In der heutigen Zeit der Postmoderne sehnen sich viele Menschen danach, ihr Leben mit einem Partner zu verbringen. Die Singlehaushalte, Patchworkfamilien und Scheidungsraten sind höher als in den vergangenen Jahrzehnten. Frauen werden emanzipierter, erreichen hohe berufliche Stellungen und ziehen Kinder alleine groß.
Doch die Sehnsucht nach dem Ideal einer romantischen Liebe und Beziehung ist groß. Dies zeigt sich auch in der Literatur. Liebesromane mit dramatischen Geschichten und der Sehnsucht zweier Liebenden sind nach wie vor Klassiker der Lektüren.
Das Gefühl der Sehnsucht nach einem Seelenverwandten geht zurück auf die Epoche der Romantik, die vor ungefähr 200 Jahren das Aufklärungszeitalter ablöste. Mit dem Gefühl der Sehnsucht und der heilen Welt ist die romantische Phase ein Grundbaustein für das heutige Idealbild. Die vorliegende Hausarbeit behandelt dieses Thema und untersucht die Forschungsfrage: Wie sieht die romantische Beziehung in der Zeit der Postmoderne aus? Das Erkenntnisinteresse liegt hierbei auf der romantischen Beziehung damals und heute und die individuelle Rolle in der Partnerschaft.
Der Roman "Agnes" von Peter Stamm wird als Vertreter eines postmodernen literarischen Werkes herangezogen. Das Werk, das seit dem Jahre 2013 Schullektüre an Gymnasien in Baden-Württemberg ist, repräsentiert eine moderne Beziehung, Differenzen und Geschlechterrollen im Alltag und den Konflikt zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Die aufgestellte These lautet: In dem Roman "Agnes" von Peter Stamm lassen sich Merkmale einer romantischen Beziehung finden. Als literaturwissenschaftliche Methode werden hier die Gender Studies herangezogen, da sich die Methode explizit auf die gesellschaftliche Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit und das Verhältnis der Geschlechter zueinander spezifiziert.
Die Gender Studies beziehen sich nicht nur auf die Frau, sondern fokussieren auch den Mann. Genauer gesagt das Geschlechterverhältnis und die Interaktion von Mann und Frau, da sich nach dieser theoretischen Auffassung, Männlichkeit und Weiblichkeit gegenseitig definieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die romantische Beziehung
3. Werk Agnes
3.1. Protagonisten
3.2. Beziehung
3.3. Analyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Romans "Agnes" von Peter Stamm, inwiefern sich Merkmale einer romantischen Beziehung in der literarischen Darstellung der Postmoderne finden lassen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Protagonisten, ihres Beziehungsverhaltens und der Verschränkung von Fiktion und Realität unter Anwendung der Gender Studies.
- Charakterisierung der Protagonisten und deren Rollenbilder
- Analyse der Dynamik moderner Partnerschaften in der Postmoderne
- Konfliktfeld zwischen gelebter Realität und fiktionaler Konstruktion
- Vergleich romantischer Beziehungsideale mit der tatsächlichen Beziehungsstruktur
- Anwendung der Gender Studies zur Untersuchung geschlechtsspezifischer Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.1. PROTAGONISTEN
Agnes wird ausschließlich mit dem männlichen Blick des Erzählers beschrieben. Sie ist Physikstudentin an der Chicagoer Universität und schreibt eine Dissertation über die Symmetrien der Symmetriegruppe von Kristallgittern. Neben ihrer Dissertation arbeitet sie am mathematischen Institut der Universität, spielt Cello, geht gerne spazieren und interessiert sich für Literatur und Malerei. Über ihre Arbeit und ihre Liebe zu Gedichten und Kunst spricht sie voller Enthusiasmus. Die äußerlich nicht auffallende Frau erklärt, dass die Figuren in den Büchern ihre Freunde waren, sie das Lesen allerdings aufgegeben hat, weil sie emotional zu beteiligt war. Agnes wird als klug, selbstständig und belesen charakterisiert, hat jedoch, abgesehen von einem Freund Herbert, keinen großen Bekanntenkreis und ein kühles Verhältnis zu ihrer Familie. Das Einzelkind distanziert sich von Menschen, hat Berührungsängste und ist der Auffassung, dass ihre Eltern sich in ihrer Kindheit und zu dem erzählten Zeitpunkt nicht für sie interessieren.
Der Erzähler schließt daraus, dass sie emotional, verlassen und verletzbar ist. Des Weiteren scheint sie in vielen Situationen ängstlich, wie beispielsweise vor Fahrstühlen, geschlossenen Fenstern, dem Alleinsein, Identitätsverlust oder dem Tod, über den sie in vielen Szenen nachdenkt und redet. Der männliche Blick zeigt, dass sie einen Drang zur Sauberkeit und Ordnung hat. Sowohl auf ihre Wohnung bezogen, als auch auf die Gründlichkeit ihrer Arbeit. Äußerlich beschreibt er sie als schlank und klein und mit einem außergewöhnlichen Blick, „als könne sie mit den Augen Worte übermitteln“. Trotz der Unterschiede in Alter, Interessen und Charakter liebt sie den Erzähler und öffnet sich ihm seelisch. Mit dem geforderten Porträt erhofft sie sich zum einen, dass etwas von ihr nach dem Tod bleibt und zum anderen, dass sie erkennt, wie er sie sieht und was er fühlt. Sie stellt im Laufe der Beziehung fest, dass er ihr nicht zuhört und genauso wenig von ihr weiß, wie alle anderen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der romantischen Liebe in der Postmoderne sowie Darlegung der Forschungsfrage, These und methodischen Vorgehensweise anhand des Romans "Agnes".
2. Die romantische Beziehung: Historischer Abriss der Epoche der Romantik, ihrer zentralen Motive wie der Universalpoesie und die Definition romantischer Liebesideale.
3. Werk Agnes: Zusammenfassende Inhaltsangabe des Romans und Kontextualisierung der Handlung.
3.1. Protagonisten: Detaillierte Charakterisierung der beiden Hauptfiguren, Agnes und des Ich-Erzählers, unter besonderer Berücksichtigung ihrer psychologischen Verfasstheit.
3.2. Beziehung: Untersuchung der Beziehungsdynamik, der Asymmetrien zwischen den Partnern und der Rolle der Fiktion im gemeinsamen Alltag.
3.3. Analyse: Synthese der Untersuchungsergebnisse, wobei romantische Beziehungsmerkmale und intertextuelle Bezüge kontrastierend zur postmodernen Realität des Paares gesetzt werden.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsfrage und Bestätigung der These unter Berücksichtigung der Einschränkungen durch das Scheitern der Beziehung.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Agnes, Peter Stamm, Romantik, Romantische Beziehung, Gender Studies, Fiktion, Realität, Universalpoesie, Liebesdiskurs, Geschlechterrollen, Beziehungsunfähigkeit, Subjektivität, Identität, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen romantischen Liebesidealen und den Bedingungen einer postmodernen Beziehung am Beispiel des Romans "Agnes" von Peter Stamm.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit, die Bedeutung der Romantik für moderne Beziehungsideale sowie die Dynamik von Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, wie sich die romantische Beziehung in der Postmoderne darstellt und ob sich im Roman "Agnes" entsprechende Merkmale nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Als methodischer Rahmen werden die Gender Studies genutzt, um die gesellschaftliche Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit sowie deren Interaktion im Roman zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Epoche der Romantik, eine Inhaltsangabe des Werkes sowie eine detaillierte Charakteranalyse der Protagonisten und eine anschließende Analyse ihrer Beziehung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Postmoderne, Gender Studies, Universalpoesie, Fiktion, Identität und Liebesdiskurs charakterisieren.
Welche Rolle spielt das "Porträt" im Roman Agnes?
Das Porträt fungiert als Katalysator der Beziehung, an dem sich die fiktionale Besessenheit des Erzählers und die Sehnsucht von Agnes nach Identitätsfindung und Anerkennung zeigen.
Inwiefern beeinflusst das Motiv der "Universalpoesie" das Handeln des Erzählers?
Der Erzähler versucht, Fiktion und Realität zu verschmelzen, was dazu führt, dass er sein Leben und seine Beziehung zu Agnes als "Geschöpf" seiner schriftstellerischen Tätigkeit instrumentalisiert.
- Arbeit zitieren
- Anna Stöckl (Autor:in), 2017, Die Romantische Beziehung in der Postmoderne. Der Roman "Agnes" von Peter Stamm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373679