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Die Bedeutung der Biographie für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen. Der Auftrag von gesetzlichen Erziehungshilfen

"In meinem Leben zeigt sich meine Persönlichkeit"

Título: Die Bedeutung der Biographie für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen. Der Auftrag von gesetzlichen Erziehungshilfen

Tesis (Bachelor) , 2016 , 76 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Jan Walter (Autor)

Trabajo social
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Die Hilfen zur Erziehung haben als Teil des Jugendhilfesystems in Deutschland den Auftrag, die Entwicklung junger Menschen zu einer „eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ zu fördern (§ 1 Abs. 1 Sozialgesetzbuch VIII). Für die Umsetzung dieses Auftrages benötigt das sozialpädagogische Handeln eine theoretische Grundlage. In der Arbeit wird herausgearbeitet, dass sich Persönlichkeitsentwicklung über die Entwicklung von Identität vollzieht. Identität wiederum wird durch biographische Erfahrungen strukturiert.

Besonders angesichts einer von Entgrenzung und Fragmentierung gekennzeichneten spätmodernen Gesellschaft und oftmals belastender Lebensverläufe brauchen junge Menschen ein Grundgefühl des Vertrauens, um in der Auseinandersetzung mit ihren biographischen Erfahrungen ihre Identität zu entwickeln. Anhand identitätstheoretischer und salutogenetischer Erkenntnisse ergeben sich Folgerungen, wie Erziehungshilfen einen ,Erfahrungsraum‘ gestalten können, der das Vertrauen der jungen Menschen in sich, andere Menschen und in die Zukunft stärkt. Aus einem biographietheoretischen Verständnis heraus ist der Begriff der pädagogischen Intervention somit kaum geeignet, um das Wesen des Auftrags der Erziehungshilfen zu erfassen. Vielmehr ist es für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen entscheidend, ihre biographische Eigentätigkeit zu unterstützen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kinder und Jugendliche in den Erziehungshilfen

2.1 Der gesetzliche Auftrag der Hilfe zur Erziehung

2.2 Handlungsfelder der Erziehungshilfen

2.3 Lebenslagen der Kinder und Jugendlichen in den Erziehungshilfen

3 Der gesetzliche Auftrag der Erziehungshilfen als Ausgangspunkt der theoretischen Betrachtung

3.1 Begriffsbestimmung zum Verständnis von ,Persönlichkeit‘

3.1.1 Das Selbst

3.1.2 Identität

3.2 Begriffsbestimmung zum Verständnis von ,Entwicklung‘

3.2.1 Sozialisation

3.2.2 Biographie

4 Rahmentheorie der Erziehungshilfen

4.1 Selbstbildung am ,pädagogischen Ort‘

4.2 Biographieorientierung in der Jugendhilfe

5 Bedingungen des Aufwachsens

5.1 Entwicklungspsychologische Herausforderungen im Jugendalter

5.1.1 Körperliche Veränderungen

5.1.2 Kognitive Fähigkeiten

5.1.3 Emotionale Entwicklung

5.2 Allgemeine gesellschaftliche Bedingungen

5.2.1 Spätmoderne und Individualisierung – Optionen und Risiken der Lebensgestaltung

5.2.2 Stationen, Institutionen und Übergänge im Lebenslauf

5.3 Kritische Lebensereignisse als besondere Anforderungen in den Lebensverläufen von Kindern und Jugendlichen

5.4 Biographische Strukturierung von Erfahrungen

6 Identitätsentwicklung

6.1 Biographische Identität

6.1.1 ,Biographischer Erfahrungscode‘ nach Peter Alheit

6.1.2 ,Biographizität‘ als zentrale Fähigkeit für die Identitätsbildung

6.2 Vertrauen als Grundbedingung für die Identitätsentwicklung am ,pädagogischen Ort‘

6.2.1 Das angesammelte Vertrauen aus Entwicklungserfahrungen – Erik H. Erikson

6.2.2 Sich selbst mit den Augen der anderen sehen – George H. Mead

6.2.3 Die Bedeutung der Anerkennung – Charles Taylor

6.2.4 Vertrauen in das Leben – das Kohärenzgefühl bei Aaron Antonovsky

6.3 Zusammenfassung

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Biographie für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen, um den pädagogischen Auftrag der Erziehungshilfen – die Förderung einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit – theoretisch fundiert zu erfassen und praktisch weiterzuentwickeln.

  • Bedeutung von Biographie und Identität für die Persönlichkeitsentwicklung
  • Sozialisationstheoretische Fundierung des Auftrags der Erziehungshilfen
  • Bedingungen des Aufwachsens in der spätmodernen Gesellschaft
  • Identitätsentwicklung als aktiver biographischer Konstruktionsprozess
  • Die Rolle von Vertrauen und Erfahrungsräumen im pädagogischen Handeln

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Anerkennung – Charles Taylor

Die Bedeutung der Anerkennung wird besonders von dem kanadischen Sozialphilosophen Charles Taylor herausgestellt. Taylor knüpft an Mead an (vgl. Abels 2006, S. 368), wenn er darauf verweist, dass Identität sich durch einen „teils offenen, teils inneren Dialog mit anderen“ entwickelt, also wesentlich von den „dialogischen Beziehungen zu anderen“ abhängt (Taylor 2012, S. 21).

„Auf der Ebene persönlicher Beziehungen läßt sich beobachten, wie nachdrücklich Identität auf die Anerkennung signifikanter Anderer angewiesen ist und wie verletzlich sie ist, sofern ihr Anerkennung vorenthalten bleibt“ (ebd., S. 23).

Taylor macht deutlich, dass Nicht-Anerkennung, Abwertung und Erniedrigung dazu führen kann, dass Menschen sich dieses ihnen von anderen vermittelte Bild zu eigen machen und es sich damit auf die Prägung ihrer Identität auswirkt.

„Nicht-Anerkennung oder Verkennung des anderen […] kann […] schmerzhafte Wunden hinterlassen, sie kann ihren Opfern einen lähmenden Selbsthaß aufbürden. Anerkennung ist nicht bloß ein Ausdruck von Höflichkeit, den wir den Menschen schuldig sind. Das Verlangen nach Anerkennung ist vielmehr ein menschliches Grundbedürfnis“ (ebd., S. 14).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das Thema der biographischen Identitätsentwicklung im Kontext des gesetzlichen Auftrags der Erziehungshilfe.

2 Kinder und Jugendliche in den Erziehungshilfen: Überblick über den gesetzlichen Auftrag, die Strukturen der Hilfen zur Erziehung und die Lebenslagen der betroffenen Familien.

3 Der gesetzliche Auftrag der Erziehungshilfen als Ausgangspunkt der theoretischen Betrachtung: Theoretische Klärung der Grundbegriffe Persönlichkeit, Selbst, Identität und Entwicklung auf Basis der Sozialisationstheorie.

4 Rahmentheorie der Erziehungshilfen: Verortung des pädagogischen Handelns im Rahmen der Sozialisationstheorie und Konzeptualisierung als Ortshandeln.

5 Bedingungen des Aufwachsens: Analyse der entwicklungspsychologischen Herausforderungen und gesamtgesellschaftlichen Bedingungen, die den Identitätsbildungsprozess beeinflussen.

6 Identitätsentwicklung: Vertiefung der biographischen Identität und der zentralen Rolle von Vertrauen sowie Anerkennung für die Bildungsfähigkeit des jungen Menschen.

7 Fazit: Zusammenfassende Schlussfolgerungen für eine biographieorientierte pädagogische Praxis in den Erziehungshilfen.

Schlüsselwörter

Biographie, Identitätsentwicklung, Erziehungshilfen, Sozialisationstheorie, Persönlichkeitsentwicklung, Lebenslauf, Selbstkonzept, Biographizität, Anerkennung, Vertrauen, Kohärenzgefühl, Salutogenese, Pädagogisches Handeln, Jugendhilfe, Subjektperspektive

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie biographische Erfahrungen die Identitätsentwicklung von Jugendlichen prägen und wie Erziehungshilfen diesen Prozess unterstützen können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Identitätstheorie, Biographiearbeit, Sozialisationstheorie, die Rolle von Vertrauen und die Bedeutung gesellschaftlicher Bedingungen für das Aufwachsen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den gesetzlichen Auftrag der Erziehungshilfen zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung theoretisch durch eine biographietheoretische Linse neu zu fassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung sozialwissenschaftlicher Fachliteratur und einschlägiger Theorien basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen von Persönlichkeit und Entwicklung, die Bedingungen des Aufwachsens sowie die Prozesse der Identitätsbildung durch biographische Arbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Identitätsentwicklung, Biographie, Erziehungshilfen, Sozialisation und Biographizität.

Warum ist das Konzept des "pädagogischen Ortes" wichtig?

Der pädagogische Ort ist nach Michael Winkler kein reiner physischer Ort, sondern ein Erfahrungsraum, der Schutz und Sicherheit bietet und so Selbstbildungsprozesse erst ermöglicht.

Welche Bedeutung hat das Vertrauen in der Arbeit?

Vertrauen ist die fundamentale Grundbedingung, damit Jugendliche ihre Fähigkeiten der Biographizität entfalten und ihre Lebenswelt aktiv gestalten können.

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Detalles

Título
Die Bedeutung der Biographie für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen. Der Auftrag von gesetzlichen Erziehungshilfen
Subtítulo
"In meinem Leben zeigt sich meine Persönlichkeit"
Universidad
University of Applied Sciences Landshut
Calificación
1,0
Autor
Jan Walter (Autor)
Año de publicación
2016
Páginas
76
No. de catálogo
V375342
ISBN (Ebook)
9783668518537
ISBN (Libro)
9783668518544
Idioma
Alemán
Etiqueta
Persönlichkeit Biographie Identität Jugendliche Erziehungshilfen Jugendhilfe Salutogenese Jugendhilferecht Sozialisation Selbstbildung Spätmoderne Postmoderne Individualisierung Lebensgestaltung Lebensereignisse Trauma Erfahrung Biographische Identität Biografizität Alheit Erikson Antonovsky Mead Taylor Sozialgesetzbuch Lebenslage Lebenslauf Lebensverlauf Lebensereignis Entwicklung Kindeswohlgefährdung Vertrauen Anerkennung Kohärenzgefühl Verstehbarkeit Sinnhaftigkeit Handhabbarkeit Benachteilung Ungleichheit Ressourcen Lebensgeschichte Lebenswelt Identitätsentwicklung Selbstbild Selbstkonzept Weltbild Lebensverhältnisse Hilfeplan Eigensinn Gesellschaft Schule Adoleszenz Pubertät Erziehung Aufwachsen Bewältigung Biografie
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Jan Walter (Autor), 2016, Die Bedeutung der Biographie für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen. Der Auftrag von gesetzlichen Erziehungshilfen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375342
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