Familie im sozialen Wandel. Funktionsverlust oder Funktionserhalt am Beispiel der Regenbogenfamilie


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hinführung

2 Geschichte der Familie
2.1 Begriffsbestimmung
2.2. Historische Entwicklung der Familie

3 Familie im sozialen Wandel
3.1 Erklärungsversuch nach Ulrich Beck (Individualisierungsthese)
3.2 Pluralisierung der Lebensformen

4 Funktionserhalt oder Funktionsverlust? Am Beispiel der Regenbogenfamilie
4.1 zentrale Funktionen der Familie
4.2 Charakteristika und Formen der Regenbogenfamilie
4.3. Herausforderung an die Regenbogenfamilie
4.4 Funktionserhalt oder Funktionsverlust?

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Hinführung

„ 'Ich habe eine Mami und eine Mama' sagt die achtjährige Rosa selbstbewusst zu ihrer Freundin Marie" (Gerlach, 2008, S.13). Diese Worte drücken aus, was in Deutschland längst keine Seltenheit mehr ist: Immer mehr Kinder leben oder wachsen in Regenbogenfamilien auf. Das ehemalige Schattendasein, welches diese Familien pflegten, beginnt sich nach und nach aufzulösen und wird in der Gesellschaft immer mehr toleriert.

Familie unterzog und unterzieht sich einem sozialen Wandel und infolge dessen haben sich auch die Strukturen der Familie maßgeblich verändert. Es gibt nicht mehr das Ideal der "Bilderbuchfamilie", sondern neue Formen, unter anderem die Regenbogenfamilie, bilden sich heraus. Bedingt durch den sozialen Wandel und der Umstrukturierung des Familienbildes wird häufig von einem „Verlust des Wertes der Familie" (Spory, 2013, S.15) gesprochen. Wert- oder Funktionsverlust bezeichnet in diesem Sinne eine „Lockerung der Familie" (König, 1978, S.69), welche einhergehend mit der Pluralisierung von Lebens- und Familienformen von statten geht. Durch diese Pluralisierung fällt es schwer Familie einheitlich zu definieren, beziehungsweise die Kernaufgaben und -funktionen festzulegen.

In folgender wissenschaftlichen Arbeit wird der Funktionsverlust von Familien erklärt und beschrieben und im Nachhinein kritisch am Beispiel der Regenbogenfamilie dargestellt und überprüft, ob wirklich von einem Funktionsverlust die Rede sein kann und ob die Regenbogenfamilie eine gleichwertige Familienform ist.

2 Geschichte der Familie

2.1 Begriffsbestimmung

In der Volkssprache gibt es keine konkrete Ansicht, was als Familie bezeichnet wird. Bereits in der Vergangenheit kamen dem Begriff der Familie verschiedene Bedeutungen zu. Jedoch war man sich damals im Klaren darüber was Familie heißt, nämlich eine Kernfamilie bestehend aus Mutter, Vater und Kind (vgl. Fuhs, 2007, S.24). Im Heute besteht noch immer kein Konsens, welche Bedeutung Familie transportiert - dies ist größtenteils abhängig von der subjektiven Meinung der einzelnen Individuen. Gleichermaßen ist in der Wissenschaft keine allgemein legitime Begriffsbestimmung von Familie vorhanden; jede Definition beinhaltet Positives und Negatives und erläutert wichtig Gesichtspunkte der Familie; jede Definition hat aber auch ihre Grenzen (vgl. Ecarius, 2007, S.25) . Es gibt jedoch eine Fokussierung der Wissenschaft auf die gesamt-soziale Sicht der Familie. Familie wird als „soziale Institution" (Nave-Hertz, 2006, S.30) bezeichnet und hat gewisse Aufgaben für die Gesellschaft zu erfüllen. Aus soziologischer Sicht lässt sich Familie anhand von drei Merkmalen beschreiben:

1. Funktionen der Familie: Jeder Familie werden gewisse Funktionen zugeschrieben. Bei diesen handelt es sich um die „Reproduktions- und Sozialisationsfunktion"(Nave-Hertz, 2006, S.30), sowie um diverse andere Funktionen, die an die Familie herangetragen werden - auf diese wird im Laufe der Hausarbeit noch genauer eingegangen
2. Die „Generationendifferenzierung" (Nave-Hertz, 2006, S.31): Dies knüpft an den Eltern-Kind-Komplex an und beschreibt eine Unterscheidung zwischen den jeweiligen Generationen.
3. Definition und Abriss der charakteristischen Rollen: Jede Familie ist charakterisiert durch typische Rollenverteilungen und -bestimmungen. Dieses Verständnis variiert jedoch stark von Kultur zu Kultur und hat je nach zeitlicher Struktur eine andere Auffassung (vgl. Nave-Hertz, 2006, S.32)

2.2. Historische Entwicklung der Familie

Der Rückblick auf die historische Entwicklung der Familie ist insofern wichtig und notwendig, da dieser die Norm des Familienlebens repräsentiert, welche wir heute als üblich erachten. Als Idealtypus wird hierbei meist das bürgerliche Familienmodell genannt, welches in den Köpfen der einzelnen Bürger und Bürgerinnen verankert ist. (vgl. Nave-Hertz, 2006, S.37).

Bei einer genaueren Betrachtung der historischen Entwicklung bildet sich ein Musterbild ausgehend von der Großfamilie heraus. Die Großfamilie wurde als eine Gemeinschaft der Wirtschaft und der Versorgung bezeichnet und in ihr wurden sowohl Familienangehörige, als auch Verwandte, sowie das Personal miteinander vereint. Im historischen Verlauf etablierte sich die Großfamilie nach und nach zur Kernfamilie, die sich im Normalfall aus den oder dem Erziehungsberechtigten und dem jeweiligen Abkömmling zusammensetzt. Aktuell gibt es jedoch auch in diesem Idealbild der Kernfamilie neuere Entwicklungen, welche sich in einer Vervielfältigung der Familienformen bündelt (vgl. Geitner, 1996, S.12). Hierbei spricht man von der „Pluralisierung von Lebensformen" (ebd.), welche mit dem sozialen Wandel einhergeht.

3 Familie im sozialen Wandel

Wie bereits der historische Rückblick gezeigt hat, gibt es kein ideales Familienmodell mehr, wie es vor geraumer Zeit existiert hat. Der soziale Wandel beschreibt generell Veränderungen hinsichtlich der Form und Struktur der Familie. Der Begriff beschreibt also einen Prozess des ständigen Wandels der Familie, der erfolgen muss, da sich die Gesellschaft und allgemein die Welt im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt und die Familie sich diesem Wandel anpasst.

3.1 Erklärungsversuch nach Ulrich Beck (Individualisierungsthese)

Die Gründe für den sozialen Wandel und die damit einhergehende Pluralisierung von Lebensformen können am ehesten durch die Individualisierungsthese von Ulrich Beck begründet werden - eine experimentell abgesicherte Erklärung für den Wandel gibt es jedoch auch aktuell noch nicht.

Grundlegend legt die Individualisierungsthese die Umwälzung in modernere Zeiten dar. Hierbei beschreibt sie sowohl die Veränderungen als einen Zustand der Befreiung von Menschen aus den Abhängigkeiten der jeweiligen Stände, als auch das Steigen der Entscheidungsgewalt und -freiheit des Einzelnen. Somit erlangt das Individuum Selbstständigkeit gegenüber höher gestellter Umstände, welche ihn vorher im Wissen beschränkt und in eine beständige Struktur eingeflochtet haben (vgl. Peuckert, 2008, S.326). Der Prozess der Individualisierung wurde durch den Reichtumsanstieg, durch die soziale Absicherung vom Staat und maßgeblich durch den gewachsenen Bildungsgrad hervorgerufen (vgl. Nave-Hertz, 2012, S.13). Maßgebliche Abzeichnungen der Individualisierung spiegeln sich, laut Ulrich Beck, zum einen in der Neugewinnung von Handlungsmöglichkeiten, als auch in dem Verlust von tradierten Normen und Werten wieder, welcher als eine Gefahr gedeutet wird, da sich das Subjekt nicht mehr an traditionellen Modellen orientieren kann.

Folglich muss sich der Mensch seinen eigenen Werdegang, ohne Orientierungshilfe von bereits bestehenden Modellen, erstellen (vgl. Peuckert, 2008, S.328).

Die Individualisierungsthese von Ulrich Beck kann somit sowohl als Ausgangspunkt, als auch als Erklärungsversuch für den sozialen Wandel und die Pluralisierung von Lebensformen gesehen werden (vgl. Peuckert, 2008, S.31)

3.2 Pluralisierung der Lebensformen

Ein erheblicher Bestandteil der Debatte über Familie ergibt sich durch die Auslegung von Datenmaterial: Die Scheidungsraten, Kinderanzahl, Heirat und Entwicklungen, die die wirtschafts- und sozialpolitische Bevölkerungsbewegung betreffen. Die Pluralisierungsthese fußt auf der sich fortschreitend entwickelnden Individualisierung und hat eine enorme Wirkung auf durchgängige Diskussionen in der Familiensoziologie (vgl. Spory, 2013, S.67-68).

Eine Pluralisierung von Lebensformen tritt laut Brüderl nur dann auf, wenn „die Vielfalt/Heterogenität der [.,,] Lebensverläufe seit der Normalfamilie der 1950/60er Jahre zugenommen hat" (Peuckert, 2008, S.88)

Es entwickeln sich neue Familienformen, wohingegen die Anzahl der normalen, herkömmlichen Familien geringer werden. Eine herkömmliche Familie bezeichnet hierbei eine „legale, lebenslange, monogame Ehe zwischen einem Mann und einer Frau [...], die mit ihren gemeinsamen Kindern in einem Haushalt leben und in der der Mann Haupternährer und Autoritätsperson und die Frau primär für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig ist" (Peuckert, 2008, S.23). Einer Quelle des SOEP aus dem Jahre 1993 ist zu entnehmen, dass lediglich 29% aller Familien in diese Kategorie fallen. Folglich also der Teil anderer Familienformen bei 71% liegt. Hier zeichnet sich eine Minderung der Vorrangigkeit der traditionellen Kleinfamilie ab (vgl. Erler, 1996, S.33).

Des Weiteren zeichnet sich ein immer später eintretendes Heiratsalter ab. Im Vergleich des Council of Europe der Jahre 1970 und 2004 lässt sich für West- und Ostdeutschland eine Verschiebung auf der Zeitachse von circa 7 Jahren nach hinten betrachten (vgl. Huinink/Konietzka, 2007, S.78). Was mit dieser Entwicklung korreliert ist die Entwicklung von Scheidungsraten, welche ebenfalls in den vergangenen Jahren enorm zugenommen haben (vgl. Huinink/Konietzka, 2007, S.80). Folglich steigt durch diese beiden Entwicklungen die Anzahl derjenigen, die nicht beziehungsweise später heiraten oder bereits geschieden sind und bilden andere, neue Familienformen.

Die neuen Familienformen lassen sich kategorisieren und in verschiedene Gruppen eingliedern. Die Gruppen nach ihrer Größe einzuteilen, macht statistisch gesehen eher weniger Sinn, da vor allem im Bereich der Regenbogenfamilie, welche eine Unterkategorie der Familienvielfalt ist, einige Familien ihre Beziehung oder Orientierung nicht angegeben haben (vgl. Gerlach, 2010, S.18-19).

Das Spektrum der unterschiedlichen Familien reicht von der außerehelichen Zweisamkeit, welche große Ähnlichkeit mit einer normalen Ehe hat, über ein getrenntes Zusammenleben von den Paaren, bis hin zu Einpersonenhaushalten von Männern oder Frauen. Des Weiteren existieren noch Beziehungen, in denen es keine Kinder gibt und auch homosexuelle Partnerschaften, wobei bei der letzteren Beziehung noch nicht von juristischen Akzeptanz und Toleranz gesprochen werden kann. Zuletzt lassen sich noch Wohngruppen, Singles und „Migrantenfamilien“ (Erler, 1996, S.64) nennen, welche sich hervorragend in das aktuelle Bild der Gesellschaft integrieren. Zudem gibt es in allen Familienformen noch Unterkategorien, bedingt durch zum Beispiel Überzeugungen (Lakemann, 1999, S.187-189).

Durch die Vervielfältigung von den Familienformen steht die Frage im Raum, ob ein Verlust des Gemeinschaftsgefühls, des Zusammenhalts und eine steigende Zurückgezogenheit stattfindet - Die Frage nach den Funktionen steht nach wie vor offen. Diesen Fakt verneint jedoch Peuckert, indem er aussagt, dass Gemeinschaft nun immer unabhängiger, hinsichtlich der individuellen Freiheit, wird und somit eine neue Art der Bildung der Gemeinschaft hervorgerufen wird (vgl. Peuckert, 2008, S.30).

4 Funktionserhalt oder Funktionsverlust? Am Beispiel der Regenbogenfamilie

Viele Autoren, Wissenschaftler und Professoren sind sich unklar, in wie weit man von einem Funktionsverlust der Familie sprechen kann und darf. Mit der Herausbildung der Industriegesellschaft entwickelte sich die Familie von der Großfamilie zur Kleinfamilie. Durch die neuen und größtenteils sehr unterschiedlichen Familienformen, besteht immer noch der Kerngedanke von einheitlichen Funktionen, welche jede Familie erfüllen sollte. Im Folgenden werden nun die zentralen und für die Gesellschaft notwendigen Funktionen aufgezählt. Hierbei tritt, laut Schilling und Zeller, jedoch ein Verlust in der „Bewahrungs- und Erziehungsfähigkeit der Familie" (Schilling/Zeller, 2012, S.98) auf. Dies zeigt vorab, dass womöglich durch die Pluralisierung einzelne Funktionen verloren gegangen oder durch andere ersetzt beziehungsweise umgesiedelt wurden (Schilling/Zeller, 2012, S.99).

4.1 zentrale Funktionen der Familie

Die Institution Familie beinhaltet ein großes Spektrum an Aufgaben, welche für den Erhalt und den Fortbestand der Gesellschaft von elementarer Bedeutung sind. Eine der zentralen Funktionen der Familie ist die „Reproduktions-Funktion" (Nave-Hertz, 2006, S.79). In erster Linie ist diese Funktion wichtig, da sonst aufgrund von Nachwuchsmangel die Menschheit nicht weiter existieren würde (vgl. Klett, 2013, S.23). Zudem umfasst diese Funktion einen zwischenmenschlichen Aspekt, was man als „Spannungsausgleichsfunktion" (Nave-Hertz, 2006, S.99) als

Unterkategorie der „Soziale[n] Reproduktionsfunktion" (Nave-Hertz, 2006, S.99) betrachten kann. In ihr geht es vor allem um eine Unterstützung von Familienmitgliedern bei Problemen jeglicher Art (Nave-Hertz, 2006, S.100), da lediglich durch die Kombination von biologischer Fortpflanzung mit sozialen Bedingungen ein Fortbestehen garantiert sein kann (König, 1978, S.71).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Familie im sozialen Wandel. Funktionsverlust oder Funktionserhalt am Beispiel der Regenbogenfamilie
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Familie und soziale Arbeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V373578
ISBN (eBook)
9783668509290
ISBN (Buch)
9783668509306
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienform, Familienfunktion, Funktionen von Familie, Queer, Transgender, Sozialisationsfunktion, Reproduktionsfunktion, Pluralisierung, Individualisierung, Familie im Wandel, Familienformen, gleichgeschlechtliche Ehe, Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien
Arbeit zitieren
Frederik Thomas Dötzer (Autor), 2014, Familie im sozialen Wandel. Funktionsverlust oder Funktionserhalt am Beispiel der Regenbogenfamilie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373578

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