Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, eine konkrete praktische Erprobung der ethnografischen Biografieforschung bzw. narrative Interviewstrategien detailliert vorzustellen. Die zugrundeliegenden Wirkmechanismen narrativer Interviews dienen der Annäherung an die Beantwortung der Forschungsfrage: Was bedeutet Religion für junge muslimische Erwachsene (ab 18 Jahren)?
Im ersten Teil dieser Arbeit wird das Forschungsinteresse und das daraus entwickelte Forschungsdesign vorgestellt. Im Folgenden steht die formulierende und reflektierende Interpretation der ausgewählten drei Passagen im Mittelpunkt. Im Zusammenhang damit wird die jeweilige Passage abgedruckt und die Passagenauswahl entsprechend argumentiert. Im Fazit wird dargelegt, welches Verständnis sich für die Situation entwickelt hat. Abschließend wird in der Quintessenz ein Resümee aus dem Interview gezogen.
Das Interview ist der Grundstein für den handlungsorientierten Verstehensprozess. Um zu verstehen braucht es das Rekonstruieren von Gegebenheiten, Ereignissen oder Lebensumständen, beeinflusst von der Gegenwarts- und Zukunftsperspektive, aus der Entstehungsgeschichte heraus. Knapp gesagt besteht der Nutzen dieser Analyse also ganz
schlicht im „klar sehen“. [...]
Inhaltsverzeichnis
0. Abstract
1. Theoretischer Hintergrund
2. Forschungsdesign
2.1 Forschungsfrage
2.2 Interviewpartner
2.3 Interviewleitfaden
3. Interviewsituation
4. Passage I
4.1 Abdruck
4.2 Argument der Passagenauswahl
4.3 Formulierende Interpretation
4.4 Reflektierende/dokumentarische Interpretation
4.5 Fazit
5. Passage II
5.1 Abdruck
5.2 Argument der Passagenauswahl
5.3 Formulierende Interpretation
5.4 Reflektierende/dokumentarische Interpretation
5.5 Fazit
6. Passage III
6.1 Abdruck
6.2 Argument der Passagenauswahl
6.3 Formulierende Interpretation
6.4 Reflektierende/dokumentarische Interpretation
6.5 Fazit
7. Quintessenz
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht mittels qualitativer Interviewmethoden die Bedeutung von Religion für junge muslimische Erwachsene. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die subjektive Lebenswelt, individuelle religiöse Deutungsmuster und den Einfluss von Religion auf Handlungsentscheidungen in einem spannungsgeladenen soziokulturellen Kontext zu gewinnen.
- Rekonstruktion biographischer Erfahrungen mit Religion.
- Differenzierung zwischen gelebter Religion und kulturell tradierter Praxis.
- Rolle von Wissen und Bildung als Bewältigungsstrategie gegenüber Vorurteilen.
- Einfluss familiärer Erziehungsmuster auf die Identitätsentwicklung.
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit und religiös/traditionellen Erwartungen.
Auszug aus dem Buch
6.1 Abdruck
I: Was ist dir so rund um die Religion, rund um dein persönliches Erleben, ähm, ganz wichtig in deinem Leben? #00:20:05-2#
IP: Ähm (3), so akzeptiert zu werden und vor allem aber auch die Religion, quasi darzustellen, ähm (1) wie sein sollte, und nicht, wie sie gelebt wird, und nicht, wie sie gezeigt wird. Auch in den Medien und so. Sondern, zu zeigen, dass es nicht so ist. Dass die Religion nicht so böse ist. Und einfach der Welt zu zeigen, also ich hab auch richtig, also ’nen riesen Traum hab ich einfach. Dass ich irgendwo, ganz weit oben stehe auf ’nem Gipfel. Wo mich alle, wo mich die ganze Welt sieht und hört. wo ich einfach mal denen zeige und sage, wie es eigentlich ist so. Und denen mal so ’ne Gehirnwäsche verpasse. Ne wirklich. @(.)@ Weil ich find´s auch super traurig immer, ne, dass auch, die Frau mit Kopftuch ist eine unterdrückte Frau. Was (2) also, wird halt immer gesagt, ne. (1) Und das find ich so traurig. Dass man sich dann nicht mit den Menschen befassen möchte, so. (1) Und sich mit denen unterhalten möchte, um mal die Wahrheit quasi zu hören. Man hört einfach immer nur auf das, was in Medien ist. Und das möcht ich nicht. Und das ist auch ein Ziel von mir. Da was zu erreichen, dass es jetzt, dass es nicht mehr so ist, ja. (3) Dass mehr alles auf, irgendwie, dass die Medien immer so hochgestellt werden, ja. Und, dass man nur darauf hört und nur das sehen möchte. Also nur das sieht, was man sehen möchte. Um das halt immer so schlecht zu machen. Und da muss ich irgendwas machen. Also, ist mir super wichtig, dass ich da irgendwie, weiß ich nicht, auch wenn ich klein anfange oder so.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Abstract: Zusammenfassung der theoretischen Einordnung sowie der gewählten qualitativen Forschungsmethodik.
1. Theoretischer Hintergrund: Darlegung der theoretischen Verankerung im Bereich der rekonstruktiven Sozialpädagogik und der Bedeutung der Biografieforschung.
2. Forschungsdesign: Vorstellung der Forschungsfrage, der Kriterien zur Auswahl der Interviewpartner und des gewählten Interviewleitfadens.
3. Interviewsituation: Bericht über den Verlauf der Interviews, die Herausforderungen bei der Kontaktaufnahme und die Reflexion der Gesprächssituation.
4. Passage I: Abdruck, Interpretation und Fazit der ersten Interviewpassage mit Fokus auf die Einführung in die Religion.
5. Passage II: Analyse und Interpretation der zweiten Interviewpassage, die sich mit dem Erleben der Religion in der Familie befasst.
6. Passage III: Untersuchung der dritten Interviewpassage, welche sich mit dem persönlichen Traum der Befragten und ihrem Wunsch nach gesellschaftlicher Aufklärung beschäftigt.
7. Quintessenz: Resümierende Zusammenführung der Erkenntnisse und Einordnung des individuellen Lebenskonzepts der Interviewpartnerin.
Schlüsselwörter
Rekonstruktive Soziale Arbeit, narratives Interview, muslimische Identität, Lebensgeschichte, Religion, Tradition, Islam, Einzelfallrekonstruktion, biographisches Lernen, Vorurteile, gesellschaftliche Integration, Wissensaneignung, religiöse Praxis, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den persönlichen Erfahrungen junger muslimischer Erwachsener in Bezug auf ihre Religion und untersucht deren Einfluss auf die individuelle Lebensgestaltung und Identitätsbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Auseinandersetzung mit Religion im Alltag, der Konflikt zwischen religiösen Geboten und traditionellen Erwartungen im Elternhaus, sowie der Wunsch nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Aufklärung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung lautet: "Was bedeutet Religion für unsere Zielgruppe?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das narrative Interview als Methode der qualitativen Sozialforschung eingesetzt, ergänzt durch formulierende sowie reflektierende/dokumentarische Interpretationsschritte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auswertung dreier ausgewählter Interviewpassagen, in denen das Erleben der Religion, die Auseinandersetzung mit dem Elternhaus und die persönliche Zukunftsvision der Befragten analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Rekonstruktive Soziale Arbeit, narratives Interview, muslimische Identität, Tradition, Religion, Biografieforschung und religiöse Praxis.
Warum empfand die Forschungsgruppe die ersten Interviews als nicht verwendbar?
Die Anwesenheit und die ständigen Unterbrechungen durch den Imam in der Moschee verhinderten ein freies Erzählen, zudem gab es Sprachbarrieren, die eine flüssige Gesprächsführung unmöglich machten.
Wie geht die Interviewte mit dem Konflikt zwischen Religion und den Ansichten ihrer Eltern um?
Sie versucht, durch eigenes Wissen, das sie sich durch Bildung und Auseinandersetzung aneignet, zwischen Religion und Tradition zu unterscheiden, hinterfragt das Unwissen der Eltern kritisch und trifft eigenständige, selbstbestimmte Entscheidungen.
- Quote paper
- Birthe Zenker (Author), 2017, Rekonstruktive Soziale Arbeit. Ethnografische Biografieforschung und narrative Interviewstrategien. Was bedeutet Religion für junge muslimische Erwachsene?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374190