK aufgrund eines solchen Brandes auf Schadensersatz verklagt. Für das Unternehmen ein PR-Desaster. Allein 23 von 30 DAX-Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Dies unterstreicht die immense Relevanz einer Auseinandersetzung von Unternehmen mit diesem Thema. Dass diese Fälle in der breiten Öffentlichkeit auf Abneigung stoßen, zeigt, inwiefern ein Bewusstsein für die Menschenrechte besteht. Unternehmen können zumeist nicht mehr ungestraft Arbeiter ausbeuten, da sie mit erheblicher Kritik der Öffentlichkeit rechnen müssen, was zu Umsatzeinbußen bis hin zur Schließung des Unternehmens führen kann. Somit besteht auch für die Unternehmen ein wesentliches Interesse, sich mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen und diese im Rahmen des Corporate Social Responsibilty zu behandeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themenaspektes
1.2 Ziele und Aufbau
2 Begriffsdefinition
2.1 Menschenrechte
2.2 Corporate Social Responsibility (CSR)
3 Menschenrechte
3.1 Historischer Kontext
3.2 Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext
4 Corporate Social Responsibility
4.1 Bereiche und Instrumente CSR-Konzeptes
4.2 Einfluss der Menschenrechte auf CSR
5 Schlussteil
5.1 Fazit
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Ausblick und kritische Faktoren
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Primärziel dieser Arbeit besteht darin, den Einfluss von Menschenrechten auf das unternehmerische Handeln im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR) zu untersuchen. Dabei wird analysiert, inwieweit Unternehmen durch die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und rechtliche Rahmenbedingungen dazu bewegt werden, Menschenrechte in ihre CSR-Strategien zu integrieren und Verstöße in ihren Lieferketten zu vermeiden.
- Historische Entwicklung und philosophische Grundlagen der Menschenrechte
- Begriffsbestimmung von Menschenrechten und Corporate Social Responsibility
- Analyse des Einflusses von Menschenrechten auf die ökonomische, ethische und philanthropische Verantwortung von Unternehmen
- Prüfung von CSR-Instrumenten zur Sicherung von Arbeitsbedingungen und Menschenrechten
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen CSR-Engagement und öffentlicher Wahrnehmung/Reputation
Auszug aus dem Buch
3.1 Historischer Kontext
Der wohl letzte größere Entwicklungsschritt der Menschenrechte stellte die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ durch die Vereinten Nationen im Jahre 1948 dar, die bis heute das Denken und Handeln im Menschenrechtskontext prägt. Doch bevor es hierzu kommen konnte, waren Jahrhunderte der Entwicklung notwendig. Die Grundsteine wurden bereits in der Antike gelegt, insbesondere durch die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles. Diese sahen etwa 500 v.Chr. den Menschen erstmals als Individuum, dessen Erfüllung in der Teilhabe am Staat liegt und in dessen Einklang das vom Menschen geschaffene Recht steht. Allerdings wurde hier noch zwischen Menschen und Sklaven unterschieden. Die Philosophie der Stoa hingegen sah bereits alle Menschen von der Natur heraus als frei und gleich an.
Bis in die Neuzeit hinein waren jedoch nur wenige Menschen wirklich frei und unabhängig. Der durch den Einfluss der Stoa und Aristoteles geprägte Thomas von Aquin (etwa 1225-1274) stand für die religiöse Gewissensfreiheit ein. Diese Freiheiten wurden jedoch von dem damals sehr starken Christentum enge Grenzen gesetzt. Der entscheidende Schritt hin zu den Menschenrechten vollzog sich erst im Zeitalter der philosophischen Aufklärung. Hier wurde die Würde des Menschen als einer der Grundsteine der Menschenrechte definiert. Diese bezeichnet die Einzigartigkeit des Menschen gegenüber den Tierwesen. Durch die Trennung des Konzeptes der Menschenwürde von den religiösen Voraussetzungen, war eine Universalität der Würde für alle Menschen geschaffen. Für Immanuel Kant war die Würde ein innerer Wert eines Menschen der die Vernunft begründet und ihn zu einem denkenden Wesen macht. Sie ist somit Kern des moralischen Handelns und der Vernunft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel begründet die Relevanz des Themas anhand von Fallbeispielen zu Menschenrechtsverletzungen in globalen Lieferketten und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Ausarbeitung.
2 Begriffsdefinition: Hier werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem die Begriffe „Menschenrechte“ und „Corporate Social Responsibility (CSR)“ definiert und in einen Kontext gebracht werden.
3 Menschenrechte: Das Kapitel beleuchtet den historischen Entwicklungspfad der Menschenrechte von der Antike bis zur UN-Erklärung 1948 und benennt spezifische Rechte mit direktem Bezug zur Wirtschaft.
4 Corporate Social Responsibility: Hier werden die Bereiche und Instrumente von CSR vorgestellt und deren direkte Verknüpfung sowie der Einfluss der Menschenrechte auf unternehmerisches Handeln geprüft.
5 Schlussteil: Der Schlussteil fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Arbeit kritisch und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Berichterstattungspflichten für Unternehmen.
Schlüsselwörter
Menschenrechte, Corporate Social Responsibility, CSR, Unternehmensethik, Lieferketten, Arbeitsbedingungen, Sozialaudits, Stakeholder, Nachhaltigkeit, Unternehmensverantwortung, Menschenwürde, CSR-Instrumente, Reputationsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle Menschenrechte im Kontext der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen (CSR) spielen und wie sich diese auf unternehmerische Entscheidungen auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Menschenrechte, die Begriffsbestimmung von CSR sowie die praktische Verzahnung beider Bereiche im unternehmerischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Prüfung des Einflusses von Menschenrechten auf Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf deren Handlungsweisen in der globalen Wertschöpfungskette.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem dreigliedrigen Aufbau: Ein allgemeiner Überblick mittels Studienbriefen, Literaturarbeit mit Fachliteratur sowie die Analyse aktueller CSR-Berichte und Internetrecherchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Historie der Menschenrechte, die Darstellung der CSR-Pyramide und ihrer Instrumente sowie die konkrete Untersuchung, wie Menschenrechte die unternehmerische Verantwortung beeinflussen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CSR, Menschenrechte, Lieferkettenverantwortung, soziale Verantwortung, Stakeholder und moralische Unternehmensführung.
Welche Rolle spielt die „CSR-Pyramide“ nach Carroll für die Argumentation?
Sie dient als theoretisches Modell, um die ökonomischen, rechtlichen, ethischen und philanthropischen Ebenen unternehmerischen Handelns einzuordnen und den Einfluss der Menschenrechte auf diese Ebenen zu verdeutlichen.
Warum ist das Thema für die heutigen Unternehmen so drängend?
Da in der globalisierten Wirtschaft Imageschäden durch Menschenrechtsverletzungen bei Zulieferern zu drastischen Nachfrageeinbrüchen führen können, ist die aktive Steuerung durch CSR existenziell geworden.
- Arbeit zitieren
- Marco Herz (Autor:in), 2017, Menschenrechte. Historischer Kontext und Einflussnahme auf Corporate Social Responsibility von Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373345