Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der Trinität anhand von Jürgen Moltmanns "Trinität und Reich Gottes"


Hausarbeit, 2015

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1 Relevanz des Themas: Folgen für das Verständnis von Leiterschaft und
Gemeindestrukturen ... 1
2 Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der Trinität ... 1
2.1 Definition und Abgrenzung der Fragestellung... 1
2.2 Jürgen Moltmanns Ansatz in "Trinität und Reich Gottes" ... 2
2.2.1 Grundzüge der sozialen Trinitätslehre Moltmanns ... 2
2.2.2 Ablehnung einer monarchischen Trinität ... 3
2.3 Kritische Auseinandersetzung ... 5
2.3.1 Biblischer Befund ... 5
2.3.2 Interpretation ... 7
3 Konsequenzen für Gemeindestrukturen ... 8
4 Literaturverzeichnis ... II

1
1.
Relevanz des Themas: Folgen für das Verständnis
von Leiterschaft und Gemeindestrukturen
So manch einer mag meinen, die Frage danach, ob es innerhalb der Trinität so etwas
wie eine Rangfolge oder ein leitendes Subjekt gebe, sei von nebensächlicher Bedeu-
tung, was den Glaubens- und Gemeindealltag anbelangt, und sehr praxisfern.
Doch dieser erste Eindruck täuscht gewaltig: Hinter dieser Fragestellung steckt im
Grunde das Bedürfnis, herauszufinden, ob es sich bei hierarchischer Leiterschaft um
ein göttliches Prinzip, das deshalb selbst bei den innertrinitarischen Beziehungen
vorzufinden ist, handelt oder vielmehr um rein menschliche Strukturen, welche für
unser irdisches Zusammenleben notwendig oder - aus eben diesem Grund - nicht
wünschenswert sind. Antworten auf diese Problematik beeinflussen nun nicht nur
persönliche Beziehungen und das eigene Gottesbild, sondern sind auch für die Ekk-
lesiologie entscheidend: In welcher Weise sollen christliche Gemeinden geleitet
werden ­ monarchisch oder kollegial? Mit welcher Form der Kirchenleitung kommt
man dem Wunsch Gottes für seine Kirche näher?
Die Relevanz dieser Thematik ist bei den heutigen Diskussionen um die richtige
Form von Leiterschaft kaum zu übersehen. Während viele junge Kirchen ihre ,,Er-
folgsstrategie" in einer starken, monarchischen Leiterschaft sehen, warnen andere
massiv vor autoritären Strukturen und plädieren für presbyteriale oder synodale Ord-
nungen ­ die Überzeugungen scheinen immer weiter auseinander zu gehen. Um
mehr Verständnis über diese Entwicklungen zu bekommen und Gottes Wesen besser
zu verstehen, sollen also im Folgenden die innertrinitarischen Beziehungen auf eine
mögliche hierarchische Struktur hin untersucht werden.
2.
Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der
Trinität
2.1
Definition und Abgrenzung der Fragestellung
In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass die Lehre der Trinität kor-
rekt ist und nicht erneut überprüft. Ich lege die Aussage des trinitarischen Dogmas
(325/381) darüber, dass ,,Vater, Sohn und Geist ... in ihrer Göttlichkeit einander
gleich" sind (Wesenseinheit), zugrunde und hinterfrage weder die Gottheit Jesu noch

2
die Gottheit des Heiligen Geistes.
1
Alle drei sind also Gott, weshalb die Lehre des
Subordinatianismus gleich zu Beginn abgelehnt werden muss. Laut dieser Position,
welche jedoch schon im 4. Jahrhundert während des trinitarischen Streits verworfen
wurde,
2
ist ,,Gott im eigentlichen Sinn der Vater; der Sohn und der Geist sind ­ ob
als übergeschöpfliche oder als ersterschaffene Wesenheiten zu verstehen ­ jedenfalls
Gott untergeordnete Größen, die nur im sekundären Sinn an göttlichem Wesen teil-
haben".
3
Es muss also festgehalten werden, dass die Frage in keinem Fall lautet, ob Jesus und
der Heilige Geist Gott untergeordnet sind, sondern vielmehr, ob sich Jesus und der
Heilige Geist innerhalb der göttlichen Wesenseinheit dem Vater unterordnen.
Diese Arbeit setzt somit ein trinitarisches Gottesbild, bei dem Vater, Sohn und Heili-
ger Geist ihrem Wesen nach ganz Gott sind, voraus. Die Problemstellung zielt darauf
ab, zu überprüfen, inwiefern innerhalb dieser ewigen, trinitarischen Liebesbeziehung
eine Leitung beziehungsweise Rangfolge existiert.
2.2
Jürgen Moltmanns Ansatz in ,,Trinität und Reich Got-
tes"
2.2.1
Grundzüge der sozialen Trinitätslehre Moltmanns
4
Moltmann versucht in seinem Werk ,,Trinität und Reich Gottes" eine geschichtliche,
auf das Kreuz zentrierte Lehre von der Trinität aufzuzeigen, beginnend mit der Ge-
schichte Jesu Christi.
5
Entscheidend für seine Vorgehensweise ist, dass er nicht
grundsätzlich von einer Einheit Gottes als homogene Substanz, wie wir es bei Aquin
und Augustin finden können,
6
oder aber als identisches Subjekt (Hegel)
7
ausgeht.
Diese Betrachtungsweisen, kommend aus einem zuerst mittelalterlichem, dann neu-
zeitlichem Denken, führen Moltmann zufolge lediglich zur von ihm unerwünschten
1
LEONHARDT, R. (2009), S. 225.
2
Vgl. JOEST, W. / VON LÜPKE, J. (2010), S. 292 f.; HAUSSCHILD, W. (2000), S. 28.
3
JOEST, W. / VON LÜPKE, J. (2010), S. 292.
4
Vgl. für diesen Abschnitt ­ wenn nicht anders angegeben ­ MOLTMANN, J. (1980), S. 34 f.
5
Vgl. PÖHLMANN, H. (2002), S. 145.
6
Vgl. für weitere Informationen über den Ansatz der homogenen Substanz MOLTMANN, J. (1980),
S. 26-28, 32.
7
Vgl. für weitere Informationen über den Ansatz des identischen Subjekts ebd., S. 28-31, 33.

3
,,Auflösung der Trinitätslehre in abstrakten Monotheismus".
8
Stattdessen interessiert
er sich zuerst für die Dreiheit Gottes und erst dann für die Einheit, die er sehr viel
mehr als Einigkeit der Dreiheit beschreiben würde. Indem er die Gemeinschaftsbe-
ziehungen der Drei betont und deren Verschiedenheit innerhalb der Trinität beson-
ders wertschätzt, entfaltet er eine sogenannte ,,Soziale Trinitätslehre".
2.2.2
Ablehnung eines monarchischen Gottesbildes
Ein wesentliches Merkmal dieser sozialen Trinitätslehre ist die Ablehnung eines au-
toritären, monarchischen Gottesbildes.
9
Moltmanns grundsätzliches Bild wird von
der Offenbarung eines dreieinigen Gottes durch die biblische Geschichte hinweg
bestimmt ­ ihm zufolge ist sie nicht Werk eines einzigen Subjekts, sondern handelt
schon im Neuen Testament von den trinitarischen Beziehungen des Vaters, Sohnes
und Heiligen Geistes. Dieses trinitarische Gottesverständnis, das er als Kernstück des
Christentums sieht, wird seiner Meinung nach stets davon bedroht, zugunsten des
Monotheismus aufgelöst zu werden. So sei Trinität nur sozial, das heißt ohne eine
monarchische Struktur oder Rangfolge, denkbar, da die Folge sonst in letzter Konse-
quenz eine Auflösung derselben und Rückgang auf ein rein monotheistischen Chris-
tentum wäre. Dieses widerspricht in Moltmanns Augen jedoch dem Zeugnis des
Neuen Testamentes und ist deshalb unbedingt zu vermeiden.
10
Anstelle eines von Herrschaft und Unterordnung geprägten Reiches sieht er dort
vielmehr ein von der liebevollen Vaterschaft Gottes bestimmtes Reich Gottes ver-
kündigt. Er lehnt den monotheistischen Herrschafts-Gedanken eines Subjekts ab, da
auch das Reich Gottes weniger durch eine monarchische Struktur als durch die Be-
ziehung Gottes als Vater zu seinem gekreuzigten Sohn definiert werde. Moltmann
folgert: ,,In diesem Reich wird nicht nach Gehorsam und Unterordnung, sondern
nach Liebe und freier Teilnahme gefragt."
11
Damit lehnt er nicht nur den christlich-monotheistischen Gedanken in seiner Extrem-
form des Subordinatianismus ab.
12
Auch bei Tertullian, eine der entscheidenden Per-
8
Ebd., S. 33.
9
Vgl. PÖHLMANN, H. (2002), S. 146.
10
Vgl. MOLTMANN, J. (1980), S. 79 f.
11
Ebd., S. 86.
12
Vgl. ebd. S. 149.
Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der Trinität anhand von Jürgen Moltmanns "Trinität und Reich Gottes"
Hochschule
New Covenant International University
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V375408
ISBN (eBook)
9783668528871
ISBN (Buch)
9783668528888
Dateigröße
918 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hierarchie, Trinität, Rangfolge, Moltmann, soziale Trinitätslehre, monarchische Trinität, Systematische Theologie
Arbeit zitieren
Marina Hauth (Autor), 2015, Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der Trinität anhand von Jürgen Moltmanns "Trinität und Reich Gottes", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375408

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Frage nach einer Rangfolge innerhalb der Trinität anhand von Jürgen Moltmanns "Trinität und Reich Gottes"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden