Welche Bedeutung hatte die Ostgrenze des oströmischen Reichs für Iustinian I.?


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
3
2 Perserkriege
3
2.1 Exkurs: Prokop als wichtigste Quelle
3
2.2 499-532
4
2.3 540 - 545
7
2.4 Die Jahre bis zum Abschluss des Friedens 562
10
3 Vandalen- und Gotenreich
10
4 Fazit
13
5 Quellen- und Literaturverzeichnis
15
Seite 2

1 Einleitung
In der Lehrveranstaltung wurden viele wichtige Aspekte des Lebens von Iustinian
besprochen. Iustinian gilt heute als der größte und bedeutendste Herrscher der
Spätantike. Welcher nach dem Tod seines Onkels Iustin an die Macht kam. In seiner
Amtszeit hat Iustinian in vielen Bereichen große Erfolge verzeichnen können. Wichtig
ist im Bezug auf diese Arbeit seine erfolgreiche Kriegsbilanz gegenüber den Vandalen
und Goten.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Kriegsführung Iustinians und den einzelnen
Geschehnissen, die ihm die Möglichkeit eröffnet haben weite Teile des Westens zurück
zu erobern, auseinander setzen. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der Bedeutung
der Ostgrenze zum persischen Reich liegen, um die Abhängigkeit Iustinians zu den
Persern zu illustrieren.
Die Quellengrundlage meiner Hausarbeit basiert auf dem Autor Prokop, der zu
Lebzeiten Iustinians den wichtigsten Heerführer Belisar auf vielen Reisen begleitet hat.
Der wichtigste Band von Prokop im Bezug auf diese Arbeit sind die Perserkriege, in
denen er das genaue Vorgehen erläutert.
Die Sekundärliteratur bietet zu dieser Thematik ein großes Spektrum. Als wichtigste
Literatur ist allerdings Börms ,,Prokop und die Perser" zu nennen, da dieses sich
eingehend mit der Quellengrundlage Prokops beschäftigt. Wichtig ist ebenso das von
Winter und Dignas 2001 veröffentlichte Buch ,,Rom und das Perserreich", welches sich
mit der Darstellung der Beziehung zwischen beiden Parteien auseinandersetzt. Rubins
,,Das Zeitalter Iutsinians" offeriert ebenso eine übersichtliche Darstellung der Ereignisse
rund um den Perserkrieg. Mazal bietet allerdings nicht nur eine gute Aufschlüsselung
der Perserkriege, sondern auch für das Vandalen- und Ostgotenreich.
Diese Arbeit befasst sich zunächst mit einer kurzen Beschreibung Prokops. Im
Folgenden werden dann die römisch-sassanidische Kriegsgeschichte und deren
Ereignisse erläutert. Anschließend werden die teilweise parallel laufenden Vandalen-
bzw. Gotenkriege behandelt.
2 Perserkriege
In der einschlägigen Literatur werden die Perserkriege in zwei Zeitabschnitte geteilt,
weshalb die Autorin diese Zeitabschnitte auch für diese Gliederung beibehielt.
Zunächst beginnt ein Exkurs zu Prokop, da dieser als wichtigste historische Quelle
fungiert.
2.1 Exkurs: Prokop als wichtigste Quelle
Prokop wurde um 500 n.Chr. geboren und zählt heute zu den bedeutendsten
Geschichtsschreibern der Spätantike. Als seine Heimat gibt er selbst die Stadt
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Caesarea in Samaria an. Klar ist, dass Prokop nicht zu einer mittellosen Familie
1
gehörte, da er ein reges Wissen und eine gute Bildung besaß. Von der Familie selbst
ist nichts bekannt. In seinen Werken erwähnt Prokop immer wieder griechische
Autoren, denen er sich formal, sprachlich, stilistisch und auch teilweise auch inhaltlich
verpflichtet zeigt. Iustinian wird immer unterschiedlich beschrieben, so wird in den
2
Bauwerken ein ideales Herrscherbild, in den Historien ein neutrales bis kritisches
Herrscherbild und in den Anekdota ein schlechtes Herrscherbild von Iustinian
wiedergegeben. Zwar liegt im Moment in der Forschung die Ansicht vor, die drei Werke
bilden ein großes Ganzes, doch die Wahre Sicht von Prokop auf Iustinian muss bis zu
einem gewissen Punkt offen bleiben. Allerdings wird das sasanidische Reich in jedem
Werk als ein aktueller Kriegsgegner beschrieben.
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Wichtig im Zusammenhang zur Thematik ist das dritte Buch der Perserkriege.
Prokop sah sich selbst dazu in der Lage, durch die besten Vorraussetzungen, die
Geschichtsschreibung zu verantworten, da er zum juristischen Beirat bestellt war und
mit dem Feldherren Belisar an den meisten kriegerischen Ereignissen teilnahm.
4
Hauptsächlich handelt das Werk von den Kriegen im Zeitalter von Iustinian. Wer
Prokop den Auftrag gab, über die Kriege zu schreiben, ist unklar. Allerdings
unterstützte Belisar Prokop indem er ihm hilfreiche Informationen lieferte und ihm
frühzeitig in seine Pläne einweihte. Belisar wird in der Bella, das Hauptwerk zur
Kriegsgeschichte, als eine der Hauptfiguren und als eigentlicher Held beschrieben.
5
2.2 499-532
Im Jahre 499 gelang es Kav
dh I. wieder auf den sasanidischen Königsthron zurück zu
kehren, was zur Folge hatte, dass sich das Hauptaugenmerk der sasanidischen
Außenpolitik nach Westen verlagerte. Im Jahr 518 wird Iustin I. Nachfolger von Kaiser
6
Anastasius I. und unter ihm bricht der Krieg erneut aus. Grund dafür seien vor allem
7
die immer wieder aufkommenden Konflikte um die Grenzgebiete Lazika, Iberia und die
Kaspischen Tore.
8
Trotz des bevorstehenden Krieges standen die Zeichen vorerst auf Frieden und vor
allem für ein Bündnis. Laut Prokop schickte der Perserkönig Kav
dh einen Brief nach
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Konstantinopel, in dem er um die Adoption seines Sohnes Chrosrau I. durch Iustin
bittet. Prokop behauptet, dass Kav
dh durch die Thronfolge im oströmischen Reich
verunsichert war, da Iustin sich gegen die Verwandten des Anastasius durchsetzte. Er
Vgl. Börm 2007, S. 45.
1
Vgl. Beck 1986, S. 16ff.; Vgl. dazu Börm 2007, S. 46.
2
Vgl. Börm 2007, S. 49-52.
3
Prok., BP I, 1,3-6
4
Ebd. S. 21.
5
Vgl. Winter/Dignas 2001, S. 57.
6
Der letzte Krieg mit den Persern unter Anastasius (491-518) Herrschaft endete 505, ebd. S. 57.
7
Ebd. S. 58.
8
Vgl. Rubin 1960, S. 257.
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befürchtete, dass nach seinem Tod das Haus Susan die Krone verlieren könnte.
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Ebenfalls hält sich die These, dass Kav
dh nicht seinen erstgeborenen Sohn zum
Thronerben machen wollte, sondern seinen Lieblingssohn Chrosrau. Von diesem
Vorschlag soll Iustin sehr angetan gewesen sein. Auch sein Neffe und engster
Vertrauter Iustinian sprach sich für das Angebot der Perser aus.
Proklos hatte allerdings große Einwände, die schließlich auch zur Ablehnung des
Vorschlags geführt haben: ,,Denn darüber müsst ihr mit mir folgende Auffassung teilen:
Von Natur aus haben die Kinder Anspruch auf das Eigentum der Väter [...]. Tun wir
also den ersten Schritt, dann sind alle weiteren Zugeständnisse nur noch eine Frage
der Zeit."
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Trotz der langen Beratung auf Seiten des oströmischen Reichs macht Kav
dh einen
Vorschlag indem er ein Treffen zwischen hochrangigen Abgesandten vorschlägt die die
Einzelheiten klären sollten. Proklos Vorschlag einen Frieden auszuhandeln und den
Persern deutlich zu vermitteln, dass nur eine Waffenleihe eine Option wäre, wurde
angenommen.
Die römische Delegation traf sich mit den persischen Emissären an der Grenze beider
Großmächte. Man geht davon aus, dass dieses Treffen in der Nähe von Daraus bzw.
Nisibis stattfand. Auf beiden Seiten fanden sich hochrangige Abgesandte beider
Großmächte ein. Die römische Delegation bestand aus Hypatios (dieser war ein Neffe
des Anastasius) und Rufinos, der den persischen Großkönig Kav
dh bereits persönlich
kannte und als Perserfreund galt. Die persischen Emissäre waren Seoses und
Gebotes, die beide der obersten Führungsschicht angehörten. Chrosrau hielt sich in
der Nähe der Verhandlungen auf, da die Perser wohl mit einer positiven Einigung
rechneten. Trotzdem scheiterten die Verhandlungen, da Seoses das Thema Lazika
ansprach und die römischen Abgesandten dann erklärten,,,dass die Adoption des
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Chosreus wie bei einem Barbaren zu geschehen habe [...]." Im Anschluss der
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gescheiterten Verhandlung kam es auf beiden Seiten zu Konflikten, da sich wohl beide
Parteien mehr davon erhofft hatten. Trotz der fehlgeschlagenen Verhandlung kann
festgehalten werden, ,,dass die Beziehung zwischen Römern und Persern um 525
insgesamt offensichtlich recht gut waren, was sich in der Bereitschaft beider Herrscher
ausdrückte [...]"
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Die diplomatischen Niederlagen und die persönliche Beleidigung durch die Ablehnung
des Adoptionsvorschlags führten Kav
dh zu dem Entschluss erneut Krieg zu führen.
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Kurz vor dem Tod Iustins, brach 526 der Krieg erneut aus. Die Beziehung zwischen
beiden Großmächten kühlte wieder ab und brachte erneut die Fragen um Lazika, Iberia
Prok., BP I, 11, 5-12.
10
Prok., BP I, 11, 18.
11
Vgl. Börm 2007, S. 313.
12
Prok., BP I, 11, 29.
13
Vgl. Börm 2007, S. 317.
14
Vgl. Rubin 1960, S. 261.
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Seite 5

und die Kaspischen Tore auf. Nachdem Iustin 527 gestorben war, wurde Iustinian
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Alleinherrscher. Der neue römische Herrscher ließ direkt die Friedensbemühungen
intensivieren, da auch Proklos der größte Gegner der damaligen Adoption verstorben
war.
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Erst 530 in Dara konnte Belisar, einer der Kriegsführer Iustinians, einen Sieg für sich
entscheiden. Trotzdem konnte keine der Großmächte die Oberhand gewinnen. Die
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bis dahin immer wieder versuchten Friedensbemühungen mit Kavadh scheiterten. Am
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8. September 531 starb der persische Großkönig Kavadh und sein Wunsch, dass
Chrosrau seinen Platz einnimmt, traf ein.
Der Thronwechsel in Persien hatte für Iustinian einen wichtigen Vorteil, da Chrosrau
zunächst seine Macht im eigenen Land sichern musste. Durch diesen Wechsel hatte
Iustinian einen besseren Standpunkt gegenüber dem neuen Perserkönig. So konnte er
nun viel bessere Bedingungen in den Friedensverhandlungen erlangen, da er so tat als
wäre dieser schnelle Friedensabschluss nicht nötig für ihn. Trotzdem war für beide
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Seiten der immer noch andauernde Krieg nicht willkommen, da auch Iustinian
bemerkte, dass seine Truppen an der Ostgrenze keine durchschlagenden Erfolge
verzeichnen konnten und er so die Truppen für eine aktive Westpolitik einsetzen wollte.
Durch das taktische Zögern Iustinians stockten die Verhandlungen immer wieder bis in
das Jahr 532. Der Nika-Aufstand, der Iustinian fast den Thron kostete, steigerte um ein
Vielfaches den Friedenswillen des Kaisers.
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,,Kurz nachher fanden sich Rufinos, Alexandras und Thomas ein, um mit Herzogens
zusammen die Gesandtschaftsreise anzutreten; am Tigris trafen sie dann alle den
Perserkönig." ,,Rufinos berichtete nach seiner Ankunft in Byzanz dem Kaiser über die
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Friedensbedingungen des Chrosrau und erhielt von ihm den Befehl, in
Übereinstimmung damit den Vertag abzuschließen." Die Gesandten handelten den
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Frieden für Byzanz aus und einigten sich gebietsmäßig auf den Status quo. Es kam
hinzu, dass in Dara keine militärische Befehlsstelle mehr bestehen sollte. Chrosrau
stellte den römerfreundlichen iberischen Flüchtlingen die Rückkehr in ihr Heimatland
frei , im Gegenzug erlaubte Iustinian den Flüchtlingen mit Aufenthaltsgenehmigung für
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die Reichshauptstadt, sich frei im gesamten oströmischen Reich bewegen zu dürfen.
Byzanz erklärte sich bereit, die Goldgruben von Pharangion und die Festung Bolon
zurückzugeben, genauso gab Persien die lazischen Festungen zurück. Der Vertrag
sollte nicht nur als Friedensvertrag gelten, sondern auch als ein Bündnisvertrag
Vgl. Winter/Dignas 2001, S. 58.
16
Vgl. Börm 2007, S. 320.
17
Vgl. Rubin 1960, S. 279.
18
Ebd. S. 284.
19
Ebd. S. 292-295.
20
Vgl. Mazal 2001, S.109.
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Prok., BP I, 22, 1.
22
Prok., BP I, 22, 8.
23
Prok., BP I, 22, 16-18.
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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Welche Bedeutung hatte die Ostgrenze des oströmischen Reichs für Iustinian I.?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Iustinian I.
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V374562
ISBN (eBook)
9783668530553
ISBN (Buch)
9783668530560
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iustinian I., Ostgrenze, Perser, Vandalen, Goten, Perserkriege, Prokop
Arbeit zitieren
Friederike Kringe (Autor), 2016, Welche Bedeutung hatte die Ostgrenze des oströmischen Reichs für Iustinian I.?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374562

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