Die vorliegende Seminararbeit soll folgenden wissenschaftlichen Leitfragen nachgehen: Wie genau lässt sich der Begriff Konsum definieren? Wie lässt sich der Konsum beziehungsweise das Konsumverhalten aus volks- und kulturwissenschaftlicher Sicht in den Kontext der Sowjetunion einbinden? Inwiefern lässt sich die volkswirtschaftliche Lage in der Sowjetunion im Zeitraum 1917-1989 in Epochen unterteilen und wie unterscheiden sich diese in ihrer Entwicklung voneinander? Wie stellt sich die Rolle der Frau in der Sowjetunion im genannten Zeitraum dar und wie lassen sich vor diesem Hintergrund Konsum und Gender einordnen? Im Vordergrund soll zudem die sowjetische Tragikomödie Služebnyj roman von Ėl’dar Aleksandrovič Rjazanov und Ėmil’ Beniaminovič Braginskij aus dem Jahr 1977 stehen. Anhand ausgewählter relevanter Filmszenen soll eine Gegenüberstellung mit dem Forschungsstand der in der vorliegenden Seminararbeit verwendeten Literatur erfolgen, die die Arbeit abrundet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Epoche des Kalten Krieges in der Sowjetunion
2.1 Kurzer historischer Überblick
2.2 Die 1970er Jahre und der Fünfjahresplan
3 Sowjetischer Konsum
3.1 Definition des Begriffs Konsum
3.2 Konsumideologie
3.2.1 Staat und Konsum in der Zentralverwaltungswirtschaft
3.2.2 Luxus im Sozialismus
4 Konsum und Gender
4.1 Definition des Begriffs Gender
4.2 Konsum und Geschlechterverhältnisse
4.3 Die Rolle der Frau in der Sowjetunion
5 Der Film Služebnyj roman (1977)
5.1 Handlung des Films
5.2 Vorstellung relevanter Schlüsselszenen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Konsumkultur, Geschlechterrollen und politischen Strukturen in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1989. Dabei wird analysiert, wie sich das Konsumverhalten im Zeitverlauf entwickelte und inwieweit dieses durch ideologische Vorgaben sowie die gesellschaftliche Stellung der Frau beeinflusst wurde, wobei der Film "Služebnyj roman" als zentrale Fallstudie dient.
- Historische Entwicklung des sowjetischen Konsumverhaltens
- Wechselwirkung zwischen Konsumideologie und Geschlechterrollen
- Die ökonomische Lage und der Fünfjahresplan in den 1970er Jahren
- Analyse von Geschlechterbildern und Frauenemanzipation im Stalinismus
- Filmanalyse als Spiegelbild sowjetischer Konsumkultur
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition des Begriffs Konsum
Der Begriff „Konsum“ (lat. consumere) war über eine lange Zeit wissenschaftlich nicht beziehungsweise schwer definierbar. Im Allgemeinen ist mit Konsum oder Konsumieren „das Kaufen, das Gebrauchen und Verbrauchen/Verzehren von Waren“ gemeint. Hinzu kommen die damit im Zusammenhang stehenden Diskurse, Emotionen, Beziehungen, Rituale und Formen der Geselligkeit und Vergesellschaftung. Dabei konzentriert sich die Konsumforschung traditionell auf ausgewählte Bereiche wie Produktgestaltung, Angebot, Vertrieb und Verkauf sowohl von (verderblichen und langlebigen) Gütern als auch von auf dem Markt verfügbaren Dienstleistungen.
Von Relevanz sind hierbei in erster Linie die Zugänglichkeit bestimmter Güter, die Motive, Entscheidungen und Ziele des Kaufens, die Bedeutung des Habens und Verbrauchens bzw. Benutzens der Waren, die Orte, wo der Verbrauch stattfindet, die zeitliche Strukturierung, die Erfüllung von physischen, emotionalen, kulturellen und sozialen Bedürfnissen sowie letztendlich auch die Diskurse über den Konsum als solchen. Das Forschungsfeld des Konsums beziehungsweise der Konsumgeschichte wirkte lange Zeit in seiner Themenmenge eingegrenzt und für den Wissenschaftler überschaubar, zumal sich in vergangener Zeit vornehmlich Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen dem Thema annahmen, was andere wissenschaftliche Disziplinen weitgehend ausschloss. Siegrist stellt fest, dass sich die Konsumforschung heutzutage insofern verändert hat, als dass mehrere verschiedene wissenschaftliche Disziplinen aufeinander treffen und es ermöglichen, den Konsum aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und ständig neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Forschungslandschaft zum sowjetischen Konsum und definiert die Leitfragen hinsichtlich der Konsumdefinition, wirtschaftlicher Epochen und der Rolle der Frau.
2 Die Epoche des Kalten Krieges in der Sowjetunion: Dieses Kapitel bietet einen historischen Überblick und analysiert den Einfluss politischer Maßnahmen wie den Fünfjahresplan auf die Volkswirtschaft und das Konsumverhalten.
3 Sowjetischer Konsum: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Konsumbegriffs sowie eine detaillierte Analyse der sowjetischen Konsumideologie und deren Wandel in vier Phasen.
4 Konsum und Gender: Dieses Kapitel verknüpft Konsumfragen mit sozialen Geschlechterkonstruktionen und untersucht die paradoxe Rolle der Frau im sowjetischen Gesellschaftssystem.
5 Der Film Služebnyj roman (1977): Anhand der sowjetischen Tragikomödie werden konkrete Schlüsselszenen analysiert, die als visuelle Belege für das Konsumverhalten und Geschlechterrollen in den 1970er Jahren dienen.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über den Einfluss politischer und ökonomischer Strukturen auf den Konsum und die Rollenbilder der Frau.
Schlüsselwörter
Sowjetunion, Konsumkultur, Konsumideologie, Geschlechterrollen, Frauenemanzipation, Fünfjahresplan, Kalter Krieg, Služebnyj roman, Lebensstandard, Materialismus, Sozialismus, Wirtschaftsgeschichte, Ideologie, Konsumverhalten, Filmgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Konsumverhalten, den politischen Strukturen und den sich wandelnden Geschlechterrollen in der Sowjetunion im Zeitraum von 1917 bis 1989.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition und Entwicklung des sowjetischen Konsums, die Rolle der Frau in der sowjetischen Gesellschaft sowie die Verknüpfung dieser soziologischen Aspekte mit politischer Ideologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Begriff Konsum im sowjetischen Kontext zu definieren und zu analysieren, wie sich die volkswirtschaftliche Lage und die Frauenrolle im genannten Zeitraum gegenseitig beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert historische und soziologische Literaturanalysen mit einer detaillierten Analyse von Filmszenen als Fallbeispielen für den sowjetischen Alltag.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Epochen des Kalten Krieges, eine theoretische Untersuchung der Konsumideologie, eine geschlechtertheoretische Betrachtung der Frauenrolle und eine filmische Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Sowjetunion, Konsumkultur, Gender, Konsumideologie, Fünfjahresplan und Služebnyj roman.
Wie unterscheidet Gurova die Epochen der sowjetischen Konsumentwicklung?
Die Soziologin Ol’ga Gurova unterteilt den Zeitraum in vier Phasen: Askese/Kritik (1917-1929), Aufwertung materieller Güter (1930-1949), Ablehnung westlicher Imitation (1950-1969) und Dematerialisierung (ab 1970).
Welche Rolle spielt die Figur der Ljudmila Prokof’evna Kalugina im Film?
Kalugina dient als zentrales Fallbeispiel, da ihr optischer Wandel im Film exemplarisch den gesellschaftlichen Druck auf Frauen und den Wandel der Konsumhaltung verdeutlicht.
Warum wird die Rolle der sowjetischen Frau oft als paradox bezeichnet?
Die Paradoxie resultiert daraus, dass Frauen einerseits zur Berufstätigkeit und Industriearbeit angehalten wurden, andererseits jedoch in ein traditionelles Familienbild mit alleiniger Verantwortung für Kindererziehung eingebunden waren.
- Arbeit zitieren
- Michal Perlinski (Autor:in), 2014, Konsum und Gender in der Sowjetunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375231