Unternehmensethik in der betrieblichen Praxis. Die Verhaltenskodizes der BASF SE und WACKER Chemie AG im Vergleich


Bachelorarbeit, 2016
45 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Die BASF SE
1.2 Die BASF SE und ihre Risiken
1.2 Der Verhaltenskodex der BASF-Gruppe

2. WACKER Chemie AG
2.1 Die Risiken der WACKER Chemie AG
2.2 Das Unternehmen WACKER Chemie AG und seine Kodizes

3. Unternehmensethische Analyse der Verhaltenskodizes
3.1 Die praktische Anwendung von Verhaltenskodizes
3.2 Unternehmen im Binnenverhältnis
3.2.1 Arbeitsbedingungen und Ideenmanagement
3.2.2 Nachwuchsmanagement
3.3 Unternehmen im Außenverhältnis
3.3.1 Umweltschutz
3.3.2 Lieferantenmanagement

4. Zusammenfassender Vergleich der unternehmenseigenen Kodizes

Fazit

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der praktischen Umsetzung von Verhaltenskodizes als innovatives Managementinstrument. Zu diesem Zweck werden die Kodizes zweier Unternehmen analysiert und vergleichend gegenübergestellt. Insbesondere wird untersucht, in wie weit die beiden Unternehmen BASF SE und WACKER Chemie AG es verstanden haben, mit ihren Verhaltenskodizes die richtigen Probleme zu adressieren. Die zu untersuchenden Unternehmen sind in der Chemiebranche tätig und stehen, abgesehen von den unternehmensinternen Problemen, denselben branchenspezifischen Herausforderungen und Risiken gegenüber.

Mit Hilfe der getroffenen Maßnahmen und der selbstauferlegten Verpflichtungen in Form der Kodizes kommunizieren die Unternehmen der Öffentlichkeit, dass sie sich ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt bewusst sind. Die freiwillige Verpflichtung zu den Leitlinien der Nachhaltigkeitsinitiativen Responsible Care und Chemie3 sowie die Zusammenarbeit im Hinblick auf ein nachhaltiges Lieferantenmanagement über die Together for Sustainability-Initiative zeigen, dass unternehmensübergreifende Kooperationen immer wichtiger werden. Anhand ausgewählter Beispiele wird überprüft, ob die formulierten Kodizes geeignet sind die verschiedenen Dilemmatastrukturen aufzubrechen. Durch die Analyse wird deutlich, dass individuelle Selbstbindung auf lange Sicht zur Besserstellung aller Beteiligten führt und aus diesem Grund nicht als Opfer sondern vielmehr als Investition der Unternehmen gesehen werden sollte, die diesen bei der Überwindung sozialer Dilemmatastrukturen hilft. Moralisches Handeln steht nicht im Konflikt zum unternehmerischen Eigeninteresse. Indem sich Unternehmen selbst binden, können sie Moral als zusätzlichen Produktionsfaktor nutzen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Werte-Trade-Off zwischen Eigen- und Fremdinteressen

Abb. 2: Die orthogonale Positionierung

Abb. 3: Das analytische Drei-Ebenen-Schema

Abb. 4: Das einseitige Gefangenendilemma

Abb. 5: Dilemmatastrukturen innerhalb und zwischen den einzelnen Hierarchieebenen

Abb. 6: Das zweiseitige Gefangenendilemma

Einleitung

In einer fortschreitend globalisierten Weltwirtschaft wird es immer wichtiger, ein Mehr an Moral in das unternehmerische Handeln einzubinden. Die Globalisierung bringt ebenso viele Risiken wie Chancen mit sich. Einige Unternehmen, darunter vor allem international agierende, haben bereits verstanden, dass reines Profitstreben und eine ansteigende Entropie in der Umwelt auf lange Sicht eine Selbstzerstörung des Systems nach sich ziehen. Sie erkennen zunehmend ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft an und formulieren Vorschriften und Regeln, die zur Problemlösung beitragen sollen. Darunter fallen auch ökologische Richtlinien, die beispielsweise zur nachhaltigen und CO2-armen Rohstoffgewinnung verpflichten. Auch erhöhte Arbeits- und Sozialstandards werden festgelegt, um die Einhaltung von international anerkannten Menschenrechten, humanen Arbeitsbedingungen und Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Über eigene Verhaltenskodizes versuchen die Unternehmen ihre Ideen und Maßnahmen gegenüber ihren Stakeholders zu kommunizieren. Die Unternehmen binden sich durch diese Verhaltenskodizes an selbst auferlegte Vorschriften. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens ist verpflichtet, die darin beschriebenen Verhaltensstandards einzuhalten.

Die Umsetzung und Wirkungsweise der Verhaltenskodizes soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Es wird hinterfragt, ob die beiden zu untersuchenden Unternehmen BASF und Wacker Chemie es verstanden haben, Verhaltenskodizes als neues Management-System bzw. -Tool zu sehen. Im Vordergrund stehen die Fragen, inwieweit die Chemiekonzerne die von ihnen eigens auferlegten Verhaltenskodizes als Weg aus dem Werte-Trade-Off zwischen Gewinnstreben und gesellschaftlichem Interesse erkennen und ob die Unternehmen diese Kodizes für die richtigen Probleme einsetzen, um deren volle Wirkungskraft entfalten zu können. Es werden ordonomische Analyse-Tools verwendet, um diese Problematik zu veranschaulichen und die Lösungsstrategien des jeweiligen Unternehmens auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.

In Kapitel 1 werden die von BASF erwähnten Risiken dargestellt und ein kurzes Unternehmensprofil skizziert. Anschließend werden der unternehmenseigene Verhaltenskodex und der separate Lieferantenkodex, der die Anforderungen an die Lieferanten festlegt, deskriptiv dargestellt. Im darauf folgenden Kapitel erfolgt eine ähnlich deskriptive Darstellung der WACKER Chemie AG. Es werden die unternehmensspezifischen Herausforderungen beschrieben, sowie die 5 einzelnen Kodizes vorgestellt. Kapitel 3 dient einer praktischen Anwendung der Kodizes. Zu diesem Zweck sollen ausgewählte Beispiele als einseitige oder mehrseitige Gefangenendilemmata modelliert und die unternehmerischen Maßnahmen zu deren Lösung aufgezeigt werden. Im Verlauf dieses Kapitels erfolgt bereits eine Gegenüberstellung der Maßnahmen der BASF SE und WACKER Chemie AG. Dennoch werden im letzten Kapitel noch einmal die unternehmerischen Vorkehrungen und deren Wirksamkeit bei der Überwindung der Dilemmata zusammenfassend verglichen. In einem Fazit soll die Lösungskompetenz der Verhaltenskodizes abschließend bewertet und mögliche Verbesserungspotentiale sowie etwaige Handlungsempfehlungen gegeben werden.

1. Die BASF SE

Dieses Kapitel dient der deskriptiven Darstellung des Chemiekonzerns BASF SE. Zunächst soll das Unternehmen kurz vorgestellt und die seitens der BASF-Gruppe identifizierten und aufgeführten Risiken dargelegt werden. Anschließend werden der unternehmenseigene Verhaltenskodex und der separate Lieferantenkodex inhaltlich erläutert, um in der unternehmensethischen Analyse der Kodizes deren Wirksamkeit besser beurteilen zu können.

1.2 Die BASF SE und ihre Risiken

Die BASF- Gruppe ist mit rund 80 Ländervertretungen und ca. 112.000 Mitarbeitern, welche im Jahr 2015 einen Umsatz von 70,45 Mrd. € generiert haben, das weltweit führende Chemieunternehmen. Das Unternehmen gliedert sein breites Portfolio in die Segmente Chemicals, Performance Products, Functional Materials & Solutions, Agricultural Solutions und Oil & Gas. Functional Materials & Solutions hält mit 26% den größten Anteil am Gesamtumsatz. Weltweit betreibt die BASF- Gruppe sechs Verbundstandorte und 338 weitere Produktionsstandorte. Eine intelligente Vernetzung von Anlagen bildet eine wesentliche Stärke des Unternehmens. Im Jahr 2015 wurden 52% des Umsatzes bei Kunden in Europa erzielt, der restliche Umsatz verteilt sich über Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und den Nahen Osten.[1]

Als energieintensives Unternehmen der chemischen Industrie birgt es erhebliche Risiken, welche jedoch, richtig gemanagt, große Chancen ergeben können. BASF nennt die Entwicklung der Absatzmärkte eine der größten kurzfristig wirksamen Chancen und Risiken. Vor allem die anhaltende Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums sowie eine mögliche Ausweitung geopolitischer Konflikte werden als erhebliches Risiko betrachtet. Als Chemieunternehmen unterliegt BASF kontinuierlich der Auferlegung neuer Vorschriften und Gesetze. Die 2007 in Kraft getretene europäische Chemikalienverordnung REACH birgt das Risiko einer wettbewerblichen Benachteiligung gegenüber außereuropäischen Konkurrenten. Ebenso besteht die Gefahr, dass eine geplante EEG-Novelle zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung führt und folglich zu einer Wettbewerbsbeeinträchtigung der betroffenen Standorte. Der schnell voranschreitende technologische Fortschritt führt dazu, dass IT-Sicherheit aktuell ein ernst zu nehmendes Thema ist. BASF benötigt genauso wie andere Unternehmen verschiedene IT- Systeme. Diese sind zunehmend dem Risiko ausgesetzt, von Unbefugten gestohlen oder manipuliert zu werden. Der Verlust vertraulicher Daten kann u.a. zur Beeinträchtigung der unternehmerischen Sicherheit und der Berichterstattung führen.[2] Weiterhin wird die demografische Entwicklung als ein langfristig wirksames Risiko angesehen. BASF kalkuliert für die Zukunft einen Fachkräftemangel ein. In diesem Zusammenhang spricht das Unternehmen davon, wie wichtig die Bindung qualifizierter Mitarbeiter ist. Der anhaltende Trend zur Nachhaltigkeit birgt auch für BASF Chancen und Risiken. Um diese zu erkennen, verwendet das Unternehmen Instrumente des Nachhaltigkeitsmanagements. Themenkomplexe wie Energie und Klima, Wasser, Ressourcen, Ökosysteme, verantwortungsvolle Produktion und Beschäftigung definieren mögliche Chancen und Risiken im Bereich der Nachhaltigkeit.[3] In der chemischen Industrie liegt ein großes Risiko bei der Transport- und Lagerungssicherheit von chemischen Produkten. Im Jahr 2015 ereignete sich zweimal ein Produktaustritt von Gefahrengut. Weitere Herausforderungen, denen sich die BASF Gruppe gegenüber sieht, liegen in den Bereichen Arbeits- und Anlagensicherheit und Gesundheitsschutz. Unfälle können zu erheblichen Produktionsausfällen sowie zu Gesundheits- und Umweltschäden führen.[4] Mit dem Ziel, die aufgeführten und weitere Risiken zu minimieren und möglichst auszuschließen, hat das Unternehmen einen umfangreichen Verhaltenskodex sowie einen Lieferantenkodex verfasst. Diese werden im folgenden Abschnitt vorgestellt.

1.2 Der Verhaltenskodex der BASF-Gruppe

Die BASF als weltweit tätiger Konzern hat ihre Verantwortung gegenüber ihren Stakeholdern erkannt und die anfangs regionalen Kodizes 2013 durch einen einheitlichen, weltweit bindenden Verhaltenskodex ersetzt. Der Verhaltenskodex beschreibt konkret, welche Position der Konzern zu verschiedenen Themenbereichen einnimmt und welche Verhaltensstandards für alle Mitarbeiter gelten sollen. Er erläutert, welches Verhalten von BASF-Mitarbeitern im Umgang mit Kollegen, Geschäftspartnern, Amtsträgern und Gesellschaft erwartet wird. „Ein Unternehmen-Ein Verhaltenskodex“ als programmatische Überschrift lässt erkennen, dass es sich nicht nur um eine Regelung handelt, die den Mitarbeitern vom Unternehmensvorstand angewiesen wird und vordergründig auf Gewinnerzielung fixiert ist. Es entsteht eher der Eindruck, dass der Kodex vor allem das Gemeinwohl im Blick hat. Dem Verhaltenskodex der BASF-Gruppe ist ein Vorwort des Vorstandsvorsitzenden, Kurt Bock, vorangestellt. Herr Bock weißt darauf hin, dass Integrität das Wichtigste für ein Unternehmen ist und Compliance-gerechtes Verhalten stets Priorität hat. Es wird angemerkt, dass der Verhaltenskodex nicht jede interne Richtlinie und einzelne Gesetze beinhaltet, diese deshalb aber nicht weniger zu beachten sind.[5]

Der BASF Verhaltenskodex ist in die verschiedenen Themenbereiche

a) Menschenrechte, Arbeits- und Sozialstandards
b) Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit
c) Kartellrecht
d) Korruption
e) Geschenke und Einladungen
f) Interessenkonflikte
g) Informationsschutz und Insiderhandel
h) Datenschutz
i) Importe und Exporte
j) Schutz des Firmeneigentums und des Eigentums von Geschäftspartnern
k) Geldwäsche

gegliedert. Die Inhalte dieser Themenschwerpunkte werden im Folgenden knapp dargestellt.

a) Menschenrechte, Arbeits- und Sozialstandards: Bei BASF wird großer Wert auf die Achtung der Menschenrechte gelegt. In diesem Zusammenhang wird auf die Einhaltung international anerkannter Menschenrechte, OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen sowie die Grundsatzerklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über Multinationale Unternehmen und Sozialpolitik hingewiesen. Der Schwerpunkt liegt hier in der Bekämpfung von Kinder- und Zwangsarbeit, sowie in der Einhaltung des Prinzips der Nichtdiskriminierung. Maßgeblich ist, dass diese Grundsätze für jegliche Personalentscheidungen gelten.[6]
b) Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit: In diesem Abschnitt wird das Bewusstsein über die eigene unternehmerische Verantwortung deutlich erkennbar. BASF möchte nicht nur als ein gewinnmaximierendes Unternehmen wahrgenommen werden, sondern als ein Unternehmen, das nachhaltig produziert und wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Die Sicherheit steht hierbei kompromisslos stets an erster Stelle. Die Befolgung aller Gesetze zum Schutz der Menschen und der Umwelt sowie die freiwillige Bekennung zu den Prinzipien der Initiative Responsible Care bilden wesentliche Grundsätze der BASF-Gruppe. Jeder Mitarbeiter wird zur Eigenverantwortung verpflichtet und ist angehalten Schadensereignisse unverzüglich zu melden. Betont wird in diesem Abschnitt des Verhaltenskodex weiterhin, dass Ressourcen verantwortlich und nur im Maße der erteilten Genehmigung verwendet werden dürfen. BASF stellt einen hohen Anspruch an sich selbst, welcher zunehmend über die bestehenden, gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht.[7]
c) Kartellrecht: Agierend auf internationalen Märkten, verschreibt sich BASF einem fairen Wettbewerb und der Beachtung des geltenden Kartellrechts. Unabhängig von lokalen Gesetzen gelten dabei weltweit die strengen Vorschriften des europäischen Kartellrechts. Jegliche Form von horizontalen Absprachen, vertikalen Vereinbarungen und der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung sind verboten und werden sanktioniert.[8]
d) Korruption: In diesem Abschnitt des Verhaltenskodex macht die BASF erneut deutlich, wie wichtig ihr ein fairer Wettbewerb ist. In diesem Sinne setzt sich das Unternehmen für die Eindämmung von Korruption ein. Allen Mitarbeitern ist es strengstens verboten, materielle Vorteile entgegenzunehmen oder zu gewähren. Objektivität bildet stets die Grundlage aller Beziehungen zu Geschäftspartnern.[9]
e) Geschenke und Einladungen: Auch in diesem Teil wird nochmals auf das Ablehnen von materiellen Vorteilen eingegangen. Grundsätzlich sind Geschenke und Einladungen abzulehnen, es sei denn, es handelt sich um eine reine Geste der Höflichkeit, die keinen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit hat. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Annahme oder Ausgabe von Bargeld unter keinen Umständen zulässig ist.[10]
f) Interessenkonflikte: Jeder Mitarbeiter muss darauf achten, dass persönliche Interessen und Beziehungen keinen Einfluss auf die geschäftliche Tätigkeit haben und jeder Einzelne stets im Interesse des Unternehmens agiert.[11]
g) Informationsschutz und Insiderhandel: BASF macht darauf aufmerksam, wie wichtig Patente, Expertenwissen und Erfindungen für den unternehmerischen Erfolg sind. Aus diesem Grund ist es strengstens verboten, vertrauliche Informationen an Dritte weiterzugeben bzw. sich durch Informationsweitergabe einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Neben diesem Abschnitt im Verhaltenskodex gibt es eine separate Informationsschutz-Richtlinie und eine Richtlinie zur Nutzung des BASF-Intranets. Weiterhin sind die Insiderhandelsgesetze zu befolgen.
h) Datenschutz: Das Unternehmen gibt an dieser Stelle des Verhaltenskodex zu verstehen, dass die Privatsphäre der Mitarbeiter und Geschäftspartner stets respektiert wird. Zugang zu sensiblen Mitarbeiterdaten erhält man ausschließlich auf gesetzlicher Grundlage oder einer entsprechenden Berechtigung.[12]
i) Importe und Exporte: Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, sich beim Ex- und Import von Waren und Technologien an die Handelskontrollgesetzte zu halten und ggf. Beschränkungen i.S.v. Embargos strikt zu beachten.
j) Schutz des Firmeneigentums und des Eigentums von Geschäftspartnern: BASF weißt in diesem Abschnitt des Verhaltenskodex darauf hin, dass alle Mitarbeiter verantwortungsvoll mit Firmeneigentum umgehen müssen. Dazu gehören sowohl Vermögensgegenstände als auch immaterielle Werte wie firmeneigenes Wissen, geistige Eigentumsrechte und urheberrechtlich geschützte Werke.[13]
k) Geldwäsche: Im letzten Themenschwerpunkt des Kodex geht das Unternehmen auf Geldwäsche ein. Alle Mitarbeiter sind dazu angewiesen, achtsam mit finanziellen Transaktionen umzugehen und die geltenden Gesetze gegen Geldwäsche einzuhalten.[14]

In fast allen Themenbereichen wird stets darauf hingewiesen, dass sich die Mitarbeiter im Zweifelsfall stets an ihren Vorgesetzten oder die Rechtsabteilung zu wenden haben. Regelmäßige Prüfungen und etwaige Anpassungen durch den Chief Compliance Officer und die Rechtsabteilung gewährleisten die Flexibilität des Verhaltenskodex.

Da sich die BASF-Gruppe ihrer Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette bewusst ist, wurde neben dem Verhaltenskodex auch ein Lieferantenkodex etabliert. Ziel dieses Kodex ist es, dass die Geschäftspartner der Selbstverpflichtung von BASF folgen. Von Lieferanten wird erwartet, dass sie entsprechend der ESG-Standards, die auf den Prinzipien der Global Compact-Initiative der Vereinten Nationen sowie dem weltweiten Responsible Care-Programm beruhen, handeln. Diese Standards umfassen die Bereiche Umwelt, Gesellschaft und Governance. Die Lieferanten der BASF sind verpflichtet, diese Standards in einem eigenen Verhaltenskodex oder einer eigenen Firmenpolitik umzusetzen. Neben Vertrauen und Respekt behält sich das Unternehmen jedoch das Recht vor, die Umsetzung der Prinzipien zu überprüfen. Dies geschieht vor allem durch die Ausfüllung eines Fragebogens, Bewertungen durch Dritte, Audits vor Ort und die Erstellung von Zertifikaten.

BASF weist ausdrücklich darauf hin, dass nur zu Lieferanten, welche Maßnahmen zur Umsetzung der ESG-Standards ergreifen, die Geschäftsbeziehungen aufrecht erhalten werden können.[15]

2. WACKER Chemie AG

In diesem Kapitel erfolgt die Darstellung des Chemiekonzerns WACKER AG sowie dessen unternehmensspezifischen Herausforderungen und Risiken. Anschließend werden die selbstauferlegten Kodizes vorgestellt, die der Bewältigung der angeführten Risiken dienen sollen.

2.1 Die Risiken der WACKER Chemie AG

Als ein global operierendes Unternehmen sieht sich die WACKER Chemie AG verschiedenen Risiken ausgesetzt. Der Chemiekonzern beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2015 einen Umsatz von 5,3 Mrd. €. Mit mehr als fünf Geschäftsbereichen ist WACKER an 25 Produktionsstandorten tätig und in 28 Ländern vertreten.[16]

In seinem Risikobericht spricht das Unternehmen von seiner besonderen Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt. Aus diesem Grund ist es vor allem als Spezialchemie- und Halbleiterunternehmen wichtig, die Risiken im Bereich der Anlagen- und Arbeitssicherheit sowie Gesundheits- und Umweltschutz zu minimieren. Weiterhin besteht trotz fehlender konkreter Anzeichen ein gesamtwirtschaftliches Risiko insofern, dass es zu einer konjunkturellen Abschwächung der Weltwirtschaft kommt. Dies hätte u.a. höhere spezifische Herstellungskosten und einen Umsatzrückgang im Konzern zur Folge. Insbesondere der Wachstumsrückgang der chinesischen Wirtschaft und weitere politische und strukturelle Herausforderungen bergen Risiken. In diesem Zusammenhang bestehen Absatzmarktrisiken, welche zu Überkapazitäten in den einzelnen Geschäftsbereichen führen können und dadurch Preis- und Mengendruck auf die Produkte des Unternehmens ausüben. Der Chemiekonzern sieht sich bei der Beschaffung Risiken wie steigende Energie- und Rohstoffpreise oder Engpässe in der Rohstoffversorgung ausgesetzt. Dem entgegen wirkt WACKER durch systematische Beschaffungsstrategien, flexible Verträge mit seinen Lieferanten und Zweitlieferanten.[17] Als energieintensives Unternehmen hat die Energiewende in Deutschland auch auf die WACKER AG Auswirkungen. Es bestehen regulatorische Risiken durch Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die zu Mehrbelastungen im Unternehmen führen können. Ähnlich der BASF-Gruppe sieht sich auch WACKER IT- Risiken ausgesetzt. Störungen, Datenverlust und -missbrauch können einen negativen Einfluss u.a. auf die Vermögenslage und die Arbeits- und Produktionsabläufe haben.

Weitere Herausforderungen, denen sich WACKER gegenüber sieht, liegen im Personalbereich. Es besteht das Risiko eines Fachkräfte- und Führungskräftemangels; teilweise bedingt durch den fortschreitenden demografischen Wandel. Dieser kann sich negativ auf das Unternehmenswachstum und das Innovationspotential auswirken.[18] Als Technologieführer in der chemischen Industrie ist WACKER dem Risiko von Fehlinvestitionen ausgesetzt. Fehlinvestitionen können Leerkosten bzw. Wertminderungen auf Anlagen zur Folge haben. Höhere Investitionskosten oder Verzögerungen von Investitionsprojekten können Umsatzrückgänge nach sich ziehen. Neben weiteren unternehmensspezifischen Risiken unterliegt der Chemiekonzern finanzwirtschaftlichen Risiken aus laufender Geschäftstätigkeit. Dazu gehören Kreditrisiken, welche durch Forderungsausfall aus Lieferung und Leistung, Ausfall von Banken bezüglich ihrer Verpflichtungen gegenüber der Wacker AG etc. entstehen können. Neben Liquiditätsrisiken besteht ebenso die Gefahr der Zins- und Währungsschwankung, die Auswirkungen auf Liquidität, Ergebnis und Finanzlage des Unternehmens haben können.[19]

2.2 Das Unternehmen WACKER Chemie AG und seine Kodizes

Mitte 2012 verfasste auch die WACKER Chemie AG eigene Verhaltensgrundsätze. Diese bilden neben den Zielen und Visionen des Unternehmens die dritte Säule der Unternehmensleitlinien. Der Weg zum Erreichen der Unternehmensziele, wie beispielsweise zu den besten Arbeitgebern zu gehören oder die Produkte und Lösungen des Unternehmens zur ersten Wahl beim Kunden zu machen, wird in diesen Grundsätzen geregelt. Dabei splittet WACKER die Verhaltensgrundsätze in fünf verschiedene Kodizes.[20]

Der Verhaltenskodex beinhaltet die wichtigsten Regeln und Verhaltensrichtlinien, die als Grundlage des Arbeitens im Unternehmen dienen. Sie helfen dabei, WACKER als vertrauensvolles und integreres Unternehmen zu etablieren. Der Kodex ist für alle Mitarbeiter verpflichtend. Verhalten, welches nicht den Richtlinien entspricht, wird nicht gebilligt. Vordergründig regelt der Kodex den Umgang mit Geschäftspartnern und Dritten. Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, sich an die Vorschriften des Kartell- und Wettbewerbsrechts zu halten und keine Abkommen zu Einkaufs- und Verkaufspreisen, Marktaufteilung oder Wiederverkaufspreisen zu treffen. Auch WACKER Chemie legt großen Wert auf einen freien Wettbewerb. Aus diesem Grund müssen Geschäftsentscheidungen stets auf objektiven Kriterien beruhen. Sie dürfen nicht durch Annahme oder Gewährleistung von hochwertigen Geschenken und Einladungen beeinflusst sein. Dies bezieht sich ebenfalls auf Spenden und Sponsoring, welche nur an gemeinnützige Einrichtung vergeben werden dürfen und keinesfalls mit einer erwarteten Gegenleistung verbunden sind. Weiterhin gibt der Kodex Anweisungen hinsichtlich vertraulichen Informationen und Datenschutz. Nur autorisierten Personen ist es gestattet, unternehmensinterne Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Insiderhandel und damit verbundene Wertpapiergeschäfte sind jedem Mitarbeiter strengstens untersagt. Die WACKER AG verpflichtet sich, mit kunden- und mitarbeiterspezifischen Daten sehr sorgsam umzugehen. Der Verhaltenskodex weist im letzten Abschnitt darauf hin, dass persönliche und unternehmerische Interessen stets zu trennen sind. Geschäftsbeziehungen müssen sachlich gehalten werden und dürfen keinesfalls von Korruption, Bestechung oder persönlicher Vorteilsnahme seitens eines Mitarbeiters gekennzeichnet sein.[21]

[...]


[1] Vgl. BASF (2016a; S. 21f.).

[2] Vgl. BASF (2016a; S. 116f.).

[3] Vgl. BASF (2016a; S. 120).

[4] Vgl. BASF (2016a; S. 99-101).

[5] Vgl. BASF (2016b; S. 3-5).

[6] Vgl. BASF (2016b; S. 8).

[7] Vgl. BASF (2016b; S. 9).

[8] Vgl. BASF (2016b; S. 10f.).

[9] Vgl. BASF (2016b; S. 12).

[10] Vgl. BASF (2016b; S. 14).

[11] Vgl. BASF (2016b; S. 15).

[12] Vgl. BASF (2016b; S. 17f.).

[13] Vgl. BASF (2016b; S. 19f.).

[14] Vgl. BASF (2016b; S. 21).

[15] Vgl. BASF (2015a).

[16] Vgl. WACKER (2016a).

[17] Vgl. WACKER (2016b; S. 143-146).

[18] Vgl. WACKER (2016b; S. 153-156).

[19] Vgl. WACKER (2016b; S. 148-151).

[20] Vgl. WACKER (2015a; S 48-51).

[21] Vgl. WACKER (2012a).

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Unternehmensethik in der betrieblichen Praxis. Die Verhaltenskodizes der BASF SE und WACKER Chemie AG im Vergleich
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
45
Katalognummer
V373958
ISBN (eBook)
9783668519022
ISBN (Buch)
9783668519039
Dateigröße
1207 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhaltenskodex, Code of Conduct, CSR, BASF, WACKER
Arbeit zitieren
Laura Ortloff (Autor), 2016, Unternehmensethik in der betrieblichen Praxis. Die Verhaltenskodizes der BASF SE und WACKER Chemie AG im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373958

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