Schwerpunktziel der UPP-Stunde: Indem die Schülerinnen und Schüler sich anhand eines alltäglichen Schulbeispiels mit der Frage nach (Un-)Gerechtigkeit auseinandersetzen (AFB III), die Inhalte des biblischen Gleichnisses vom Arbeiter im Weinberg unter gezielten Fragestellungen herausarbeiten (AFB II) und dazu eine handlungsorientierte Talkshow gestalten (AFB III), können sie die Aussagen des Gleichnisses in Beziehung setzen mit ihrem eigenen Gottesbild (AFB III). Auf diese Weise können die Schülerinnen und Schüler ihre religiöse Urteilskompetenz erweitern.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Informationen
2. Längerfristiges Unterrichtsvorhaben – Unterrichtskontext
2.1 Lerngruppenanalyse
2.2 Darlegung und Begründung des längerfristigen Unterrichtsvorhabens
2.2.1 Curriculare Verordnungen
2.2.2 Unterrichtskontext
2.3 Synopse des Unterrichtsvorhabens
3. Kompetenzbezogene Zielsetzung
3.1 Schwerpunktziel
3.2 Teilernziele
4. Didaktisch-methodische Entscheidungen
4.1 Didaktische Reduktion: Potenzial und Relevanz des Themas und des Gegenstands
4.2 Methodische Entscheidungen
5. Verlaufsplan
6. Literatur
7. Anhang
7.1 Advance Organiser (M1)
7.2 Einstieg: Gerechtes Verhalten? (M2)
7.3 Arbeitsblatt: Bibeltext Mt 20, 1-16 samt Aufgaben (M3)
7.4 Sicherung: Gleichnisse erzählen von Gott (M4)
7.5 Hausaufgabe: Der Weinbergbesitzer/ Arbeiter erzählt (M5)
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel des Unterrichtsvorhabens ist es, den Schülerinnen und Schülern der 8. Klasse eine vertiefte Auseinandersetzung mit biblischen Gleichnissen, insbesondere dem Gleichnis vom Arbeiter im Weinberg, zu ermöglichen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie durch handlungsorientierte Methoden und eine korrelative Didaktik die Urteilskompetenz der Lernenden in Bezug auf ihr Gottesbild und Fragen der (Un-)Gerechtigkeit weiterentwickelt werden kann.
- Biblische Exegese und Hermeneutik von Gleichnissen Jesu
- Entwicklung von Urteils- und Methodenkompetenz im Religionsunterricht
- Transfer von Glaubensinhalten in lebensweltliche Kontexte
- Kompetenzorientiertes Lehren durch didaktische Reduktion und Elementarisierung
- Religiöse Identitätsfindung im Kontext moderner Jesusbilder
Auszug aus dem Buch
4.1 Didaktische Reduktion: Potenzial und Relevanz des Themas und des Gegenstands
Ein wesentlicher Teil der Verkündigung Jesus ist das nahe Kommen des Reiches Gottes, d.h. des dynamischen Wirkens Gottes in der Welt als auch des räumlichen Herrschaftsbereichs, in dem sich Gottes Wille durchsetzt. Jesus von Nazareth hat dieses Reich Gottes etwa durch Heilungswunder, Lehrreden und erzählerische Gleichnisse vielfältig veranschaulicht. Im Matthäus Evangelium wird das Reich Gottes in einem Gleichnis mit einem Hausherrn verglichen, der am Morgen Arbeiter einstellt, damit sie seinen Weinberg bestellen. Er vereinbart mit ihnen einen Tagelohn von einem Silberstück. Der Besitzer geht nach jeweils drei Stunden weitere drei Mal und zum Schluss nach elf Stunden letztmals auf den Marktplatz, um Arbeiter einzustellen. Am Ende des Arbeitstags nach zwölf Stunden bezahlt er zuerst den zuletzt Eingestellten, die nur eine Stunde gearbeitet haben, ein Silberstück. Auch alle anderen erhalten diesen Lohn. Die Arbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben, beschweren sich darüber beim Hausherrn. Sie fordern mehr Lohn, weil sie mehr gearbeitet haben. Der Hausherr weist die Kritik aber zurück, indem er die verärgerten Arbeiter daran erinnert, dass sie mit ihm doch zuvor über die Bezahlung eines Silberstücks übereingekommen waren und dass er mit seinem Geld umgehen könne, wie es ihm beliebe.
Die thematische Entscheidung für die Auseinandersetzung mit einem Gleichnis ist zunächst einmal curricular begründet: „Die Schülerinnen analysieren in Grundzügen Texte der Bibel, Zeugnisse der Tradition sowie historische und philosophische Fragestellungen (MK)“, heißt es im Kernlehrplan NRW im Fach Katholische Religionslehre der Sek. I. Hinzu kommt, dass durch die Beschäftigung mit einem Gleichnis die vom Lehrplan geforderte „Vermittlung von Grundwissen über die Heilige Schrift sowie den Glauben der Kirche“ als genuine Aufgabe und genuines Ziel religiösen Lernens umgesetzt wird. An dem Gleichnis vom Weinberg lassen sich außerdem mehrere (religions-)didaktische Prinzipien realisieren, etwa das Prinzip der Exemplarität und der Komplexitätsreduktion, das Prinzip der Schülergemäßheit sowie das Prinzip der Verlangsamung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Informationen: Zusammenstellung der administrativen und inhaltlichen Rahmendaten des Unterrichtsvorhabens.
2. Längerfristiges Unterrichtsvorhaben – Unterrichtskontext: Analyse der Lerngruppe und Einbettung in die curricularen Vorgaben des Lehrplans.
3. Kompetenzbezogene Zielsetzung: Festlegung der spezifischen Lernziele im Bereich der Urteils-, Methoden- und Handlungskompetenz.
4. Didaktisch-methodische Entscheidungen: Begründung der Auswahl des biblischen Textes und der angewandten methodischen Vorgehensweise.
5. Verlaufsplan: Detaillierte Übersicht über den zeitlichen und methodischen Ablauf der Unterrichtssequenz.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen und didaktischen Quellen.
7. Anhang: Bereitstellung der für den Unterricht notwendigen Materialien wie Arbeitsblätter und methodische Hilfsmittel.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Gleichnisse, Jesus, Reich Gottes, Urteilskompetenz, Didaktik, Weinbergbesitzer, Bibelarbeit, Handlungsorientierung, Kompetenzorientierung, Exegese, Gottesbild, Gerechtigkeit, Methodik, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Verlaufsplan für den katholischen Religionsunterricht in einer 8. Klasse dar, der sich mit dem Thema "Jesus in Wort und Tat" und insbesondere biblischen Gleichnissen befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Auseinandersetzung mit dem Reich Gottes, die historische und theologische Bedeutung Jesu sowie die ethische Reflexion über Gerechtigkeit anhand des Gleichnisses vom Arbeiter im Weinberg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Förderung der religiösen Urteils-, Methoden- und Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler durch eine kompetenzorientierte und lebensweltbezogene Auseinandersetzung mit biblischen Texten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Konzept basiert auf den Prinzipien der Elementarisierung, der Komplexitätsreduktion und der korrelativen Didaktik, um biblische Inhalte mit den Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zum biblischen Lernen auch die didaktische Reduktion des gewählten Gleichnisses und die methodischen Entscheidungen für die Unterrichtsgestaltung dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Religionsunterricht, Gleichnisse, Kompetenzorientierung, Urteilskompetenz, Reich Gottes und Handlungsorientierung.
Warum wird im Unterricht eine "Talkshow" simuliert?
Die Talkshow dient als handlungsorientierte Methode, um die historische Distanz zu überbrücken und die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, verschiedene Perspektiven (wie die der Arbeiter oder des Weinbergbesitzers) einzunehmen und zu begründen.
Wie trägt das Gleichnis vom Weinberg zur Entwicklung des Gottesbildes bei?
Es ermöglicht den Lernenden, die Spannung zwischen menschlichem Gerechtigkeitsempfinden und der oft als irritierend empfundenen Großzügigkeit Gottes zu reflektieren und eigene Positionen zum Gottesbild zu entwickeln.
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- Dr. Peter Hubertus Erdmann (Autor), 2016, Wenn Jesus Christus zu J.C. wird. Moderne Jesusbilder, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374488