Crowdlending im Mittelstand. Eine Gefahr für die Hausbank?


Seminararbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich von Crowdlending und klassischer Bankfinanzierung im Mittelstand
2.1 Begriffsklärung und Darstellung von Crowdlending
2.2 Prozess bzw. Ablauf des Crowdlendings
2.3 Abgrenzung „Mittelstand“
2.4 Vergleich
2.4.1 Ausgestaltungsmöglichkeiten des Kreditvertrags
2.4.2 Konditionen und Gebühren
2.4.3 Zugänglichkeit zu Krediten
2.4.4 Bürokratischer und zeitlicher Aufwand
2.4.5 Weitere Vorteile von Bankfinanzierung bzw. Crowdlending
2.4.5.1 Zusätzliche Vorteile der Bankfinanzierung
2.4.5.2 Zusätzliche Vorteile von Crowdlending
2.5 Zwischenfazit - Crowdlending vs. Hausbank
2.6 Mögliche Veränderungen der Marktgegebenheiten

3. Fazit - Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Marktvolumen alternativer Online-Finanzdienste in Deutschland von 2012 bis 2014 (in Millionen Euro)

Abbildung 2: Marktvolumen alternativer Online-Finanzdienste in Europa von 2012 bis 2014 (in Millionen Euro)

Abbildung 3: Gesamtvolumen des durch Crowdfunding eingesammelten Kapitals in Deutschland vom 1. Quartal 2011 bis zum 1. Quartal 2015 (in Millionen Euro)

Abbildung 4: Die vier Ausprägungsformen des Crowdfundings

1. Einleitung

„Wozu brauchen wir noch Banken?“1, diese und zahlreiche ähnliche bankkritische Schlagzeilen betiteln derzeit des Öfteren die Artikel deutscher Wirtschaftsliteratur. Auch Ralf Beck, Professor an der Fachhochschule in Dortmund, beschäftigt sich in seinem Buch „Wer braucht noch Banken?“2 mit der oben gestellten Frage und beantwortet diese sinnbildlich mit einer „Roten Karte“ für diese. Er beschreibt, dass die bisherigen Bankkunden durch Fintech- Akteure unabhängig vom klassischen Bankwesen werden können. Dass diese Entwicklung einen tatsächlich ernst zu nehmenden Sachverhalt darstellt, verdeutlichen die beiden nachfolgenden Grafiken, die das signifikant wachsende Marktvolumen alternativer Online-Finanzdienste in Deutschland und Europa von 2012 bis 2014 darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (links): Marktvolumen alternativer Online-Finanzdienste in Deutschland von 2012 bis 2014 (in Millionen Euro)3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 (rechts): Marktvolumen alternativer Online-Finanzdienste in Europa von 2012 bis 2014 (in Millionen Euro)4

Die oben angesprochenen Fintechs sind neue, innovative Teilnehmer auf dem Finanzmarkt, die mit technischen Lösungen, wie beispielsweise mit Online- Plattformen, die Stellung eines Finanzintermediärs einnehmen, ohne dabei selbst ins Risiko zu gehen, dadurch, dass sie sich zumeist auf Schwarm- finanzierung (Crowdfunding) spezialisieren.5 Gerade auch in Deutschland erfreut sich dieses Crowdfunding wachsender Beliebtheit, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, die ein nahezu exponentielles Wachstum des durch Crowdfunding eingesammelten Kapitals in Deutschland beschreibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gesamtvolumen des durch Crowdfunding eingesammelten Kapitals in Deutschland vom 1. Quartal 2011 bis zum 1. Quartal 2015 (in Millionen Euro)6

Vor allem in der Start-up-Szene, in der den neu gegründeten Unternehmen immer häufiger die Kreditvergabe durch Banken wegen strengerer aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen (Stichwort Basel III) verwehrt bleibt, wird auf die hochtechnisierte Konkurrenz zurückgegriffen. Gerhard Dilger und Roland Marko beschreiben die aktuelle Situation zwischen Fintechs und den klassischen Banken sehr treffend mit den Worten: „Gerade im Bereich des darlehenbasierten Crowdfunding, Crowdlending, schließen zunehmend Fintechs diese Finanzierungslücke und setzen sich damit in unmittelbaren Wettbewerb zum klassischen Kreditgeschäft etablierter Banken.“7 Doch stellen Crowdfundingplattformen, speziell Crowdlending, tatsächlich eine ernstzunehmende Bedrohung für Banken hinsichtlich der klassischen Mittelstandsfinanzierung dar oder werden sich ausschließlich sehr risikobehaftete und innovative Existenzgründer über Crowdlending-Alternativen finanzieren, sodass es nur zu geringen Überschneidungen der Zielgruppen kommt? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich die folgende Ausarbeitung, in der wie folgt vorgegangen wird. Zunächst wird in Kapitel 2.1, 2.2 und 2.3 auf die nötigen theoretischen Grundlagen eingegangen, indem eine exakte Begriffsklärung, die Abgrenzung von Crowdlending und eine Beschreibung des Begriffes „Mittelstand“ erfolgen. Anschließend wird im Kapitel 2.4 ein Vergleich der klassischen Bankfinanzierung und des Crowdledings vorgenommen. Im darauffolgenden Kapitel 2.5 sollen zusätzlich aktuelle und künftige Marktentwicklungen beleuchtet werden, die Einflüsse auf die beiden Konkurrenten nehmen, um abschließend im 3. Kapitel mit einem Fazit zu schließen.

2. Vergleich von Crowdlending und klassischer Bankfinanzierung im Mittelstand

In den folgenden Gliederungspunkten sollen inhaltliche Abgrenzungen vorgenommen werden, um eine geeignete Basis für den im anschließenden Kapitel 2.4 folgenden Vergleich zu schaffen.

2.1 Begriffsklärung und Darstellung von Crowdlending

Grundsätzlich beschreibt Crowdlending eines der vier Grundmodelle des Crowdfundings, wie sich aus nachfolgender Grafik entnehmen lässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die vier Ausprägungsformen des Crowdfundings8

Prinzipiell basiert das Konzept des Crowdfundings auf der Idee, von einer großen Menge an Menschen, der so genannten Crowd, finanzielle Mittel für bestimmte Projekte einzusammeln.9 Eine häufig in der Literatur verwendete Definition von Belleflamme et. al. lautet:

„Crowdfunding involves an open call, essentially through the internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for some form of reward and / or voting rights.“10

Wie er beschreibt, unterteilt man Crowdfunding generell anhand der gewährten Gegenleistung. Hier lassen sich, wie oben ersichtlich, vier Grundtypen abgrenzen: das spendenbasierende Crowddonating, das gegenleistungsbasie- rende Crowdsupporting, das Crowdinvesting und das kreditbasierende Crowdlending.

Abschließend soll eine Übersicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen kurzen und gut verständlichen Überblick über die vier Modelle des Crowdfundings vermitteln:

Das spendenbasierte Crowdfunding (Donation-based-Crowdfunding):

Die Geldgeber spenden Geld in einem bestimmten Zeitraum für ein konkretes Projekt, ohne hierfür eine Gegenleistung zu erhalten. (Crowddonnating)

Das gegenleistungsbasierte Crowdfunding (Reward-based-Crowdfunding):

Die Geldgeber erhalten eine symbolische, nicht-monetäre Gegenleistung, wie beispielsweise die Nennung ihres Namens im Abspann eines mitfinanzierten Films oder persönliche Gegenstände des Künstlers, dessen Werk mitfinanziert wurde. (Crowdsupporting)

Das kreditbasierte Crowdfunding (Crowdlending oder Lending-Based-Crowd- funding):

Die Geldgeber erhalten das Versprechen, dass ihnen der Betrag mit oder ohne Zinsen zurückgezahlt wird.

Das Crowdinvesting (Equity-based Crowdfunding):

Der Geldgeber erhält eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen des finanzierten Projekts oder, wenn das Investment mit Wertpapieranlagen verbunden ist, Anteile oder Schuldinstru-mente; er spekuliert also auf eine finanzielle Rendite.11

Im Folgenden soll nun ausschließlich das Modell des Crowdlendings im Mittelpunkt stehen, da bei diesem die größten Parallelen zur klassischen Bankfinanzierung bestehen und nur dieses direkte Konkurrenz zum Kreditgeschäft der Hausbank darstellen könnte.

2.2 Prozess bzw. Ablauf des Crowdlendings

Um die Funktionsweise einer Crowdlending-Plattform verständlich zu machen, soll nun ein beispielhafter Crowdlending-Prozess aufgeführt werden. Hierfür wird ein von Alexandra Moritz und Jörn Block12 aufgestellter idealtypischer Ablauf eines Crowdfundings partiell um die Spezifika eines kreditbasierenden Crowdlendings erweitert.

Im ersten Schritt sendet ein kreditsuchendes Unternehmen eine Bewerbung an die Crowdlending-Plattform. Diese Bewerbung enthält Informationen zum Projekt bzw. zum Unternehmen, zum Finanzierungsvorhaben sowie entsprech- ende Unterlagen bezüglich der Vermögens-/Ertrags- und Finanzlage.13 Im zweiten Schritt wird nun durch die Plattform anhand der eingereichten Unterlagen und Informationen von Auskunfteien ein Rating erstellt, auf dessen Basis die Kreditwürdigkeit geprüft und gegebenenfalls der Zinssatz festgelegt wird.14 Anschließend erhalten registrierte Nutzer im dritten Schritt durch die Plattform Zugriff auf die oben genannten Informationen. Abschließend organisiert die Plattform den Vertragsabschluss zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer, wobei der Kapitalgeber den von ihm bestimmten Betrag über seine Bank oder einen Micropayment-Provider (z.B. PayPal) an den Intermediär zahlt. Die Gelder werden dort in der Regel von einem Treuhänder verwaltet und von diesem an die Kapitalnehmer ausgezahlt.

2.3 Abgrenzung „Mittelstand“

Da es das elementare Ziel dieser Arbeit ist zu untersuchen, ob Crowdlending auch bei der Zielgruppe Mittelstand eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Hausbankfinanzierung darstellt oder ob sich die beiden Alternativen auf zwei unterschiedlichen Märkten bewegen, wird nun eine genaue Erläuterung des Begriffes Mittelstand vorgenommen, um eine einheitliche Vergleichsgrundlage zu schaffen. Weil keine gesetzliche oder allgemein gültige Definition existiert, wird auf eine Charakterisierung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zurückgegriffen:

„Mittelstand ist in erster Linie ein qualitativer Begriff: Unternehmen gehören zum Mittelstand, wenn Eigentum, Haftung und Leitung in einer Hand liegen. Um aber Bedingungen für Fördermöglichkeiten festzulegen, gibt es eine formale Definition für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. Laut der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn zählen in Deutschland alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen Euro und mit weniger als 500 Beschäftigten zum Mittelstand.

Im europäischen Kontext, nach der KMU-Definition der Europäischen Union, gehören alle Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro (oder einer Bilanzsumme von weniger als 43 Millionen Euro) zum Mittelstand.“15

Wichtig ist, dass es sich in dieser Ausarbeitung bei mittelständischen Betrieben nicht um Existenzgründer, sondern um im Markt etablierte Unternehmen handelt.

2.4 Vergleich

Um eine faire Gegenüberstellung gewährleisten zu können, werden nun im ersten Schritt die beiden Finanzierungsalternativen anhand einiger Gesichts- punkte verglichen.

[...]


1 O.V., 2015, S. 40.

2 Beck, 2015, S. 6.

3 Eigene Darstellung nach Wardrop et.al., 2015, S. 29.

4 Eigene Darstellung nach Wardrop et.al., 2015, S. 13.

5 Vgl. Dilger/ Marko, 2016, S. 18.

6 Eigene Darstellung nach Statista, sowie teilweise auf Grundlage von Für-Gründer

7 Dilger/ Marko, 2016, S. 18.

8 Dorfleitner/ Kapitz/ Wimmer, 2015, S. 284.

9 Vgl. Beck, 2012, S. 15.

10 Belleflamme/ Lambert/ Schwienbacher, 2010, S. 5

11 Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 2015.

12 Vgl. Moritz/ Block, 2014, S. 63.

13 Vgl. Sixt, 2014, S. 149.

14 Vgl. Neuthinger, 2014, S. 32.

15 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Crowdlending im Mittelstand. Eine Gefahr für die Hausbank?
Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Veranstaltung
Integrationsseminar zu ausgewählten Bankmanagementthemen
Note
1,6
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V374349
ISBN (eBook)
9783668510647
ISBN (Buch)
9783668510654
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdlending, FinTech, Finanzierung
Arbeit zitieren
Julian Schneidereit (Autor:in), 2016, Crowdlending im Mittelstand. Eine Gefahr für die Hausbank?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374349

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