Die Japan-Krise und die amerikanische Subprime-Krise

Ein Vergleich der Ursachen beider Finanzkrisen


Hausarbeit, 2017

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzunqsverzeichnis

2. Definitionen

3. Einleitunq

4.Die Jaoan-Krise
4.1. Hinterqrund und Wirtschaftsstruktur
4.2. Beqinn der iaoanischen Vermöqensinflation
4.3. Ausmaß und Platzen der Blase
4.4. Ursachen der Krise und Folqekrisen

5. Die amerikanische Subprime-Krise
5.1.Grundlaqen zur Entwicklunq der Subprime-Krise
5.2.Die Verbriefunq v. Hvpothekenkrediten, die Rolle der GSEs
5.3.Ursachen für die Entwicklunq zur Subprime-Krise
5.4.Das Platzen der Immobilienblase

6. Verqleich der japanischen „Bubble“ mit der Subprime-Krise in

Amerika

7.Fazit

8.Abbildunqen

9.Quellen

1. Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Definitionen

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Hierunter versteht man das Risiko, dass eine Person sich unmoralisch oder unachtsam verhält, weil eine Versicherung, ein Gesetz oder eine andere Institution bei Verlusten schützt, die durch ihrVerhalten ansonsten entstünden, http://www.onpulson.de/lexikon/moral- hazard/ am 15.03.2017

Emission ist die Erstausgabe und Unterbringung neuer Wertpapiere. Erfolgt meist unter Einschaltung einiger Kreditinstitute, welche sich zu diesem Zweck zu einem Emissionskonsortium zusammenschließen (vgl. http://boerse.ard.de/boersenwissen/boersenlexikon/emission-100.html am 15.03.2017)

Nikkei (225) ist ein repräsentativ ausgewählterAktienindex, seit 1950 erhoben und wird in Yen gemessen. Die gewichtete Summe von 225 ausgewählten Unternehmen wird durch Divisor, dividiert (vgl. Schmitz, 2005, S.11)

Commercial Banks (Geschäftsbanken)- bedeutsamste Gruppe im Finanzsystem, meist als Aktiengesellschaften organisiert, betreiben Großkundengeschäft (Wholesale Banking) als auch Privatkundengeschäft (Retail Banking)

(vgl. Hähnel,2016, S. 92)

Investment Banks(lnvestmentbanken)- übernehmen Emmision von und Handel mit Wertpapieren, aber auch Tätigkeiten in Beratungen bei Unternehmensübernahmen und Fondsmanagement (vgl. ebd.)

Thrift Institutions(Sparinstitute)- Aufgabe des Spar- und Hypothekengeschäfts mit privaten Haushalten bsp. Savings and Loans Association (S&L) vergleichbar mit der deutschen Sparkasse (vgl. ebd.)

3. Einleitung

Die Japan-Krise ist ein exemplarisches Beispiel für Blasen-Wirtschaft. Durch das Plaza-Abkommen 1985 und einer expansiven Geldpolitik kam es zu einer enormen Vermögenswertinflation. Das Platzen dieser Blase stürzte Japan in eine Rezession sowie einer Folgekrise. Es folgten Jahrzehnte derwirtschaftlichen Stagnation, sodass von den zwei verlorenen Dekaden gesprochen wird. In Amerika wurde die Schaffung von Wohneigentum durch verschiedene Maßnahmen Jahrzehnte lang gefördert. Jeder Amerikaner sollte die Chance auf ein eigenes Haus erhalten. Nach dem Platzen der New Economy Blase wurde zur Belebung der Wirtschaft auch in Amerika eine expansive Geldpolitik verfolgt. Es kam zu einem Boom am Hypothekenmarkt, denn nicht nur einkommensstarke Amerikaner wollten sich den Traum der eigenen vier Wände ermöglichen. Durch die Verbriefung der Hypothekenkredite, war es möglich aus ihnen Anleihen und Finanzprodukte zu entwickeln, die zu einer Nachfrage nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt führten. Als die expansive Geldpolitik aufgehoben wurde, stellte sich heraus, dass viele der Kredite an Menschen vergeben wurden, die sich diese nicht leisten konnten. Es folgte eine Krise. Die Immobilienpreise fielen und mit ihnen die Anleihen, die sich im Besitz von Finanzinstituten auf der ganzen Welt befanden.

In der ersten Betrachtung weisen beiden Krisen erhebliche Unterschiede auf. Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die Ursachen der beiden Krisen herauszuarbeiten. Wo liegen die Gemeinsamkeiten und in welchen Punkten unterscheiden sie sich? Ist es möglich aus den Erkenntnissen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen?

Die These, die sich aus diesen Fragen ableiten lässt, lautet:

Die Japan Krise und die amerikanische Subprimekrise sind beides Resultate expansiver Geldpolitik der Zentralbanken.

4. Die Japan-Krise

4.1. Hintergrund und Wirtschaftsstruktur

Die japanische Wirtschaft war und ist von den Zaibatsu geprägt. Sie waren die großen industriellen Konglomerate, welche vor dem zweiten Weltkrieg entstanden sind. Durch finanzielle Beteiligungen waren die Zaibatsu eng miteinander verknüpft und dadurch voneinander abhängig. Zaibatsu-Unternehmen waren über die Industrie, Konsumgüter und Dienstleistungen in allen Sektoren tätig. Im Zentrum ihrer Struktur befand sich immer eine Hausbank welche die internen Finanzierungen übernahm. Die amerikanischen Besatzer zerschlugen nach dem Krieg dieses System (vgl. Aschinger 2001, S. 206). Mit einer Monopolgesetzgebung, die einen Aktienanteil der Geschäftsbanken an Unternehmen von mehr als Fünf Prozent verbietet sowie weiteren Regelungen wurde versucht diese monopolistischen Tendenzen zu unterbinden. Doch das Beziehungsgeflecht blieb bestehen, sodass sich schon in den 60er Jahren die alten Strukturen unter dem neuen Namen „Keiretsu“ sich wieder herausgebildet hatten (vgl. Schmitz, 2005, S. 22,24f.). Kleinere und mittlere Unternehmen wurden in dieses System mit eingebunden. Selbst der Staatssektor mit dem Finanzministerium und der Zentralbank ist waren eng mit den Banken und dem Industriesektor verknüpft. Die Unabhängigkeit der Zentralbank wurde dadurch untergraben. Durch diese Verbundenheit und informellen Absprachen wurde der Wettbewerb stark beeinträchtigt und staatliche Regelungen wurden nach Erörterungen mit den Beteiligten im Konsens getroffen (vgl. Aschinger 2001, S. 206).

Es hat nach dem zweiten Weltkrieg lange gedauert bis sich ein funktionierendes Geld- und Kapitalmarktsystem in Japan entwickelt hatte. Die Keiretsu versuchten immer die bestehenden Beteiligungsverhältnisse an den Unternehmen aufrecht zu erhalten. Dadurch wurde die Erhöhung des Eigenkapitals erschwert. Infolge dieses Umstands finanzierten sich die Unternehmen und Banken größtenteils über Fremdkapital und weisen bis heute eine geringe Eigenkapitalquote auf (vgl. Aschinger 2001, S. 207).

Japan entwickelte trotz der monopolistischen Tendenzen nach dem zweiten Weltkrieg ein enormes Wirtschaftswachstum. Dies geschah durch das frühzeitige investieren in Wachstumsbranchen. In den 1960er Jahren wurde in den Ausbau der optischen Industrie sowie der Automobilindustrie investiert. Ab den 1970er Jahren wuchs die Unterhaltungselektronikindustrie in Japan enorm. Das Wachstumsmodell bestand aus dem Importieren von Technologie. Diese wurde verbessert und ging in Massenproduktion, (vgl. Aschinger 2001, S. 208).

Die geringe Eigenkapitalquote, die Abhängigkeit von importierter Technologie und die enge Verknüpfung und Abhängigkeit der Wirtschaft sind strukturell begünstigende Bedingungen für wirtschaftliche Krisensituationen.

4.2 Beginn derjapanischen Vermögensinflation

Die japanische Vermögensinflation wird auch als Baburu Keiki, zu deutsch „Blasen­Hochkonjunktur“ bezeichnet (Hommerich,2009, S.272). Der genaue Beginn ist nicht definiert, doch ab 1982 werteten die Vermögenspreise auf und stiegen bis 1985/1986 stärker an. Dieser Anstieg wurde vorerst durch die Konsequenzen des Plaza­Abkommens gebremst. Die führenden Industrienationen (G5) - zu der damaligen Zeit USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Japan - beschlossen im New Yorker Plaza Hotel im September 1985 den Yen um 10 bis 12 Prozent aufzuwerten (vgl. Schmitz 2005 S.10f). Schnabl (2016) die Folgen des Plaza-Abkommens folgendermaßen zusammen:

„Mit dem Plaza Abkommen wurde Japan von den USA gezwungen, eine starke Aufwertung des japanischen Yen anzukündigen. Das löste starke Kapitalzuflüsse nach Japan aus, die auf Aufwertungsgewinne spekulierten. Zwischen Sept. 1985 und Sept. 1987 wertete der Yen um 50% gegenüber dem Dollar auf. Das exportabhängige Japan stürzte in eine tiefe Krise. Die Bank von Japan senkte die Zinsen stark, was den Schmerz linderte. Doch die geldpolitische Krisentherapie schuf auch den Nährboden für Blasen auf den Aktien- und Immobilienmärkten“ (Schnabel, 2016)

Nach dem Senken der Zinsen und der Aufwertung des Yens kam es zu einem rapiden Anstieg der Aktien- und Immobilienpreise. Während der Konsumentenpreisindex kaum prozentualer Veränderung erfuhr und damit Stabilität aussandte, nahmen die Aktien und Immobilienpreise immer mehr Fahrt auf (vgl. Schmitz, 2005 S. 11ff). Der Nikkei erreichte seinen Höchststand am Ende des Jahres 1989 mit 38.915 Punkten und damit mehr als den dreifachen Wert seit dem Plaza-Abkommen. Doch schon im August des Jahres 1992 hatte der japanische Index sich mehr als halbiert und lag an seinem vorläufigen Tiefpunkt bei 14.309 Punkten.

Bis heute hat er nie wieder sein damaliges Niveau erreicht und notiert heute dem 07.03.2017 an seinem aktuellen Jahreshoch 2017 bei 19.594,16 Punkten. (finanzen.net, 2017)

Bislang wird das Plaza Abkommen als eine Hauptursache für die japanische Vermögenswertinflation angesehen. Im Folgenden wird das Ausmaß und der Zerfall der Blase beschrieben.

4.3. Ausmaß und Platzen der Blase

Als die BOJ erkannte, dass der Aktien- und Immobilienboom nicht nachhaltig war wurde versucht, mit einer Zinserhöhung gegenzusteuern. Die Zinsen wurden von 2,5 Prozent schrittweise erhöht: Im Jahr 1989 auf 3,25 Prozent und im Oktober 1989 auf 3,75 Prozent. Die ersten beiden Erhöhungen zeigten keine Wirkungen und wurden kaum beachtet, die dritte im Dezember auf 4,25 Prozent zeigte dann den gewünschten Effekt. Der lange steile Aufwärtstrend des Nikkei wurde gebrochen und die Blase platze. Als öffentlich bekannt wurde, dass Banken bevorzugten Kunden Kredite ohne große Überprüfungen gewährten und ungedeckte Kredite in der Buchführung verschleierten, sackte der Nikkei innerhalb eines Monats bis April 1990 um 10.000 Punkte ab. Zwei weitere Zinserhöhungen bis auf 6 Prozent im August 1990 führten die Talfahrt fort (vgl. Börse.de). Als es zum Einbruch und zur Rezession kam wurde der Zins dann wieder gesenkt um das Wachstum anzukurbeln (siehe Abbildung 1).

Das Finanzministerium entschloss sich auch gegen die Immobilienspekulation vorzugehen. Dazu wurden im Jahr 1990 zwei Verordnungen beschlossen. In der Ersten wurde eine Höchstsumme für Kredite an Immobiliengesellschaften festgelegt. Die zweite Regelung beschloss die Offenlegung der Kredite an Immobiliengesellschaften an das Finanzministerium, (vgl. Kliesow,1996, S.59f.) So kam es auch zur Abkühlung auf dem Immobilienmarkt, die Preise fielen rapide bis der Immobilienpreisindex Ende der 90er Jahre das gleiche Niveau wie Anfang der 80er Jahre erreichte siehe (Abbildung 2).

Nach dem Platzen der Vermögensblase kam es zu einer Folgekrise auf die hier nicht tiefer eingegangen werden soll. Es lässt sich zusammenfassen, da Japans Wirtschaft auf Grund ihrer Struktur stärker als andere Volkswirtschaften von Banken abhängt (Bayoumi, 1999, S. 4). Die Banken vergaben wegen des Berges an faulen Krediten, und den niedrigen Zinsmargen kaum Kredite. Darunter litten insbesondere die kleinen und mittelständischen Betriebe. Nach dem Platzen der Aktien und Immobilienblase kam es ab Mitte der 90er Jahre zu mehren Zusammenbrüchen in der Finanz- und Versicherungsindustrie (vgl. Aschinger, 2001, S. 213f). Die negativen Erwartungen und das schlechte Geschäftsklima hemmten weiter das Wachstum, (vgl. Schmitz,2005, S.85ff.). Japans Wirtschaft fing an immer stärker unter der zunehmend alternden Bevölkerung zu leiden (vgl. Schmitz, 2005, S.75ff.). Seit dem Platzen der Vermögensblase hat Japan es nie wieder geschafft zu einem gesunden Wachstum zurückzukehren. Das Bruttoinlandsprodukt bewegt sich seit 20 Jahren nahe der Stagnation (siehe Abb. 3). Es wird inzwischen von den zwei verlorenen Dekaden, japanisch Ushinawareta Nijünen, gesprochen (vgl. Papp,2016, S.51). Immer wieder wurde durch Erhöhung der Staatsausgaben und Infrastrukturprogrammen versucht das Wachstum anzuregen. Dennoch blieb die Nachfrageschwäche bestehen, (vgl. Aschinger, 2001, S.209) Infolge der hohen Staatsausgaben durch die Krisen war Japan 2015 die höchstverschuldete Nation der Welt. (vgl. WiWo,2015)

4.4. Ursachen der Krise und Folgekrisen

Große Finanzkrisen werden meistens nicht nur von einem Ereignis ausgelöst. Sie sind vielmehr die Verkettung mehreren Ursachen und Umstände. Im Folgenden werden verschiedene Ursachen derJapankrise benannt und dargelegt.

Das einbrechende Wachstum der japanischen Produktivität kann als eine Ursache gesehen werden.

In den 1980er Jahren stieg die Durchschnittsproduktivität der japanischen Wirtschaft um beinah 30 Prozent. Wie bereits beschrieben, setzten die japanischen Unternehmen stark auf die Prozessinnovation und -Optimierung. Dieses Produktionswachstum begann sich jedoch ab Mitte der 1980er Jahre zu verlangsamen und konnte nicht aufrechterhalten werden. Außerdem kam es zu vermehrter Konkurrenz aus den Schwellenländern wie Korea, Taiwan und Singapur. Neue Wachstumsbranchen waren noch nicht identifiziert oder von anderen Ländern dominiert. Dies war auch eine Folge der mangelnden Grundlagenforschung. So kam es, dass die Softwareentwicklung und Biotechnologie von den USA dominiert wurden (vgl. Aschinger,2001, S.208). Ende der 80er Jahre verkürzten sich die Produktlebenszyklen aufgrund der Informationstechnologie stark. In Teilbereichen der Computerindustrie sogar so sehr, dass die durchschnittliche Entwicklungszeit über der Produktlebenszeit lag (vgl. Weiber, Kollmann, Pohl, 2006, S.88). Darüber hinaus verringerten sich wechselkursbedingt die Exportchancen infolge der Aufwertung des Yens durch das Plaza-Abkommen. Dies kann als Produktivitätsabschlag gewertet werden, da gleich gebliebene Werte eines japanischen Exportgutes nun zu einem höheren Dollarpreis auf dem Weltmarkt zu erwerben waren. Die japanischen Produktionskosten in US Dollar stiegen so zwischen 1985 und 1988 um mehr als 50 Prozent (Schmitz, 2005, S.14f.).

Als eine weitere Ursache ist die drastische Zinssenkung der BOJ anzunehmen.

Nach der Zustimmung zum Plaza Abkommen und der Aufwertung des Yens, welche der Exportwirtschaft schaden würde, wurde versucht durch eine Politik des billigen Geldes ein Ausgleich zu schaffen. Der Diskontsatz wurde zwischen 1985 und 1987 mehrfach gesenkt bis er auf den damaligen Tiefstand von 2,5 Prozent bis Mitte Mai 1989 verblieb. Durch die Senkung des Zinses stiegen die Immobilien- und Grundstückspreise massiv an. Tokios Grundstückspreise gehörten schon vor der Zinssenkung zu den höchsten der Welt (vgl. May,1996, S.29). Die Preissteigerung vom Finanzdistrikt Tokio breitete sich rasant auf die ganze Stadt sowie innerhalb eines Jahres auf andere japanische Großstädte aus. Dass es sich hierbei um eine Spekulationswelle handelte steht außer Frage. Eine jährliche Preissteigerung von 40 bis 80 Prozent ist jenseits jeder langfristigen Nachfrage und Realwertentwicklung. Da in Japan der Einsatz von Immobilien als Kreditsicherheit sehr verbreitet ist, hatten die anziehenden Immobilienpreise eine Vermögensspirale in Gang gesetzt, (vgl. Schmitz, 2005, S.17f) Durch die nominale Preissteigerung der Immobilien konnten die Keiretsu- Firmen gegenüber der Hauptbank auf mehr Sicherheiten hinweisen. Mit einem größeren Kreditrahmen konnten sie dann wiederum zusätzliche Immobilien nachfragen. Dadurch entstand ein Kreislauf immer weiter zunehmender Immobilienpreise, welcher eine Überreaktion auf den Märkten zur Folge hatte (vgl. Schmitz,2005, S.27).

Intensive Kreditvergabe als Ursache der Blase:

Japanische Geschäftsbanken wiesen in den 1970er Jahren eine geringe Profitabilität auf. (siehe Abb. 4.) Zu Beginn der 1980er Jahren wurden es Banken graduell erlaubt in das Börsengeschäft einzugreifen. Durch die zunehmende Unabhängigkeit der Unternehmen war das Finanzierungsgeschäft gefährdet und gleichzeitig brach durch die Freigabe des Guthabezinses ein stabile Einnahmequelle weg. Die Umstände erforderten neue Geschäftsfelder. Die Immobilienpreissteigerungen boten die Chance das Kreditgeschäft auf Basis von Immobiliensicherheiten zu erweitern. Dieses Anwachsen begann schon vor der Senkung des Zinses und wurde durch diese geldpolitische Expansion massiv verschärft. (Schmitz, 2005, S.18). Die geringen Zinsen erleichterten die Refinanzierung. Dadurch war ein Großteil der Finanzinstitute zu einer aggressiven Kreditvergabepraxis übergegangen. Insbesondere Kreditinstitute mit geringer Profitabilität engagierten sich intensiv in dem ristkanten Immobilen Kreditgeschäft. Im Rückblick scheint es, dass die niedrigen Zinsen die Finanzinstitute zu einer Kreditvergabe bewegt haben, die im Verhältnis zu den Gewinnaussichten ein viel zu hohes Risiko bargen (vgl. Shiratsuka, 2003, S.7). Durch das Netz von Minderheitsbeteiligungen und Absprachen der Keiretsu wurden Kredite nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und Aussichten vergeben (vgl. Aschinger 2001, S. 207). Diejapanische Bankenaufsicht und Finanzierungsrichtlinien waren damals alles andere als ausreichend. Japanische Banken waren lediglich zu einer Kapitalunterlegung ihrer Kredite von lediglich 4 Prozent verpflichtet (vgl. Schmitz, 2005, S.21f.). Folglich ist es nicht verwunderlich, dass nach dem Platzen der Blase die japanischen Banken auf einen gewaltigen Berg an faulen Krediten sitzen blieben. So mussten die japanischen Geschäftsbanken bis März 2002, 82 Milliarden Yen abschreiben, was zu der Zeit einer Summe von 665 Milliarden Euro entsprach. Dennoch sollten noch 42 Milliarden Yen und damit 8 Prozent ihres gesamten Kreditportfolios notleidend sein (vgl. Fukao, 2002, S.3). Obwohl 2002 die Abschreibungen der Großbanken die operativen Gewinne schon über neun Jahre am Stück überschritten, gibt es Analysten, welche die Summe an faulen Krediten um bis zu ein Fünffaches höher schätzen, (vgl. Handelsblatt, 2002) Es kann der japanischen Finanzbehörde auch ein fehlenderWillen zur Regulierung vorgeworfen werden. Denn eine steuerbegünstigte Reservequote von lediglich 0,3 Prozent für notleidende Kredite ist angesichts des Ausmaßes mehr als ungenügend. Diese Quote wurde weder in der Spekulationswelle noch in den 1990er Jahren angepasst. Die japanischen Bilanzierungsregeln sind gegenüber den europäischen und amerikanischen Regeln oberflächlich. Somit entstand im Rahmen der Keiretsu-Verflechtungen viel Spielraum zur Manipulation, (vgl. Schmitz, 2005, S.22)

Aus drei verschiedenen Gründen kam es in der japanischen Finanzkrise zu Moral Hazard.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Japan-Krise und die amerikanische Subprime-Krise
Untertitel
Ein Vergleich der Ursachen beider Finanzkrisen
Hochschule
SRH Hochschule Berlin (früher OTA)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V373947
ISBN (eBook)
9783668512092
ISBN (Buch)
9783668512108
Dateigröße
1139 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Japan-Krise, japanische Bubble, Subprime-Krise, Finanzkrise 2007, Zaibatsu, Amerika, Geld, Kapital, Japan, Finanzen, Geldpolitik
Arbeit zitieren
Hendrik Wolters (Autor), 2017, Die Japan-Krise und die amerikanische Subprime-Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373947

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