Dieser wissenscahftliche Essay behandelt die Metaphorik von "Müll" in Bezug auf soziale Randgruppen zur Zeit der Indurstralisierung.
Inhaltsverzeichnis
Entdeckung der Unterschicht
Methoden der Entdeckung
Soziale Konstruktion der Unterschicht
Moralische Bewertung von Armut und Arbeit
Überwachung und Homogenisierung
Besondere Bedeutung von literarische Quellen und Schmutz
Perspektive der Entdeckung
Müll als Struktur- und Ordnungsbegriff
Perspektivierung des Müllbegriffs
Metapher der sozialen Exklusion und die Metaphorik des Mülls bei Niklas Luhmann
Ausgrenzung statt Integration - das Lumpenproletariat bei Marx
Symbolische Bedeutung von Schmutz
Hygiene
Geruch und Affekte
Othering als Darstellungsmuster und Abgerenzungsritual
Ambivalenz des Schmutzes bei Alexandre Parent-Duchâtelet
Coda
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Kontinuität der diskursiven Konstruktion einer "Unterschicht" und analysiert, wie metaphorische Konzepte wie Müll, Schmutz und Exkremente genutzt werden, um soziale Ausgrenzung und Marginalisierung zu rechtfertigen und zu verfestigen.
- Historische Entwicklung der Unterschicht-Diskurse seit der frühen Industrialisierung.
- Die Funktion von Müll- und Schmutzmetaphern als Stigmatisierungsinstrumente.
- Wechselverhältnis zwischen hygienischen Diskursen und sozialer Exklusion.
- Die Rolle der Literatur und Sozialwissenschaften bei der Reproduktion von Stereotypen.
- Systemtheoretische und soziologische Perspektiven auf soziale Exklusion und das "Andere".
Auszug aus dem Buch
Besondere Bedeutung von literarische Quellen und Schmutz
Nicht nur die sich entwickelnden Sozial- und Medizinwissenschaften setzen sich ab jener Zeit mit den Slums und ihrer Bewohnern auseinander, auch Literaten entdecken sie als darstellungswürdiges Thema. Dabei fällt die Entdeckung der Unterschicht aber keineswegs mit dem Zeitpunkt ihrer Entstehung zusammen, auch wenn es in den Städten des frühen 19. Jahrhunderts aufgrund der Stadt-Land-Flucht, die die einsetzende Industrialisierung flankierte, zu einer massiven Zunahme von Armut in den Städten kam, die sich in den entstehenden Slums manifestierte.
Nicht überwiegend Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit vor dem Hintergrund der sozialen Frage scheinen für den aufkommenden bürgerlichen Diskurs über städtische Armut maßgeblich zu sein, vielmehr spiegeln sich in den problemorientierten Darstellungen die hygienischen, psychischen, sozial- und sicherheitspolitischen Krisen jener Epoche wider. Vor allem aber der krisenhafte Moment einer sich im Umbruch befindlichen Gesellschaft. Nahezu jeder Bereich des gesellschaftlichen Lebens und seiner Ordnung, der Lebensraum Stadt auch die Unterschicht aber vor allem das bürgerliche Subjekt selbst musste neu beschrieben, erfunden und versinnhaftet, also diskursiv hergestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Entdeckung der Unterschicht: Analysiert die "Erfindung" der Unterschicht als diskursive Formation, die als Disziplinierungsinstrument dient.
Methoden der Entdeckung: Untersucht, wie Surveys und statistische Erfassungen dazu dienten, Slumbewohner als "andere" und "gefährliche" Klasse zu kategorisieren.
Soziale Konstruktion der Unterschicht: Beleuchtet den Wandel zur Klassengesellschaft und die damit einhergehende stigmatisierende Abgrenzung.
Moralische Bewertung von Armut und Arbeit: Diskutiert die Kulturalisierung von Armut durch das Leistungsprinzip und christliche Vorstellungen.
Überwachung und Homogenisierung: Beschreibt die Versuche, marginale Gruppen durch Metaphorik und medizinische Bilder in eine Sammelkategorie zu zwingen.
Besondere Bedeutung von literarische Quellen und Schmutz: Zeigt die Verflechtung von Literatur und Wissenschaft bei der Erfindung des Elendsbildes.
Perspektive der Entdeckung: Analysiert den distanzierten "Blick von außen" und die Rolle des Realismus bei der Slumdarstellung.
Müll als Struktur- und Ordnungsbegriff: Erläutert die Theorie des Abfalls als Mittel zur Grenzziehung zwischen sozialen Schichten.
Perspektivierung des Müllbegriffs: Betrachtet die historische Entstehung des modernen, industriell geprägten Müllbegriffs.
Metapher der sozialen Exklusion und die Metaphorik des Mülls bei Niklas Luhmann: Untersucht, wie Luhmann die Müllmetaphorik nutzt, um die systemtheoretisch schwer fassbare totale Exklusion greifbar zu machen.
Ausgrenzung statt Integration - das Lumpenproletariat bei Marx: Analysiert Marx' Verwendung von Müllmetaphern zur Konstruktion des Lumpenproletariats.
Symbolische Bedeutung von Schmutz: Untersucht Schmutz als kulturelles System zur Grenzmarkierung zwischen gesellschaftlichen Gruppen.
Hygiene: Beschreibt Hygiene als symbolisches System, das politische und medizinische Perspektiven zur Exklusion vereint.
Geruch und Affekte: Analysiert olfaktorische Wahrnehmungen als Mittel zur Verstärkung von Ekel und sozialer Distanz.
Othering als Darstellungsmuster und Abgerenzungsritual: Dekonstruiert das Verfahren des Otherings, um homogene Fremdbilder zur Identitätsstärkung des Bürgertums zu erzeugen.
Ambivalenz des Schmutzes bei Alexandre Parent-Duchâtelet: Betrachtet die obsessive Beschäftigung eines französischen Hygienikers mit Abwasserkanälen und Prostitution.
Coda: Fasst die Kontinuität der untersuchten Darstellungsmuster bis in die heutige Zeit zusammen.
Schlüsselwörter
Unterschicht, Müllmetaphorik, Soziale Exklusion, Othering, Stigmatisierung, Klassengesellschaft, hygienischer Diskurs, Marginalisierung, Lumpenproletariat, Armut, Schmutz, soziale Konstruktion, Kontinuität, Diskursanalyse, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische und diskursive Konstruktion der "Unterschicht" und wie diese durch Müll- und Schmutzmetaphern als gefährlich, abweichend und exkludiert markiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Soziologie der sozialen Ausgrenzung, die Geschichte der hygienischen Diskurse, die Metaphorik des Abfalls und die Identitätskonstruktion des Bürgertums durch Abgrenzung vom sogenannten "Anderen".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Kontinuität der sprachlichen und bildlichen Darstellungsmuster marginalisierter Gruppen von der frühen Industrialisierung bis heute nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Perspektive, stützt sich auf soziologische Theorien (u.a. Bourdieu, Luhmann, Elias) und untersucht historische literarische sowie wissenschaftliche Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte wie die "Theorie des Abfalls", das Othering, die Rolle von Geruch und Affekten sowie die hygienische Instrumentalisierung der Unterschicht detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Begriffen wie Unterschicht und Exklusion sind es vor allem die Konzepte von Müll, Schmutz, Stigmatisierung und die kritische Auseinandersetzung mit Identitätskonstruktionen.
Welche Rolle spielt die Cholera in der Argumentation?
Die Cholera diente im 19. Jahrhundert als Auslöser für eine verstärkte Beobachtung und statistische Erfassung der Slums, wobei die Krankheit als "vulgär" und als Bestätigung für die moralische Verkommenheit der Unterschicht gedeutet wurde.
Wie erklärt die Arbeit das Interesse an der Unterschicht?
Die Arbeit erklärt dieses Interesse als eine Ambivalenz zwischen Abscheu vor dem Schmutz und einer Faszination für das "Fremde" oder "Echte", die dem Bürgertum half, die eigene Identität über eine moralische Antithese zu definieren.
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- Ben Breuer (Author), 2017, Entdeckung der Unterschicht und die Metaphorik des Mülls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374326