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Der Religionsunterricht an der Volksschule als Ort der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung

Title: Der Religionsunterricht an der Volksschule als Ort der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung

Bachelor Thesis , 2014 , 90 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Martina Wendl (Author)

Didactics - Theology, Religion Pedagogy
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Summary Excerpt Details

Kaum ein anderes theologisches Thema erfreut sich derart großer allgemeiner Aufmerksamkeit wie jenes der "Schöpfung". In Anbetracht der globalen ökologischen Krise, der menschlichen Ausbeutung natürlicher Lebensgrundlagen und Ressourchen zu Lasten nachfolgender Generationen, findet diese biblische Thematik immer öfter Eingang in gegenwärtige rechtliche und politische Diskussionen. Was es nun bedeutet, von der Welt der Schöfpfung Gottes zu reden, ist Gegenstand vorliegender Bachelorarbeit. Neben der Berufung auf die biblische Rede von der Schöfpung werden ethische Grundlagen für ein umweltverantwortliches Handeln erörtert. Es werden die unterschiedlichen konfessionellen Zugänge zur Schöpfungsthematik dargestellt als auch das ökumenische Verständnis von Schöpfung beleuchtet. Hierbei ist ein Konsens über den Umgang mit den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit erkennbar.

Das Anliegen der Bewahrung der Schöpfung innerhalb des Konziliaren Prozesses findet in den Lehrplänen für den evangelischen, orthodoxen und katholischen Religionsunterricht ihren Widerhall und formuliert damit eine ständige Aufgabe des christlich-religiösen Lernens. Dem Rechnung tragend wird aufgezeigt, wie der Religionsunterricht an einer vierten Klasse Volksschule zum Ort der Bewusstseinsbildung hinschtlich der Umweltverantwortung wird. Basierend auf einer schöpfungsorientierten Didaktik wird der religionspädagogische Prozess vom Schöpfungsglauben hin zum Umwelthandeln dargestellt, bei dem ganzheitlich kognitive, emotionale und handlungsorientierte Elemente miteinander verknüpft werden. Zuvor wird auf die psychische und pädagogische Bewältigung der Umweltängste der jungen Menschen eingegangen und auf deren Umweltbewusstsein. Ebenso werden religionspädagogische und -psychologische Vorüberlegungen zu den Glaubensvorstellungen der Kinder und deren Schöpfungsverständnis berücksichtigt. Ein Unterrichtsentwurf wird anhand der erarbeiteten Grundlagen erstellt, durchgeführt und reflektiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Umweltkrise

2.1 Die Gefährdung der Natur als Grund heutiger Schöpfungstheologie

2.2 Die Umweltkrise als Überlebenskrise

2.3 Die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten

2.4 Die Berufung auf die biblische Rede von der Schöpfung als Reaktion auf die Umweltkrise

2.5 Die Reaktion auf die Umweltkrise in ausgewählten ökumenischen Stellungnahmen

3 Verantwortliches Handeln: Theologische und ethische Grundlagen

3.1 Ist der Herrschaftsauftrag (dominum terrae) eine Legitimation für die Zerstörung der Natur?

3.2 Die Frage der Mitschuld des Christentums

3.3 Vier Ansätze umweltethischer Begründungsmodelle

3.3.1 Der anthropozentrische Ansatz

3.3.2 Der pathozentrische Ansatz

3.3.3 Der biozentrische Ansatz

3.3.4 Der physiozentrische (auch ökozentrische oder holistische) Ansatz

3.3.5 Die Vorteile und Nachteile der vorgenannten Ansätze

3.3.6 Die Mischformen

3.4 Ethische Orientierungen umweltgerechten Handelns

3.5 Die Verantwortung als Konzept der ökologischen Ethik

3.5.1 Der Begriff Verantwortung

3.5.2 Die grundlegenden Kriterien ethischer Verantwortung und Entscheidungsfindung

3.5.3 Die Verantwortungsethik als Abgrenzung zwischen konkurrierenden Gütern

4 Die nachhaltige Entwicklung als ethisch-politischer Leitbegriff

4.1 Die nachhaltige Entwicklung als Notwendigkeit für einen globalen Schutz der Umwelt

4.2 Die Retinität als ethisches Leitprinzip nachhaltiger Entwicklung

4.3 Die Kriterien einer christlichen Ethik der Nachhaltigkeit

4.4 Schlussfolgerungen

5 Konfessionelle Zugänge in der evangelischen und orthodoxen Theologie zur Schöpfungsthematik

5.1 Die Schöpfung in der evangelischen Theologie

5.1.1 Die Schöpfung bei Martin Luther

5.1.2 Die Schöpfung als Schauplatz der Herrlichkeit Gottes – Johannes Calvin

5.1.3 Die neulutherische Lehre von den Schöpfungsordnungen

5.2 Die Schöpfung in der orthodoxen Theologie

6 Die ökumenische Schöpfungstheologie

6.1 Der Sinn ökumenischer Schöpfungstheologie

6.2 Die sieben Dimensionen eines ökumenischen Verständnisses von Schöpfung

6.2.1 Die Schöpfung als Beziehungsgeschehen

6.2.2 Die Schönheit der Natur – Schöpfung und Bejahung des Natürlichen

6.2.3 Das Mitleiden mit der Natur - Schöpfung und Kreuz

6.2.4 Die Zukunft der Natur – Schöpfung aus dem Nichts

6.2.5 Die Würde der Natur – Schöpfung und Selbstbegrenzung

6.2.6 Ehrfurcht vor dem Leben – Schöpfung und menschliche Tugend

6.2.7 Engagement für die Natur in der Zivilgesellschaft – Schöpfung und politische Kultur

7 Zusammenfassung

8 Der Beitrag des Religionsunterrichts an der Volksschule zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung

8.1 Die Bewahrung der Schöpfung als ökumenische Dimension des Religionsunterrichts

8.1.1 Die ökumenische Dimension in Dokumenten

8.1.2 Die ökumenische Dimension in den Lehrplänen für Volksschulen

8.2 Die Grundlagen für einen Unterrichtsentwurf zum Thema „Die Schöpfung bewahren“

8.2.1 Vorüberlegungen in Bezug auf Volksschulkinder im Kontext der Umweltkrise

8.2.2 Religionspädagogische und religionspsychologische Vorbemerkungen

8.2.3 Die Aspekte einer schöpfungsorientierten Didaktik

8.2.4 Der Unterrichtsentwurf

8.2.5 Das Resumee

9 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie der Religionsunterricht an der Volksschule zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung beitragen kann. Dabei wird der religiöse Schöpfungsglaube mit ökologischen Herausforderungen verknüpft, um Kinder zu einem verantwortungsbewussten Umwelthandeln zu motivieren und zu befähigen.

  • Biblische und theologische Grundlagen des Schöpfungsglaubens
  • Umweltethische Begründungsmodelle und Konzepte
  • Die Rolle der ökumenischen Schöpfungstheologie
  • Religionspädagogische Ansätze zur Vermittlung von Umweltschutz
  • Entwicklung eines schöpfungsorientierten Unterrichtsentwurfs

Auszug aus dem Buch

Die Frage der Mitschuld des Christentums

Das Christentum sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, schuld an der ökologischen Krise zu sein.

So habe beispielsweise für FRASER-DARLING die Botschaft von der Gottebenbildlichkeit des Menschen einen „Prozess der Entfremdung von den anderen Lebewesen“ eingeleitet, die man in überheblicher Weise „von der Gemeinschaft mit Gott und sich selbst ausgeschlossen“ habe, wozu zudem die „bequeme Überzeugung“ gekommen sei, „dass Gott den Rest der Lebewesen zum Gebrauch und Ergötzen des Menschen“ erschaffen habe. Dadurch sei das außermenschliche Leben vorerst auf den „Status nützlichen Materials“ zurückgestuft worden. Bei der Interpretation der Natur hätten uns „die orthodoxen Religionen jüdisch-christlicher Provenienz … arg im Stich gelassen“. Der Polytheismus hingegen sei „Ausdruck des Gefühls“, zu einem „Ganzen“ zu gehören.

Auch der amerikanische Historiker Lynn WHITE jr. war der Auffassung, dass der Herrschaftsauftrag den Menschen dazu legitimiere, die Natur auszubeuten. In seinem 1967 verfassten Aufsatz „Die historischen Wurzeln unserer ökologischen Krise“ stellt er fest: „Unsere derzeitige Naturwissenschaft und unsere derzeitige Technik sind so sehr von einer orthodoxen christlichen Arroganz gegenüber der Natur durchsetzt, dass von ihnen allein keine Lösung unserer ökologischen Krise erwartet werden kann.“

Für Carl AMERY seien die Aussagen von der Gottebenbildlichkeit des Menschen und der Herrschaftsauftrag ebenfalls schuld an der Zerstörung der Natur. AMERY führt in seinem Buch „Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums“ aus, „dass der gegenwärtige Weltzustand durch einen weltweiten Konsens herbeigeführt worden ist. Dieser Konsens entstand durch die restlose Übernahme und Verinnerlichung einiger Leitvorstellungen der judäisch-christlichen Tradition.“ Der zentrale Aussagegehalt der jüdisch-christlichen Botschaft „war die Auserwähltheit des Menschen vor aller Schöpfung, war der totale Herrschaftsauftrag, war die Zusicherung einer Heilsgeschichte, welche dereinst alles kreatürliche Leid überwinden wird, und die Zusicherung eines Gleichgewichts der planetarischen Biosphäre zugunsten des Menschen.“ Erst das Christentum ermöglichte es, dass diese Botschaft ihre Wirkung entfalten konnte: „Solange diese Botschaft in das Gesetz eines kleines Volkes am Ostrand des Mittelmeeres eingebunden blieb, konnte sie ihre Wirksamkeit nicht entfalten; es bedurfte der Internationalisierung der hebräischen Strukturen – es bedurfte des Menschensohnes von Nazareth.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Themas „Schöpfung“ angesichts der ökologischen Krise ein und skizziert das Anliegen der Arbeit, den Religionsunterricht als Ort der Bewusstseinsbildung zu etablieren.

2 Die Umweltkrise: Dieses Kapitel beschreibt das Ausmaß der globalen ökologischen Krise, die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen und die Problematik der Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln.

3 Verantwortliches Handeln: Theologische und ethische Grundlagen: Hier werden biblische Interpretationen des Herrschaftsauftrags sowie verschiedene umweltethische Begründungsmodelle (anthropozentrisch, pathozentrisch, biozentrisch, physiozentrisch) diskutiert.

4 Die nachhaltige Entwicklung als ethisch-politischer Leitbegriff: Das Kapitel befasst sich mit Nachhaltigkeit als Leitbild und dem Prinzip der Retinität als ethischem Orientierungsrahmen für eine christliche Ethik der Nachhaltigkeit.

5 Konfessionelle Zugänge in der evangelischen und orthodoxen Theologie zur Schöpfungsthematik: Hier werden unterschiedliche theologische Ansätze (Luther, Calvin, neulutherische Schöpfungsordnungen, Barth, orthodoxe Tradition) bezüglich ihrer Schöpfungstheologie analysiert.

6 Die ökumenische Schöpfungstheologie: Dieses Kapitel entfaltet die ökumenische Perspektive auf die Schöpfung und beschreibt sieben Dimensionen, die ein ökumenisches Verständnis prägen.

7 Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung der zentralen Argumente und Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel.

8 Der Beitrag des Religionsunterrichts an der Volksschule zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung: Dies ist der praktische Teil, der die theoretischen Grundlagen in einen konkreten Unterrichtsentwurf übersetzt und religionspädagogische sowie -psychologische Aspekte beleuchtet.

Schlüsselwörter

Religionsunterricht, Schöpfung, Umweltkrise, Umweltverantwortung, Schöpfungstheologie, Umweltethik, Nachhaltige Entwicklung, Schöpfungsbewahrung, Ökumenische Theologie, Religionspädagogik, Anthropozentrik, Biozentrik, Verantwortungsethik, Didaktik, Kindliche Weltsicht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit untersucht, wie der Religionsunterricht an Volksschulen dazu genutzt werden kann, bei Kindern ein Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber der Schöpfung und eine umweltgerechte Haltung zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit verknüpft biblisch-theologische Grundlagen und umweltethische Begründungsmodelle mit ökumenischen Konzepten sowie religionsdidaktischen Leitlinien für die Praxis.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Weg vom Schöpfungsglauben hin zu einem verantwortungsbewussten Umwelthandeln im Religionsunterricht aufzuzeigen und einen konkreten Unterrichtsentwurf für die vierte Schulstufe zu erstellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung theologischer, ethischer und religionspädagogischer Fachliteratur sowie auf die Analyse von Lehrplänen und die Erstellung und Reflexion eines Unterrichtsentwurfs.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Umweltkrise, die Erörterung theologischer und ethischer Grundlagen, die Darstellung konfessioneller Zugänge zur Schöpfungsthematik sowie eine ausführliche schöpfungsorientierte Didaktik und deren praktische Anwendung im Unterricht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Schöpfungsglauben, Umweltverantwortung, ökologische Krise, Religionspädagogik, Nachhaltigkeit, Schöpfungstheologie und umweltgerechtes Handeln.

Wie gehen Kinder laut der Arbeit mit der Umweltkrise um?

Die Arbeit stellt fest, dass Kinder Umweltprobleme sehr sensibel und intensiv wahrnehmen und oft Ängste entwickeln, weshalb sie pädagogische Unterstützung benötigen, um konstruktive Handlungsstrategien zu erlernen.

Warum ist der Begriff „Schöpfung“ für den modernen Unterricht wichtig?

Der Begriff „Schöpfung“ hat einen handlungsleitenden Charakter, da er die Welt als Raum des geschenkten Lebens begreift und somit eine tiefere ethische Verpflichtung zum Schutz der Natur begründet als ein rein säkularer Naturbegriff.

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Details

Title
Der Religionsunterricht an der Volksschule als Ort der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung
College
KPH Vienna  (Institut für Ausbildung Religion Wien)
Grade
Sehr gut
Author
Martina Wendl (Author)
Publication Year
2014
Pages
90
Catalog Number
V374328
ISBN (eBook)
9783668518230
ISBN (Book)
9783668518247
Language
German
Tags
schöpfungsorientierte Didaktik religionspädagogischer Prozess vom Schöpfungsglauben zum Umwelthandeln anhand eines Unterrichtsentwurfs Darstellung der unterschiedlichen konfessionellen Zugänge zur Schöpfungsthematik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martina Wendl (Author), 2014, Der Religionsunterricht an der Volksschule als Ort der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Umweltverantwortung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374328
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