Die Beweggründe für eine Auslagerung vormals intern erbrachter Leistungen sind breit gefächert und schon lange nicht mehr auf eine reine Reduktion der Kosten beschränkt. So sind im Rahmen eines Outsourcings häufig verfolgte Ziele beispielsweise die Steigerung der Produktivität und Flexibilität des Unternehmens sowie eine verbesserte Qualität der ausgelagerten Leistungen; auch der Zugang zu spezifischem Know-how spielt eine wichtige Rolle bei der Outsourcing-Entscheidung. Ausgangspunkt ist dabei oftmals der zunehmend steigende Kosten- und Wettbewerbsdruck, dem sich Unternehmen heutzutage in den meisten Branchen ausgesetzt sehen. In der Folge werden sich künftig noch mehr Unternehmen intensiv mit dem Thema Outsourcing beschäftigen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder auszubauen.
Diese Arbeit ist Teil einer wissenschaftlichen Studie zum Thema „Outsourcing von Controlling-Tätigkeiten“, im Rahmen derer eine Erhebung unter in Deutschland ansässigen Unternehmen stattfand. Dabei wurden die Unternehmen unter anderem zu Zielen, Beweggründen und Hindernissen in Bezug auf das Outsourcing von Aufgaben des Controllings befragt. Hier soll der Fokus jedoch insbesondere auf der Eignung von Controlling-Tätigkeiten für ein Outsourcing liegen.
Im zweiten Kapitel werden zunächst die Begrifflichkeiten erläutert, die für das Verständnis des weiteren Verlaufs der Arbeit von Bedeutung sind. Im Anschluss folgt eine kurze Darstellung der Outsourcing-Aktivitäten in Deutschland und international, bevor die Rolle des Controllers im Unternehmen und deren Wandel weg von den Ursprüngen näher erläutert wird. Die Literaturübersicht zum Themenkomplex „Outsourcing des Controllings“ und verwandten Bereichen bzw. Funktionen schließt das Kapitel ab. Kapitel 3 widmet sich zunächst den Zielen und Motiven eines Outsourcings sowie den damit verbundenen Risiken. Im Folgenden werden verschiedene Theorien zur Erklärung von Sourcing-Entscheidungen eingeführt, wobei die Transaktionskostentheorie besondere Beachtung findet. Daran anschließend erfolgt die Herleitung der Hypothesen für den empirischen Teil der Arbeit. Das vierte Kapitel teilt sich in die Analyse der befragten Unternehmen und die Einführung des Schemas für die weitere Untersuchung (4.1) sowie die Überprüfung der Hypothesen (4.2) auf. Kapitel 5 fasst die Ergebnisse der Arbeit kritisch zusammen und schlägt Möglichkeiten für ergänzende Untersuchungen sowie die weitere Forschung zu diesem Thema vor.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Outsourcing und Controlling – Grundlagen und eine Bestandsaufnahme
2.1 Zwei Reorganisationsformen von Aufgaben und Prozessen
2.1.1 Outsourcing
2.1.2 Shared Service Center
2.2 Stand des Outsourcings weltweit
2.3 Die Rolle eines Controllers im Unternehmen
2.4 Literaturübersicht – das Outsourcing von Controllingaufgaben
3 Theorie und Hypothesen
3.1 Motive, Risiken und eine theoretische Annäherung an das Outsourcing
3.2 Herleitung der Hypothesen
4 Studie zum Outsourcing von Controlling-Tätigkeiten
4.1 Methodik und Datenbasis der Studie
4.2 Ergebnisse
5 Schlussbetrachtung und Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Controlling-Tätigkeiten für das Outsourcing aus der Perspektive der Unternehmenspraxis. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welche Faktoren – insbesondere unternehmensspezifische Komplexität, fachliche Komplexität und Häufigkeit – die Entscheidung zur Auslagerung maßgeblich beeinflussen und wie Unternehmen in Deutschland das Outsourcing in diesem Bereich derzeit handhaben.
- Analyse theoretischer Grundlagen von Outsourcing und Shared Service Centern.
- Untersuchung der sich wandelnden Rolle des Controllers im Unternehmen.
- Herleitung von Hypothesen auf Basis der Transaktionskostentheorie.
- Empirische Studie zur Eignung spezifischer Controlling-Aufgaben für das Outsourcing.
- Bestandsaufnahme des aktuellen Outsourcing-Standes in deutschen Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Motive, Risiken und eine theoretische Annäherung an das Outsourcing
Im Rahmen eines Outsourcings einzelner Tätigkeiten, Prozesse oder einer gesamten Funktion verfolgen Unternehmen verschiedenste Ziele und sehen sich gleichzeitig diversen Risiken ausgesetzt. Barrar et al. (2002, S. 198) unterscheiden zwei Formen von Outsourcing; taktisches Outsourcing zielt nicht auf eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Anbieter ab und ist damit nur eine erweiterte Form der Untervergabe, während eine strategisch eingesetzte Fremdvergabe eine dauerhafte und enge Bindung zum Kooperationspartner herzustellen versucht und oftmals mit unternehmensinternen Umstrukturierungen verbunden ist.
Das ursprüngliche – und nach wie vor oft genannte – Motiv von Outsourcing ist eine Reduktion der Kosten (vgl. Meckl und Eigler, 1998, S. 102; Kakabadse und Kakabadse, 2002, S. 191; Horváth et al., 2015, S. 354). Folgerichtig sind die erzielten Einsparungen ein wichtiger Gradmesser für die Bewertung des Erfolgs eines Outsourcing-Projektes (vgl. Christ et al., 2015, S. 85). Auch eine Erhöhung der Qualität der outgesourcten Leistungen sowie der Flexibilität und Produktivität im Unternehmen können verfolgte Ziele sein (vgl. Meckl und Eigler, 1998, S. 102; Ghodeswar und Vaidyanathan, 2008, S. 26).
Zudem ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister den Zugriff auf intern nicht verfügbare Technologie und spezialisiertes Fachwissen (vgl. Christ et al., 2015, S. 96). Dadurch kann das Unternehmen die intern zur Verfügung gestellten Ressourcen beschränken bzw. besser verteilen und sich in der Folge auf seine Kernkompetenzen konzentrieren (vgl. Beaumont und Sohal, 2004, S. 692; Ghodeswar und Vaidyanathan, 2008, S. 26). Insgesamt sind die genannten Ziele Ausdruck der Effizienzvorteile eines spezialisierten Dienstleisters und dessen technischer und fachlicher Möglichkeiten, die einem Unternehmen in der Regel nicht im selben Umfang zur Verfügung stehen (vgl. Barrar et al., 2002, S. 199; Contractor et al., 2010, S. 1418).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Beweggründe für Outsourcing im Allgemeinen sowie die Relevanz des Themas im Kontext aktueller Herausforderungen wie Industrie 4.0 und Big Data.
2 Outsourcing und Controlling – Grundlagen und eine Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe, grenzt Outsourcing von Shared Service Centern ab und diskutiert die Rolle des Controllers sowie den Stand der Literatur zum Thema.
3 Theorie und Hypothesen: Hier werden Ziele, Motive und Risiken des Outsourcings theoretisch fundiert, insbesondere unter Rückgriff auf die Transaktionskostentheorie, und daraus werden drei Hypothesen abgeleitet.
4 Studie zum Outsourcing von Controlling-Tätigkeiten: Dieses Kapitel präsentiert die Methodik der durchgeführten Befragung sowie die Ergebnisse der Analyse zur Eignung verschiedener Controlling-Aufgaben für ein Outsourcing.
5 Schlussbetrachtung und Diskussion der Ergebnisse: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert diese kritisch und gibt einen Ausblick auf Möglichkeiten für zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Outsourcing, Controlling, Shared Service Center, Transaktionskostentheorie, Unternehmensspezifische Komplexität, Fachliche Komplexität, Prozessreorganisation, Business Partner, Management Accounting, Auslagerung, Empirische Studie, Sourcing-Strategie, Prozessoptimierung, Kostenreduktion, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Eignung von Controlling-Tätigkeiten für das Outsourcing an externe Dienstleister und untersucht dabei die Sichtweise der Unternehmenspraxis.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen Outsourcing-Konzepte, die Weiterentwicklung des Controlling-Aufgabenprofils, die Anwendung der Transaktionskostentheorie auf Sourcing-Entscheidungen und die empirische Untersuchung von Outsourcing-Potenzialen im Controlling.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, diejenigen Controlling-Aufgaben zu identifizieren, die sich für eine Auslagerung eignen, und die Einflussfaktoren – wie Komplexität und Häufigkeit – auf diese Entscheidung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturrecherche mit einer quantitativen empirischen Studie, für die 145 Unternehmen in Deutschland befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (inkl. Hypothesenherleitung) und den empirischen Teil, in dem die Befragungsergebnisse analysiert und die Hypothesen anhand von Schemata und statistischen Tests überprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Outsourcing, Controlling, Shared Service Center, Transaktionskostentheorie und unternehmensspezifische Komplexität.
Was beeinflusst laut der Studie die Entscheidung für ein Outsourcing am stärksten?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere die unternehmensspezifische Komplexität einer Aufgabe und deren Ausführungshäufigkeit entscheidende Faktoren sind, die beeinflussen, ob Unternehmen ein Outsourcing in Erwägung ziehen.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von bisherigen Studien wie der von Sierke et al. (2016)?
Die vorliegende Arbeit ergänzt bestehende Forschung, indem sie den Fokus auch auf größere Unternehmen außerhalb des Mittelstands legt und eine detailliertere Differenzierung der Controlling-Aufgaben vornimmt.
- Quote paper
- Manuel Keitel (Author), 2016, Outsourcing von Controlling-Tätigkeiten. Grundlagen, Hypothesen und Studien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374715