Eine Gegenüberstellung von Substratisten und Universalisten. Einflussfaktoren für die Entstehung von Kreolsprachen


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Eine Gegenüberstellung von Substratisten und Universalisten
2.1 Boretzkys Substrattheorie
2.2 Bickertons Bioprogramm Hypothese

3. Hauptmerkmale Boretzkys und Bickertons Argumentation

4. Substratisten oder Universalisten?

5. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract: Existen dos mayor hipótesis sobre el nacimiento de criollos: los substratistas tienen la opinión que la lengua accesoria tiene una considerable participación en este fenómeno. Los universalistas por lo contrario dicen que el fundamento de la adquisición se origina a través de una gramática universal en la infancia. Los dos hipótesis tienen debilidades argumentativas y por esto desmembran muchos linguístas. In general se favorece el punto de vista de los substratistas, pero la conclusión lógica debería ser que ambas tesis implican planteamientos correctos que dependen del criollo examinado.

Palabras clave: Kreolsprache, Spracherwerb, Substrat, Bioprogramm Hypothese, Boretzky, Bickerton

1. Einleitung

Bei Kreolsprachen handelt es sich in den meisten Fällen um Weiterentwicklungen einer reduzierten Sprachform (Pidginsprache). Die Pidginsprache kann dabei als eine Form vereinfachter Behelfssprache verstanden werden, die sich im Zuge der Kolonialisierung zum Zwecke eines Verständigungsmittels entwickelt hat. Zwar geht man im Allgemeinen davon aus, dass es sich um einen kontakt-induzierten Wandel handelt, allerdings ist nicht vollends geklärt, welche Faktoren diesen Prozess im Einzelnen dominieren. Versucht man den Prozess der Kreolisierung von einer Pidgin- zu Kreolsprache zu verstehen, so wird man mit verschiedenen Phänomenen konfrontiert, die einen Einfluss auf die Entstehung einer Kreolsprache haben können. Unter den vielen verschiedenen Einflussfaktoren wird unter anderem der Einfluss von Substrat- und Superstratsprachen kontrovers diskutiert.

An dieser Stelle soll vor allem der Einfluss von Substraten auf die Entstehung einer Kreolsprache analysiert werden. In der Linguistik bezeichnet der Substrateinfluss die Wirkung einer vermeintlich untergeordneten Sprache auf die Struktur einer dominierenden Sprache (Bechert, 1991, S. 12ff). Eine untergeordnete Sprache meint dabei vielmehr die gesprochene Sprache eines unterwürfigen Volkes im Rahmen einer Kolonialisierung. Dieser Sprachkontext soll laut Universalisten keinen Einfluss auf die Entstehung einer Kreolsprache haben. Demgegenüber stehen die Substratisten, die Substraten einen bedeutenden Einfluss attestieren. Die zentrale Frage, die sich daraus ableitet, ist: Welcher Theorie darf ein Laie mehr Bedeutung zumessen oder sie sogar als wahr bezeichnen? Um diese Frage zu beantworten, werde ich in dieser schriftlichen Abhandlung zwei Vertreter der jeweiligen Theorien heranziehen und ihre Argumentation analysieren. Als Vertreter der Universalisten dient hierbei Derek Bickerton (1981; 1984) und als Fürsprecher der Substrattheorie fungiert Norbert Boretzky (1983). Die Motivation für die Gegenüberstellung dieser beiden Autoren ergibt sich aus der nicht eindeutig geklärten Diskussion zwischen den Befürwortern der beiden Theorien. Beide Theorien finden bis zum heutigen Zeitpunkt

Verfechter und es handelt sich um eine Fragestellung, die bis dato noch nicht eindeutig geklärt werden konnte. Um die Fragestellung subjektiv beantworten zu können, sollen an erster Stelle die beiden genannten Autoren in ihrer Argumentation kurz angeführt werden (2.), bevor die Hauptmerkmale beider Begründungen herausgearbeitet werden soll (2.1 & 2.2) und anschließend vergleichend in einem Ergebnisteil gegenübergestellt werden (3.). Anschließend soll eine eigene Argumentation den persönlichen Standpunkt in einer Diskussionsform verdeutlichen und somit auf beide Leitgedanken der beiden Sprachforscher eingegangen werden (4.). In diesem Zuge werden die Argumentationen beider Autoren im größeren Rahmen betrachtet. Schlussendlich erfolgt ein zusammenfassendes Fazit, in welchem die Kerninhalte kurz zusammengeführt und mögliche Forschungsschwächen identifiziert werden sollen (5.).

2. Eine Gegenüberstellung von Substratisten und Universalisten

Über die Einflussfaktoren des Zustandekommens von Kreolsprachen herrscht Uneinigkeit. Wie also lässt sich sprachwissenschaftlich entscheiden, ob die Entstehung des Kreolischen aus den Sprachen der Umgebung heraus erklärt werden kann, oder ob dabei neurologische Prozesse eine Rolle spielen? Um sich die Antwort auf diese Frage zu erarbeiten gibt es drei Möglichkeiten:

1. Der Prozess der Kreolisierung wird an einem konkreten Beispiel einer spezifischen Bevölkerung analysiert, wobei geprüft wird, ob sich aus dem entstandenen Kreol Ursprungs- bzw. Umgebungssprachen erkennen lassen.
2. Heutige Kreolsprachen, die nicht durch Basissprachen zu erklären sind, werden auf Gemeinsamkeiten untersucht.
3. Es wird die Sprache von Kleinkindern untersucht und ob diese Gemeinsamkeiten mit den Strukturen von Kreolsprachen aufweisen.

Im Folgenden werden die Hauptmerkmale zweier Vertreter der entgegengesetzt argumentierenden Theorien der Substratisten und Universalisten dargestellt. Als einer der vielen Vertreter der Substrattheorie gilt Norbert Boretzky (* 10. Januar 1935). Der deutsche Linguist analysiert in seinem Werk Kreolsprachen, Substrate und Sprachwandel (1983) verschiedene Einflüsse auf das Zustandekommen von Kreolsprachen, wobei er unter anderem auch die Abhängigkeit von Substraten in Betracht zieht.

Der wohl bekanntere US-Sprachwissenschaftler Derek Bickerton (* 25. März 1926) gilt als ein Gegner der Substrattheorie und wird als Universalist eingestuft. Sein Ausgangspunkt geht von einer language bioprogram hypothesis aus, welche auch die Grundlage für die Entstehung von Kreolsprachen darstellen soll. Der Ansatz der Bioprogramm Hypothese ist, sich den Ursprüngen von Spracherwerb zu widmen und auf den kindlichen Spracherwerb einzugehen. An dieser Stelle wird zunächst Boretzkys (1983) Ansatz illustriert.

2.1 Boretzkys Substrattheorie

Boretzky (1983, S. 31f) stellt in seinen Thesen klar, dass man gewiss nicht in jeder Sprachform den Einfluss eines Substrats nachweisen könne, allerdings einige Kreolsprachen Merkmale aufweisen, die nicht abzusprechen sind. Beispielsweise ist eine Zusammengehörigkeit zwischen der haitianischen Futurform va/a + Verb und dem französischen Futur il va venir zu bemerken, welche für einen Substratzusammenhang spricht. Auch die haitianische Progressivform ap + Verb legt die französische Ursprungsform i lest après + Verb nahe. Dabei muss beachtet werden, dass für eine grundlegende Analyse einer Kreolsprache niemals eine isolierte Betrachtung im Verhältnis zu ihrer Basissprache getätigt werden darf, sondern vielmehr ähnliche und benachbarte Idiome gleichermaßen hinzugezogen werden müssen (Boretzky, 1983, S. 32). Boretzky (1983) stellt anhand weiterführender Beispiele allerdings fest, dass manche Formen direkter Herleitungen aus den europäischen Sprachen nicht zu halten sind, während zeitgleich mehr Indizien für die Substrathypothese sprechen. Der Nachweis für einen Substrateinfluss gestaltet sich allerdings in den meisten Fällen als schwierig. Sofern die Kreolsprache zu einer Muttersprache vieler Sprecher geworden ist, kann ein Substrateinfluss nur schwer nachhaltig belegt werden. Um diese Annahme nachweisen zu können, muss laut Boretzky (1983, S. 33) davon ausgegangen werden, dass die sich entwickelnde Sprache bereits bis zu einem gewissen Grad einen Ausbau erfahren haben muss, ehe Substrateinflüsse überhaupt zum Tragen kommen konnten. Hierbei müssen den Sklaven, also Sprechern einer untergeordneten Sprache, die eigenen Muttersprachen noch so gegenwärtig gewesen sein, sodass diese ihren sprachlichen Habitus anhaltend lenkten. Allerdings darf sich die sprachliche Entwicklung noch nicht soweit ausgebaut haben, dass die Kreole den Charakter einer Muttersprache annimmt.

Boretzky (1983, S. 35f) erkennt dabei die Problematik, dass in der Kreolsprachenforschung stichhaltige Nachweise, die über den Fund von Lehnwörtern hinaus, kaum aufführbar sind. Gerade der Beweis grammatischer Substratelemente gestaltet sich, wie an späterer Stelle erläutert wird, schwierig. Dennoch ist er der Überzeugung, dass allein aus dem Grund, dass andere Ableitungen ausgeschlossen werden können, eine Reihe von offensichtlichen Substrateinflüssen in Kreolsprachen zu erkennen sind. Dabei werden die Beispiele der assimilatorischen Nasalierung von Vokalen, oder auch die Bildung der Media Lengua genannt, welche eine Mischsprache in Salcedo darstellt. Gerade bei Letzterem kann laut Boretzky (1983) durch ein Ausschlussverfahren festgestellt werden, dass ein Substrateinfluss gegeben sein muss, da es sich um eine Herausbildung aus dem Quechua handelt. Die festzustellende Entwicklung aus dem Quechua kristallisiert sich aus gemeinsamen grammatischen Kategorien heraus, sowie übereinstimmender Ausdrucksformen in Bezug auf Auxiliare und Affixe.

Substratgegner, die dessen Einfluss am grammatischen Aufbau aufgrund des Bestrebens von Sklavenhändlern Stammesangehörige stets zu trennen, weist Boretzky (1983) entschieden zurück. Er betrachtet dieses Argument kritisch, da er davon ausgeht, dass eine Stammestrennung in den meisten Fällen nicht möglich gewesen sei (Boretzky, 1983, S. 36f).

Dementsprechend seien Verständigungsmöglichkeiten innerhalb der Sklavengruppen anzunehmen, wodurch ein Substrateinfluss gestützt würde. Neben dieser Annahme verweist Boretzky (1983) gerade im Bereich afrikanischer Kreolen darauf, dass nicht unbedingt anzunehmen ist, dass Gebiete mit Kreolsprachen zuerst von Stämmen westafrikanischer Herkunft besiedelt worden sein müssen, und somit dort entstandene Pidgins oder Kreolen nur bestimmte westafrikanische Züge aufweisen können. Dabei gilt es mehrere Gruppen von zusammenhängenden Kreolsprachen simultan auf zugehörige Phänomene zu untersuchen, um nutzbare Quellen zu finden, da bei einer isolierten Betrachtung das Auffinden von strukurellen Gemeinsamkeiten schwer fallen könnte (Boretzky, S. 33f). Nur in Einzelfällen spricht sich Boretzky (1983) für die Annahme einer isolierten Verbindung zwischen Kreolsprache und Substrat aus. Dabei muss die Übereinstimmung besonders weitgehend und auffällig sein, denn eine genetische Verbindung zu formulieren, ohne die Ursprünge der sklavischen Sprache zu kennen, erweist sich als heikel. Die Betrachtung dieser Eigenschaften wird vereinfacht, sofern man als Ausgangspunkt für einige der Pidginmerkmale den Bereich der westafrikanischen Küste sieht und eine gegenseitige Beeinflussung annimmt (Boretzky, 1983, S. 37). An diesen Punkt ergänzt Boretzky (1983), dass auch die verbreitete Mehrsprachrigkeit unter Afrikanern eine große Rolle zu spielen hat: Afrikaner sind es anscheinend gewohnt mehrere Wortschätze zu gebrauchen, wodurch das grammatische Konstrukt stets ähnlich bleibt. Darüber hinaus könnte dies eine Erklärung dafür darstellen, weshalb es ihnen leichter fällt sich einen Grundwortschatz europäischer Sprachen anzueignen und darüber hinaus ihr afrikanisches Vokabular beizubehalten (Boretzky, 1983, S. 38). Als letztes Argument für eine Substrattheorie führt Boretzky (1983) die Unterschiedlichkeit von Entlehnungensmöglichkeiten aus einer sprachlichen Struktur auf. Eine lexikalische Entlehnung erfolgt dabei sehr viel schneller und besser als eine grammatische Entlehnung. Wie im obigen Absatz bereits angeführt haben grammatische Substratelemente meist geringere Anhaltspunkte für einen Nachweis.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Eine Gegenüberstellung von Substratisten und Universalisten. Einflussfaktoren für die Entstehung von Kreolsprachen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V373670
ISBN (eBook)
9783668513228
ISBN (Buch)
9783668513235
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, gegenüberstellung, substratisten, universalisten, einflussfaktoren, entstehung, kreolsprachen
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Eine Gegenüberstellung von Substratisten und Universalisten. Einflussfaktoren für die Entstehung von Kreolsprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373670

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