Poka Yoka. Qualitätsmethode der Null-Fehler-Prozesse


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Herkunft, Bedeutung und Qualitätsphilosophie

3 Struktur von Poka Yoke
3.1 Fehlhandlungen
3.2 Poka-Yoke-Vorkehrungen
3.3 Poka-Yoke-Einrichtungen

4 Umsetzung von Poka-Yoke-Konzept

5 Praxisbeispiele

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kurze und lange Regelschleife in Qualitätsregelkreisen

Abbildung 2: Poka-Yoke-Vorkehrung für die Montage

Abbildung 3: Poka-Yoke-Einrichtung in der Montage

Abbildung 4: Poka-Yoke-Vorkehrung Montage von Sicherheitsgurten

Abbildung 5: Poka-Yoke-Einrichtung für Fertigungsoperation

Abbildung 6: Poka-Yoke-Einrichtung für eine Schweißoperation

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1.: Menschlichen Fehlhandlungen in Arbeitssystemen (Nakajo 1985)

Tabelle 2.: Beispielfragen für die sinnvolle Umsetzung von Poka-Yoke

1 Einleitung

Einer der Teilbereiche des Total Quality Managements beschäftigt sich mit der Strategien der Fehlervermeidung, insbesondere der Null-Fehler-Konzepte. In diesem Zusammenhang findet man oft den Begriff Poka Yoke wieder. Poka Yoke zählt zu einer einfachen Methode der Fehlvermeidung, die sich vorranging mit Fehlern und nicht Fehlhandlungen auseinander setzt.

Für viele Menschen gilt das Null-Fehler-Prozess bezüglich ihrer Arbeit als unrealistisch und unerreichbar. Dieser Gedanke führt zu einer allgemeinen Toleranz der Fehler. Die verbreitete Meinung, dass bei jeglichem Prozess die Fehler ohnehin schon mitberücksichtig werden, verstärkt diese zusätzlich. Ein Streben nach der fehlerfreien Produktion ist ein Wunschdenken - das sitzt in vielen Köpfen, sowohl bei den Arbeitnehmer als auch Arbeitgebern. Dagegen im privaten Umfeld fehlt uns es sehr schwer Fehler seitens der Produkte oder Hersteller zu tolerieren. Besonders von den sicherheitsrelevanten Bauteilen erwarten die meisten Menschen eine 100% Fehlerfreiheit. Eine Bremsanlage des Autos soll bei jedem Bremsvorgang keinen einzigen Mal aussetzen. Es herrschen somit spürbare Unterschiede zwischen den Anforderungen an eigene Arbeit und der Bereitschaft diese zu erfüllen. Brachtet man die eigene Arbeit aus Sicht des zukünftigen Kunden, bringt es einem näher das Streben nach dem Null-Fehler-Standard bei den eigenen Arbeitsprozessen.

Oft werden Fehlhandlungen und Fehler als Synonyme wahrgenommen. Bei genaueren Betrachtung sind Fehlhandlungen die Ursachen und Fehler ihre Wirkungen.

"Fehlhandlungen sind nicht vermeidbar, Fehler schon!"

Man nimmt an, dass 70% der Unfälle in technischen Systemen durch die menschliche Fehlhandlungen entstanden sind. Aus diesem Grund setzte man die Schwerpunkte des Qualitätslenkung- und -prüfung, insbesondere wenn Sicherheit und Gesundheit betroffen waren, meistens auf die Inspektionstechniken, die eher auf die Erkennung der Fehler als auf die Fehlervermeidung abzielen. Die modernere Methoden und Werkzeuge sollen verhindern, dass aus den nicht vermeidbaren Fehlhandlungen Fehler am Produkt bzw. fehlerhafte Prozessergebnisse resultieren. Es sollte gar nicht möglich sein, einen Fehler durch Fehlhandlung zu erzeugen. Das Poka Yoke Konzept bietet an dieser Stelle ein wirkungsvolles Instrument zur Prävention von resultierenden Fehlern.

Im Rahmen dieser Arbeit wird die Poka Yoke Strategie näher erläutert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen rund um den Begriff, Herkunft und die Qualitätsphilosophie. Nachfolgend werden Struktur und Umsetzung beschrieben. Abschließend folgen die Praxisbeispiele für die erfolgreiche Anwendung der Poka Yoke Strategie. Als Fazit werden der Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteilen Poka Yoke vorgestellt.

2 Herkunft, Bedeutung und Qualitätsphilosophie

Im Zusammenhang der Diskussion von Toyota-Produktionssystems (TPS) wurde der Begriff "Poka Yoke" zum ersten Mal Ende 1980er-Jahre in Deutschland behandelt. Einer der wichtigsten Mitgestalter des TPS, Japaner Shigeo Shingo, veröffentlichte im Jahr 1986 das Buch "Zero Quality Control: Source Inspektion and the Poka-yoke System".[1] Der japanischer Betriff "Poka Yoke" verknüpft das Wort "Poka", das ein Versehen, Lapsus, unglücklicher Fehler bedeutet, und das Wort "Yoke", das für Vermeiden oder Vermindern steht. Das Hauptziel des Konzepts Poka Yoke, die Fehlervermeidung, liegt somit schon in dem eigentlichen Namen.[2] Aufgrund von fehlendem Respekt vor den Mitarbeitern, lehnte Shigeo Shingo die ursprüngliche Bezeichnung des Effektes von Poka Yoke als "foolproofing", d.h. idiotensicher, ab. Unter den Fachleuten steht der Begriff Poka Yoke für Techniken und Methoden zur Erreichung der Null-Fehler-Prozesse.[3]

Fehler und Mängel im Ablauf sind die häufigsten Hindernissen auf dem Weg zu einem effizienten Prozess, wirkungsvollen Produktion, schellen und geordnetem Materialfluss. Nicht nur die wenigen Störungen, die sofort erkannt werden können, sonder auch mannigfaltige kleinere Störungen tragen die Verantwortung dafür, dass die Ziele, wie 100% Lieferfähigkeit, höchste Flexibilität, kurstesten Durchlaufzeiten bei minimalen Lagerbeständen, nicht erreicht werden. Im TPS wurde durch die Zusammenspiel der 5W-Methode, Kaizen, Fehlerinspektion und Poka Yoke sehr früh eine Null-Fehler-Produktion angestrebt und erreicht. Der Hauptfokussierung diente nicht einer klassischen 100% Prüfung, sondern einer Fehlervermeidung vom ersten Schritt des Prozesses. Das Motto lautet: "nicht gut prüfen, sondern es gleich richtig machen".[4]

Die Qualitätsphilosophie von Poka Yoke zielt darauf ab, fehlerhafter Zustände zu identifizieren, zu vermeiden und sofort durch unmittelbares Eingreifen unterbinden. Kein Produkt, das fehlerbehaftet ist, soll den Prozess verlassen. Poka Yoka System akzeptiert nur eine 100% fehlerfreie Produktion bzw. Prozesse. Denn auch bei der Herstellung von 99% Gutteilen je Prozessschritt, kommt es immer noch zu einer hohen Fehlerquote beim Endprodukt. Je komplexer der Prozess und je mehr Prozessschritte es beinhaltet, desto gravierender kann sich ein einzelner Fehler auf das Endergebnis auswirken. Die resultierenden Nachbesserungen verursachen zusätzlich sehr hohe Kosten, die nicht immer exakt zu erfassen sind, da viele sekundäre Störungen gar nicht berücksichtigt werden können. Aus diesem Grund sollte jeder so kleiner Fehler konsequent vermieden werden.[5]

Das Poka Yoke Konzept leistet einen wesentlichen Beitrag zur Änderung der Wahrnehmung und Akzeptanz der Fehler in Unternehmen. In vielen Unternehmen gibt es immer noch folgende Glaubensätze:

- Irren ist menschlich
- Jeder macht Fehler
- Hohe Qualität verursacht hohe Kosten und dauert zu lange
- kleine Fehler sind eher entschuldbar
- momentane Qualität ist immer noch besser als von unserer Konkurrenz

Die technischen Einrichtungen, Maßnahmen und einfache Systeme von Poka Yoke zeigen einen klaren Weg zur Null-Fehler-Produktion und bewirken ein nachhaltiges Umdenken in Bezug auf Fehler.

Der größte Anwendungsgebiet von Poka Yoke ist die industrielle Fertigung. Jedoch ist Poka Yoke bei allen standardisierten Prozessen und Abläufen, z.B. in Logistik und Verwaltung, anwendbar. Grundsätzlich soll Poka Yoke vorrangig eine fehlerfreie Arbeit von Mitarbeiter als Bestandteil von Arbeitssystemen und Prozessen sicherstellen.

3 Struktur von Poka Yoke

3.1 Fehlhandlungen

Menschliche Fehlhandlungen sind häufige Quellen von Fehlern an Produkten und in Abläufen. Bei Gestaltung von Arbeitssystemen und Prozessen wurden diese Umstände schon in Vergangenheit, insbesondere wenn es um Sicherheit und Gesundheit ging, berücksichtig. Als Beispiele können diverse Zwangsteuerungen und Zweihandbedienung der Maschinen genannt werden.

Mit Poka Yoke entwickelte Shingo nicht etwas vollkommen Neues. Die Systematik und die konsequente Umsetzung im Rahmen einer Null-Fehler-Strategie wurde von Ihm aufgenommen, analysiert, praktisch umgesetzt und weiterentwickelt.[6]

Poka Yoke und Fehlerquelleninspektion verlangen eine Untersuchung der Kausalkette für Fehler und differenzieren zwischen Ursache (Fehlhandlung, Irrtum) und Wirkung (Produkt- oder Ablauffehler). Fehlhandlungen im industriellen Umfeld werden in drei Hauptkategorien unterteilt:[7]

- Merken, im Gedächtnis behalten
- Wahrnehmen, Erkennen
- Ausführen

Diese Fehlhandlungen können ausgelöst oder begünstigt werden, wenn:[8]

- ein ungeübtes Personal die Aufgaben übernimmt
- fehlende oder mangelhafte Standards herrschen
- es Defizite in der Arbeitsumgebung gibt
- Nichtbeachten der Regel und Vorgaben vorkommt
- man aus Vorsatz handelt

In der Tabelle 1.1 werden die Hauptkategorien mit einer Unterteilung nach Fehlandlungstypen mit jeweiligen Beispielen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1.: Menschlichen Fehlhandlungen in Arbeitssystemen (Nakajo 1985)

Quelle: Sondermann, J. P. (2015), S. 727

Eine Studien aus Japan hat jedoch belegt, dass ca. 30% aller Fehlerhandlungen durch Mitarbeiter rein zufällig und unbeabsichtigt auftreten. Die hohe Mitarbeitermotivation, ausgiebige Trainings und gut durchdachte Arbeitsabläufe und - standards konnten diesen Wert nicht weiter reduzieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass auf menschlichen Fehlhandlungen, die unvermeidbar sind, keine resultierende Fehler entstehen können.

Findet eine Fehlhandlung statt, gibt es je nach vorhandenem System unterschiedliche Zyklen von der Entstehung bis zu Fehlerbeseitigung. Die Abbildung 1 zeigt die kurze Regelschleife im Poka Yoke System und den typischen langen Zyklus der Fehlerfindung,-analyse und -beseitigung im konventionellen Arbeitsablauf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kurze und lange Regelschleife in Qualitätsregelkreisen

Quelle: Sondermann, J. P. (2015), S. 729

Man erkennt schnell, dass kurze Regelschleife nach Poka Yoke deutlich effizienter gestaltet ist. Der Mitarbeiter sollte gleich eine Rückmeldung bekommen und seine Fehlhandlung korrigieren, so dass es zu keinem Fehler kommen kann. Es gilt das Prinzip der Fehlerquelleinspektion. Genau an dieser Stelle bietet Poka Yoke viele Lösungsansätze.

[...]


[1] vgl. Sondermann, J. P. (2013), S. 5

[2] vgl. Dickmann, P. (2007), S. 39

[3] vgl. Sondermann, J. P. (2013), S. 7

[4] ebenda

[5] vgl. Dickmann, P. (2007), S. 40

[6] vgl. Sondermann, J. P. (2013), S. 15

[7] vgl. Brauer, J.-P. (2012), S. 726

[8] ebenda

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Poka Yoka. Qualitätsmethode der Null-Fehler-Prozesse
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V373622
ISBN (eBook)
9783668511651
ISBN (Buch)
9783668511668
Dateigröße
2263 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Poka-Yoke, Poka, Yoke, Poka-Yoke-Konzept, Fehlhandlungen, Poka-Yoke-Vorkehrungen, FMEA, Qualität, Qualitätsmanagement, Null-Fehler-Prozess
Arbeit zitieren
Ivan Konovalov (Autor), 2016, Poka Yoka. Qualitätsmethode der Null-Fehler-Prozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373622

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Poka Yoka. Qualitätsmethode der Null-Fehler-Prozesse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden