Integration von Migranten in den Pflegealltag. Wie eine Pflegehelferin mit syrischem Migrationshintergrund in den ambulanten Pflegedienst eingegliedert werden kann


Hausarbeit, 2017
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Einführung
1. Das Unternehmen
2. Die Pflegekraft - F

II. Theorie
1. Fachliche Aspekte
2. Rechtliche Aspekte – Drittstaatsangehörigkeit
3. Ausgangssituation

IV. Ressourcen
1. Was kann F?
2. Was muss F lernen?

V. Maßnahmenplan

VI. Konkrete Maßnahmen (Beispiele)
1. Ruhiger sprechen
2. Gemeinsame Lösungsfindung
3. Nonverbale Kommunikation
4. Zuhören

VII. Ergebnis

VIII. Fazit

I. Vorwort

Die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland werden immer älter und leben deutlich länger als die Bevölkerung vorangegangener Generationen. In der deutschen Bevölkerung vollzieht sich ein zügiger Alterungsprozess. Der Anstieg von Menschen im höheren Alter lässt auch den Pflegebedarf ansteigen. Derzeit sind 2,7 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Gleichzeitig steigt die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund. Daraus resultiert zum einen ein grundsätzlich gesteigerter Bedarf an Pflegekräften, der aktuell nicht entsprechend abgedeckt werden kann und zum anderen ein ansteigender Bedarf an Pflegekräften, die die besondere Herausforderung bezüglich der Arbeit mit Menschen aus anderen Staaten und Kulturkreisen bewältigen. In der Folge besteht im gesamten Pflegesektor ein zum Teil erheblicher Fachkräftemangel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schätzung der Pflegebedürftigkeit nach Altersgruppen 2013 – 2060[1]

Eine Studie aus dem Jahr 2010 prognostiziert für 2025, dass rund 193.000 ausgebildete Pflegekräfte fehlen werden.[2] Eine Studie der Bertelsmann Stiftung besagt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50% steigen und zugleich die Zahl der in der Pflege arbeitenden Menschen abnehmen wird. Demnach werden fast 500.000 Vollzeitpflegekräfte fehlen, sofern keine Gegenmaßnahmen erfolgen und sich dieser Trend fortsetzt.[3]

Pflegebedürftige gemäß SGB XI sind Personen, die aufgrund körperlicher, seelischer und geistiger Behinderung oder Krankheit dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind, um den täglichen Ablauf des Lebens bewältigen zu können. Dabei beurteilt die jeweilige Pflegekasse, ob und in welchem Grad eine Pflegebedürftigkeit besteht. Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums[4] ergaben, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2060 auf 4,7 Millionen steigen wird. Dies entspräche 6% der Gesamtbevölkerung. Der Demografische Wandel tangiert den Pflegesektor nicht nur mit der damit einhergehenden Alterung der Bevölkerung und der steigenden Nachfrage nach adäquater Pflege, sondern auch mit dem sinkenden Arbeitskräftepotenzial insgesamt.

II. Einführung

Die Wichtigkeit der Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund steigt mit ihrem immer größer werdenden Anteil in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Nicht nur der Teil der Migrantinnen und Migranten in Deutschland nimmt stetig zu, sondern auch der Teil an Pflegebedürftigen allgemein.

Ende 2015 waren 2,86 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des SGB XI (SozialversicherungsG). Das sind 234.000 Menschen mehr, als noch 2013. Dieser Anstieg entspricht rund 9% in nur zwei Jahren.[5] [6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Bevölkerung mit Migrationshintergrund in absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, Zensus 2015 [7]

In Deutschland haben rund 17,1 Millionen der insgesamt 81,4 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund. Von diesen 17,1 Millionen Personen waren 9,3 Millionen Deutsche (= 54,6%) und 7,8 Millionen Ausländer (= 45,4 %).[8]

Damit hat mittlerweile jeder fünfte Einwohner eine unmittelbare oder über einen Elternteil Zuwanderungsgeschichte. Unstrittig sind damit Migranten über 60 Jahre die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe.[9] Diese Entwicklung der deutschen Gesellschaft ist auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen spürbar. Die Zahl der Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund wird sich in den nächsten 15 Jahren nahezu verdoppeln.[10] [11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Pflegebedürftige mit und ohne Migrationshintergrund nach Pflegestufen[12]

Für die Pflegeeinrichtungen bedeutet dies, dass sie sich noch zielgerichteter auf die neu aufkommenden Bedürfnisse ihrer Patienten einstellen müssen. So müssen Riten, Werte und Kulturen berücksichtig werden, wie beispielsweise eine ordnungsgemäße Religionsausübung oder die Ernährung im Sinne einer religiösen Überzeugung. Darüber hinaus gibt es spezielle Sachverhalte, bei denen die Herkunft der Patienten besonders zu berücksichtigen ist. So ist bei Demenzkranken eine muttersprachliche Betreuung unabdingbar. Zusammengefasst: Die Verknüpfung der Themen „Pflege“ und „Migration“ ist eine große Herausforderung für die Gesellschafts- und Pflegepolitik in Deutschland. Und dass in zweierlei Hinsicht: Einerseits stellt sich die Frage nach der optimalen Betreuung von Kranken und Pflegebedürftigen Menschen, andererseits die Frage, wie Zuwanderer in den Pflegebereich als Arbeitskräfte integriert werden können.

Es ist durchaus fraglich, ob Krankenhäuser, Pflegestationen und ambulante Pflegedienste auf die vor uns liegenden Herausforderungen und Aufgaben hinreichend vorbereitet sein.

Bereits im Jahr 2001 haben Verbände und Institutionen das „Memorandum für eine kultursensible Altenhilfe“[13] erarbeitet. Trotzdem wurden in den vergangenen Jahren nur unzureichende konkrete Maßnahmen ergriffen, um den Pflegesektor einer interkulturellen Öffnung zuzuführen und einen kultursensiblen Umgang mit Patienten und Pflegebedürftigen sicherzustellen.

Knapp ein Viertel der deutschen Bevölkerung (82,6 Mio. Menschen) ist 65 Jahre alt oder älter.[14] Nach aktuellen Prognosen wird bis zum Jahr 2060 ein Gesamtbevölkerungsrückgang auf 67,6 Millionen Einwohner erwartet. Simultan zu dieser Schrumpfung der Bevölkerung kommt es auch weiterhin zur demografische Alterung der Bevölkerung. Im Jahr 2060 wird voraussichtlich bereits jeder Dritte in Deutschland lebende Mensch mindestens 65 Jahre alt sein.[15]

Dir vorgenannte Kombination hat für den Pflegebereich einige zu bewältigende Konsequenzen. Erstens geht das Arbeitskraftpotential erheblich zurück, da die Zahl der Menschen, die sich im Erwerbsalter befinden, spürbar sinken wird. Zweitens wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen erhöhen. Die Gruppe der über 80-Jährigen wird sich von aktuell 4,4 Millionen auf ca. 9,0 Millionen im Jahr 2060 erhöhen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Zahl der über 80-jährigen Menschen von heute 5% auf 13% angestiegen sein.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. Statistik zur Bevölkerung nach Migrationshintergrund[17]

Laut einer Umfrage der Europäischen Union möchten 90% der in Europa lebenden Menschen nicht in einer stationären Einrichtung betreut werden. Von den 2,3 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden derzeit 69 Prozent zu Hause, vor allem durch Familienangehörige, versorgt. Etwa ein Drittel der Pflegebedürftigen[18] (also über 500.000 Menschen) wird durch professionelle ambulante Pflegedienste versorgt.[19]

Sofern die Zahl der Menschen in höherem und hohem Alter weiter zunimmt und der Lebensstandard in der Bundesrepublik dauerhaft unverändert hoch bleibt, werden diese Zahlen weiter steigen.[20] [21]

[...]


[1] Bevölkerungsentwicklung: Daten, Fakten, Trends zum demografischen Wandel, Herausgeber Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Evelyn Grünheid, Harun Sulak, Wiesbaden 2016

[2] http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-04/pflegekraefte-mangel-zuverlaessliche-zahlen-studien (letzter Aufruf 02.07.2017)

[3] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/pflege-vor-ort/projektthemen/pflegereport-2030/ (letzter Aufruf 02.07.2017)

[4] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegekraefte/pflegefachkraeftemangel.html (letzter Aufruf 05.07.2017)

[5] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Pflege/Pflege.html (letzter Aufruf 05.07.2017)

[7] Bevölkerungsentwicklung: Daten, Fakten, Trends zum demografischen Wandel,

Evelyn Grünheid, Harun Sulak, Wiesbaden 2016

[8] Statistisches Bundesamt: Mikrozensus 2015 – Bevölkerung mit Migrationshintergrund; Online unter folgendem Link: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61646/migrationshintergrund-i (letzter Aufruf am 08.07.2017)

[9] Brosch, Wilfried: Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten in der Bundesrepublik Deutschland, Bielefeld 2003.

[10] „Kultursensible Altenhilfe“, online verfügbar unter: http://www.paritaet.org/via/projekte/kul-alt2.htm (letzter Aufruf am 16.07.2017);

[11] Zeman, Peter: Expertise im Auftrag des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration, Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin 2005, Seite 22.

[12] Kohls, Martin: Pflegebedürftigkeit und Nachfrage nach Pflegeleistungen von Migrantinnen und Migranten im demographischen Wandel, Bundesamt für Migrations und Flüchtlinge, Berlin 2012, Seite 1.

[13] Forum für eine kultursensible Altenhilfe c/o Aktion Courage e.V. in Kooperation mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe„Memorandum für eine kultursensible Altenhilfe“, Köln 2001, online abrufbar unter: http://www.kultursensible-altenhilfe.de/materialien.php (letzter Aufruf am 27.07.2017).

[14] Ältere Menschen in Deutschland und der EU, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016; auch online verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/blob/93214/95d5fc19e3791f90f8d582d61b13a95e/aeltere-menschen-deutschland-eu-data.pdf (letzter Aufruf am 19.07.2017).

[15] Statistisches Bundesamt Bevölkerung Deutschlands bis 2060. 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden 2015, Online unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/BevoelkerungDeutschland2060Presse5124204159004.pdf?__blob=publicationFile (letzter Zugriff: 26.07.2017).

[16] Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 18. November 2009 in Berlin, Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2009.

[17] https://www.demografieportal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Wanderung_Deutschland_Ausland.html (letzter Aufruf 27.07.2017)

[18] Pflegestatistik 2009, S. 12.

[20] Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.): Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern. In: Demografischer Wandel in Deutschland Heft 2/2008, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Integration von Migranten in den Pflegealltag. Wie eine Pflegehelferin mit syrischem Migrationshintergrund in den ambulanten Pflegedienst eingegliedert werden kann
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V374435
ISBN (eBook)
9783668521179
ISBN (Buch)
9783668521186
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migration, integration
Arbeit zitieren
Baser Wasiqi (Autor), 2017, Integration von Migranten in den Pflegealltag. Wie eine Pflegehelferin mit syrischem Migrationshintergrund in den ambulanten Pflegedienst eingegliedert werden kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374435

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Integration von Migranten in den Pflegealltag. Wie eine Pflegehelferin mit syrischem Migrationshintergrund in den ambulanten Pflegedienst eingegliedert werden kann


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden