Laudine in Hartmann von Aues "Iwein"

Eine Figur im Spannungsfeld zwischen liebender Ehefrau und herrschender Fee


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale einer vrouwe und einer Fee

3. Laudines Burg und die Quelle

4. Laudines Trauer

5. Ringübergabe – Laudines Eheabsicht

6. Die Ringrückforderung

7. Die Wiedergewinnung und der Kniefall Laudines

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hartmann von Aue schafft mit der Königin Laudine in seinem Roman Iwein einen facettenreichen Charakter, der sich im Spannungsfeld zwischen liebender Ehefrau und herrschender Fee bewegt. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass Laudine eine vielschichtige Figur darstellt, die einerseits „selbstsicher, berechnend und kalt gegenüber Iwein [auftritt], als er ihren Vorstellungen eines Partners nicht entspricht“[1], andererseits jedoch auch Charakterzüge einer liebenden Ehefrau offenbart.[2] Diese beiden Rollen werden im Folgenden näher analysiert. Während der Betrachtung einzelner Szenen des Artusromans fällt der Fokus auf die jeweilig vorherrschenden Persönlichkeitsmerkmale Laudines. Als Anschauungsobjekt dient lediglich der Roman Hartmanns von Aue, nicht aber die französische Vorlage Chrétiens de Troyes.

Zu Beginn werden die Begriffe „liebende Ehefrau“ und „herrschende Fee“ in Bezug auf die Literatur des Mittelalters operationalisiert, damit eine Zuordnung der Charaktermerkmale gelingt. Das dritte Kapitel dient der Betrachtung der Burg Laudines und ihrer Quelle. Im Anschluss daran fällt der Fokus auf Laudines Trauer in Folge Askalons Tod und den daraus abzuleitenden Annahmen bezüglich der Rolle, die Laudine in diesem Abschnitt des Romans einnimmt. Darauf folgend wird Laudines Eheabsicht hinterfragt, woran sich im sechsten Kapitel die Analyse der Beweggründe für die Ringrückforderung anschließen. Final erfolgt eine Interpretation der Wiedergewinnungs- und der Kniefallszene am Schluss des Iweins.

2. Merkmale einer vrouwe und einer Fee

In den Erzählungen des Hochmittelalters werden der idealtypischen höfischen Ehefrau Eigenschaften wie Schönheit, „Sittsamkeit und züchtiges Verhalten, Treue und Fügsamkeit gegenüber Eltern oder Ehemann“[3] zugeschrieben. Darüber hinaus ist das öffentliche Trauern um den verstorbenen Mann ein typisches Merkmal einer Dame vom Hofe. Diese Klage kann sich bis zur Selbstverletzung ausdehnen.[4] Es ist darauf hinzuweisen, dass die Darstellung der Frau in der Literatur des Mittelalters einen Gegensatz zu dem tatsächlich vorherrschenden Frauenbild erzeugt. „Insbesondere im hohen Minnesang wurde die vrouwe ja geradezu verherrlicht und dem männlichen dichterischen Ich übergeordnet."[5] Dies entspricht nicht der damaligen Wirklichkeit, in der Frauen den Männern untergeordnet waren und sogar als geistig sowie moralisch schwach galten.[6]

Feen hingegen weisen einige andere Attribute auf. „Ihren Ursprung hat die Fee in der alten irischen Literatur, wo sie aus Vorstellungen entstanden ist, die der keltischen Mythologie angehören.“[7] Die Erzählungen gelangten nach Frankreich, von wo aus sie in die Artusepik übernommen wurden.[8] Eine genaue Charakteristik einer Fee zu schildern, erweist sich als problematisch, da die Feenwesen je nach Autor und Epoche unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.[9] Gemeinsam ist ihnen die Rolle der „schicksalsbestimmenden Herrscherin“[10] und die Fähigkeit zu zaubern sowie zu heilen.[11] „Die Konstituenten der Lebensform ‘Herrscherin’ lassen sich […] zusammenstellen. Vorbedingung ist Schönheit, tugent und geburt, mit diesen Eigenschaften ist die ‘Persönlichkeit’ umschrieben.“[12] Außerdem bildet die Fee „mit ihrem Reich einen Gegenpol zur Artuswelt und tritt zu dieser in Konkurrenz.“[13] Weitere Eigenschaften sind eine „starke erotische Ausstrahlung […], ihr großer Reichtum sowie die gänzliche Entrücktheit ihres Feenlandes aus der Menschenwelt.“[14] Auch Gewässer sind typisch für die Feenwelt.[15] „Die enge Beziehung der Fee mit dem Wasser drückt schon die Bezeichnung im Mittelhochdeutschen als ‘merminne’ oder ‘merfeine’ aus.“[16] Teilweise sind Feen unsichtbar und sind in der Lage, nur auserwählte Personen in ihr Reich treten zu lassen.[17] Bungartz schildert folgendes Verlockungsmotiv der Fee: „Eine Dame, die Beherrscherin eines wunderschönen Landes, zieht einen Helden an sich, entweder zur Minne oder damit er ihr Hilfe leiste gegen ihre Feinde oder auch aus beiden Gründen.“[18] Auch greift er das „Motiv der ‘bedrängten Dame’ (besieged lady)“[19] auf, welches sich durch folgende Punkte kennzeichnet:

1. Die Absicht, über den Helden durch Liebe zu verfügen.
2. Die Darstellung der verzweifelten Lage der Dame.
3. Der Held zieht aus und besiegt die Feinde der Dame.
4. Als Lohn für seine Tat empfängt der Held die Liebe der Dame.
5. Der Held verläßt [sic!] nach kurzem Zusammensein die Geliebte.[20]

Hartmann von Aue weist in seinem Roman Erek einer Fee dämonische Eigenschaften zu. Dies wird vor allem in der Darstellung der Fee Morgan deutlich. „Morgan sei eine Teufelin, die ein Leben wider Gott führe (V 5189), die Verwandte in der Hölle habe (V 5202), und deren Geliebter sogar der Teufel sei (V 5104).“[21]

3. Laudines Burg und die Quelle

Die Burg Laudines hält Elemente der Anderswelt bereit. Verwinkelte Räume, verborgene Türen und plötzlich auftauchende Wege führen zu der Annahme, dass es sich um keine der normalen Welt angehörende Burg handelt:

dô suochter wider unde vür

und envant venster noch tür

dâ er ûz möhte.

nu gedâhter waz im töhte.

dô er mit selhen sorgen ranc,

dô wart bî im niht über lanc

ein türlîn ûf getân:[22] (v. 1145-1151)

Zentrales Element der Anderswelt ist die Quelle und der Stein, der sobald er begossen wird, ein Unwetter hervor beschwört:

Vil schiere sach her Îwein

den boum, den brunnen, den stein,

und gehôrte ouch den vogelsanc.

dô wazsîn twelen unlanc

unz daz er ûf den stein gôz.

dô kam ein siusen unde ein dôz

und ein selch weter dar nâch (v. 989-995)

„Laudine hat als ehemalige Quellenfee […] ein eigenes, mystisches Feenreich, das isoliert, also auch außerhalb der Gesellschaftsnormen der höfischen Artuswelt steht.“[23]

[...]


[1] Braunagel, Robert: Die Frau in der höfischen Epik des Hochmittelalters. Entwicklungen in der literarischen Darstellung und Ausarbeitung weiblicher Handlungsträger. Ingolstadt 2001, S. 29.

[2] vgl. ebd.

[3] Sieburg, Heinz: Literatur des Mittelalters. Berlin 2010, S. 184.

[4] vgl. ebd.

[5] ebd., S. 183.

[6] vgl. ebd.

[7] Bungartz, Peter: Quelle und Funktion der Feendarstellung in der mittelhochdeutschen Epik. Dissertation. München 1981, S. 4.

[8] vgl. ebd.

[9] vgl. Grebing, Katrin: Magisch, menschlich, machtvoll – Die Figur der Fee und die Darstellung ihres Reiches im Wandel der Zeit. Bielefeld 2007.

[10] ebd., S. 8.

[11] vgl. Bungartz.

[12] Mertens, Volker: Laudine. Soziale Problematik im Iwein Hartmanns von Aue. Hrsg. von Hugo Moser und Benno von der Wiese. Berlin 1978, S. 31.

[13] ebd., S. 10.

[14] ebd., S. 11.

[15] vgl. Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählungen. Raum und Zeit im höfischen Roman. Berlin 2007.

[16] Bungartz, S. 125.

[17] vgl. Grebing.

[18] Bungartz, S. 74.

[19] ebd., S. 75.

[20] ebd., S. 75f.

[21] ebd., S. 86.

[22] von Aue, Hartmann: Iwein. 4., überarbeitete Auflage. Text der siebenten Ausgabe von G. F. Benecke, K. Lachmann und L. Wolff. Übersetzung und Nachwort von Thomas Cramer. Berlin/New York 2001 (im Folgenden werden nur noch die Verse angeben)

[23] Braunagel, S. 33.

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Details

Titel
Laudine in Hartmann von Aues "Iwein"
Untertitel
Eine Figur im Spannungsfeld zwischen liebender Ehefrau und herrschender Fee
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V374277
ISBN (eBook)
9783668516328
ISBN (Buch)
9783668516335
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Laudine, frouwe, Fee, Hartmann von Aue, Iwein
Arbeit zitieren
Sarah Sander (Autor), 2015, Laudine in Hartmann von Aues "Iwein", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374277

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