Modifikation der Ausprägung von Morbus Crohn durch Aspekte der Ernährung


Hausarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Morbus Crohn
2.1 Ätiologie und Pathogenese
2.2 Klinik und Symptomatik
2.3 Diagnostik
2.4 Therapie

3. Einführung Ernährung als komplementäre Therapie
3.1 Mikrobiom als Ausgangspunkt ernährungsbasierter Therapie
3.2 Präbiotika / Ballaststoffe
3.3 Probiotika / Fermentierte Lebensmittel
3.4 Omega-3-Fettsäuren

4. Einschätzung und potentieller Kombinationsansatz

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.: 1 Dreidimensionale Beziehung zwischen Mikrobiom, IEC und Mukosa-assoziiertem Immunsystem

Abb.: 2 Transmurale Entzündung der Mukosa

Abb.: 3 Effekte metabolisierter Ballaststoffe

Abb.: 4 Symptomveränderung in Abhängigkeit des Fettgehalts der Milchprodukte

1. Einleitung

Die zunehmende Adaption der weltweiten Ernährungsgewohnheiten an die westliche Kultur korreliert mit der steigenden Inzidenz chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen umfassen ein Spektrum an gastrointestinalen Dysfunktionen, deren häufigste Phänotypen Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (CU) darstellen (Ferguson, 2015). Im Folgenden wird Morbus Crohn detaillierter vorgestellt.

Im Anschluss widmet sich diese Arbeit den Fragen: Inwiefern wirken sich Ernährungsaspekte positiv auf die Ausprägung von Morbus Crohn aus? Kann Ernährung als potentieller Therapieansatz dienen?

2. Morbus Crohn

Morbus Crohn liegt ein chronisch-entzündlicher Prozess zugrunde, charakterisiert durch eine diskontinuierliche, transmurale Entzündung der Darmwandschichten mit potentieller Lokalisation im gesamten Gastrointestinaltrakt (GIT) (Peter, 2009, S. 3; Stange, 2004, S. 45). In Deutschland tritt Morbus Crohn mit einer Inzidenz von 6,6 pro 100.000 Einwohner auf (Preiß et al., 2014, S. 1431). In den letzten Jahrzehnten ist ein Anstieg in der Ausbreitung auf Industrie- und Schwellenländer zu verzeichnen – Gebiete, in denen Morbus Crohn traditionell nicht existent war (Chan et al., 2015; Buderus et al., 2015, S. 121). Das erste Auftreten manifestiert sich in der Regel in den ersten zwei Jahrzehnten des Lebens mit einem medianen Erkrankungsalter von 33 Jahren (Preiß et al., 2014, S. 1431). Die Erstmanifestation ist häufig in der Ileozökalregion (terminales Ileum) lokalisiert, einhergehend mit den Kardinalsymptomen Diarrhö und abdominalem Schmerz im Unterbauch (Kasper et al., 2015, S. 1953). Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine rezidivierende Erkrankung, die ein Leben lang anhält und bis Heute nicht kurativ behandelt werden kann.

2.1 Ätiologie und Pathogenese

Zum jetzigen Zeitpunkt sind Ätiologie und Pathogenese von Morbus Crohn noch weitgehend ungeklärt. Aufgrund der weltweit steigenden Häufigkeit und des vermehrten Auftretens in pädiatrischen Bevölkerungsgruppen ist der Krankheitsursprung von klinischer Bedeutsamkeit. Die heterogene Ausprägung der Erkrankung lässt Rückschlüsse auf eine multifaktorielle Ursachenkombination zu (Sartor & Mazmanian, 2012). Neben einer familiär bedingten, polymorphen, genetischen Prädisposition werden mittlerweile auch zahlreiche Umwelteinflüsse als potentiell auslösende Faktoren von Morbus Crohn herangezogen. Während Rauchen, Antibiotika-Exposition und Störungen im Mukosa-assoziierten Immunsystem schon länger zu den möglichen Ursachen gezählt werden (Stange, 2004, S. 16; Spitzbart, 2015), wird nach neusten Erkenntnissen der Ernährung und dem dadurch beeinflussten, individuellen Mikrobiom eine große Rolle in der Pathogenese von Morbus Crohn zugeschrieben (Kasper et al., 2015, S. 1949). Der Ursprung der Erkrankung wird derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine individuelle genetische Prädisposition zurückgeführt, welche die Entwicklung einer Dysbiose des Darm-Mikrobioms fördert. Die daraus resultierende gesteigerte Darmwandpermeabilität lässt eine vermehrte epitheliale Aufnahme von nahrungsassoziierten Antigenen zu, was eine überschießende Immunreaktion begünstigen kann (Abb. 1) (Stange, 2004; Devkota & Chang, 2015). Da das Verhältnis von vorhandenen Bakterienstämmen im Darm bei Patienten mit Morbus Crohn strukturell verändert ist, liegt ein diätetischer Ansatz zur komplementären Therapierung nahe. Eine ernährungsinduzierte Manipulation des Mikrobioms, die in der Konsequenz zu einer Reduktion der Inflammation führen kann, gilt es zu eruieren (Olendzski et al., 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Dysregulation der dreidimensionalen Beziehung zwischen Mikrobiom, epithelialer Barriere (IEC) und Mukosa-assoziiertem Immunsystem, beeinflusst durch genetische und umweltbedingte Prädisposition, führen im Zusammenspiel zur chronischen Entzündung (Kasper et al., 2015, S.1948).

2.2 Klinik und Symptomatik

Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung, die sich bei 50-60% der Betroffenen durch ein periodisches Auftreten von akuten Schüben und Phasen der Remission äußert – (rezidivierend) (Peter, 2009, S. 4). Eine Generalisierung der Symptomatik ist bei der Betrachtung von Morbus Crohn nicht möglich. Basierend auf der polymorphen genetischen Grundlage, gepaart mit individuellen Anhäufungen verschiedener Umwelteinflüsse, kann sich Morbus Crohn bei jedem Individuum unterschiedlich manifestieren. Zu bemerken ist der Zusammenhang zwischen dem am häufigsten vom entzündlichen Prozess befallenen terminalen Ileum und den auf epidemiologischen Studien basierenden Kardinalsymptomen und Initialsymptomen. Ein chronisch wiederkehrender Schmerz im rechten, unteren Quadranten des Abdomens, gepaart mit langanhaltenden Diarrhöen, stellt die Basis der häufigsten, stark die Lebensqualität restringierenden Symptome dar (Kasper et al., 2015). Auch Krämpfe, leichtes Fieber sowie Fatigue (allgemeines Schwächegefühl) werden in vielen Fällen bei der Erstmanifestation wahrgenommen (CCFA, 2015). Im Gegensatz zur oberflächlichen Entzündung bei Colitis ulcerosa begünstigt der transmurale entzündliche Befall der Darmwand, von der Mukosa bis zur Muscularis propria (Berdel et al., 2004, S. 1219), das Auftreten verschiedener Komplikationen bei Morbus Crohn: Fistelbildung, Stenosen, Granulome (Abb. 2) (Stallmach, 2005; Kasper et al., 2015). Neben augenscheinlich mit der Erkrankung in Verbindung zu bringenden Symptomen kann sich Morbus Crohn bereits zu Beginn des Krankheitsverlaufes extraintestinal in Form von Athralgien, Dermatosen und Konjunktivitis äußern (Stange, 2004; Spitzbart, 2015; Kasper et al., 2015). Unter Berücksichtigung sekundärer Konsequenzen wie Gewichtsverlust und Malabsorption ist die individuelle Belastung durch die Symptome stark abhängig vom Schweregrad der Darmentzündung und dem Befallsmuster (Lokalisation) im GIT (Hoffmann et al., 2009, S. 68).

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird die Möglichkeit der Symptomlinderung durch Ernährungsbestandteile aufgezeigt. Dabei wird primär auf die Minderung der Leitsymptome Bezug genommen.

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Abb. 2.: Transmurale Entzündung akuter und chronischer Ausprägung und Granulom-Bildung. (Kasper et al., 2015, S. 1952)

2.3 Diagnostik

Diagnostik und Therapie stehen in einem engen Zusammenhang in der Behandlung von Morbus Crohn. Während die Diagnostik in den letzten Jahrzehnten maßgeblich auf der Auswertung des klinischen Bildes (Anamnese), Endoskopien und bildgebenden Verfahren basierte, setzt die Medizin in den letzten Jahren vermehrt auf die Auswertung serologischer und fäkaler Marker (Stange, 2004; Peter, 2009). Calprotectin, welches zu einem hohen Prozentsatz in neutrophilen Granulozyten enthalten ist, kann als maßgeblicher Indikator für die Aktivität der Entzündung dienen (Kangowski, 2012). Dies ermöglicht eine frühzeitige Identifikation akuter Schübe und eine nicht-invasive Überwachung der Inflammation, ebenso wie eine Adaption verschiedener ernährungsbasierter Therapieoptionen an individuelle, pharmakokinetische Parameter (Stein, 2012).

2.4 Therapie

Die Ziele einer Behandlung von Morbus Crohn sind die Induktion der Remission, deren Verlängerung sowie die Reduktion der Entzündung bei gleichzeitiger Verminderung der Corticoid-Gabe und eine allgemeine Verbesserung der Lebensqualität und Langzeitprognose (Olendzski et al., 2014). Eine Heilung der Erkrankung ist derzeit weder durch medikamentöse noch durch chirurgische Interventionen zu erreichen. Der klinische Endpunkt wird aufgrund dessen als langanhaltende Remission definiert (Adler, 2013; Ferguson, 2015).

Grundsätzlich gilt es, zwischen der Therapie eines aktiven Schubes und der Therapie zur Remissionserhaltung zu unterscheiden. Der erste Therapieschritt basiert in der Regel auf der Gabe von anti-inflammatorischen Medikamenten aus der Gruppe der 5-Aminosalicylaten (5-ASA). Diese Therapie ist aufgrund ihrer hohen Anzahl an Nebenwirkungen bei steigender Dosis nur begrenzt effektiv (Ferguson, 2015; Kasper et al., 2015, S. 1959). Neben Corticosteroiden zur Suppression des Immunsystems werden vermehrt Biologika verwendet. Der Wirkmechanismus basiert auf der Inhibition des Tumor-Nekrose-Faktors Alpha (TNF-a) (Walters et al., 2014). Durch die Suppression der zum Immunsystem gehörigen Proteine können Patienten, die auf eine Biologikatherapie ansprechen, häufig eine gesteigerte Lebensqualität verzeichnen (Kasper et al., 2015). Dennoch ist zu bemerken, dass die Entzündungsreaktion ein wesentlicher Bestandteil der endogenen Infektionsabwehr ist und eine exogen herbeigeführte Langzeitunterdrückung zu weitreichenden sekundären Erkrankungen führen kann (Ferguson, 2015). Auch durch chirurgische Eingriffe kann bislang keine anhaltende Remission bei Morbus Crohn Patienten erzielt werden, weshalb sie nur im Falle von Komplikationen Anwendung finden (Rogler, 2012).

Die Übersicht über die angewandten Therapien verdeutlicht die Notwendigkeit eines Therapieansatzes, der mit minimalen Nebenwirkungen hohe Verbesserungsraten für die Lebensqualität der Patienten birgt. Diverse Studien konnten bereits einen positiven Effekt der Ernährung auf die Homöostase der symbiotischen Flora nachweisen (Thorburn et al., 2014; Olendzki et al., 2014). Daraus ergibt sich die Überlegung, dass eine Modulation der Diät bei MC-Patienten sowohl einen Einfluss auf akute Entzündungsschübe als auch Verbesserungen im symptomfreien Intervall verspricht (Müller, 2008).

Im Folgenden wird näher auf den Einfluss von Ernährung, intestinalen Bakterien und primären Metaboliten auf das darmassoziierte Immunsystem eingegangen. Modulationsoptionen in der Ernährung von Patienten, die zur Reduktion der Inflammation und deren Begleitsymptomen beitragen können, werden aufgezeigt.

3. Einführung Ernährung als komplementäre Therapie

Aufgrund der engen alltäglichen Verknüpfung der Symptomatik von Morbus Crohn mit den Ernährungsgewohnheiten der Patienten entsteht in vielen Fällen die Annahme, dass Ernährung sowohl als auslösender Faktor als auch als heilender Faktor der Krankheit zu verstehen ist. In der Praxis ist diese Annahme nicht zu bestätigen. Zwar sind gewisse Teilaspekte der Ernährung in der Lage, während des entzündlichen Prozesses im Darm zu intervenieren, dennoch konnte der Ernährung bis heute noch keine heilende Wirkung bei Morbus Crohn zugeschrieben werden. Trotz alledem sollte der Ernährung eine besondere Gewichtung in der Therapie von Morbus Crohn geschenkt werden. Eine angepasste Ernährung und ihre Wirkung auf die Symptome diagnostizieren eine bessere Heilung der chronischen Inflammation. (CCFA, 2015)

Bei der Betrachtung dieses Themenkomplexes ist zu beachten, dass Nährstoffe nicht bei allen Betroffenen gesundheitsfördernde Effekte entwickeln. Es besteht eine grundsätzliche Abhängigkeit von genetischen, epigenetischen und phänotypischen Charakteristika, die die Wirksamkeit der vorgestellten Modulationen individuell beeinflussen (Ferguson, 2015).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Modifikation der Ausprägung von Morbus Crohn durch Aspekte der Ernährung
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin  (Clinical Research)
Veranstaltung
Medizin III
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V375332
ISBN (eBook)
9783668544857
ISBN (Buch)
9783668544864
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Morbus Crohn - Ernährung - Forschung
Arbeit zitieren
Tamina Pfeiffer (Autor), 2016, Modifikation der Ausprägung von Morbus Crohn durch Aspekte der Ernährung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375332

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