Apokatastasis. Einführung in die Allversöhnung Gottes

Die eschatologische Vorstellung der Apokatastasis panton


Diplomarbeit, 2009

124 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung ... 1
I.1. Problemaufriss ... 1
I.2. Begriffsdefinition ... 3
I.3. Der biblische Ursprung ... 6
II. Origenes ... 12
II.1. Sein Umfeld - Altkirchliche Glaubensbekenntnisse ... 12
II.2. Sein Lehrer Clemens von Alexandria ... 13
II.3. Origenes und das Ziel der Schöpfung ... 14
II.4. Origenes und der Prozess hin zum Ziel ... 15
II.5. Seine exegetischen Methoden ... 18
II.6. Seine Gegner ­ Augustinus ... 21
III. Der exegetische Befund ... 23
III.1. Biblische Stellen contra Allversöhnung am Beispiel von Mt 25, 31- 46 ... 23
III.1.1. Erster Einwand: Nur ein Gleichnis ... 23
III.1.2. Zweiter Einwand: Kein Jesuwort ... 24
III.1.3. Dritter Einwand: Relativität ... 25
III.1.4. Vierter Einwand: Die Übersetzbarkeit von aionos ... 26
III.1.5. Die infernalistische Perspektive auf aion ... 28
III.1.6. Erstes Zwischenfazit ... 30
III.2. Die exegetische Sicht der Allversöhner ... 31
III.2.1. Erster Einwand: Falsche Absolutheit ... 32
III.2.2. Gegenerwiderung ... 34
III.2.3. Zweites Zwischenfazit ... 36
III.2.4. Zweiter Einwand: Unangebrachte Verknüpfungen ... 37
III.3. Exkurs: Das Zweite Testament ... 38
III.4. Zusammenfassung des exegetischen Befundes ... 39

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IV. Pastorale Gründe ... 44
IV.1. Einleitung ... 44
IV.2. Die Anzweifelung der Sinnhaftigkeit einer ewigen Hölle ... 45
IV.3. Der Sinn einer extensiv-durativ ewigen Strafe ... 45
IV.4. Absolute Straftheorien ... 47
IV.4.1. Als Rache ... 47
IV.4.2. Kritik an der Rachetheorie: das Liebesargument ... 48
IV.4.3. Als Freiheitsentscheidung ... 52
IV.4.4a. Kritik an der Freiheitstheorie: die soteriologische Ohnmacht des Menschen 58
IV.4.4b. Problematisierung der soteriologischen Ohnmacht ... 56
IV.4.5. Als Strafe für die Beleidigung Gottes ... 57
IV.4.6. Kritik an der Beleidigungstheorie: das Menschenbild ... 59
IV.4.7. Besondere Verschärfung ... 60
IV.4.8. Fazit des antropologischen Arguments ... 62
IV.5. Relative Straftheorien ... 63
IV.5.1. Besserung der Menschen durch Abschreckung ... 63
IV.5.2. Kritik an der Besserungstheorie ... 66
IV.5.3. Als Steigerung der Seligkeit der Geretteten ... 69
IV.5.4. Kritik an der Theorie der Seligkeitssteigerung ... 71
IV.6. Fazit zu den Straftheorien: Das Gottesbild ... 72
IV.7. Argumente pro Gericht ... 74
IV.8. Probleme der Gerichtsrede ... 77
IV.9. Argumente contra klassisches Gericht: Überwindung des Dualismus ... 80
IV.10. Problem der Unversöhnbarkeit der Menschen? ... 81
V. Die Position des Römisch- Katholischen Lehramtes ... 85
V.1. Einleitung ... 85
V.2. Das Zweite Vatikanum ... 85
V.3. Die Uneindeutigkeit des Zweiten Vatikanums ... 88
V.4. Katholische Kirche heute ... 89

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V.5. Papst Benedikt XVI. ... 92
V.6. Die lehramtliche Verurteilung ... 93
V.7. Exkurs: Einige evangelische Stimmen ... 94
V.8. Fazit: Die Eschatologie in der heutigen Dogmatik ... 96
VI. Gesamtfazit ... 100
VI. Literaturangaben ... 107

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I. Einleitung
I.1. Problemaufriss
Der vorliegenden Diplomarbeit liegt als Impuls eine Installation des italienischen Künstlers
Maurizio Cattelan vom November 2003 zugrunde. Im Mittelpunkt seines Werks ,,Him" wird
die abfotografierte Wachsfigur eines sich in kniender Gebetshaltung und im Straßenanzug
befindlichen Adolf Hitlers gezeigt. Der Künstler verwendet dabei die Darstellung des um
Vergebung bittenden Diktators und Massenmörders, um dem Betrachter unter anderem die
Brisanz einer theologischen Frage zu verdeutlichen: ,,Verzeiht Gott jedem ­ alles?" Die
provokante Darstellung hat mich persönlich zu einer Reihe von Fragen angestoßen, denen
ich lange Zeit nachging und über welche ich schließlich zu der eschatologischen Vorstellung
der Allversöhnung gelangte. Den Weg der Fragen hin zum Antwortmodell entschied ich in
dieser Arbeit nachzuzeichnen.
Wie verhält sich die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden und Hoffenden zu all jenen,
die nicht glauben und nicht hoffen? Oder
anders
glauben und hoffen? Oder vielfach die
christlichen Gebote gebrochen haben? Können, dürfen Christen diese Unterschiede einfach
hinnehmen? Oder gibt es keine Unterschiede zwischen ,,Nicht-Christen" und ,,Christen"?
Sind die ,,Glaubenden" und ,,Nicht-Glaubenden" in einen Zukunftsplan Gottes integriert und
bietet sich ihnen eine gemeinsame Perspektive? Grundsätzlich müssen alle Religionen, die
Erlösung versprechen, die Frage beantworten, wer in den Genuss ihrer Verheißungen
kommt und wer von ihnen ausgeschlossen wird. Für die einen ist Erlösung an die
Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk oder Stand gebunden, andere schließen einzelne
Geschlechter oder Berufe aus, fast alle verlangen die Erfüllung bestimmter
Voraussetzungen, ethischer Qualifikationen, Gesetzesbefolgung oder Tugendübungen.
1
Eine von diesen Voraussetzungen losgelöste Alternative bietet die altkirchliche Vorstellung
der
Allversöhnung
(griech.
Apokatastasis panton
). Deren Hauptaussage ist, dass nichts und
niemand letzten Endes von Gottes Heil ausgeschlossen bleibe. Dies erscheint für die
Allversöhner seit jeher als Konsequenz der Universalität der Erlösung, die Jesus Christus
nicht nur seinen Getreuen, sondern ,,für alle" gebracht habe.
1
Vgl. DASSMANN, Ernst: ,,Heil zwischen Allerlösung und Prädestination von Origenes bis Augustinus"; in:
Internationale Katholische Zeitschrift ,,Communio" (37. Jahrgang: ,,Heil für alle?"); Ostfildern 2008, S. 218.

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Diese Vorstellung befindet sich in einer Spannung zwischen der exklusivistischen
Partikularität der Glaubenden einerseits und der inklusivistischen Universalität der göttlichen
Gnade andererseits: Diese Spannung, diese Dialektik wird von der Apokatastasislehre
aufgelöst in einer ,,unwiderstehlichen Weltbeglückung, welche die Kirche letztlich überflüssig
werden lässt, weil im Grunde ja schon alle Menschen in die Bestimmung des Heils
eingeschlossen sind."
2
Auf Grund dieser Spannung ist die Apokatastasislehre seit ihrer
Entstehung in einer bis heute andauernden Diskussion kontrovers diskutiert worden. Immer
wieder wurden wichtige theologische, christologische, anthropologische und
seelsorgerische Gründe (u.v.m.) pro Allversöhnung vorgebracht: sie verfange sich z.B. nicht
in den Aporien eines eschatologischen Dualismus, sie bringe das Wesen Gottes
entschieden als Liebe zur Geltung, sie betone die universale Wirksamkeit von Tod und
Auferstehung Jesu Christi und könne dementsprechend konsequent die soteriologische
Ohnmacht des allein auf die Gnade Gottes angewiesenen Menschen behaupten.
3
Die
konfessionsunabhängigen Gegner der Allversöhnung wiederum bringen gravierende
Einwände ethischer, pastoraler und missionstheologischer Art (u.v.m.), insbesondere das
Geheimnis und die Souveränität des göttlichen Ratschlusses sowie die Freiheit bzw.
Verantwortlichkeit des Menschen gegenüber dem Heilsangebot Gottes.
4
Dramatisch formuliert geht es also bei dieser Auseinandersetzung um die Alternativen:
a) ,,Reich Gottes oder Untergang"
5
, oder
b) es wird die Neuschöpfung aller Dinge, die Erlösung der leidenden Natur im Ganzen und
im Einzelnen im Verbund mit einer entsprechend orientierten Beerbung kosmischer
Christologie
6
ins Zentrum gerückt.
Die Aufgabe der vorliegenden Diplomarbeit soll nun darin bestehen, diesem Streit um die
eschatologische Vorstellung der
Apokatastasis panton
nachzugehen und zu einem eigenen
Antwortversuch zu gelangen. Muss die Vollendung nun ,,zweipolig" gedacht werden: als
Aufteilung der Menschheit in eine Gruppe ewig Glücklicher und in eine andere Gruppe, die
auf Grund ihrer Freiheitsentscheidung ewig unglücklich sein wird? Oder gibt es eine
2
Vgl. SAUTER, Gerhard: ,,Einführung in die Eschatologie"; Darmstadt 1995, S. 183.
3
Vgl. ROSENAU, Hartmut: ,,Allversöhnung"; in: BETZ, Hans Dieter (Hg.): ,,Die Religion in Geschichte und
Gegenwart" (Bd. 1) (4. Aufl.); Tübingen 1998, S. 322.
4
Vgl. ROSENAU: ,,Allversöhnung"; in: BETZ (Hg.): RGG (Bd. 1) (4. Aufl.); Tübingen 1998, S. 322.
5
Vgl. FRITSCHE, H. G.: ,,Handbuch der Dogmatik" (T.4); Göttingen 1988, S. 433.
6
Vgl. MOLTMANN, Jürgen: ,,Der Weg Jesu Christi"; München 1976, S. 297ff.

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übergreifende Perspektive, in der diese Aufteilung noch von einer universalen Hoffnung
überholt wird?
Auf Grund des biblischen Ursprungs der Allversöhnunglehre ist es notwendig, den
exegetischen Befund genauestens zu analysieren und dabei vornehmlich das Neue
Testament sprechen zu lassen. Angesichts der noch zu zeigenden biblischen
Mehrdeutigkeit und zahlloser Pro-/Contra-Argumente aus weiteren nicht-exegetischen
Bereichen muss die Sicht jedoch auch auf andere theologische Disziplinen (z.B. Dogmatik,
Philosophie, Moral- und Fundamentaltheologie u.v.m.) erweitert werden. Im Fall der
vorliegenden Diplomarbeit ist der Fokus eindeutig auf die Dogmatik gelegt, da ihr durch ihre
Weitläufigkeit ein allgemeiner Einblick in die Auseinandersetzung zwischen Anhängern wie
Gegnern jeglicher Zeit und Provenienz gelingt. Insofern vermag die Dogmatik ein Maximum
an Argumenten aller Arten wiederzugeben. Für eine umfassende Darstellung der
Apokatastasis heute und ihrer Genese ist ein Einblick in die Dogmatik auch gerade deshalb
unumgänglich, da an dieser Stelle normative Festlegungen getroffen und das gemeinsame
kirchliche Glaubensbewusstsein ergründet werden.
Folgt man den Bedingungen für Glaubenswahrheiten im Römischen Katholizismus, so
müssen Schrift, Tradition und das Lehramt befragt werden. Aus diesem Grund werden in
der Arbeit Teile der Tradition (Kap. II.), anschließend der exegetische Befund (Kap. III.) und
schließlich die heutigen lehramtlichen Auffassung (Kap. V). Hinzu kommen weitere
allgemeine pastorale Argumentationen (Kap. IV.). Die Ermangelung von unbegrenztem
Platz führt dazu, dass nur ausgewählte, wesentliche Pro- und Contra-Argumente
erläutert
und diskutiert werden können. So zielt die Arbeit (u.a.) zwar auf dem Hintergrund des
Konzeptes von Dogmatik als konsequente Exegese
7
und von dem dogmatischen
Verständnis der Heiligen Schrift als ,,Seele der Theologie"
8
darauf ab, die neutestamentliche
Exegese aus der Sicht der Allversöhnungsgegner und ­anhänger zu Wort kommen zu
lassen. Eine detaillierte ,,Wort-für-Wort"-Exegese kann jedoch nicht bei jeder Perikope
gewährleistet werden ­ dies ermöglicht allerdings, mehr Argumente vorzustellen und damit
die Auseinandersetzung umfassender zu präsentieren.
7
Vgl. JANOWSKI, Christine: ,,Allerlösung ­ Annäherung an eine entdualisierte Eschatologie" (Bd. 1); Neukirchen-
Vluyn 2000, S. 23.
8
Vgl. WAGNER, Harald: ,,Dogmatik"; Stuttgart 2003, S. 50.

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I.2. Begriffsdefinition
Der griechische Ausdruck
Apokatastasis panton
wird in der vorliegenden Diplomarbeit mit
dem deutschen Begriff ,,Allversöhnung" wiedergegeben, um damit die im Kontext der Arbeit
intendierte Übersetzung zu verwenden. Tatsächlich erfährt der griechische Terminus
technicus nämlich abhängig vom religiösen oder profanen Sprachgebrauch unterschiedliche
Übertragungen. Dabei divergieren die Übersetzungsvarianten von der ,,Wiederablieferung
der Geiseln in ihre Vaterstadt" im juristischen Sinne über die ,,Neugründung der
Staatsordnung" bzw. ,,Besserung der persönlichen Lage" in der Politik hin zur ,,Rückkehr der
Gestirne in ihre ursprüngliche Position" aus Sicht eines Astrophysikers.
9
Ein Arzt würde
darunter
,,Heilung"
verstehen,
10
ein
Notar
die
,,Rückerstattung
von
Vermögensverhältnissen"
11
, ein neuplatonischer Philosoph die ,,Rückkehr der Seele nach
dem Abstieg"
12
und ein altägyptisch gebildeter Astronom sogar den ,,alle 1460 Sothisjahre
[= 1461 bürgerliche Jahre] stattfindenden Zusammenfall der Neujahrstage im
astronomischen und bürgerlichen Kalender"!
13
Wie man bei genauerer Betrachtung dieser Übersetzungen erkennt, dürfte die gemeinsame
Grundbedeutung der meisten Übersetzungsmöglichkeiten in etwa ,,Zurückversetzung in den
früheren Zustand" bzw. ,,Wiederherstellung"
14
sein.
Im religiösen Verständnis des Christentums drückt man mittels dieses Begriffs die
soteriologisch-eschatologische Lehre einer ausnahmslosen Aufnahme aller Menschen
(Dinge, Wesen) in das eschatische
Heil (Reich Gottes) aus
15
, oder kurzum: die ,,Allerlösung"
oder ,,Allversöhnung".
16
Im katholisch-dogmatischen Sprachgebrauch versteht man
darunter genauer gesagt ,,die endliche Wiederherstellung der ganzen Schöpfung
einschließlich der Sünder, Verdammten und Dämonen zu einem Zustand vollkommener
9
Vgl. LAAK van, Werner: ,,Allversöhnung"; Sinzig 1990, S. 20f.
10
Vgl. ROSENAU, Hartmut: ,,Allversöhnung"; Berlin 1999, S. 26.
11
Vgl. ROSENAU: ,,Allversöhnung"; S. 28.
12
Vgl. LENZ, Christoph: ,,Apokatastasis"; in: ,,Reallexikon für Antike und Christentum" (Bd. 1); Stuttgart 1950, Sp.
512.
13
Vgl. F. A. BROCKHAUS: ,,Apokatastasis"; in: BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE (Bd. 2) (21. Auflage); Mannheim
2007, S. 212.
14
Vgl. BAUER, W.: ,,Apokatastasis"; in: ,,Griechisch- deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments
und der übrigen urchristlichen Literatur" (5. Aufl.); Berlin 1958, Sp. 183; LAMPE, G.: ,,Apokatastasis"; in: ,,A
Patristic Greek Lexikon"; Oxford 1961, S. 195.
15
Vgl. ROSENAU, Hartmut: ,,Apokatastasis"; in: ,,Religion in Geschichte und Gegenwart" (Bd. 1) (4. Aufl.); Tübingen
1998, S. 323f.
16
Vgl. LENZ, Christoph: ,,Apokatastasis"; in: ,,Reallexikon für Antike und Christentum" (Bd. 1) ; Stuttgart 1950, Sp.
510-516; ALTHAUS, Peter: ,,Wiederbringung aller"; in: ,,Die Religion in Geschichte und Gegenwart" (Bd. 5) (2.
Aufl.); Tübingen 1931, Sp. 1908-1910.

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Glückseligkeit."
17
Oder um mit einem evangelischen Vertreter zu sprechen: ,,Die Lehre [...]
befasst sich mit dem Ausgang der Menschheitsgeschichte und sieht diese als
Heilsgeschichte, durch die Gott Sein Heil bewirkt [...] Es handelt sich um eine
Bibelauslegung, nach der sich letztlich Gott mit allen Geschöpfen und alle Geschöpfe sich
mit Gott versöhnen werden."
18
Innerhalb der katholischen Dogmatik bezeichnet man die Lehre von der Vollendung als sog.
,,Eschatologie". Dieser Begriff wird meist übersetzt als Lehre von den ,,letzten Dingen", womit
das Ende der Welt, Tod, Auferstehung, Gericht, Himmel und Hölle gemeint ist. Die
Apokatastasis panton
ist dabei eine der vier
19
(oder je nach Zählung drei)
20
eschatologischen Konzeptionen im Neuen Testament. Sie befindet sich sowohl im
Gegensatz zu der geläufigeren eschatologischen Vorstellung vom ,,doppelten Ausgang",
nach der es eine Scheidung von Geretteten und Verworfenen geben wird, also einen ,,in
Himmel und Hölle sich teilenden endgültigen Ausgang."
21
Außerdem trennt sie sich von der
seltener vertretenen Vorstellung der ,,Annihilation"
22
, d.h. der Lehre einer eschatischen
Vernichtung aller Gottlosen, von der z.B. Sozinianer und Zeugen Jehovas mit Verweis auf
Off 21,1-8 ausgehen.
23
Schließlich ist die
Apokatastasis
nicht zu vereinbaren mit der
Prädestinationslehre, wonach ­ in Anlehnung an Röm 9-11 ­ der soteriologisch
ohnmächtige Mensch von Gott ohne Ansehen der Person als Erwählter bzw. Verworfener
behandelt werde.
24
Dabei lassen sich alle Perspektiven neutestamentlich belegen und nicht
in einheitliches Konzept bringen,
25
wie bei dem kommenden Vergleich zwischen der
Möglichkeit des dualen Ausgangs und der Allversöhnung noch zu zeigen ist.
Indem sich Eschatologien auf die Zukunft und das Ende des Menschen beziehen, prägen
sie den Menschen auch in seinem jetzigen Verhalten, Denken und Fühlen ­ womit die
17
Vgl. LOOSEN, Jürgen: ,,Apokatastasis"; in: ,,Lexikon für Theologie und Kirche" (Bd. 1); Freiburg 1957, Sp. 709.
18
Vgl. SCHUMACHER, Heinz: ,,Fehler, die zur Ablehnung der Allversöhnung führen"; in:
http://www.come2god.de/schumacherfehler.htm
(vom 25.11.08).
19
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 489.
20
Vgl. ROSENAU: ,,Allversöhnung"; S. 5.
21
Vgl. BERTHOLET, Alfred: ,,Apokatastasis"; in: ,,Wörterbuch der Religionen" (3. Aufl.); Stuttgart 1976, S. 41.
22
Vgl. ROSENAU: ,,Apokatastasis"; in: RGG (Bd. 1) (4. Aufl.); S. 323.
23
Vgl. KÖSTLIN, Julius: Art. ,,Apokatastasis"; in: ,,Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche"
(Bd.I); Graz 1969, S. 621.
24
Vgl. z.B. Calvin: ,,Gott hat nicht alle Menschen mit der gleichen Bestimmung geschaffen, sondern den einen das
ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet [...]" (vgl. CALVIN, Johannes: ,,Unterricht in
der christlichen Religion (Institution religionis christianae III)"; übers. u. bearb. v. WEBER, Otto; Neukirchen 1955,
S. 21-24).
25
Vgl. z.B. WREDE, Gösta: ,,Die Wiederbringung aller Dinge"; in: ,,Eschatologie in der Dogmatik der Gegenwart
(LAR 11)"; Erlangen 1988, S. 83.

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Eschatologie sowohl futuristischen als auch gegenwärtigen Charakter hat
26
und m.E.
entgegen verschiedener landläufiger Meinungen
27
nicht nur einen Gegenstand theologie-
und religionsgeschichtlicher Archivarbeit darstellt. Ganz im Gegenteil, wie man gelegentlich
liest: ,,Mit dem Thema der [ewigen] Hölle ist sicher einer der schwierigsten Punkte
gegenwärtiger Glaubensverkündigung berührt."
28
Interessant ist dabei, dass in den
traditionellen Kirchen immer weniger die Hölle von den Kanzeln verkündet wird, während
sie dafür umso mehr Niederschlag in Filmen, Buchtiteln, Liedern und neueren religiösen
Gemeinschaften findet.
29
Hinzu kommt, dass die
Apokatastasis panton
die christliche
Tradition transformiert hat: So konstatierte man bereits Ende des 19. Jahrhunderts in
Deutschland einen verbreiteten Apokatastasis-Glauben und die Notwendigkeit einer
entsprechenden dogmatischen Weiterentwicklung.
30
Da die Gegner der Allversöhnung fast ausnahmslos der Vorstellung vom doppelten Ausgang
anhängen, lässt sich folgern, dass diese Arbeit in letzter Konsequenz auf einen Vergleich
zwischen den Argumentationen der sogenannten ,,Allversöhner" und deren Gegnern, den
sogenannten ,,Infernalisten"
31
abzielt.
I.3. Der biblische Ursprung
Die einzige Stelle im Neuen Testament
32
, bei der das Hapaxlegomenon
Apokatastasis
panton
ausdrücklich
33
vorkommt, ist Apostelgeschichte (Apg) 3,21:
26
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 436f. + S. 439: ,,Zukünftiges ist jetzt nur wirklich im Modus von Hoffnung oder
Frucht oder Erwartung. Diese aber gehören der Gegenwart an. Deshalb kann man die Zukunft als eine
Innendimension der Gegenwart bezeichnen."
27
So spricht z.B. Harnack von der Hölle als ,,vertrocknete Reliquie" (vgl. HARNACK von, Adolf: ,,Marcion"; Leipzig
1921, S. 167).
28
Vgl. GRESHAKE, Gisbert: ,,Gottes Heil ­ Glück des Menschen. Theologische Perspektiven"; Freiburg (u.a.) 1983,
S. 268.
29
Vgl. JÜNGLING, Elke: ,,Die Hölle ­ veralteter Glaubensartikel oder unverzichtbares Element im Gottesbild";
Frankfurt am Main 1997, S. 18 + S.229-470.
30
Vgl. RIEMANN, O.: ,,Die Lehre von der Apokatastasis" (2. Aufl.); Magdeburg 1897, S. 52f.
31
Vgl. BALTHASAR von, Hans Urs: ,,Kleiner Diskurs über die Hölle"; Ostfildern 1970, S. 18.
32
Vgl. LOOSEN, Jürgen: ,,Apokatastasis"; in: ,,Lexikon für Theologie und Kirche" (Bd.1); Freiburg 1957, Sp. 708.
33
Häufiger begegnet das Verb ,,wieder herstellen", z.B. in Apg 1,6 in einem christologisch- messianischem
Kontext
oder in Mk 9,12 par. auf Elija angewandt (v. Mal 3, 24 vorgegeben). An weiteren Stellen in der LXX wird
das Verb
für die Wiedereinsetzung Israels in seine Stellung oder seinen Besitz verwendet (vgl. JANOWSKI:
,,Allerlösung"
(Bd. 1); S. 96f).

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,,
Hon dei ouranon men dexasthai achri chronon Apokatastasis panton hon elalesen ho theis
dia stomatos ton hagion ap` aions autou propheton
."
34
In der Elberfelder Übersetzung wird dies wiedergegeben mit:
,,Den [Jesus Christus] muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der
Wiederherstellung
[griech:
Apokatastasis
]
aller Dinge
[griech:
panton
] von denen Gott von
jeher geredet hat."
35
Man kann abgewandelt übersetzen mit der ,,Wiederherstellung
von allem
, wovon Gott seit
jeher gesprochen hat"
36
, eine Formulierung, welche in fast allen Übersetzungen auch
gebraucht wird. Für ganz wenige Exegeten mag dabei ein Unterschied bestehen: So
argumentiert Manfred Klatt gegen die These der Allversöhnung mit dem Hinweis darauf,
dass die ,,Wiederherstellung aller
Dinge
" nicht von einer schlussendlichen
Wiederherstellung von
Menschen
spreche.
37
Menschen seien seiner Ansicht nach doch
keine Dinge! Man muss ihm grammatikalisch insofern Recht geben, als dass der griechische
Begriff
panton
auf zwei verschiedene Weise verstanden werden kann. Einerseits existiert
eine maskuline wie feminine Fassung, worunter Personen oder personenbetreffende
Aussagen fallen. Daneben existiert andererseits eine neutrische Grammatikform, bei der
von Dingen, Sachverhalten und Angelegenheiten gesprochen wird. Das Problem wird
jedoch (u.a.) dadurch gelöst, dass unter Dingen ebenfalls der
Mensch
gemeint sein kann ­
beinhaltet doch auch die neutrische Lesart neben den Angelegenheiten von Personen
implizit die Personen selbst.
38
Außerdem könnte man sagen, dass in Apg 3, 21 von allen Prophezeiungen gesprochen
wird, die Gott jemals verkündet hat ­ dies wiederum beinhaltet Prophezeiungen hinsichtlich
der gesamten Schöpfung, also Menschliches, Tierisches und Gegenständliches (s. z.B.
Hes. 37, 1-6 oder Lk 2, 32).
39
Um Klatts Verdacht von vornherein nicht aufkommen zu lassen, erscheint mir die
Formulierung ,,Wiederherstellung von allem" am sinnvollsten. Zwar ist mit ,,allen Dingen" (im
34
Vgl. DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT:
http://www.bibelwissenschaft.de/nc/online-bibeln/novum-
testamentum-graece-na-27/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/apg%203,%2021/anzeige/single/#iv
(vom 6.10.2008).
35
Eigene Bibelzitate sind der Elberfelder Übersetzung (5. Aufl., 2002) entnommen, Perikopen in Zitaten von anderen
Autoren hatten meist keine Angabe ihrer Bibelübersetzung und stellen wahrscheinlich eigene Übersetzungen dar.
36
Vgl. z.B. KÜRZINGER, Josef: ,,Die Apostelgeschichte" (Teil 1.); Düsseldorf 1965, S. 100.
37
Vgl. KLATT, Manfred: ,,Ewige Verdammnis oder Allversöhnung?", in:
http://www.efg-
hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/allversoehnung.html
(vom 24.11.08).
38
Zu den verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten s. MICHALIS, Wilhelm: ,,Versöhnung des Alls"; Gümlingen
1950, S. 18ff.
39
Vgl. MOLTMANN, Jürgen: ,,Im Ende ­ der Anfang. Eine kleine Hoffnungslehre"; Gütersloh 2003, S. 166.

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Sinne von Gegenständen/Sachverhalten/Menschen) und ,,alles" auch durchaus dasselbe
gemeint, doch kommt der umfassende Charakter bei dieser Formulierung sprachlich
unmissverständlicher zum Ausdruck.
Andere Übersetzer verfolgen die Absicht, die Formulierung ,,Wiederherstellung von allem"
durch vermeintliche Präzisierungen sprachlich zu glätten. Ein Versuch lässt sich bei Fritz
Rienecker finden ­ er übersetzt ,,Verwirklichung all der
Worte
, die Gott von jeher geredet
hat".
40
Auf Grund des eindeutigeren sprachlichen Eindrucks könnte man ihm recht geben:
,,[...] Was die Propheten gesagt haben, wird doch
erfüllt
und nicht `
wiederhergestellt
´."
41
Dennoch erscheint mir eine solche Wiedergabe unangemessen: Zunächst einmal verlässt
sie die wortwörtliche Übersetzung und zweitens entstellt sie mit der bloßen Fokussierung
auf die Erfüllung von göttlichen Worten den Sinn. In Rieneckers Version tätigt man nämlich
lediglich eine Aussage darüber, dass die Prophezeiungen eingehalten werden. Die Perikope
geht jedoch weiter, indem sie an dieser Stelle die Inhalte der Prophezeiungen noch einmal
nennt: Die Zukunft wird wie eine bestimmte Vergangenheit aussehen. Für manche deutsche
Ohren mag sich eine solche zukünftige Aussage mit Hilfe etwas Vergangenes vielleicht
verquert anhören. Dies stellt jedoch für den ursprünglichen Adressaten keine
Verständnisschwierigkeit dar.
Eine Begründung ist, dass es sich bei dem Text um einen Auszug aus einer
Bekehrungspredigt des Petrus vor
Juden
42
auf dem Tempelberg in Jerusalem (Apg 3,11-26)
handelt. Laut Werner von Laak spielt Petrus auf eine im Judentum bekannte messianische
Hoffnung an, in welcher eine Heilszeit in Form einer Wiederherstellung des Paradieses und
seines Friedens, des Verheißungslandes und des davididischen Königtums anbrechen
wird.
43
Auf Grund dessen beinhaltet die Perikope ein in der spätjüdischen Apokalyptik weit
verbreitetes Heilsschema: ,,Endzeit = Urzeit."
44
Da die Urzeit im Paradies vor dem
Sündenfall und vor dem Beginn von Tod, Sünde und Trennung von Gott stattfindet, könnte
man diese Perikope als Hinweis auf eine zukünftige Zeit verstehen, in der sich alle
40
Vgl. RIENECKER, Fritz: ,,Was ist es um die Allversöhnung?"; in:
www.rgav.de/akzente/altehefte/57-5.doc
(vom
25.9.08).
41
Vgl. BAUERNFEIND, Otto: ,,Kommentar und Studien zur Apostelgeschichte"; Tübingen 1980, S. 69.
42
Vgl. MUSSNER, Franz: Art. ,,Apokatastasis"; in: ,,Lexikon für Theologie und Kirche" (Bd.1) (3. Aufl.); Freiburg
1957S. 708f.
43
Vgl. LAAK van, Werner: ,,Allversöhnung"; Sinzig 1990, S. 23.
44
Vgl. LOOSEN, Jürgen: ,,Apokatastasis"; in: ,,Lexikon für Theologie und Kirche" (Bd.1); Freiburg 1957, Sp. 708.

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Menschen, wie einst im Paradies, mit Gott im Frieden befinden. Damit würde eine
,,Allversöhnung" stattfinden.
Man muss allerdings nicht dieser Ansicht folgen ­ der Begriff ,,Wiederherstellung aller Dinge"
wird an dieser Stelle nicht genügend ausgefüllt: Was ist damit genau gemeint? Wie wird es
konkret geschehen? Für wen kommt die Wiederherstellung? Es wird hieraus nicht
ersichtlich, ob eine Vollendung der gegenwärtigen Welt durch Verwandlung oder eine
radikale Neuschöpfung nach deren Zerstörung gemeint ist.
45
Im Grunde genommen könnte
diese Wiederherstellung des Paradieses durch eine eschatische Trennung von guten und
bösen Menschen geschehen, so dass Gott lediglich mittels der Geretteten und
ausschließlich für diese eine paradiesische Zeit beginnen würde.
Vom unmittelbaren Textzusammenhang her scheint es keine alle Menschen betreffende
Versöhnung zu geben: So koppelt der vorausgegangene Vers (,,Also kehrt um, und tut Buße,
damit eure Sünden getilgt werden"), einer der folgenden Verse (,,Es wird jede Seele, die
nicht hört auf jenen Propheten, ausgemerzt werden aus dem Volk")
46
als auch der
Kapitelschlussvers (,,Für euch hat zuerst Gott seinen Knecht gesandt [...], damit er [...] jeden
von seiner Bosheit abbringt") die Wiederherstellung für die Menschen konditionell an
Glauben, womit Nicht-Christen aus der Allversöhnung herausfallen würden.
47
Auch vom Kontext der gesamten Apostelgeschichte her muss man sagen, dass keine
weitere Stelle zu Gunsten der Allversöhnung ausgemacht werden kann. Daraus könnte man
schließen, dass eine solche theologische Aussage von dem Verfasser der
Apostelgeschichte gar nicht intendiert ist und in Apg 3, 21 lediglich hinein gelesen wird.
In der Apostelgeschichte tritt in der Tat so etwas wie ein universaler Heilswille auf. Auf dem
Hintergrund der jüdisch- christlichen Auseinandersetzungen
48
hatten sich zuvor wohl
Christen gegen Juden ausgesprochen und umgekehrt, woraufhin Lukas in seinem
Evangelium mit einer Überwindung des Gentilismus
49
reagiert: ,,Da begann Petrus zu reden
und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person schaut, sondern
45
Vgl. NOCKE, Franz Josef: ,,Eschatologie" (3. Aufl.); Düsseldorf 1988, S. 416.
46
Vgl. Apg 3,23.
47
Vgl. KLATT, Manfred: ,,Ewige Verdammnis oder Allversöhnung?", in:
http://www.efg-
hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/allversoehnung.html
(vom 24.9.08).
48
Vgl. SCHMITHALS, Walter: ,,Die Apostelgeschichte des Lukas"; S. 11ff.; in: SCHMID, Heinrich Hans (Hg.) (u.a.):
Zürcher Bibelkommentare ­ Neues Testament 3,2; 1982.
49
Vgl. DORMEYER, Detlev/ GALINDO, Florencio: ,,Die Apostelgeschichte. Ein Kommentar für die Praxis";
Stuttgart 2003, S. 24-25.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
14
dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist."
50
Ähnlich
universalistisch fällt Pfingsten durch die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Angehörige
aller Völker aus.
51
Daher lässt sich sagen, dass die in der Apg und im gesamten Neuen
Testament propagierte Überwindung heilsgemäßer Vorrechte nur aus Abstammung in der
Tat für die damalige Zeit als revolutionär und universalistisch aufzufassen sind. Schließlich
gehört es sozialgeschichtlich zu den Selbstverständlichkeiten, dass Gesellschaften sich
durch die Abstammung von einem göttlich erschaffenen Spitzenahn definieren (z.B.
Abraham im Judentum) und sich alle Volkszugehörigen auf Grund ihrer Geburtsblütigkeit
von anderen Völkern absondern.
52
Einerseits deutet Lukas nun an, dass das Heil nicht auf
das jüdische Volk beschränkt bleibt und somit der Weg der Heidenchristen von Anfang an
mitgedacht war. Andererseits sollen die Adressaten bei Lukas erkennen, dass die Juden
trotz der Ablehnung des irdischen Jesus durch Buße noch eine Möglichkeit zur Umkehr
haben (Apg 3,19: ,,Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden").
Deswegen sollten sie von den Christen nicht verworfen werden.
53
Dennoch erscheint diese Universalität des NT lediglich als
Angebot
, sprechen doch viele
Stellen selbst in der Apg von der Notwendigkeit des Glaubens, z.B. Apg 2, 38: ,,Petrus
antwortete ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen des Herrn Jesu
Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes
empfangen."
Dem könnte man zwar wiederum ein exegetisches Methodenproblem vorhalten: Auch wenn
vom Kontext der übrigen Apg her keine Allversöhnung angedacht scheint, so kann Apg 3,
21 singulär betrachtet dennoch darauf hinweisen. Die große exegetische Schwierigkeit
besteht dabei darin, dass man Perikopen einzeln bzw. gesondert betrachten kann als auch
unter Einbeziehung des intertextuellen? Zusammenhangs. Demzufolge sind Versuche, eine
Ordnung des diffusen Konglomerats lukanischer Tendenzen zu konstruieren, methodisch
wie sachlich umstritten.
54
50
Vgl. Apg 10, 34f.
51
Vgl. Apg 2, 1-13.
52
Vgl. ANGENENDT, Arnold: ,,Toleranz und Gewalt ­ das Christentum zwischen Bibel und Schwert"; Münster 2007,
S. 190ff.
53
Vgl. KLIESCH, Klaus: ,,Apostelgeschichte" (2. Aufl.); Stuttgart 2001, S. 59.
54
Vgl. SCHMITHALS, Walter: ,,Die Apostelgeschichte des Lukas"; S. 11; in: SCHMID, Heinrich Hans (Hg.) (u.a.):
Zürcher Bibelkommentare ­ Neues Testament 3,2; 1982.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
15
Doch gehen die meisten Experten eher davon aus, dass in dieser vor Juden stattfindenden
Rede eine jüdisch-nationalpolitische, partikularistische Heilserwartung
55
ausgedrückt wird,
also die Vollendung des Exodus und der Landnahme, die Erneuerung des Gottesvolkes.
56
So betont z.B. der Dogmatiker Harald Wagner, dass mit der verheißenen Neuschöpfung in
Apg 3, 21 nicht die ,,Wiederbringung der Sünder" gemeint sei.
57
Schließlich nenne Petrus ­
wie gesagt ­ in V. 19 die Buße als einzulösende Bedingung für die Ankunft der Zeiten der
Wiederherstellung. Zwar umfasse das neutestamentliche Gottesvolk damit versöhnte Juden
wie Heiden, jedoch nicht die gesamte Menschheit. Selbst der Hauptgründer der
Allversöhnungslehre, Origenes, führt Apg 3,21 m.E. ohne weitere (exegetische)
Erläuterungen an. Stattdessen belässt er die Stelle als kurzen Schrifthinweis bzw. als eine
Bezeichnung für den Zustand, in dem ,,Gott alles und in allem sei."
58
Dennoch: Dieses aus Apg 3,21 herauskristallisierte Ergebnis beweist nicht, dass das Neue
Testament die Vorstellung von der ,,Allversöhnung" nicht kennt.
59
Es zeigt lediglich, dass der
Inhalt der Lehre mit dem biblischen Oberbegriff aus Apg 3,21 für diese Lehre nicht
deckungsgleich ist.
Auf Grund dieses Resultats ist zu verstehen, dass weder Allversöhner noch Infernalisten im
besonderen Maße auf diese Stelle eingehen und sie als Argument ins Feld führen. Dem
folgend muss man letztlich zugeben, dass ,,[...] die Frage, ob das Neue Testament eine letzte
Wiederbringung aller Sünder lehrt, sich aus dieser Stelle nicht entscheiden lässt."
60
55
Vgl. ROSENAU: ,,Allversöhung"; S. 31.
56
Vgl. SÖDING, Thomas: ,,Einer für Alle. Der Heilsuniversalismus Jesu Christi im Neuen Testament"; in:
Internationale Katholische Zeitschrift ,,Communio" (37. Jahrgang: ,,Heil für alle?"); Ostfildern 2008, S. 209.
57
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 489.
58
Vgl. ORIGENES: ,,Vier Bücher von den Prinzipien"; herausgegeben, übersetzt, mit kritischen und erläuternden
Anmerkungen versehen von Herwig Görgemanns und Heinrich Karpp. - 3. Aufl. - Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 1992 (Texte zur Forschung; 24), S. 315.
59
Vgl. ROSENAU: ,,Allversöhnung"; S. 32.
60
Vgl. LAAK: ,,Allversöhnung"; S. 24.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
16
II. Origenes
II.1. Sein Umfeld - Altkirchliche Glaubensbekenntnisse
Um zu verstehen, wie sich die Lehre von der Allversöhnung entwickeln konnte, macht es
Sinn, nach Ansätzen in der Alten Kirche zu schauen, ergo in die überlieferten
Glaubensbekenntnisse als ,,paradigmatische Objektivationen des christlichen Glaubens".
61
Ein Blick in die Bekenntnisse der damaligen Zeit zeigt jedoch, dass diesbezügliche
Aussagen recht karg sind.
62
So beinhaltet beispielsweise das Gebet ,,Vaterunser" keinerlei Anspielungen auf ein Gericht.
Sich zu diesem Thema äußernd, jedoch uneindeutig fallen sowohl das Nicäno-
Konstantinopolitanum, das Apostolische Glaubensbekenntnis als auch deren verschiedene
Vorläufer und Varianten aus: Zwar gibt es dort den Verweis auf das Kommen eines
Gerichtes, meist im zweiten, christologischen Abschnitt: ,,Jesus Christus, der kommen wird,
zu richten die Lebenden und die Toten". Jedoch fällt dabei auf, dass die Gerichtsvorstellung
im Glaubensbekenntnis nicht mit einer unterschiedlichen Verurteilung der genannten
,,Lebenden" und ,,Toten" weitergeht, sondern ausschließlich eine positive Perspektive
artikuliert: ,,die Auferstehung des Fleisches und [in den meisten Übersetzungen] ewiges
Leben." Das Fehlen der Möglichkeit einer Höllenverurteilung könnte einerseits bedeuten,
dass die Glaubensbekenntnisse nicht von einer solchen ausgehen ­ andererseits könnte
man auch annehmen, dass bereits mit der Differenzierung von gläubigen Christen als
,,Lebende" und ungläubigen Menschen als ,,Tote" eine Separation mit eingeschlossen ist.
61
Vgl. JANOWSKI: ,,Allerlösung" (Bd.1); S. 61.
62
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 492.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
17
Ein eindeutigeres Urteil fällt das im 5. Jahrhundert entstandene Athanasianische Bekenntnis
Symbolum Athanasianu
: ,,Quicumque vult salvus esse, ante omnia opus est, ut teneat
catholicam fidem: Quam nisi quisque integram inviolatamque servaverit,
absque dubio in aeternam peribit."
63
Oder an anderer Stelle im
Quicumque
: ,,Bei seiner
[Christi] Ankunft werden alle Menschen in ihren Leibern auferstehen und Rechenschaft
ablegen über ihre Handlungen. Und die, welche Gutes getan haben, werden eingehen zum
ewigen Leben, die aber Böses getan haben, ins ewige Feuer."
Ähnlich endet auch die aus dem 5. Jh. stammende sog.
Fides Damasi
: ,,Wir haben die
Erwartung, dass wir von ihm [Christi] entweder das ewige Leben als Lohn für die guten
Werke oder den ewigen Tod als Strafe für die Sünden erlangen."
64
Nach Franz-Josef Nocke
kann man bei einem Vergleich der altkirchlichen Glaubensbekenntnisse nicht eindeutig
erkennen, ob diametrale eschatologische Vorstellungen vorliegen ­ ein Umstand, der sich
erst in der Systematik der Kirchenvätertheologie vollends zeigen wird.
65
II.2. Sein Lehrer Clemens von Alexandria
Obwohl in der Literatur der Kirchenvater Origenes meistens als Schöpfer der
Apokatastasislehre angegeben wird
66
, finden sich einige Züge dieser Lehre bereits bei dem
Presbyter und Philosophen Clemens von Alexandrien (+ 215): Zwar spricht dieser an
manchen Stellen von einer ,,ewigen Strafe im Feuer", doch geht er insgesamt von einer
Bestrafung nach dem Tode als Heilmittel, als ,,Korrektivqual zur Züchtigung" aus.
67
Er
wendet sich gegen die Vorstellung, Rache als Motiv göttlichen Handelns zu sehen, da das
hieße, Böses mit Bösem zu vergelten. Dies könne Gott, der nur Gutes wolle, nicht
zugeschrieben werden.
68
Sollten die Strafen einen erzieherischen Zweck dienen, dann muss man aus Clemens
Ansicht schlussfolgern, dass eine Besserung grundsätzlich möglich sei und dass beim
Eintreten einer solchen Besserung die dann überflüssig gewordene Bestrafung aussetze:
63
Vgl. ,,Wer da selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten. Jeder, der diesen nicht
unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel ewig verloren gehen" (vgl. DALEY, Brian (Hg.) (u.a.):
,,Eschatologie in der Schrift und Patristik"; Freiburg im Breisgau (u.a.) 1985, S. 435).
64
Vgl. DALEY: ,,Eschatologie"; S. 435.
65
Vgl. DALEY: ,,Eschatologie"; S. 435.
66
Vgl. z.B. LOOSEN, J.: ,,Apokatastasis"; in: LThK (Bd.1); S. 709.
67
Vgl. DALEY: ,,Eschatologie"; S. 435.
68
Vgl. FÖRST, Johannes: ,,Zur Hölle mit der Hoffnung? Die Entdeckung kirchlicher Praxis und Sozialform als
Ressource einer hoffnungsleitenden Eschatologie"; Münster 2003, S. 48.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
18
,,Jenseitige Strafe bedeute", so Clemens, ,,
immer temporär begrenzte
Reinigung des
Menschen hin zur vollkommenen Gotteserkenntnis."
69
Auf Grund dieser Ansicht bezeichnet
Daley Clemens als den ,,ersten christlichen Schriftsteller, der, wenn auch noch sehr
vorsichtig, auf die Aussicht auf das universale Heil aller intelligenten Lebewesen
hindeutet".
70
II.3. Origenes und das Ziel der Schöpfung
Manche Forscher erklären zwar, dass Origenes nur sehr vorsichtige Formulierungen
hinsichtlich der Allversöhnung aufgebracht habe,
71
doch äußert es sich meines Erachtens
zumindest im Vergleich zu seinem einstigen Lehrer Clemens von Alexandrien klarer und
deutlicher
72
: ,,Jedenfalls glauben wir, dass Gottes Güte durch seinen Christus die ganze
Schöpfung zu einem einzigen Ende führen wird, in dem auch die Feinde unterworfen
werden"
73
und zwar zum ,,Heil des Unterworfenen."
74
Dabei bedeute ,,Unterwerfung" für
Origenes nicht eine Zwangsmaßnahme, sondern eine pädagogische und therapeutische
Hilfe in einem Prozess, dessen Ziel darin bestehe, dass die Geschöpfe aufnahmefähig für
Gott würden.
75
Diese Unterwerfung ist entgegen den möglicherweise negativen Konnotationen eine
freiwillentlich gewünschte
, so wie man sich gerne der Anordnung eines Arztes zum eigenen
Besten unterwerfen möchte.
76
Gottes Grimm sei Origenes zufolge nur zum Heil des
Menschen! In diesem Prozess habe der Logos die Funktion des Lehrers und des Arztes: Er
unterrichte die aufwärts Strebenden
77
und ,,mit seiner ihm innewohnenden Heilkraft" heile er
die Seelen von ihren Gebrechen.
Die Berechtigung des Logos wird ebenfalls spezifiziert:
Zur Erlösung
der Kreatur von ihrer Trennung von Gott habe Christus die Menschwerdung
auf sich genommen. Durch sein Leben und Sterben als Mensch auf Erden, wobei er im
Gegensatz zu allen anderen in seiner vollen Hingabe an Gott nie schwankend geworden
69
Vgl. VORGRIMLER, Herbert: ,,Geschichte der Hölle" (2. Aufl.); München 1994, S. 95f.
70
Vgl. DALEY: ,,Eschatologie"; S. 436.
71
Vgl. MARKSCHIES, Christoph: ,,Origenes"; in: RGG (Bd. 4); S. 662. Andere Autoren dagegen betiteln ihn als
eindeutigen Gründer und Kämpfer für die Allversöhnungslehre (vgl. z.B. JÜNGLING, Elke: ,,Die Hölle - veralteter
Glaubensartikel oder unverzichtbares Element im Gottesbild?"; Frankfurt am Main 1997, S. 51).
72
Vgl. DASSMANN: ,,Allerlösung"; in: ,,Communio" (37. Jahrgang); S. 219- 227.
73
Vgl. De Princ. I 6, 1-2 (S. 215-217).
74
Vgl. De Princ. 1,6,1 (S. 217).
75
Vgl. DALEY: ,,Eschatologie"; S. 370.
76
Vgl. ORIGENES: ,,Contra Celsum" VIII 72.
77
Vgl. De Princ. III 6,9 (S. 219).

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
19
sein soll, habe Christus die Verbindung seiner von ihm abgefallenen Schöpfung mit Gott
wieder hergestellt. Außerdem habe sich Christus dadurch -- geistig gesehen -- ein solches
Verdienst errungen, dass ihm die
Rückführung aller Gefallenen
in die Himmel, aus denen
sie stammen, zugesagt werden musste.
78
Origenes' Apokatastasis ist somit christologisch-
soteriologisch begründet.
Auch wenn Origenes den Begriff aus Apg 3,21 m.E. im Gegensatz zu 1 Kor 15, 28 sehr
selten verwendet, ist das allgemeine Ziel der Schöpfung seiner Ansicht nach also die
,,Apokatastasis", die Rückkehr aller Dinge an den ihrer Natur entsprechenden Ort. Für den
Menschen führe das zum ,,Ähnlichwerden mit Gott". Und aus der ,,Ähnlichkeit" könne
,,Einheit" werden, ,,[...] weil in der Vollendung und dem Ende `Gott alles und in allem ist´ (1
Kor 15, 28)."
Ähnlich wie bei Clemens von Alexandrien geht Origenes von jenseitiger Peinigung des
Menschen als Korrektivstrafe zum Zweck seiner Rettung aus (Hom. I in Ez.3).
79
Am Ende
seien seiner Meinung nach alle Kreaturen (inklusive Dämonen) ,,wieder durch die Güte
Gottes, die Unterwerfung unter Christus und die Einheit im Heiligen Geiste zu dem einen
Ende gebracht, was dem Anfang gleicht."
80
II.4. Origenes und der Prozess hin zum Ziel
Hinsichtlich des origenistischen Weges hin zur Vollendung gehen die Meinungen
auseinander. So erklärt z.B. der Arbeitskreis Origenes, dass Origenes eine
Reinkarnationsvorstellung gelehrt habe, der zufolge ein Mensch so lange wiedergeboren
würde, bis er das Böse in sich überwunden und Gott angenommen habe:
Stirbt der Mensch,
so würden sich Geist und Seele vom Körper trennen; es stehe die Seele mit ihrem geistigen
Leib auf und trete ins geistige Reich hinüber. Je nach der Stufe ihrer sittlichen Entwicklung
schreite die Seele empor zu immer feineren Bereichen, in die Läuterung oder sie werde
gebannt und dann von neuem als Mensch (mit schwerem Schicksal) geboren. Dies gehe so
lange, bis die Seele nicht länger vom ,Tod` besiegt und von seinem ,Stachel` verletzt werden
könne (
De Princ.
II 3,3). Ihre letzte Entwicklung könne dann ganz im Reich der seligen
Geister vor sich gehen. Einer nach dem andern werde von der christlichen Lehre erfasst,
lasse sich bekehren und steige langsam empor. Immer mehr würden sich anschließen, und
78
Vgl. ARBEITSKREIS ORIGENES (Hg.):
http://www.origenes.de/lehre/Erloesung.htm
(vom 2.10.08).
79
Vgl. FÜRST, Alfons: ,,Laßt uns erwachsen werden!"; in: ,,Theologie und Philosophie" (75. Jahrgang 2000), S. 323.
80
Vgl. De Princ. I 6, 2 (S. 215-217).

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
20
nach unübersehbar langen Zeiträumen komme der Tag, da keiner mehr draußen bleibe, die
materielle Natur allmählich verschwinde, der Stachel des Todes völlig stumpf und der Tod
selbst im Sieg verschlungen sei (
De Princ.
II 3,2).
Dann sei die `Wiederbringung des Alls`
vollendet,
der Tod ausgelöscht
und Christus legt in und mit sich alles Gott zu Füßen, ,,auf
dass Gott sei alles in allen" (
De Princ
. I 7,5). Dieser Ablauf vom ersten Sündenfall durch
ungeheure Zeiträume bis zur Heimkehr der Verlorenen und der seligen Endvollendung ist
gleichwohl nur ein Geschehen unter vielen --
eine
Epoche, der andere vorangegangen sind
und andere folgen werden (vgl. Eph. 2,
7).
Die irdische Welt aber bringe mit ihrem Ende den
Abschluss vieler Zeitalter
(
vgl
.
Hebr. 9,26) -- den Abschluss der Epoche des Abfalls (
De
Princ.
II 3,5).
81
Tatsächlich schreibt Origenes in seinem Johanneskommentar, dass der ,,Begriff der
Reinkarnation durchaus einleuchtend ist" (
Joh. Komm.
VI,13,74). Und in seinem Kommentar
zur biblischen Geschichte von Jakob und Esau heißt es: ,,Wir müssen so annehmen, dass
er [Jakob] aufgrund von Verdiensten eines früheren Lebens [...] dem Bruder vorgezogen
wurde" (
De Princ.
II,9,7). Viele gegenwärtige Anhänger einer Reinkarnationslehre führen
daher Origenes für die Vereinbarkeit von Christentum und Reinkarnationsglauben an.
82
Andere Forscher wiederum schließen eine solche Lehre bei Origenes komplett aus:
83
Er
würde zwar von der Präexistenz der Seele ausgehen, jedoch nicht von einer sich
wiederholenden Seelenwanderung. Origenes hat tatsächlich die Lehre von der
Reinkarnation (Transmigration) in einem Kommentar zum Evangelium des Matthäus explizit
bestritten:
,,[...] Transmigration, which is foreign to the church of God [is] not handed down by the
Apostles, nor anywhere set forth in the Scriptures; for it is also in opposition to the saying
that "things seen are temporal," (2 Corinthians 4:18) and that "this age shall have a
consummation," and also to the fullfilment of the saying, "
Heaven
and earth shall pass
away,"
Matthew 24:35
and "the fashion of this world passes away," (
1 Corinthians 7:31)
and
"the heavens shall perish," and what follows. For if, by hypothesis, in the constitution of
81
Vgl. ARBEITSKREIS ORIGENES (Hg.): http://www.origenes.de/lehre/Nachtod.htm (vom 2.9.08); s. auch FÜRST:
,,Laßt uns erwachsen werden!"; in: ,,Theologie und Philosophie" (75. Jahrgang 2000), S. 328f.
82
Vgl. ZÜRRER, Ronald: ,,Reinkarnation im frühen Christentum"; in:
http://www.wegbegleiter.ch/werke/diverse/gksurchr.htm
(vom 3.9.08).
83
Vgl. z.B. MARKSCHIES: ,,Origenes"; in: RRG; S. 661.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
21
things which has
existed
from the beginning unto the end of the world, the same
soul
can be
twice in the body, for what
cause
should it be in it?"
84
In Folge der widersprüchlichen Quellenlage erklären viele andere Forscher, dass eine
Reinkarnationslehre bei Origenes weder bewiesen noch widerlegt werden könne.
85
Eine
mögliche Erklärung für diese Widersprüche könnte in einem Meinungswechsel Origenes
liegen, in einem mehrdeutigen sprachlichen Ausdruck oder schlichtweg an der Masse
seines bereits in der Antike bewunderten 2000 Titel umfassenden Riesenwerks
86
: ,,Seine
große Synthese bot mehr als eine Möglichkeit, seine Schriften zu deuten und als
Beweismittel zu benutzen."
87
Dadurch konnten sich z.B. in den trinitarischen Streitigkeiten
des vierten Jahrhunderts beide Seiten auf ihn berufen.
Vielleicht war seine Lehre an manchen Stellen auch noch nicht zu Ende gedacht: So weist
er selbst z.B. in einem Brief an Freunde in Alexandrien die Behauptung zurück, er lehre
auch die Erlösung des Teufels und der bösen Geister. Dies ist ihm immer wieder
vorgeworfen wurden, weil es aber wohl auch die systematische Konsequenz seiner Position
ist
88
: ,,Ich glaube also, dass das Wirken des Vaters sich ebenso auf die Heiligen wie auf die
Sünder erstreckt, auf die vernunftbegabten Menschen und auf die vernunftlosen Lebewesen
und sogar auf das unbelebte und überhaupt auf alles, was ist" (
De Princ
. I 3,5.) bzw.
,,jedenfalls glauben wir, dass Gottes Güte durch seinen Christus die ganze Schöpfung zu
einem einzigen Ende führen wird, in dem auch die
Feinde
[= Teufel und böse Geister]
unterworfen werden."
89
Im Hinblick auf den Prozess hin zur Allversöhnung gibt Origenes zuletzt selbst an einer
Stelle zu, dass ,,der größte Sünder [...] auf eine
mir unbekannte Weise
sein Heil erlangt",
was ,,grundsätzlich im menschlichen Unwissen darüber beruht."
90
Daher lässt sich nicht
sagen, auf welche Weise Origenes sich die Umsetzung der Allversöhnung vorstellte.
Einige Forscher zweifeln sogar an, ob Origenes wirklich von der Apokatastasislehre
überzeugt war oder tatsächlich nur eine Theorie gedanklich durchspielte. So spricht
84
Vgl. KNIGHT, Kevin: http://www.newadvent.org/fathers/101613.htm
(vom 13.11.08).
85
Vgl. NOCKE: ,,Eschatologie"; S. 439.
86
Vgl. GROSS, Peter: ,,Origenes": in: RGG (Bd. 6) (4. Aufl.); Tübingen 2003, S. 658.
87
Vgl. ORIGENES: ,,Vier Bücher von den Prinzipien"; Vorwort von Görgemanns und Karpp; S. 25f.
88
Vgl. GROSSS: ,,Origenes"; in: RGG (Bd. 6); S. 658.
89
Vgl. De Princ. I 6, 1-2 (S. 215-217).
90
Vgl. ORIGENES: ,,Vom Gebet" (BKV); München 1926, S. 109.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
22
Origenes in der Einleitung seines Kapitels über das Ende lediglich von einer ,,Übung", die
,,mehr den Charakter einer Disputation als einer Lehre"
91
habe. Auffällig ist m.E. allerdings,
dass er im weiteren Verlauf von
De Princ.
ausschließlich für die Allversöhnung plädiert
(obwohl er ja eigentlich von einer ,,dialektischen Übung" spricht) und indikativische Rede
verwendet. Damit macht er m.E. den Eindruck eines recht überzeugten Vertreters dieser
Lehre. Möglicherweise handelt es sich bei diesem zitierten Vorwort um eine nicht ernst
gemeinte, floskelhafte Einleitung (was er bei den anderen Themen allerdings nicht tut).
Andersherum könnten aber auch schlichtweg Fragmente seiner Werke fehlen (wovon die
Forschung bei
De Princ.
jedoch nicht ausgeht)
92
oder (wie singuläre Kritiker bemerken)
93
es
wurden nachträglich die Apokatastasis-Stellen bei Origenes gefälscht. Tatsächlich stellt sich
das Problem, dass Rufin, der Übersetzer des griechischen Originals
Peri archon
, nicht mehr
rekonstruierbare Textänderungen vollzogen hat, so dass man den eigentlichen Standpunkt
des Origenes wahrscheinlich nicht mehr eruieren kann
94
:
,,Wo wir [Rufin u. a.] deshalb in seinen Büchern etwas fanden, was seinen eigenen
rechtgläubigen Lehraussagen über die Trinität widersprach, die er an den übrigen Stellen
gegeben hatte, so haben wir das als verfälscht oder unzugehörig entweder ausgelassen oder
nach der Norm formuliert, die wir bei ihm selbst vielfach ausgesprochen fanden."
95
Demzufolge existiert auf Grund der anzweifelbaren Überlieferungslage in der Origenes-
Forschung hinsichtlich dessen Vorstellung von einem dualistischen Ausgang kein Konsens.
Zu Recht, hat man doch in anderen Werken (vor allem in seinen homiletischen Schriften)
deutliche Hinweise für ein traditionelles Höllenverständnis gefunden. So spricht Origenes
z.B. in seinen Homilien über Ezechiel beifällig von der ,,allgemeinen Übereinkunft" über die
Endgültigkeit der Bestrafung ganz im Gegensatz zur ,,Torheit einiger", die glauben, dass
jemand durch die Gebete heiliger Fürbitter aus der Hölle gerettet würde.
91
Vgl. De Princ. I 6,1: ,,Dabei sprechen wir unsererseits mit großer Behutsamkeit, mehr als Untersuchende und
Erörternde denn als fest und sicher Behauptende. Wir haben angegeben, über welche Dinge man eine klare Lehre
aufzustellen hat, und das haben wir, glaube ich, auch nach Kräften bei der Behandlung der Trinität getan; über das
jetzige Thema [der Allversöhnung] dagegen halten wir, so gut wir können, eine (dialektische) Übung ab, die mehr
den Charakter einer Disputation als eine Lehre hat."
92
Vgl. GROSSS: ,,Origenes"; in: RGG (Bd. 6); S. 658.
93
Z.B. der Patriach Germanos von Konstantinopel (+ nach 730) (vgl. LOOSEN: ,,Apokatastasis"; in: LThK (Bd.1); S.
710).
94
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 490; CROUZEL, Henri: ,,Die Origenes-Forschung im 20 Jahrhundert; in:
VORGRIMLER, Herbert (Hg.): ,,Bilanz der Theologie im 20. Jahrhundert" (Bd. III); Freiburg (u.a.) 1970, S. 515-
521.
95
Vgl. De Princ., prae. Ruf. (S. 79).

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
23
Selbst in seinem systematischen Hauptwerk
De Princ.
wird die Lehre nicht systematisch
entfaltet, sondern an verschiedenen Stellen in den Gedankengang eingeordnet.
Schwierigkeiten bereitet auch die methodische Eigenart des Origenes, vieles als Frage
aufzuwerfen und durchzuspielen, ohne dass sich feststellen ließe, ob es sich um eine fertige
Stellungnahme handelt.
96
Trotz aller Unsicherheiten muss man ihn dennoch als Initiator, als
,,geistlichen Stammvater" der Apokatastasislehre ansehen ­ auch wenn sein wirklicher
Standpunkt umstritten bleibt, gilt dies zumindest wirkungsgeschichtlich.
97
II.5. Seine exegetischen Methoden
Unabhängig davon, ob Origenes die Vorstellung der Allversöhnung als These oder als
ausgereifte Lehre vertrat, entwickelte er sie auf exegetische Weise aus verschiedenen
Perikopen, z.B. aus Ps 110,1
98
oder aus der für ihn wichtigsten biblischen Stelle
99
1 Kor 15,
25-28 (besonders dessen letzter Vers): Die Vollendung wird darin bestehen, dass ,,Gott [...]
alles [...] in allem" sein wird. Da alles in Gott sein werde und Gott per se gut sei, könne es
keine Koexistenz der Bereiche Himmel und Hölle, demnach von Gut und Böse geben.
100
Origenes sah in der Allversöhnung den nach Ps 110,1 zu erwartenden Antritt der Herrschaft
Christi über die gesamte Schöpfung, die 1 Kor 15,25-28 und Phil 2,5-11
101
vorausgesagte
Unterwerfung aller Feinde unter Christus und durch Christus unter den Vater. Mit der
Apokatastasis beginne der Himmel und die neue Erde (Is 66,22), mit ihr erfülle sich die
Einheit aller mit Gott, um die Jesus bete (Joh 17,21-23)
102
und die Paulus ansprach (Eph
96
Vgl. BREUNING, Wilhelm: ,,Zur Lehre von der Apokatastasis"; in: Internationale Zeitschrift ,,Communio" (10.
Jahrgang); Ostfildern 1981, S. 20.
97
Vgl. WAGNER: ,,Dogmatik"; S. 488.
98
,,So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter
die Füße" (Einheitsübersetzung Stuttgart 1992).
99
Vgl. VOGT, Hermann Josef: ,,Origenes als Exeget"; Schöningh 1999, S. 19.
100
Vgl. VORGRIMLER, Herbert: ,,Geschichte der Hölle" (2. Aufl.); München 1994, S. 99.
101
,,Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht
daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein
Leben war das eines Menschen; so erniedrigte er sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat Gott ihn über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im
Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus
Christus ist der Herr ­ zur Ehre Gottes,des Vaters" (Einheitsübersetzung).
102
,,Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt,
dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen
eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt
erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich." (Einheitsübersetzung).

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
Erdmann
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4,13)
103
. Nicht Mt 25,41 sei für Origenes das letzte Wort, sondern Röm 11,26: Die Sünder
kommen ins ewige Feuer ­ bis Israel sich um jede Seele mit den Heilmitteln kümmere, die
nur er kenne, und ,,ganz Israel gerettet wird" (in Ios. Hom. 8,5).
104
Kritikern, die dagegen auf ,,Höllenperikopen" rekurrieren, begegnete Origenes dabei mit
einem nicht-wortwörtlichen Bibelverständnis. So müsse die theologische Tradition der
Kirche von apokalyptischen Vorstellungen entmythologisiert, die biblischen Höllenbilder
metaphorisch ausgelegt werden:
105
Das Feuer beispielsweise bedeute die von jedem
Sünder selbst entzündete Unausgeglichenheit der Leidenschaft und die damit verbundenen
Schmerzen und die Plage des Gewissens. Oder in seinem Johanneskommentar versteht
Origenes die Rede vom ewigen Feuer nicht wortwörtlich, sondern erklärt (zu Recht), dass
man das griechische Wort
aionos
nicht nur mit ,,ewig", sondern auch mit der Wendung ,,sehr
lange" übersetzen könne. Bei anderen Feuer-Perikopen weist Origenes ausdrücklich darauf
hin, dass das ewige Feuer für den Teufel und seine Engel bestimmt sei, als ob damit
impliziert werden solle, dass es nicht für menschliche Seelen gedacht sei.
106
Sein hermeneutisches Konzept ging davon aus, dass die Bibel selbst eine symbolische
Deutung übe und unterstütze.
107
Gewiss habe die Heilige Schrift einen Wortsinn, der auf die
,,schlichten" Leser abziele, so dass viele Erzählungen und moralische Geboten genau das
meinten, was sie sagten.
108
Doch die Bibel sei ebenso voller Hinweise, die uns zu der
Erkenntnis führten, dass nicht alles dem Wortsinn nach gelesen werden könne. Dazu
gehörten Erzählungen, die nicht wirklich wahr sein könnten, und Gebote, die zu befolgen
unmöglich sei, wie z.B. das Töten von acht Tage alten Säuglingen auf Grund von
Unbeschnittenheit oder das Herausreißen eines Auges wegen lüsterner Blicke.
109
In seinen
Kommentarwerken spricht Origenes demzufolge vom zweigestuften Schriftsinn, der
Tropologie und der Allegorese
110
bzw. vom ,,tötenden Buchstaben" in Abgrenzung zum
,,lebendig machenden Geist" als zwei verschiedene Schriftsinne.
111
Derjenige, der am reinen
103
,,So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum
vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen." (Einheitsübersetzung).
104
Vgl
.
FÜRST: ,,Laßt uns erwachsen werden!"; in: ,,Theologie und Philosophie" (75. Jahrgang 2000), S. 329.
105
Vgl. FÖRST: ,,Eschatologie"; S. 48.
106
Vgl. Hom in Jos 14,2.
107
Vgl. De Princ. IV, 3.
108
Vgl. De Prin. IV, 3,4.
109
Vgl. De Prin. IV, 2,5; IV, 3, 1-3.
110
Vgl. GESSEL, Wilhelm: ,,Origenes"; in: WAGNER, Harald/ HÄRLE, Wilfried: ,,Theologenlexikon" (2. Aufl.);
München 1994, Sp. 209.
111
Vgl. VOGT: ,,Origenes als Exeget"; S. 74.

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
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Wortsinn festhalte, erkenne nicht den Willen des Geistes.
112
Eine Nichtbeachtung des nicht-
wortwörtlichen Sinns führe nach Origenes zu schwerwiegenden Irrtümer: Weil bestimmte
alttestamentliche Prophezeiungen nicht buchstäblich in Erfüllung gegangen seien,
weigerten sich die Juden, das Evangelium anzunehmen.
113
Manche Forscher erklären, dass die biblischen Bezüge bei Origenes' Allversöhnungslehre
lediglich illustrativen und keinen konstitutiven Charakter hätten. Entscheidend seien für
seine Allversöhnungslehre die Güte Gottes (
bonitas dei
), das Christusgeschehen (
per
Christum
), das eine Ende der Geschichte (
in unum finum
) und die Willensfreiheit der
Vernunftgeschöpfe: Diese vier Elemente garantierten die ,,vollkommene Wiederbringung der
ganzen Schöpfung" (
perfecta universae creaturae restitutio
)
114
einschließlich einer
,,Wiederherstelllung der Verlorenen" (
reparatio perditorum
).
115
Auch an anderen Stellen
argumentiert er nicht biblisch, sondern eher logisch: ,,Etwas Ewiges kann doch zu keinem
andern Ewigen in Gegensatz stehen [...] Nun aber ist sicher, dass der Tod zum Leben in
Gegensatz steht. Also ist sicher, dass, wenn das Leben ewig ist, der Tod nicht ewig sein
kann."
116
Die Frage, ob Origenes in seinem Denken eher biblisch oder philosophisch orientiert war,
wird jedoch bereits seit der Antike diskutiert
117
und ist bisher unbeantwortet geblieben.
118
II.6. Seine Gegner ­ Augustinus
Der die westliche Eschatologie prägende Widerspruch gegen die origenistische Konzeption
kam entscheidend von dem Kirchenlehrer und Bischof Augustinus von Hippo, der als
,,wirkungsmächtigster Gegner der Apokatastasis"
119
von dem doppelten Ausgang des
Gerichts ausging und als notwendige Voraussetzung für den Entscheidungsernst des
Christseins ansah.
120
112
Vgl. VOGT: ,,Origenes als Exeget"; S. 30.
113
Vgl. ROWEN, Williams: ,,Origenes/ Origenismus"; in: ,,Theologische Realenzyklopädie" (Bd. XXV); Berlin 1995,
S. 397-420, insbesondere S. 412f.
114
Vgl. De Princ. III, 5,7.
115
Vgl. De Princ. III, 5,7.
116
Vgl. ORIGENES: ,,Ad Romanos" (V/7, PG 16, 1037 A); in: JANOWSKI: ,,Allerlösung" (Bd. 1); S. 117.
117
Vgl. MARKSCHIES: ,,Origenes"; in: RRG (Bd. 4); S. 661.
118
Vgl. LOOSEN: ,,Apokatastasis"; in: LThK (Bd.1); S. 710.
119
Vgl. JANOWSKI: ,,Allerlösung"; (Bd. 1), S.195.
120
Vgl. BREUNING, Wilhelm: ,,Apokatastasis"; in: ,,Lexikon für Theologie und Kirche" (Bd. 1) (3. Aufl.); Freiburg

Einführung in die Allversöhnungsdiskussion
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26
Die wichtigsten Gegenargumente nimmt Augustinus aus der Schrift
121
, welche seiner
Meinung nach eindeutig von der Ewigkeit der Verdammnis rede
122
und beide Ausgänge
gleichrangig nebeneinander stelle: ,,In ein und demselben Sinn zu sagen, das ewige Leben
werde endlos sein, die ewige Pein aber werde ein Ende haben, ist völlig sinnlos. Weil also
das ewige Leben der Heiligen ohne Ende sein wird, deshalb wird auch die Strafpein für die
Verdammten ewig sein und zweifellos kein Ende haben."
123
Daneben rekurriert Augustinus auf die kirchliche Praxis, nicht für den Teufel und seine Engel
zu beten, weil die Kirche nämlich um die Ewigkeit und Unendlichkeit der Höllenstrafe wisse.
Derselbe Grund werde auch beim eschatologischen Gericht der Fürbitte der Menschen für
die mit dem ewigen Feuer zu bestrafenden Menschen hindernd im Wege stehen.
124
Dagegen hat er in
De civitate Dei
die Hoffnung auf eine Erlösung aller süffisant-sarkastisch
als die Ansicht von ,,mitleidigen Seelen" degradiert.
125
Interessanterweise kann Augustinus wie Origenes die Formel aus 1 Kor 15, 28 heranziehen,
jedoch mit einem völlig anderen Ergebnis: In der künftigen Herrlichkeit, wo jedes Übel
ausgeschlossen, kein Gut verborgen sein wird", wird ,,Gott alles in allem sein". Aber diese
Perspektive sei nach Augustinus eben die Aussicht derer, die gerettet werden!
Mit der allegorisch-spirituellen Schriftauslegung des Origenes konnte er sich nicht
vertragen, weil er die Schrift wortwörtlicher verstand.
Origenes' Theologie, die erst später Apokatastalehre genannt wurde, fand auch bei
Anhängern einer mystischen und spirituellen Theologie wenigstens bis zum Konzil von
Nicäa auch Anklang und wurde erst in der Versammlung der Konstantinopolitanischen
Kirchenprovinz (543) verurteilt.
126
Zu den Vertretern einer ähnlichen Theologie gehörten
1993, S. 823.
121
Vgl. z.B. Mt 25,41.46; 2 Petr 2,4; Offb 20, 10.
122
,,[...] hier die ewige Pein und dort das ewige Leben" (Augustinus, Civ. Dei XXI 17-22).
123
Vgl. AUGUSTIN, Ench 29, S. 113; in: JANOWSKI: ,,Allerlösung", (Bd. 1) S. 114.
124
Vgl. NOCKE: ,,Eschatologie"; S. 438.
125
Vgl. Augustinus: ,,De civitate dei" XXI, c.17.; in: STRIET, Magnus: ,,Streitfall Apokatastasis"; in: Theologische
Quartalschrift (184. Jahrgang); Donauwörth 2004, S. 198.
126
,,Wenn einer sagt oder dafür hält, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und
werde zu
irgendeiner Zeit ein Ende haben; oder es werde eine Wiederbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen
geben
- so sei er im Banne. Der Bann (sei gesprochen) über Origenes, der auch Adamantios heißt, welcher dies
ausgesprochen hat, samt seinen abscheulichen und fluchwürdigen Lehren, und über jede Person, die dies denkt
oder
verteidigt oder in irgendeinem Punkt überhaupt zu irgendeiner Zeit dies zu vertreten wagt" (vgl. De Prin.;
Ende der Leseprobe aus 124 Seiten

Details

Titel
Apokatastasis. Einführung in die Allversöhnung Gottes
Untertitel
Die eschatologische Vorstellung der Apokatastasis panton
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
124
Katalognummer
V374499
ISBN (eBook)
9783668528673
ISBN (Buch)
9783668528680
Dateigröße
1090 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
apokatastasis, einführung, allversöhnung, gottes, vorstellung
Arbeit zitieren
Peter Hubertus Erdmann (Autor), 2009, Apokatastasis. Einführung in die Allversöhnung Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374499

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