Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung
A. Thematische Aspekte der Globalisierung
B. Methodischer Zugang zur vorliegenden Arbeit

II. Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls

III. Liberalismus und Handelstheorie
A. Klassischer Liberalismus
B. Wirtschaftsliberalismus und Handelstheorie
1. Theorie der absoluten Kostenvorteile nach Adam Smith (1723-1790)
2. Theorie der komparativen Kostenvorteile nach David Ricardo (1772-1823)

IV. Globalisierung und Gerechtigkeit
A. Auswirkungen und Massenarmut
B. Hürden im Kapital- und Handelsverkehr
C. Gerechtigkeit des Freihandels für Entwicklungsländer?

V. Thematisches und persönliches Fazit
A. Liberalismus und Entwicklungsländer
B. Persönliche Stellungnahme

VI. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

A. Thematische Aspekte der Globalisierung

Globalisierung ist im 21. Jahrhundert ein viel diskutierter und umstrittener Begriff. Im wesentlichen ist Globalisierung als ein dynamischer Prozess von Volkswirtschaften zu verstehen, der sich durch die zunehmende Verflechtung von Gütern, Diensthandel, Kapital, Wissen aber auch Menschen definiert. Der zunehmende technologische Fortschritt auf dem Transport-, dem Informations- und dem Konsumsektor ist ein wesentlicher Indikator für die stetige Entwicklung des Globalisierungsprozesses und damit dem Voranschreiten der Finanzmärkte. Parallel zu der Dynamik des technologischen Fortschritts haben marktorientierte Reformen von institutionellen Einrichtungen, wie der GATT, der WTO, des IWF und der Weltbank dazu beigetragen, dass eine steigende Anzahl an Ländern ihre Märkte liberalisierten.[1]

Durch grenzüberschreitende Güter- und Ressourcenproduktion werden allerdings nicht nur die Absatzmärkte, sondern dementsprechend auch die Konkurrenzsituationen zwischen den einzelnen Ländern global. Für wirtschaftlich starke Industrieländer stellt die Globalisierung ohne Zweifel aus ökonomischer Sicht neue Perspektiven dar.

Die Folgen für Entwicklungs- und Schwellenländer hingegen werden sehr unterschiedlich beurteilt. Befürworter der Globalisierung gehen davon aus, dass durch die Liberalisierung der Handelsmärkte eine Produktionsverlagerung in die Entwicklungs- und Schwellenländer stattfinden wird. Diese Verlagerung verspricht Industrieländern eine kostengünstige Güter- und Ressourcenproduktion und den Entwicklungsländern einen Profitgewinn und eine Chance für ihre wirtschaftliche Gesamtsituation.[2] Die These der positiven Auswirkungen des freien Handels stützt sich auf die klassische Handelstheorie des 18. Jahrhunderts, insbesondere auf die von Adam Smith aufgestellte Theorie von der „unsichtbaren Hand des Marktes“. Demzufolge wirkt der Mechanismus des freien Marktes, wenn alle Beteiligten ihr eigenes ökonomisches Interesse verfolgen und die Güterproduktion somit auf effizienteste Weise organisiert werden kann. Der freie Wettbewerb sorgt dafür, dass keine Güter zu überhöhten Preisen angeboten werden können. Die „unsichtbare Hand des Marktes“ verschafft somit den Produzenten als auch den Abnehmern das bestmögliche Ergebnis, indem die Preise ausschließlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Darüber hinaus hat eine Ausweitung des Handels eine erhöhte Arbeitsteilung und somit eine erhöhte Produktivität zur Folge. Arbeitsteilung und internationaler Güteraustausch führen demnach zum „Wohlstand der Nationen“.[3]

Globalisierungsgegner hingegen gehen von einer zunehmenden Armut und einer verstärkten Dependenz der Entwicklungsländer von multinationalen Unternehmen und Konzernen aus, die der Entwicklung einer eigenen selbständigen Volkswirtschaft entgegenwirken. Die Problematik der Globalisierung für Entwicklungsländer verdeutlicht sich vor allem in der Währungs- und Finanzpolitik. Durch die rückläufigen Kapitalströme aus ausländischen Direktinvestitionen, Wertpapiergeschäften und Krediten ist es Entwicklungsländern unmöglich, Investitionen zu finanzieren und wettbewerbsorientiert zu agieren.[4]

Zudem bleiben die aus dem Prozess der Globalisierung resultierenden Nebenfolgen, wie Armut und soziale Benachteilung, der neoliberalen Argumentation eines freien und vor allem gerechten Marktes zufolge unberücksichtigt. Entsprechend der Theorie zur Gerechtigkeit von Rechtswissenschaftler John Rawls sollte jeder das gleiche Recht auf „alles“ haben. „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sollten demzufolge den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen“.[5] Angesichts der fortschreitenden Globalisierung müssen jedoch gerade Entwicklungsländer mit den bereits erwähnten Nebenfolgen rechnen. Von einer kollektiven Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer gemäß der Grundsätze von John Rawls kann den vorstehenden Ausführungen zufolge nicht gesprochen werden.

B. Methodischer Zugang zur vorliegenden Arbeit

Nachfolgend soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit das neoliberale Konzept eines freien und gerechten Marktes kompatibel und in der Praxis umzusetzen ist. Berücksichtigung wird hierbei neben dem allgemeinen Prozess der Globalisierung vor allem der Gerechtigkeitsaspekt für Entwicklungsländer finden.

Zur Erläuterung der vorstehenden Ausführungen wird sich das Zweite Kapitel zunächst mit der Begriffsklärung der Gerechtigkeit auseinandersetzen. Bezug genommen wird hierbei schwerpunktmäßig auf die wichtigsten Grundsätze der Theorie von John Rawls.

Die theoretischen Grundlagen des Liberalismus werden im folgenden Dritten Kapitel dargestellt. Eingegangen wird insbesondere auf die klassische Handelstheorie des 18. Jahrhunderts von Adam Smith und David Ricardo.

Die Auswirkungen der Globalisierung für Entwicklungsländer werden im folgenden Vierten Kapitel aufgeführt. Ein wesentlicher Gesichtspunkt wird hierbei auf der Kompatibilität der Gerechtigkeitsansätze von John Rawls liegen.

Thematische und persönliche Untersuchungsergebnisse werden im Fünften Kapitel den Abschluss dieser Arbeit bilden. Insbesondere soll zusammenfassend der Frage nachgegangen werden, ob man dem liberalistischen Ansatz zufolge von einer kollektiven Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer sprechen kann.

II. Gerechtigkeitstheorie nach John Rawls

John Rawls unterscheidet zwischen der Gerechtigkeit der Institutionen und der des menschlichen Handelns. Das wichtigste Kriterium der Theorie von John Rawls ist die Frage nach dem gebührenden Anspruch der Menschen auf soziale Güter und welche ihnen davon zugeschrieben werden können. Im Vordergrund der Ausführungen des Rechtswissenschaftlers steht hierbei die „soziale Gerechtigkeit“. Als Gegenstand „sozialer Gerechtigkeit“ schreibt John Rawls der Gesellschaft und der Verteilung von Gütern und Pflichten durch öffentliche Institutionen eine vorrangige Stellung zu. Der Gerechtigkeitsbegriff des Rechtswissenschaftlers lässt sich im wesentlichen durch dessen zwei Grundsätze und der Zuweisung und Verteilung von Gütern, Rechten und Pflichten definieren.

Der erste Grundsatz betrifft die bürgerlichen und politischen Rechte, „Jedermann hat gleiches Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten, das für alle möglich ist“.[6] Materielle und nichtmaterielle Interessen sind Inhalt des zweiten Grundsatzes, „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen [ ... ] (a) unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen, und (b) [ ... ] mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offenstehen.“ Die Bürger müssen das Bewusstsein des Gerechtigkeitssinns und die damit verbundenen objektiven Rechte und Pflichten anerkennen und versuchen, diese zumindest subjektiv umzusetzen. Die Anwendungsverhältnisse der Gerechtigkeit betrachtet John Rawls auf der einen Seite unter dem Begriff der „Knappheit der Güter“ und auf der anderen unter dem Begriff der „Anspruchskonkurrenz“ zwischen den Menschen, „[ ... ] wie die Singularität des Menschen Gerechtigkeit überflüssig machen würde, so würde auch der Überfluß der Güter die Notwendigkeit gerechter Verteilung unnötig machen.“[7] Jeder Mensch hat demzufolge auch bei einer Güterknappheit das Recht, Anspruch auf die gleichen Güter zu erheben. Soziale Klassenunterschiede sowie eine begünstigte gesellschaftliche Ausgangsposition dürfen für eine gerechte Verteilung der Güter nicht ausschlaggebend sein.

Gesellschaftlich politische Machtpositionen und daraus resultierende Chancendifferenzen zwischen den Menschen muss durch Wahrung der Grundsätze der Gerechtigkeit entgegengewirkt werden. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die gesellschaftliche Gerechtigkeit im wesentlichen davon abhängt, wie die Grundrechte und wirtschaftlichen sowie die sozialen Verhältnisse bestimmt werden. John Rawls begründet seine Theorie der „sozialen Gerechtigkeit“ durch die Vernunft und politische Einsichtsfähigkeit der Menschen. Durch die politische Vernunft lernt der Mensch zu akzeptieren, dass die „zu verteilenden Güter knapp und die Bedürfnisse der Menschen vielfältig und oft konkurrierend sind“.[8] Die Theorie der Gerechtigkeit ist nach John Rawls eine sich auf die Fairness zwischen den Menschen berufende Naturrechtstheorie. Unabhängig von gegebenen Bedingungen, wie Machtposition und Vermögen, haben alle Menschen den gleichen Anspruch auf Freiheits- und Güterrechte.[9]

[...]


[1] Plate, Bernhard (2003): „Grundzüge der Globalisierung“, in Informationen zur politischen Bildung: Globalisierung, München: Franzis` print&media, 3. Quartal 2003, Heft 280, S. 3ff.

[2] Dieter, Heribert (2003): „Chancen und Risiken für Entwicklungsländer“, in Informationen zur politischen Bildung: Globalisierung, München: Franzis` print&media, 3. Quartal, Heft 280, S. 38

[3] Ziai, Aram (2000): „Globalisierung als Chance für Entwicklungsländer? Ein Einstieg in die Problematik der Entwicklung in der Weltgesellschaft“, in: Tetzlaff, Rainer (hrsg.): Demokratie und Entwicklung, Hamburg: Lit Verlag, Bd. 43, S. 38

[4] Dieter, Heribert (2003): „Chancen und Risiken für Entwicklungsländer“, in Informationen zur politischen Bildung: Globalisierung, München: Franzis` print&media, 3. Quartal 2003, Heft 280, S. 34

[5] Höffe, Otfried (1998): „Einführung in Rawls` Theorie der Gerechtigkeit“, in: Rawls, John (1998): „Eine Theorie der Gerechtigkeit“, Klassiker Auslegen, Berlin: Akademie Verlag, Bd. 15, S. 11

[6] Höffe, Otfried (1998): „Einführung in Rawls` Theorie der Gerechtigkeit“, in: Rawls, John (1998): „Eine Theorie der Gerechtigkeit“, Klassiker Auslegen, Berlin: Akademie Verlag, Bd. 15, S. 11

[7] Rawls, John (1975): Eine Theorie der Gerechtigkeit, 1. Auflage, Frankfurt, S. 149

[8] ebenda

[9] Rawls, John (1975: Eine Theorie der Gerechtigkeit, 1. Auflage, Frankfurt, S. 549

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V37363
ISBN (eBook)
9783638367349
ISBN (Buch)
9783656519690
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Globalisierung für Entwicklungs-und Schwellenländer
Schlagworte
Gerechtigkeit, Globalisierung, Entwicklungsländer, Proseminar
Arbeit zitieren
M.A. Claudia Haslauer (Autor), 2004, Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37363

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gerechtigkeit der Globalisierung für Entwicklungsländer



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden