Diese Arbeit wird zeigen, dass die Rastafari-Bewegung eine Gegenbewegung zur kolonialen symbolischen Ordnung darstellt. Dreadtalk und das livity Konzept sind wesentliche Bestandteile der Philosophie und werden Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs.
Die Manifestation von Rastafari-Konzepten, die Unterdrückungsstrukturen dekonstruieren, in und durch Sprache, verändern das Bewusstsein und die Selbstwahrnehmung. Einige dieser Konzepte und Begriffe werden vorgestellt.
Anschließend wird die Bedeutung von Reggae-Musik und Dub Poetry im Kontext der Sprachlichkeit vorgestellt und danach in Dub Poetry und Reggae-Songs gezeigt, wie diese sprachlichen Konzepte und Wortschöpfungen funktionieren und angewendet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische Perspektive
2. Dekonstruktion der Sprache – Die Konzepte der Bewegung
2.1. Rastafari als Gegenphilosophie
3.2. Iyaric und Dreadtalk: Morphologie
2.2. Iyaric und Dreadtalk: Morphologie
2.3. Metaphern, Konzepte und Symbole
2.4. Word, Sound and Power: Reggae und dub poetry
3. Reggae-Songs und dub poems
4. Sprache der Revolution und Veränderung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung als dekoloniales Projekt und analysiert, wie durch die bewusste Schaffung einer eigenen Sprache (Iyaric/Dread Talk) und die Nutzung von Symbolen innerhalb von Reggae und Dub Poetry koloniale Unterdrückungsstrukturen dekonstruiert und eine neue Identität sowie ein Widerstandsbewusstsein artikuliert werden.
- Die historische Genese und die Rastafari-Ideologie als Gegenphilosophie
- Morphologie und Funktion von Iyaric und Dread Talk als Sprache des Widerstands
- Die Rolle von Metaphern, Symbolen (z. B. Babylon, Löwe) und biblischen Referenzen
- Die Verbindung von Wort, Klang und Macht in Dub Poetry und Reggae-Musik
- Analyse der performativen Kraft von Texten zur Dekolonisierung und Bewusstseinsbildung
Auszug aus dem Buch
2.4. Word, Sound and Power: Reggae und dub poetry
Wichtig für das Verständnis von Rastafari Sprache ist die Beziehung von „word, sound and power“. Wie bereits postuliert wurde, manifestiert sich Dekolonialität in den Sprechakten der Rastafari durch verschiedene Metaphern und Konzepte, die Machtstrukturen offenlegen und subvertieren sollen, sowie Iyaric, das durch Wortspiele und Aussprache den Klang der Sprache abwandelt und sich somit von anderen Sprachen abheben soll. Dabei wird auf den Klang besonderen Wert gelegt, was ihn ebenfalls zu einem dekolonialen Instrument macht, was als Überwindung eines Logozentrismus gesehen werden kann. Deshalb ist Dread Talk auch eine gewisse Musikalität zu eigen, wie es sich auch in der Form von dub poetry manifestiert, die eine spezielle Form des Ausdrucks darstellt, um die „Stimme des Volkes“ zu reflektieren.
Dub poetry ist deshalb „word, sound and power“, wie es ihre Poeten bezeichnen. Diese Form der Lyrik ist nicht eine reine Textform, sondern spielt, ganz wie das Iyaric, mit dem Antagonismus des Wortes als Text und des Wortes als Geräusch. Dub poetry bewegt sich als Genre damit zwischen der Literatur und Musik. Sie wird nicht nur in verschiedenen Graden tonal oder rhythmisch vorgetragen, sondern auch a capella, mit Playback oder Band musikalisch begleitet, sodass die Grenzen zwischen Lied und Gedicht verschwimmen. Dub poetry ist deshalb auch meistens performativ. Doch dub poetry wird nicht nur live vorgeführt, es wird auch über Radio, Fernsehen, Internet und im Film verbreitet. Einige dub Künstler schreiben auch Bücher. Als Hybrid von Musik und Literatur, verbalem oder textlichem Medium ist es gleichzeitig ein Bindeglied zwischen der „schwarzen“ oralen und der „weißen“ literarischen Tradition.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historische Perspektive: Das Kapitel beleuchtet die koloniale Vergangenheit Jamaikas, die Unterdrückung der versklavten Bevölkerung und die Entstehung der Rastafari-Bewegung als synkretische Gegenbewegung gegen die koloniale Ordnung.
2. Dekonstruktion der Sprache – Die Konzepte der Bewegung: Dieses Kapitel analysiert die philosophischen Grundlagen der Rastafari-Ideologie, insbesondere die Umkehrung kolonialer Werteordnungen.
2.1. Rastafari als Gegenphilosophie: Hier wird Rastafari als eine "Kultur der Dekolonialität" vorgestellt, die durch eine eigene Theologie und Weltordnung die koloniale Hegemonie in Frage stellt.
3.2. Iyaric und Dreadtalk: Morphologie: Dieses Kapitel führt in die sprachliche Widerstandsform ein, die durch Neologismen und morphologische Wortspiele die Sprache der Unterdrücker dekonstruiert.
2.2. Iyaric und Dreadtalk: Morphologie: (Wiederholung/Ergänzung) Vertiefende Betrachtung der morphologischen Besonderheiten und der zentralen Bedeutung des „I“ als Morphem der Selbstidentifikation.
2.3. Metaphern, Konzepte und Symbole: Untersuchung der symbolischen Weltsicht der Rastafari, wobei Begriffe wie „Babylon“, der „Löwe“ und das Zeitverständnis der „Dread History“ im Zentrum stehen.
2.4. Word, Sound and Power: Reggae und dub poetry: Erläuterung, wie Rastafari-Ideologie durch die Verbindung von Sprache, Musik und Performativität (Dub Poetry/Reggae) eine dekoloniale Praxis bildet.
3. Reggae-Songs und dub poems: Praktische Analyse ausgewählter Lieder (z. B. von Bob Marley) und Gedichte (z. B. Mikey Smith), um die zuvor theoretisierten Konzepte in der Anwendung zu zeigen.
4. Sprache der Revolution und Veränderung: Abschließende Betrachtung zur Dynamik der Bewegung, ihrem Einfluss auf Geschlechterrollen und ihrer bleibenden Relevanz über den klassischen Reggae hinaus.
Schlüsselwörter
Rastafari, Dekolonialität, Dread Talk, Iyaric, Babylon, Widerstand, Reggae, Dub Poetry, Identität, Bob Marley, Sprache, Symbolik, Emanzipation, Postkolonialismus, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Rastafari-Bewegung als ein dekoloniales Projekt, das durch Sprache und kulturelle Praktiken gegen koloniale Unterdrückungsstrukturen Widerstand leistet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Ideologiebildung der Rastafari, die linguistische Dekonstruktion durch Iyaric und Dread Talk sowie die performative Umsetzung dieser Ideen in Reggae und Dub Poetry.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Rastafari-Anhänger durch die bewusste Transformation von Sprache und Symbolen ihre Identität neu konstruieren und sich aus der psychischen sowie sozialen Abhängigkeit von kolonialen Machtstrukturen befreien.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor nutzt eine kulturwissenschaftliche und linguistische Analyse, kombiniert mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation von Songtexten und Gedichten im Kontext der dekolonialen Theorie.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Konzepte der Bewegung, die morphologischen Eigenheiten der Rastafari-Sprache, die Symbolik (insb. "Babylon") sowie eine exemplarische Textanalyse von Liedern von Bob Marley und Dub-Gedichten von Künstlern wie Mikey Smith.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Rastafari, Dekolonialität, Dread Talk, Widerstand, Sprache und Identität charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Bibel in der Rastafari-Sprache und Ideologie?
Die Bibel dient als grundlegender Referenzrahmen, wird jedoch durch eine spezifische, afrozentristische Lesart neu interpretiert, um Identifikationsfiguren zu schaffen und koloniale Narrative zu dekonstruieren.
Warum wird in der Arbeit das Konzept des "I" (I-an-I) so detailliert erläutert?
Das Konzept ist zentral, da das "I" als Symbol der Identifikation fungiert, das das Individuum nicht egozentrisch isoliert, sondern als Teil eines kollektiven Widerstandsbewusstseins in die Gemeinschaft integriert.
Wie unterscheidet sich die Symbolik des Löwen von der der Spinne Ananacy?
Während die Spinne Ananacy für Überleben durch List steht, verkörpert der Löwe für die Rastafari-Bewegung Stärke, Würde, moralische Standhaftigkeit und einen aktiven Gestaltungswillen, um die Welt zu verändern.
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- Thomas Laschyk (Author), 2017, Sprache als Befreiungsakt: Die Funktion und Bedeutung von Iyaric und Dread Talk in der Rastafari-Bewegung als Ausdruck des Widerstands anhand von Dub Poetry und Reggae Songs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375274