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Aspekte des Geschlechterverhältnisses im Simplicianischen Zyklus

Eine gender-orientierte Untersuchung

Titel: Aspekte des Geschlechterverhältnisses im Simplicianischen Zyklus

Magisterarbeit , 2011 , 151 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ingo Kober (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis der Geschlechter im Spiegel des Simplicianischen Zyklus. Vordergründig steht Grimmelshausen damit in der frauenfeindlichen Tradition des literarischen Diskurses im Barock.

Die eingehendere Analyse erweist jedoch eine überraschende Doppelbödigkeit der Texte. Immer wieder wird der dort vorzufindende, scheinbar affirmative Diskurs durch die fragwürdige Moral der männlichen Figuren unterminiert. Eine Idealisierung der Frauengestalten findet gleichwohl nicht statt. Auch sie leiden an zahlreichen größeren und kleineren Schwächen. Von den Männern unterscheidet sie im Wesentlichen ihre Opferrolle. Grimmelshausen zeichnet in der durchgängigen Ambivalenz seiner Figuren ein pessimistisches Menschenbild, fern jeder Erlösung.

Das Bemühen richtet sich darauf, die geschichtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurse zu ermitteln, die das Verhältnis, genauer die Verhältnisse, der Geschlechter, teils performativ, erzeugen, sie regeln und beschreiben. So groß ist die Strahlkraft der Namen Simplicissimus und Courasche, dass andere Figuren, die das Werk Grimmelshausens bevölkern, daneben blass geblieben sind. Wer kennt schon den namenlosen Kaufmann, dem ein fahrender Schüler ein Vogelnest verschafft, dessen Besitz den Träger unsichtbar macht, wer die Leiherin, deren Geldgier sie schließlich auf den Scheiterhaufen bringt, von den vielen anderen, Bürgern, Bauern, Landfrauen, Mägden, Offizieren, marodierenden Soldaten und Huren zu schweigen? Und doch nehmen all diese Gestalten einen wichtigen Platz im Simplicianischen Zyklus ein und lassen ihn zu einem bunten Reigen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Zur Methode

2. Erzählperspektiven

II. Interpretation des Geschlechts

1. Namen

a. Der Name als Signal

b. Eugenia, Esther und der Kaufmann. Entlarvender Zynismus.

c. Libuschka, Janco und Courasche. Scheitern, Flucht und Zwang.

d. Spring-ins-Felt. Die korrosive Macht der Lächerlichkeit.

e. Simplicius Simplicissimus. Schande über die Mutter.

f. Rick su mir mein Hertz! Der Kosename als Entpersönlichung.

g. Margretha – Gred – Secret. Eine verräterische Verwechslung.

h. Schimpfnamen

2. Die Frau, der unvollkommene Mann

3. Kleidung und Gender

4. Kosmetik, Hygiene und Körperpflege

5. „… mit der Hand in Schlitz“. Der Sexus entscheidet.

6. Hermaphroditen

III. Frauentypen

1. Die Adlige

a. Bildung

b. Tätigkeiten

2. Die Bürgerliche

a. Bildung

b. Tätigkeiten

3. Bäuerinnen und Mägde

4. Die Dirne

5. Die Soldatenfrau

IV. Frauenrollen

1. Das Objekt der Begierde

2. Die Ehefrau

a. Ehefrauen und ihre Männer

b. Courasche als Ehefrau

3. Mutter und Kind

4. Die Hexe

V. Erotik und Sexualität

1. Erotik im Simplicianischen Zyklus ?

2. Die Rede von der Sexualität

a. Sexualität als Erzähltopos

b. Sexualität als Figurenrede

3. Gelebte Sexualität

a. Voreheliche Sexualität. Der Kampf um das Kränzlein.

b. Sexualität in der Ehe

c. Der Ehebruch

d. Sexualität und Gewalt

VI. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer umfassenden Untersuchung des Geschlechterverhältnisses innerhalb des Simplicianischen Zyklus von Grimmelshausen, um die zugrundeliegenden gesellschaftlichen und kulturellen Diskurse der Frühen Neuzeit zu entschlüsseln. Die Arbeit geht dabei der Frage nach, wie kulturelle Entwürfe von Weiblichkeit und Männlichkeit literarisch konstituiert, stabilisiert und revidiert werden.

  • Analyse des Einflusses der "Querelle des femmes" auf das Werk Grimmelshausens.
  • Untersuchung von Namensgebung, Kleidung und Körperpflege als Indikatoren für Geschlechtsidentität.
  • Differenzierte Betrachtung verschiedener Frauentypen und -rollen.
  • Gender-orientierte Analyse der Erotik, Sexualität und Gewalt im Kontext der literarischen Darstellung.
  • Deconstruction misogyner Diskurse innerhalb des Textes.

Auszug aus dem Buch

d. Spring-ins-Felt. Die korrosive Macht der Lächerlichkeit.

In einem ganz anderen Licht stellt sich der Name Springinsfeld dar. Springinsfelds Taufname bleibt, anders als bei Libuschka/Courasche, ungenannt. Ein Muβquetierer ist er, Galan und Courtisan, kurz ein verliebter Niemand, der kaum das Wort an seine Angebetete zu richten wagt. Springinsfeld ist ein sprechender Name, und was aus ihm spricht, ist Herablassung und Verachtung der Namensgeberin. Noch bevor es überhaupt zu einem Gespräch zwischen beiden gekommen ist, empfindet Courasche […] die Verachtung so groβ / als das Mitleiden. Und die Umstände, welche Springinsfeld schlieβlich seinen Namen bescheren, sind gleichermaβen bizarr wie demütigend. In dem sieben Puncten umfassenden Kontrakt, den Courasche mit ihrem Galanen schlieβt, lautet der siebte (und damit sowohl von der Zahlensymbolik wie von der Positionierung deutlich hervorgehobene) Punkt:

Damit er auch solcher Schuldigkeit sich allezeit erinnern moege / sollte er zum sibenden gedulten / dass ich ihn mit einem sonderbahren Namen nennete / welcher Nahm aus den ersten Woertern des Befehls genommen werden sollte / wormit ich ihn das erste mahl etwas zu thun heissen wuerde.

Dieser erste Befehl lautet Spring-ins-felt und soll Courasche ein ungestörtes Schäferstündchen mit einem Herrn Fendrich ermöglichen. Der Anlass der Namensgebung durch Courasche setzt dem Kontrakt ein frech-ironisches Glanzlicht auf, und benennt, gleichsam grinsend, was das Vertragswerk nüchtern stipuliert: die vollständige Unterordnung, ja Unterwerfung des Mannes.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die methodische Herangehensweise einer gender-orientierten Analyse der Werke Grimmelshausens.

II. Interpretation des Geschlechts: Dieses Kapitel untersucht Geschlechtsidentitäten anhand von Namen, Kleidung, Körperpflege und biologischen Zuschreibungen wie dem Hermaphroditismus.

III. Frauentypen: Hier werden verschiedene soziale Frauentypen wie die Adlige, die Bürgerliche, Bäuerinnen, Mägde und die Dirne in ihrem soziokulturellen Kontext analysiert.

IV. Frauenrollen: Das Kapitel widmet sich spezifischen Rollenbildern wie dem Objekt der Begierde, der Ehefrau, der Mutter und der Hexe.

V. Erotik und Sexualität: Dieser Abschnitt erörtert die Darstellung von Sexualität, vorehelicher Sexualität, Ehebruch und Gewalt im Simplicianischen Zyklus.

VI. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zur Analyse des Geschlechterverhältnisses und zur Dekonstruktion der Diskurse zusammen.

Schlüsselwörter

Grimmelshausen, Simplicianischer Zyklus, Geschlechterverhältnis, Gender Studies, Frühe Neuzeit, Courasche, Simplicius, Sexualität, Ehe, Körpergeschichte, Misogynie, Identität, Soziale Diskurse, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis der Geschlechter in Grimmelshausens Simplicianischem Zyklus und wie sich gesellschaftliche Vorstellungen der Frühen Neuzeit darin widerspiegeln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Identitätskonstruktion, der Rolle der Frau in verschiedenen sozialen Schichten sowie der Darstellung von Sexualität und Erotik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Diskurse um Männlichkeit und Weiblichkeit im Werk zu dekonstruieren und zu ergründen, wie literarische Darstellungen kulturelle Entwürfe widerspiegeln oder hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein literaturwissenschaftlicher, gender-orientierter Ansatz verfolgt, der literarische Texte mit außerliterarischen zeitgenössischen Diskursen korreliert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation von Geschlecht, die Analyse spezifischer Frauentypen und -rollen sowie die detaillierte Untersuchung erotischer und sexueller Thematiken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Grimmelshausen, Geschlechterverhältnis, Gender, Frühe Neuzeit, Erotik, Sexualität und die literarische Dekonstruktion von Geschlechterrollen.

Wie problematisiert der Autor die Namensgebung?

Der Autor zeigt auf, dass Namen im Zyklus oft keine Identitätsmarker sind, sondern Signalcharakter haben und zur Rollenzuweisung im literarischen Diskurs dienen.

Welche Rolle spielt der Hermaphroditismus für die Identitätsfindung der Protagonisten?

Der Hermaphroditismus fungiert als Ausdruck eines tiefen Zielkonflikts der Figuren zwischen dem Wunsch, soziale Rollen zu wechseln, und der Determinierung durch das biologische Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 151 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Aspekte des Geschlechterverhältnisses im Simplicianischen Zyklus
Untertitel
Eine gender-orientierte Untersuchung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Ingo Kober (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
151
Katalognummer
V373544
ISBN (eBook)
9783668518919
ISBN (Buch)
9783668518926
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte geschlechterverhältnisses simplicianischen zyklus eine untersuchung figurenverhältnisse grimmelhausen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ingo Kober (Autor:in), 2011, Aspekte des Geschlechterverhältnisses im Simplicianischen Zyklus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373544
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