Im Gegensatz zu den USA und vielen europäischen Ländern steckt die Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland noch in den Anfängen. Die Entwicklung von Pflegetheorien hat in den USA schon eine längere Tradition und Pflegestudiengänge sind an den Universitäten etabliert.
Der Prozess der Professionalisierung und der Verwissenschaftlichung von Pflege hat in Deutschland gerade erst begonnen. Die Etablierung von Pflegestudiengängen hauptsächlich an Fachhochschulen, aber auch Universitäten ist in den letzten Jahren einen weiten Schritt vorangegangen. Damit ist die Grundlage für den wissenschaftlichen Diskurs geschaffen. Die Diskussion über die Nützlichkeit und Anwendbarkeit amerikanischer Pflegetheorien für die deutsche Pflege stellt einen aktuellen Diskussionsgegenstand dar.
Die Selbstpflegedefizittheorie von Orem ist in den USA, Belgien und Niederlanden und anderen Ländern weit verbreitet.
Die Bedeutung der Theorie für die deutsche Pflegewissenschaft und inwieweit sie in der Pflegepraxis angewendet wird, ist ein Thema dieser Arbeit.
In dieser Arbeit werden nach einem kurzen Abriss des beruflichen Werdegangs der Theoretikerin die Konzepte der Theorie vorgestellt. Der Pflegeprozess als wichtige, systematische Methode zur Problemlösung wird in einem eigenen Abschnitt behandelt. Die Einordnung in Typologien durch die Metatheoretikerinnen Fawcett und Meleis sind für die Analyse der Theorie von Bedeutung und werden deshalb ebenso behandelt.
Die Anwendung in Ausbildung, Praxis und Forschung spiegeln die Möglichkeiten eines Einsatzes der Selbstpflegdefizittheorie wieder und dokumentieren ihre Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit.
Die abschließende Zusammenfassung der Bedeutung und der diskutierten Kritikpunkte repräsentiert einen kleinen Ausschnitt aus dem derzeitigen Diskussionsstand.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin
2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege
2.2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits
2.2.3 Theorie der Pflegesysteme
2.3 Der Pflegeprozess
2.4 Typologisierung der Selbstpflegedefizittheorie
2.4.1 Das Metaparadigma der Pflege nach Fawcett
2.4.2 Die Denkschulen nach Meleis
2.5 Die Anwendung der Selbstpflegedefizittheorie
2.5.1 Die Anwendung in der Ausbildung
2.5.2 Die Anwendung in der Praxis
2.5.3 Pflegeforschung
2. 6 Bedeutung und Kritik
3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selbstpflegedefizit-Theorie von Dorothea E. Orem im Kontext der deutschsprachigen Pflegewissenschaft. Ziel ist es, die Konzepte der Theorie darzustellen, ihren Anwendungsbereich zu analysieren und ihre Eignung sowie Bedeutung für die deutsche Pflegepraxis kritisch zu reflektieren.
- Biografischer Hintergrund und Entwicklung der Pflegetheorie
- Struktur der drei Teilkonzepte (Selbstpflege, Selbstpflegedefizit, Pflegesysteme)
- Einordnung der Theorie in wissenschaftliche Metaparadigmen und Denkschulen
- Praktische Anwendung in Ausbildung, klinischem Umfeld und Forschung
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitssystem
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege
In der Theorie der Selbstpflege erfasst Orem die Ausgangssituation und beschreibt wie Menschen sich pflegen, welche Bereiche es umfasst und durch was die Selbstpflege beeinflusst wird.
Selbstpflege definiert Orem als „Verhalten, das sich in konkreten Lebenssituationen auf das Selbst oder die Umwelt richtet, um diejenigen Faktoren zu regulieren, welche die eigene Entwicklung und Funktionalität im Interesse von Leben, Gesundheit oder Wohlbefinden beeinflussen“. Das Selbst ist nach Orem „das eigene ganzheitliche Wesen“.
Ein weiterer Aspekt der Selbstpflege ist, dass sie bewusst und zielgerichtet ausgeführt wird.
Benötigt eine Person Hilfestellung bei der Durchführung der Selbstpflege, und wird dies durch Angehörige oder Bezugspersonen übernommen, spricht Orem von Abhängigenpflege. Hier gehören auch Kinder dazu, da sie naturgemäß noch nicht vollständig unabhängig sind.
Die Erfüllung des therapeutischen Selbstpflegebedarfs ist das Ziel der Selbstpflege und der Abhängigenpflege. Er ist Schwankungen unterworfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Stand der Pflegewissenschaft in Deutschland und den Bedarf an theoretischer Fundierung durch internationale Modelle.
2 Hauptteil: Der Hauptteil beschreibt den Werdegang von Orem, die drei zentralen Teilkonzepte ihrer Theorie sowie die Anwendung im Pflegeprozess und in der Praxis.
2.1. Beruflicher Werdegang der Theoretikerin: Dieses Kapitel zeichnet den Bildungsweg und die beruflichen Stationen von Orem nach, die zur Entwicklung ihrer Pflegetheorie führten.
2.2 Elemente der Selbstpflegedefizittheorie: Hier werden die theoretischen Säulen der Selbstpflege, des Defizits und der Pflegesysteme detailliert erläutert.
2.2.1 Theorie der Selbstpflege/Abhängigenpflege: Dieses Unterkapitel definiert das Verhalten der Selbstpflege sowie die Form der Unterstützung bei Abhängigen.
2.2.2 Theorie des Selbstpflegedefizits: Hier wird der Zustand beschrieben, in dem die Selbstpflegekompetenz nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken.
2.2.3 Theorie der Pflegesysteme: Der Fokus liegt auf der Systematisierung pflegerischer Handlungen durch unterschiedliche kompensatorische Systeme.
2.3 Der Pflegeprozess: Dieser Abschnitt erläutert die Anwendung der Theorie in Form von Diagnose, Verordnung, Planung und Kontrolle.
2.4 Typologisierung der Selbstpflegedefizittheorie: Eine Einordnung der Theorie in übergeordnete wissenschaftliche Modelle und Denkschulen.
2.4.1 Das Metaparadigma der Pflege nach Fawcett: Analyse der vier Kernbegriffe Person, Umwelt, Gesundheit und Pflege nach Fawcett.
2.4.2 Die Denkschulen nach Meleis: Zuordnung von Orems Theorie zur Denkschule der Bedürfnisse.
2.5 Die Anwendung der Selbstpflegedefizittheorie: Beschreibung der praktischen Verbreitung und Relevanz der Theorie.
2.5.1 Die Anwendung in der Ausbildung: Status quo der theoretischen Ausbildung in den USA, Europa und Deutschland.
2.5.2 Die Anwendung in der Praxis: Einsatzmöglichkeiten in der klinischen Versorgung und bestehende Netzwerke.
2.5.3 Pflegeforschung: Übersicht über internationale Studien, die auf der Selbstpflege-Theorie basieren.
2. 6 Bedeutung und Kritik: Diskussion der theoretischen Vorzüge sowie der kritischen Anmerkungen zur krankheitszentrierten Sichtweise.
3 Fazit: Das Fazit fasst den Nutzen der Theorie für die Professionalisierung der Pflege in Deutschland zusammen.
Schlüsselwörter
Dorothea E. Orem, Selbstpflegedefizit-Theorie, Pflegewissenschaft, Selbstpflegekompetenz, Abhängigenpflege, Pflegesysteme, Pflegeprozess, Professionalisierung, Metaparadigma, Pflegetheorie, Pflegepraxis, Bedürfnis-Denkschule, Selbstpflegebedarf, Gesundheitsförderung, Pflegeausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Selbstpflegedefizit-Theorie von Dorothea E. Orem und ihre Relevanz für die professionelle Pflege, insbesondere im Kontext der deutschen Pflegewissenschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Feldern zählen die theoretische Herleitung nach Orem, die Systematisierung der Pflege durch Pflegesysteme, die Einordnung in wissenschaftliche Denkschulen sowie die praktische Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung der Orem-Theorie und eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, wie diese zur Professionalisierung der Pflege in Deutschland beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und die systematische Aufarbeitung internationaler pflegetheoretischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den biographischen Werdegang, die detaillierte Vorstellung der drei Teilkonzepte, die Anwendung im Pflegeprozess sowie eine kritische Typologisierung und Diskussionserörterung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstpflege, Pflegedefizit, Pflegekompetenz, professionelle Pflege, Pflegesysteme und wissenschaftliche Fundierung.
Wie unterscheidet Orem zwischen Selbstpflege und Abhängigenpflege?
Selbstpflege beschreibt das zielgerichtete Verhalten zur Regulation eigener Bedürfnisse, während Abhängigenpflege dann greift, wenn eine Person die eigene Pflege nicht vollständig selbst leisten kann und Unterstützung von Angehörigen oder Bezugspersonen benötigt.
Inwieweit ist die Theorie für den deutschen Kontext geeignet?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Theorie als wertvolles Orientierungsinstrument dienen kann, jedoch eine Modifizierung an die spezifischen Bedingungen der deutschen Pflegepraxis notwendig ist.
Warum wird die Theorie der Bedürfnis-Denkschule zugeordnet?
Meleis ordnet sie dort ein, da Defizite und die daraus resultierenden Bedürfnisse des Patienten das zentrale Thema der theoretischen Ausführungen bilden.
- Quote paper
- Ulrike Natour (Author), 2005, Die Selbstpflegedefizittheorie von D. E. Orem. Bedeutung für die Pflegewissenschaft und Anwendung in der Pflegepraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37337