Das Gesundheitswesen befindet sich durch die fortschreitende Digitalisierung in einem Prozess der Veränderung. Dabei bringt diese Veränderung mehr mit sich als den bloßen Einsatz von Technologien. Vielmehr verändern sich auch die Strukturen der Gesundheitsversorgung sowie die Art und Weise der Interaktion zwischen den beteiligten Akteuren. Die Digitalisierung und der damit verbundene Einsatz von neuen Technologien stellt dabei keinen Selbstzweck dar, sondern es existiert eine Vielzahl an Gründen und Treiber, auf die in Abschnitt 2.1 dieser Arbeit näher eingegangen wird.
Traditionell ist das Rollenverständnis von medizinischem Fachpersonal und Patienten durch eine klare Trennung von Laie und Experte definiert. Im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen, die in den Abschnitten 2.2 sowie 2.3 für die beteiligten Akteure beschrieben wird, kommt es zu einer Neudefinition der klassi-schen Rollen, die auch die Beziehung zwischen Patient und Fachpersonal verändert.
Im Rahmen von Studien sowie Fachliteratur und auch von Seiten der Ärzte selbst werden teilweise Bedenken geäußert, dass die mit der Digitalisierung einher-gehenden Veränderungen zu einer Störung dieser Beziehung führen könnten.
Der Fokus dieser Arbeit liegt daher auf der Frage, wie die Digitalisierung die Rollen von sowohl Arzt, im weitgefassten Sinne als medizinischem Leistungserbringer, als auch Patient und damit letztlich die Beziehung zwischen beiden Seiten verändert. Aufbauend auf den mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen einhergehenden Veränderungen widmet sich Kapitel 3 dieser Frage und betrachtet damit verbundene Potenziale, Probleme, Herausforderungen sowie Lösungsstrategien. Abschließend wird ein zusammenfassendes Fazit der Entwicklung gezogen. Methodisch fokussiert sich die Arbeit auf die systematische Auswertung von Fachliteratur, Fachzeitschriften sowie aktueller Studien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Digitalisierung im Gesundheitswesen und Digitale Patienten
2.1 Begriffsverständnis
2.2 Ursachen und Treiber
2.3 Digitalisierung auf Seiten der medizinischen Leistungserbringer
2.4 Digitale Patienten - Digitalisierung auf Seiten der Patienten
3 Veränderung der Arzt-Patienten-Beziehung
3.1 Veränderte Rollen von Arzt und Patient
3.2 Implikationen und Potenziale für die Beziehung zwischen Arzt und Patient
3.3 Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze
3.3.1 Akzeptanz
3.3.2 Entpersonalisierung
3.3.3 Überforderung
3.3.4 Informations- und Angebotsselektion
3.3.5 Herausforderungen durch den Einsatz von MDSS
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen die traditionelle Beziehung zwischen Arzt und Patient transformiert. Im Fokus steht dabei die Analyse, wie sich die Rollen der Akteure verändern und welche Auswirkungen dies auf die medizinische Versorgung hat.
- Transformation der Arzt-Patient-Beziehung durch digitale Technologien
- Veränderung der Patientenrolle hin zum informierten, aktiven Kunden
- Einsatz von Medical Decision Support Systemen (MDSS) und Telemedizin
- Potenziale und Risiken einer partizipativen Gesundheitsversorgung
- Herausforderungen wie Akzeptanz, Entpersonalisierung und Informationsselektion
Auszug aus dem Buch
3.1 Veränderte Rollen von Arzt und Patient
Der Arzt als Experte verfügt gemäß den klassischen Rollen über ein Wissen, welches dem Patienten nicht zur Verfügung steht. Dieser Wissensvorsprung verleiht ihm Macht im Rahmen der Beziehung mit dem Patienten, bringt jedoch auch große Verantwortung mit sich. Dem traditionellen Rollenbild des Arztes als paternalistischem Leistungserbringer, der einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung gegenüber dem Patienten hat und diesen aus einer Fürsorgeverpflichtung heraus behandelt, steht der passive Patient als untergeordneter Leistungsempfänger ohne Beteiligung in den Entscheidungsprozessen gegenüber.
Durch die Verfügbarkeit von Informationen verschiebt sich die Informationsasymmetrie zwischen Arzt und Patient. So ist es möglich, dass Digitale Patienten letztlich über mehr spezifische Informationen verfügen als der behandelnde Arzt selbst. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen informieren sich Patienten oft umfassend über neue Therapien, Medikamente und Entwicklungen. Durch die Vernetzung der Patienten bilden sich so Wissensressourcen, über die ein einzelner Arzt kaum verfügen kann. Die sich vor allem aus der Informationsasymmetrie ergebende klare Trennung von Laie und Experte nimmt ab. Damit entwickeln sich Patienten weg von der passiven Rolle als bloßem Leistungsempfänger hin zu einem aktiven Bestandteil in ihrer eigenen nunmehr partizipativen und auf gleichberechtigter Kommunikation fußenden medizinischen Versorgung. Die Entwicklungen führen zu einer gesteigerten Autonomie und Eigenverantwortung der Patienten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den Transformationsprozess des Gesundheitswesens ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der veränderten Arzt-Patienten-Beziehung durch Digitalisierung.
2 Digitalisierung im Gesundheitswesen und Digitale Patienten: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Digitalisierung, definiert zentrale Begriffe und analysiert die Treiber sowie Ausprägungen auf Seiten von Ärzten und Patienten.
3 Veränderung der Arzt-Patienten-Beziehung: Dieser Hauptteil untersucht die Rollenwandel-Prozesse, das Konzept des Shared Decision Making und erörtert kritisch die Herausforderungen wie Akzeptanz, Entpersonalisierung und Datenmanagement.
4 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Auswirkungen der Digitalisierung auf die zukünftige Arzt-Patienten-Beziehung.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Gesundheitswesen, Arzt-Patienten-Beziehung, eHealth, Digitaler Patient, Shared Decision Making, MDSS, Telemedizin, Informationsasymmetrie, Patientenautonomie, Gesundheits-Apps, Patientenpartizipation, Medical Decision Support Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitssektor die Interaktion und Rollenverteilung zwischen medizinischem Personal und Patienten grundlegend verändert.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Einführung moderner Entscheidungssysteme, das Internet als Informationsquelle für Patienten sowie die resultierende Verschiebung der Machtverhältnisse in der therapeutischen Beziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Transformation der Arzt-Patienten-Beziehung zu beleuchten und aufzuzeigen, wie digitale Tools sowohl Potenziale zur Verbesserung der Versorgung als auch spezifische Herausforderungen wie Datenintegrität oder zwischenmenschliche Entpersonalisierung schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Auswertung aktueller Fachliteratur, relevanter Fachzeitschriften und wissenschaftlicher Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse der veränderten Rollen, dem Konzept der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) sowie der Identifikation von Problemen wie Akzeptanz, Überforderung und der Selektion medizinischer Informationen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Digitalisierung insbesondere Shared Decision Making, Patientenautonomie, E-Health sowie der Einsatz technischer Unterstützungssysteme.
Wie verändert sich die Rolle des Arztes durch MDSS?
Der Arzt wandelt sich vom alleinigen Entscheider hin zu einem fachkundigen Berater, der durch intelligente Systeme (MDSS) bei der evidenzbasierten Entscheidungsfindung unterstützt wird.
Welche Gefahren sieht der Autor in Bezug auf die Digitalisierung?
Es werden insbesondere Risiken einer unpersönlichen Betreuung (Entpersonalisierung), eine mögliche Überforderung der Patienten bei zu viel Autonomie sowie Probleme bei der Filterung korrekter medizinischer Online-Informationen hervorgehoben.
- Arbeit zitieren
- Thomas Schneider (Autor:in), 2017, Wie verändert die Digitalisierung im Gesundheitswesen die Beziehung zwischen Arzt und Patient?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374509