Im Zuge der Digitalisierung ab Ende des 20. Jahrhunderts hat sich die globale Gesellschaft sehr schnell und sehr stark verändert. An nahezu allen Stellen des täglichen Lebens bieten digitale Technologien eine Vereinfachung des Alltags und, neben vielen weiteren Dingen, vor allem auch eine Erweiterung und Veränderung unseres Kultur- und Informationskonsums. Insbesondere letzterer Aspekt erfährt vor allem in der globalen Buchbranche durchaus auch kritische Betrachtung: Neuere Technologien werden nicht nur als Erweiterung, sondern vorrangig als Bedrohung bereits bestehender Medien (im Falle der Buchbranche also als Bedrohung des Buches) aufgefasst. Tatsächlich hat sich seit dem Beginn der Digitalisierung der Buchmarkt stark verändert: Seit den späten 1990er Jahren erweiterte sich die seit Jahrhunderten bestehende, um das kulturelle Leitmedium ‚(gedrucktes) Buch’ aufgebaute Branche um eine Mehrzahl neuer, in Materialität und Medialität vom Printbuch verschiedener Publikationsformen.
Diese Arbeit möchte sich, aufbauend auf einer Übersicht zur Medienlandschaft der deutschen Buchbranche im 21. Jahrhundert, zunächst der Definition des Buchbegriffes widmen sowie die Fragen klären, wie sich das Medium Buch im Rahmen der Digitalisierung verändert hat sowie ob und inwiefern eine Neudefinition dieses Begriffes notwendig ist, um auch die neuen Publikationsformen, die sich aktuell auf dem deutschen Buchmarkt etablieren und etabliert haben, miteinzubeziehen. Sodann soll herausgearbeitet werden, welche Konsequenzen die Präsenz dieser neuen Publikationsformen auf dem deutschen Buchmarkt für die Branche mit sich bringt, wenn es um die Anwendung rechtlicher Regulierungen, insbesondere des Buchpreisbindungsgesetzes und des Umsatzsteuergesetzes, geht. Gerade an dieser Stelle, nämlich der rechtlichen Definition besagter neuer Publikationsformen und der Anwendung von buchbranchenrelevanten deutschen Gesetzen auf diese Medien, tritt eine Vielzahl von Problemen auf, die in der Branchenpresse und auch im Alltag der Branchenteilnehmer sehr präsent sind. Weiterhin sollen jedoch auch Problematiken beleuchtet werden, die nicht aus Unzulänglichkeiten in der begrifflichen Definition, sondern vielmehr aus Unterschieden in der materiellen Medialität (print/digital) resultieren. Im Fokus sollen hierbei das Buchpreisbindungsgesetz und das Umsatzsteuergesetz stehen, wobei jedoch in einem kurzen Exkurs auch der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag betrachtet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die deutsche Buchbranche
2.1. Historischer Hintergrund der deutschen Buchbranche
2.2. Die Medienlandschaft der deutschen Buchbranche im 21. Jahrhundert
3. Das Medium ‚Buch’
3.1. Begriffsklärung
3.1.1. Das (gedruckte) Buch
3.1.2. Das E-Book
3.1.3. Weitere Medienformen
3.2. Materialität und Medialität: Buchformen im Spannungsfeld zwischen Träger und Telemedium
3.3. Zusammenfassung und Fazit
4. Buchmedien im deutschen Recht
4.1. Das Buchpreisbindungsgesetz
4.1.1. Der Buchbegriff im Buchpreisbindungsgesetz
4.1.2. Problematiken bei der Anwendung des Buchpreisbindungsgesetzes
4.2. Das Umsatzsteuergesetz
4.2.1. Der Buchbegriff im Umsatzsteuergesetz
4.2.2. Problematiken bei der Anwendung des Umsatzsteuergesetzes
4.3. Exkurs: Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag
4.3.1. Der Medienbegriff im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag: Das E-Book als Telemedium
4.3.2. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag in der Anwendung
4.4. Fazit
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die rechtliche Definition des Buchbegriffs im Kontext der deutschen Gesetzgebung unter Berücksichtigung der durch die Digitalisierung veränderten Medienlandschaft. Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit veraltete Buchbegriffe im Buchpreisbindungsgesetz, Umsatzsteuergesetz und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag zu Problemen für die Buchbranche führen und ob eine zeitgemäße Neudefinition zur Lösung dieser Herausforderungen beitragen kann.
- Historische und aktuelle Entwicklung der deutschen Buchbranche
- Begriffsbestimmung von Buch, E-Book und weiteren digitalen Publikationsformen
- Herausforderungen durch die materielle vs. digitale Medialität
- Rechtliche Einordnung und regulatorische Problematiken
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Das E-Book
Wenngleich das E-Book im Vergleich zum Hörbuch deutlich später in den deutschen Buchmarkt eingestiegen ist, hat es sich schon heute mit einem Marktanteil von 4,5 % im Jahr 2015 zum nach dem Printbuch umsatzstärksten Medium etabliert. Präzise Definitionen für das E-Book sind dennoch auch innerhalb des wissenschaftlichen Bereiches spärlich. Vielfach erfolgt die Definition über das Printbuch (für das ebenfalls, wie in Kapitel 3.1.1 festgestellt, mehrere Definitionen von unterschiedlicher Detailliertheit und Präzision vorliegen) und grenzt das E-Book von diesem über die Unterschiede im Materialitätsaspekt ab, wie es etwa bei Cliff McKnight und James Dearnley geschieht: „[An] e-book can be defined as the content of a published book made available to the reader in electronic form.“ Auch die Definition von Chris Armstrong schlägt eine ähnliche Richtung ein: „An e-book is: any content that is recognisably ‚book-like’, regardless of size, origin or composition, but excluding journal publications, made available electronically for reference or reading on any device (handheld or desk-bound) that includes a screen“ . Während die Definition von McKnight/Dearnley in Anbetracht des heute stark verbreiteten Formates e-book only schlicht nicht (mehr) zutreffend ist, weist die Definition Armstrongs, wenngleich weniger stark durch das Printbuch bestimmt, eine gewisse Konturlosigkeit auf: Was ist unter „recognisably ‚book-like’“ zu verstehen? Welche Kriterien machen einen Inhalt buchähnlich? Und wie ist das Produkt Buch definiert, dem er ähnlich sein soll?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Buchmarktes durch die Digitalisierung und definiert die Forschungsfrage, ob eine Neudefinition des Buchbegriffs für die rechtliche Praxis notwendig ist.
2. Die deutsche Buchbranche: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über den historischen Hintergrund und die aktuelle Medienlandschaft, um die Basis für die spätere Analyse des Buchbegriffs zu schaffen.
3. Das Medium ‚Buch’: Hier erfolgt eine detaillierte Begriffsklärung und Auseinandersetzung mit verschiedenen Buchmedienformen sowie deren Materialität und Medialität.
4. Buchmedien im deutschen Recht: Das Hauptkapitel untersucht die Auswirkungen der veralteten rechtlichen Definitionen auf das Buchpreisbindungsgesetz, das Umsatzsteuergesetz und den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die geltenden Gesetze der Medienrealität des 21. Jahrhunderts nicht mehr angemessen Rechnung tragen.
Schlüsselwörter
Buchbegriff, Buchpreisbindungsgesetz, Umsatzsteuergesetz, Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, E-Book, Digitalisierung, Buchbranche, Medienlandschaft, Materialität, Medialität, Printbuch, Hörbuch, Onlinebuch, Rechtliche Regulierung, Buchhandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich das Medium Buch im digitalen Zeitalter verändert hat und ob die bestehenden rechtlichen Definitionen in Deutschland noch zeitgemäß sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen technischer Digitalisierung, der Veränderung des Medienangebots und den daraus resultierenden juristischen Problemen für Verlage und Buchhändler.
Welches ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines geschärften Buchbegriffs, der moderne Publikationsformen wie E-Books rechtlich adäquat abbilden kann, um branchenweite Probleme bei der Anwendung von Gesetzen zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine qualitative Analyse durchgeführt, bei der ausgewählte existierende Definitionen des Buchbegriffs hinsichtlich ihrer Eignung für die heutige Buchmedienlandschaft untersucht und mit Gesetzestexten verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Anwendung des Buchpreisbindungsgesetzes, des Umsatzsteuergesetzes und des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages auf moderne Buchmedien sowie der Darstellung der damit verbundenen Probleme für die Branche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Buchbegriff, Buchpreisbindung, Umsatzsteuer, Digitalisierung und Medienlandschaft.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Trägermedium und Inhalt bei E-Books so wichtig?
Weil viele Gesetze noch auf der physischen Untrennbarkeit von Träger und Inhalt basieren, während E-Books diese Verbindung auflösen, was zu Unklarheiten in der rechtlichen Einordnung führt.
Welche spezifische Problematik ergibt sich bei Bundle-Angeboten im Buchhandel?
Da Printbücher und E-Books unterschiedlich besteuert werden, erschwert das Umsatzsteuergesetz die korrekte Preisaufteilung bei kombinierten Angeboten und erhöht den administrativen Aufwand für Verlage massiv.
- Citar trabajo
- Lou Hilsbecher (Autor), 2016, Der Buchbegriff im Buchpreisbindungs- und im Umsatzsteuergesetz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374502