"Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Matthäus 10, 34
Diese ungewöhnlichen, im ersten Moment vielleicht erschreckenden Worte Jesu passen so gar nicht in unser Bild von Jesus Christus als Friedensstifter und Messias, der seine Nachfolger mit dem sogenannten Doppelgebot der Liebe zur Hingabe gegenüber ihren Nächsten herausforderte und der selbst nicht als Täter, sondern Opfer einer Gewalttat in die Geschichte einging.
Wie sind diese im Matthäusevangelium überlieferten Worte Jesu also zu verstehen? Doch nicht etwa als Aufforderung zum eschatologischen Krieg oder zur Gewalt gegenüber Ungläubigen?! Im Kontext seiner Aussagen über Verfolgung der Jünger sollen diese vermeintlich kampflustigen Sätze Jesu untersucht werden. Nach einer knappen Einführung in die literarische Gattung der Evangelien wird eine historische Einordnung des Textes unternommen. Darauf folgt eine ausführliche Textanalyse, die schließlich die Grundlage für die Textauslegung darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Literarischer Zusammenhang und literarische Gattung
1.2 Historische Einordnung des Textes
1.2.1 Situationsanalyse
1.2.1.1 Verfasser
1.2.1.2 Ort und Zeit der Abfassung
1.2.1.3 Empfänger
1.2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
1.2.2.1 Politische, religiöse und soziale Verhältnisse zur Zeit Jesu
1.2.2.2 Politische und religiöse Verhältnisse zur Zeit der Abfassung
2 Textanalyse
2.1 Synchrone Analyse
2.1.1 Analyse des Textzusammenhangs
2.1.1.1 Kontext und Abgrenzung
2.1.1.2 Konkrete Entstehungssituation
2.1.2 Textinterne Analysen – Sprachliche Untersuchungen
2.1.2.1 Wortstudien
2.1.2.1 Grammatische Analyse
2.1.3 Analyse auf Textebene
2.1.3.1 Einheitlichkeit und Struktur
2.1.3.2 Analyse im Hinblick auf Stil, Rhetorik und Narration
2.2 Diachrone Analyse
2.2.1 Synoptischer Vergleich
2.2.2 Religions- und traditionsgeschichtlicher Vergleich und literarische Analyse
3 Gesamtinterpretation
3.1 Textauslegung
3.2 Theologischer Ertrag
3.3 Beitrag zur gesamtbiblischen Theologie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Vers Matthäus 10, 34 exegtisch zu untersuchen und dabei die vermeintliche Spannung zwischen Jesu Friedensbotschaft und der Ankündigung des Schwertes aufzulösen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern diese Worte Jesu als Aufforderung zur Gewalt missverstanden werden könnten und wie sie stattdessen im Kontext der damaligen Verfolgungssituation der Jünger zu interpretieren sind.
- Literarische und historische Einordnung des Matthäus-Evangeliums
- Synchrone und diachrone Analyse von Matthäus 10, 34
- Sprachliche Untersuchung der Schlüsselbegriffe Frieden und Schwert
- Kontextualisierung der Aussage im Rahmen der jüdischen Erwartungshaltung und der frühchristlichen Verfolgung
- Theologischer Ertrag und Bedeutung für die gesamtbiblische Theologie
Auszug aus dem Buch
3.1 Textauslegung
Mt. 10, 34: Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Sind diese Worte Jesu nun als Aufforderung zum eschatologischen Krieg oder zur Gewalt gegenüber Ungläubigen zu verstehen?! Aus den bisherigen Untersuchungsergebnissen kann man ein klares Fazit ziehen: Nein! Diese vermeintlich kampflustigen Sätze Jesu stehen im Kontext seiner Aussagen über Verfolgung der Jünger – sowohl in den vorausgehenden wie auch in den nachfolgenden Versen geht es um Kampf gegen die Jünger, nicht um einen Krieg der Jünger gegen Ungläubige (vgl. 2.1.1.1). Auch die Tatsache, dass Jesus das Schwert zwar bringt, es aber an keiner Stelle an die Jünger weitergibt, spricht dafür.58 Jesus fordert die jüdischen Zuhörer (vgl. 1.2.1.3; 2.1.1.2) mit diesem Vers also keinesfalls zur Gewalt auf, sondern zeigt ihnen vielmehr – ganz im Gegensatz zu deren Erwartungshaltung gegenüber dem Messias (vgl. 2.1.1.2; 2.2.2) – mit welchen Gefahren und Konsequenzen sie rechnen müssen, wenn sie ihm nachfolgen: Feindschaft und Trennung von Gegnern Jesu, Verfolgung und gegebenenfalls sogar Märtyrertum – kurz das Schwert (vgl. 2.1.2.1).
Diese Aufspaltung der Welt in Menschen, die Jesus annehmen und in jene, die es nicht tun, ist einer der wesentlichen Bestandteile von Jesu Wirken, was durch die Worte „Ich bin gekommen“ deutlich wird (vgl. 2.1.2.2; 2.1.3.2).59 Die Formulierung „auf die Erde“ zeigt, dass es sich bei dem Frieden, den Jesu Nachfolger nicht erwarten dürfen, nicht um einen inneren Frieden mit Gott handelt (vgl. Joh. 14, 27), sondern um äußerliche friedliche Umstände (Eintracht, Ruhe vor Verfolgung – vgl. 2.1.2.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Dieses Kapitel erläutert den literarischen Kontext des Matthäus-Evangeliums, dessen Verfasserschaft, Datierung und die zeitgeschichtliche Situation zur Zeit Jesu sowie bei Abfassung des Textes.
2 Textanalyse: Hier erfolgt eine detaillierte synchrone Analyse des Textzusammenhangs, ergänzt durch sprachliche Untersuchungen der Schlüsselwörter und eine diachrone Betrachtung durch einen synoptischen Vergleich.
3 Gesamtinterpretation: Das Kapitel bietet eine abschließende Auslegung von Matthäus 10, 34, arbeitet den theologischen Ertrag heraus und ordnet die Aussage in den Kontext der gesamtbiblischen Theologie ein.
Schlüsselwörter
Matthäus 10, 34, Exegese, Jesus Christus, Frieden, Schwert, Synoptiker, Nachfolge, Verfolgung, Judentum, Messias, Entzweiung, Märtyrertum, Biblische Theologie, Friedensreich, Konflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Analyse des Verses Matthäus 10, 34, in dem Jesus sagt, er sei nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die literarische Gattung des Evangeliums, historische Kontextualisierung, sprachliche Analyse der griechischen Begriffe sowie die theologische Interpretation der Leidensnachfolge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Missverständnis aufzuklären, als handele es sich bei diesem Vers um eine Aufforderung Jesu zur Gewalt, und stattdessen die Bedeutung im Rahmen der frühchristlichen Verfolgung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die exegetische Methode, bestehend aus synchroner Textanalyse (Kontext, Grammatik, Stil) sowie diachroner Analyse (synoptischer und traditionsgeschichtlicher Vergleich).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Kontext der Aussendungsrede, die Bedeutung der Begriffe νομίζω, εἰρήνη und μάχαιρα sowie die strukturelle und rhetorische Gestaltung des Verses intensiv untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Matthäus 10, 34, Nachfolge, Verfolgung, Frieden, Schwert und die jüdische Messias-Erwartung.
Warum betont die Autorin, dass Jesus das Schwert nicht an die Jünger weitergibt?
Dies dient als Argument dafür, dass die Aussage keine Aufforderung zur aktiven Gewaltanwendung durch die Jünger darstellt, sondern vielmehr die leidvolle Konsequenz der Nachfolge beschreibt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung des Friedens im Text von anderen biblischen Stellen?
Der Text stellt klar, dass es im Vers nicht um den inneren Frieden mit Gott geht, sondern um die Erwartung äußerer irdischer Eintracht, die durch die Botschaft Jesu gerade in Frage gestellt wird.
- Citation du texte
- Marina Hauth (Auteur), 2014, Exegese zu Matthäus 10, 34, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375406