Deutschlands hoher Leistungsbilanzüberschuss steht aktuell weltweit in der Kritik. Die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, wie Frankreich, vertreten die Ansicht, dass er sich schädlich auswirkt und Instabilitäten verursacht – international wie auch innerhalb der Währungsunion. Lohndumping und fehlende Investitionen in Deutschland seien die Gründe für den starken Überschuss. Der deutsche Staat weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass deutsche Produkte am Markt nach wie vor gefragt sind. Hohe Exportquoten sind seit langer Zeit fester Bestandteil Deutschlands.
Mit der Einführung des Euros von elf Staaten (aktuell 19 Mitgliedsstaaten) im Jahr 1999 (als Buchgeld) bzw. 2002 (als Bargeld) als gemeinsame Währung kam es zu weiterer Steigerung des Exportanteils. Nach der Finanzkrise 2007, von der auch Deutschland betroffen war, mussten von der Europäischen Zentralbank Maßnahmen zur Abwendung von Staatsbankrots vollzogen werden. Aber auch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU, kurz auch EWU) verabschiedeten sog. Rettungsschirme zur Hilfe der betroffenen Mitgliedsstaaten.
Sind die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse Teil der Krise? Wie schädlich und destabilisierend sind die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands für die Eurozone? Welche Gründe gibt es für die bestehenden innereuropäischen Leistungsungleichgewichte?
In dieser Arbeit wird unter Anwendung der Theorie der optimalen Währungsräume von Nobelpreisträger Robert Mundell untersucht, in wie weit die Europäische Währungsunion ein optimaler Währungsraum ist und demnach der Nutzen die Kosten von Währungsräumen übersteigt. Des Weiteren wird erörtert, ob Leistungsbilanzungleichgewichte eine negative Auswirkung auf Währungsräume haben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung in die Thematik
II. Betrachtung unter Anwendung der Theorie optimaler Währungsräume
1. Erläuterung der Theorie
a. Erklärung, Voraussetzungen/Kriterien für optimale Währungsräume
b. Kosten und Nutzen von Währungsräumen
2. Anwendung der Theorie auf die Eurozone
3. Abwägung – Betrachtung der Kosten und Nutzen für die EWU
4. Weitere aktuelle Auswirkungen der Euro-Einführung
5. Lösungsansatz
a. Aktuelle Maßnahmen auf die Situation
b. Forderungen der Euro-Mitgliedstaaten und dem Euro-Ausland
c. Lösungsansätze in Bezugnahme der Theorie optimaler Währungsräume
III. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht, ob der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands eine destabilisierende Belastung für die Eurozone darstellt, indem sie die Europäische Währungsunion anhand der Theorie optimaler Währungsräume von Robert Mundell analysiert und bewertet.
- Theoretische Grundlagen optimaler Währungsräume (Faktormobilität, Lohnflexibilität).
- Analyse der Eignung der Eurozone als optimaler Währungsraum.
- Bewertung der Kosten-Nutzen-Relation für die Mitgliedsstaaten der EWU.
- Einfluss der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse auf die Euro-Krise.
- Diskussion möglicher Lösungsansätze für innereuropäische Ungleichgewichte.
Auszug aus dem Buch
II. Betrachtung unter Anwendung der Theorie optimaler Währungsräume
Die Theorie optimaler Währungsräume, auch optimum currency area theory (OCA), beschäftigt sich mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen es sinnvoll ist, zwischen unterschiedlichen Ländern von unterschiedlichen Währungen – oder auch flexiblen Wechselkursen – abzusehen und eine gemeinsame Währung einzuführen bzw. feste Wechselkurse festzulegen. Robert Mundell sah in der von ihm herausgegebenen Theorie vor allem Faktormobilität bzw. Mobilität der Arbeitskräfte als Voraussetzung für das Funktionieren von Währungsräumen. In seinem Zwei-Länder-Modell, Handel zwischen Land A mit produzierendem Gut A und Land B mit produzierendem Gut B, beschrieb er die Wirkungen von asymmetrischen Schocks. Diese asymmetrischen Schocks stellen Nachfrageverschiebungen dar, die nicht alle Länder in einer Währungsunion gleich betreffen. So führt Nachfrageverschiebung von Gut A zu Gut B zu steigender Arbeitslosigkeit in Land A und einer Erhöhung des Preisniveaus in Land B. Da bestimmte geldpolitische Instrumente bei gemeinsamer Währung nicht getrennt angewandt werden können (z.B. Wechselkurspolitik), sieht er hier hohe Faktormobilität als entscheidendes Kriterium für das erfolgreiche Abfedern des asymmetrischen Schocks. Über Zuwanderung der (nun) Arbeitslosen aus Land A zu Land B, demzufolge erhöhter Produktion von Gut B in Land B, sinkt die Arbeitslosigkeit in Land A und das Preisniveau in Land B stabilisiert sich.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Lohnflexibilität. Durch Rückgang der Reallöhne in Land A und Steigerung der Reallöhne in Land B kommt es zu einem Angebotsrückgang in Land B und einer Steigerung des Angebots in Land A. Dies führt als Konsequenz zum ursprünglichen Produktionsniveau zurück. Durch hohes Maß an (schneller) Lohnflexibilität von Ländern in einem Währungsraum ist eine Abfederung von asymmetrischen Schocks dadurch möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet die internationale Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss und stellt die Forschungsfrage, ob dieser für die Stabilität der Eurozone gefährlich ist.
II. Betrachtung unter Anwendung der Theorie optimaler Währungsräume: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Kriterien für Währungsräume und wendet diese kritisch auf die heterogene Wirtschaftsstruktur der EWU an.
III. Fazit und Ausblick: Das Kapitel resümiert, dass die Eurozone zwar kein vollkommener Währungsraum ist, aber durch Strukturreformen eine Stabilisierung und ein Abbau der Ungleichgewichte möglich erscheint.
Schlüsselwörter
Leistungsbilanzüberschuss, Eurozone, optimale Währungsräume, Faktormobilität, EWU, Außenhandel, Handelsintegration, Finanzkrise, Strukturreformen, Geldpolitik, Wettbewerbsfähigkeit, Lohnflexibilität, Kapitalmobilität, fiskalischer Föderalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des hohen deutschen Leistungsbilanzüberschusses auf die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Währungsunion.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Theorie optimaler Währungsräume, die Analyse der Wirtschaftsstrukturen in der Eurozone sowie die Debatte um Exportstärken und Binnennachfrage.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Autorin bzw. der Autor fragt, ob die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse eine destabilisierende Belastung für die Eurozone darstellen und ob die Währungsunion die Kriterien eines optimalen Währungsraums erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Theorie optimaler Währungsräume von Robert Mundell als analytischen Rahmen, um die ökonomischen Zusammenhänge innerhalb der Eurozone zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit untersucht?
Der Hauptteil prüft die Kriterien Faktormobilität, Lohnflexibilität, Kapitalmobilität und Offenheit in der Eurozone und diskutiert aktuelle politische Lösungsansätze.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch für die Analyse?
Wesentliche Begriffe sind Leistungsbilanzungleichgewichte, asymmetrische Schocks, fiskalischer Föderalismus und Handelsintegration.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Euro für Deutschland?
Die Einführung des Euro wird als Faktor gesehen, der den deutschen Außenhandel massiv begünstigt hat, was jedoch gleichzeitig zu einer gewissen Abhängigkeit und zu Spannungen mit Defizitländern führte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit in Bezug auf zukünftige Reformen?
Es wird geschlussfolgert, dass durch Strukturreformen in den Krisenländern und eine stärkere wirtschaftliche Angleichung die Vorteile der Währungsunion in Zukunft die Kosten überwiegen können.
- Citar trabajo
- Hendrik Naujoks (Autor), 2015, Der Leistungsbilanzüberschuss von Deutschland. Eine Belastung für die Eurozone?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374790